10. Mainzer Museumsnacht: Durch die Nacht mit der Eule

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Die Mainzer Museumsnacht ist ja längst zu einer lieb gewordenen Institution geworden, umso trauriger war es, dass die Mainzer 2014 auf sie verzichten mussten. Nun ist die Museumsnacht wieder da, feiert 10. Geburtstag, und muss sich an allerlei Neuerungen gewöhnen: Weniger Institutionen, mehr bildende Kunst – und ein neues Wappentier: Die Nachteule führt fürderhin die Besucher durch die lange Nacht der Mainzer Museen.

Logo Mainzer Museumsnacht

Eule und Mond, das neue Logo der Mainzer Museumsnacht – Foto: gik

„Die Eule ist Symbol für die Nacht – sie sieht nachts ganz ausgezeichnet und hört ganz ausgezeichnet“, sagt Michael Schmitz, und der muss es wissen, ist der gute Mann doch Direktor des Naturkundemuseums in Mainz. Klarer Fall, dass der Naturkundler zur Pressekonferenz zur Museumsnacht gleich eine ganze Reihe Eulen mitgebracht hatte – sie wohnen schließlich in seinem Haus.

Nachtaktive, weise Eule neues Symbol der Museumsnacht

Die nachtaktive Eule also fliegt die Besucher künftig durch die Mainzer Museumsnacht, ein wahrhaft passendes Symbol, zu dem uns allerhand einfällt: Die Eule war etwa bei den antiken Griechen das Wappentier Athens, was daher rührt, dass Athen natürlich nach der Göttin Athene benannt war – und die war die Göttin des Wissens und der Weisheit.

Die Eule wurde also zum Symboltier für das Wissen, weswegen sie wiederum bei Harry Potter zum perfekten Begleittier des jungen Zauberers wurde – für die Jungen unter uns steht Harry Potters Schneeeule Hedwig für Klugheit und rasend schnelle Briefbeförderung. „Die Eule weiß alles“, befand deshalb der Mainzer Kulturreferent Jan-Sebastian Kittel, Projektleiter der Museumsnacht. Das gilt zumindest für die Nacht der Museen, bei dessen neuem Logo die Eule aus dem Mond fliegt – oder über den Mond fliegt? Nun ja.

Cadoro in Hechtsheim außen hoch

Moderne Kunst in der Galerie Cadoro im Hechtsheimer Gewerbegebiet – Foto: gik

39 Institutionen und mehr bildende Kunst

Tatsache ist: Zu ihrem 10. Geburtstag wurde die 2004 ins Leben gerufene Museumsnacht abgespeckt. Nur noch 39 Einrichtungen machen mit statt vorher weit über 50. Das sei dem natürlichen Schwund junger Kunsteinrichtungen geschuldet, sagte Kittel, rausgeschmissen habe man jedenfalls keinen. So soll die Museumsnacht also kompakter daherkommen – und sie legt einen neuen Schwerpunkt auf die bildende Kunst. Da ist das Atelier Delhi im Luups in der Leibnizstraße mit Objektkunst zu Gast, im Atelier Hafenstraße gibt’s Fotografie, Zeichnungen, Licht-Raum-Installation und einen Kammersprechchor.

Der Kunstverein Eisenturm öffnet seine Pforten, eine Reihe spannender Ateliers auch – und in Hechtsheim könnt ihr bei offenen Türen durch die Cadoro schlendern. Das gigantische Galerie-Projekt im Hechtsheimer Gewerbegebiet der Mainzer Galeristin Dorothea van der Koelen lässt mit seinem Bau ebenso staunen wie mit der modernen Kunst darinnen. Ebenfalls an den Rändern der Innenstadt liegt die Alte Patrone, in der sich wieder verschiedene Künstler präsentieren.

Stadthistorisches Museum mit Jazz, Kunststudenten zu Night before Dark

Und wenn Ihr schon an den Rändern weilt, dann vergesst bloß nicht das Stadthistorische Museum auf der Zitdelle: Dort gibt’s zur neuen Ausstellung „Es ist bald wieder gut…?“ über die Nachkriegszeit in Mainz Führungen, einen Film über Mainz in den 1950er Jahren, sowie Salonmusik aus der Vor- und Nachkriegszeit – und ab 23.00 Uhr Jazz.

In der Kunsthochschule am Taubertsbergbad widmen sich die Kunststudenten dem Thema Nacht – wie passend 😉 Night before Dark geht den Fragen nach, warum der Sonnenuntergang die Nacht nicht mehr einläutet, die ja auch nicht mehr lichtlos ist – und so autark und entfesselt zum eigenen Akteur wird. Klingt spannend.

Pengland gleich dreimal, pad, Uah! und Theaterhandwerk

Neues Zuhause: Peng 7.0 in der Schule - Foto: gik

Das Pengland in der Peter-Jordan-Schule – Foto: gik

Apropos: Das Pengland ist in der Nacht gleich an drei Standorten vertreten: In seinem Zuhause in der Peter-Jordan-Schule auf dem Hartenberg natürlich, dazu aber auch im Allianzhaus an der Großen Bleiche mit einem Pop-up Peng, einer multi-medialen Ausstellung. Peng Nummer drei findet im Biergarten Planke Nord auf der Nordmole des Zollhafens mit dem Peng KUNSTcontainer „Pandora“ statt. So viel zur Absicht, die Museumsnacht räumlich mehr zu konzentrieren 😉

Im Zentrum von Mainz gibt es aber natürlich auch Allerlei: pad – das Performance Art Depot in der Neustadt, die Walpodenakademie, der Werkstattladen Uah!, das Zentrum Baukultur, und, und, und. Neu dabei ist eine Ausstellung in der Handwerkskammer am Südbahnhof unter dem Titel „Handwerk macht Theater“. Gezeigt werden Kostüme, Musikinstrumente und Bühnenausstattungen des Staatstheaters – mit den passenden Meistern und Meisterinnen dazu.

Ritter, Reformation, Forscher und das Museum der Zukunft

In den großen Museen der Stadt ist aber natürlich auch wieder einiges geboten. Im Gutenberg-Museum geht’s um Reformation, Mode und Bibel, im Landesmuseum herrscht Ritterzeit bei der Ausstellung über einen Akteur der Reformationszeit, Franz von Sickingen – die Ausstellung wird am 20. Mai eröffnet. Wenn Ihr das Verfassungsfest am 18. Mai verpasst habt, solltet Ihr noch mal im Landtag vorbeischauen – es ist wahrscheinlich die letzte Gelegenheit vor dem Umbau, was Ihr hier nachlesen könnt.

Landtag RLP bei Nacht beim RLP Open Air

Noch mal den alten Landtag sehen – Foto: gik

Im Römisch-Germanischen Zentralmuseum nebenan geht’s auch um Zukunftsfragen: „Wie sieht Euer Traummuseum aus?“ fragt das Museum vor seinem Umzug in einigen Jahren an den Südbahnhof seine künftigen Kunden, die Kinder. Hier gibt’s auch ein Improvisationstheater „Musenkuss nach Ladenschluss“, und es geht um Forscher und Forscherleben. Das wiederum passt gut zum naturhistorischen Museum: Hier wird der Forscher Alexander von Humboldt in den Fokus gerückt, ein echter Tausendsassa in allen Gebieten – früher nannte man das einen Universalgelehrten 😉 Kinder können alle Länder kennen lernen, die von Humboldt besucht hat – und das sind viele! Es gibt mexikanisch-peruanische Musik und Cocktails, mit und ohne Alkohol.

Sechs neue Museumsrouten, Shuttle-Busse und freier Eintritt bis 15 Jahre

Eulen im Naturkundemuseum mit Direktor Schmitz

So weit die Eule fliegt: im Naturkundemuseum mit Direktor Schmitz – Foto: gik

Wer jetzt ob der Vielfalt den Überblick verloren hat: Erstmals werden bei der Museumsnacht sechs verschiende Museumsrouten angeboten. „Groß undbekannt“ führt Euch zu den fünf großen Mainzer Museen, zu dem noch das Dommuseum und das Museum für Antike Schifffahrt gehören. „Typisch Meenzerisch“ führt zu Stätten, die sich besonders der Geschichte der Stadt widmen – Fastnachtsmuseum inklusive. „Klein und kunstvoll“, „Jung und Neu“, „Spielerisch und Kreativ“ sind weitere drei Routen – und schließlich führt „Historisch und Einmalig“ zu den römischen Stätten in Mainz – einschließlich eines Ausflugs über den Rhein ins Museum Castellum in Mainz-Kastel.

Gut, dass es wieder die Shuttlebusse der Ringlinien 80 und 81 gibt! Die Busse fahren im 15-Minuten-Takt alle Institutionen ab, die Kosten sind im Eintrittspreis von 10,- Euro inklusive. Das gilt auch für den kompletten ÖPNV, auch ins rheinhessische Hinterland. Ein besonderes Angebot: Für Kinder bis 15 Jahre ist der Eintritt zur Museumsnacht frei! Allerdings könnt Ihr diese Bändchen dann tatsächlich erst in der Nacht selbst erstehen – die Veranstalter wollen die Kids persönlich begutachten. Eine Ermäßigung von 5,- Euro gilt für Schüler, Studierende, Schwerbehinderte und die üblichen Verdächtigen 😉

Billig ist das nicht unbedingt, teuer aber auch nicht – Mainz liegt mit dem Preis im oberen Mittelfeld. Doch auch so gibt die Stadt einen Zuschuss von 8.000 Euro. Schade: Die Museumsnachts-App gibt es leider nicht mehr. Die Abschlussparty steigt dann ab 1.00 Uhr im Café 7 Grad im Zollhafen mit DJ Slash alias Nidal Abu-Shama, dem neuen Betreiber des 7 Grad – und einem der bekanntesten DJs der Mainzer Clubszene. Da tanzen die Nachteulen dann bis in den Morgen.

Info& auf Mainz&: 10. Mainzer Museumsnacht am Samstag, den 30. Mai von 18.00 Uhr bis 1.00 Uhr. Eintritt pauschal 10,- Euro, ermäßigt 5,- Euro, Kinder bis 15 Jahre frei. Alle Informationen und auch das Programm zum Download findet Ihr hier. Der Vorverkauf hat bereits begonnen.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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