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Tagesarchive: 11. August 2017

GWC&: Rotweinlust in der Nase und Architektur, um die Sterne zu erreichen – Weingut Pauser in Flonheim

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Sie machte Schlagzeilen als Weinkönigin Rheinhessens und gleich danach mit ihren ausdrucksstarken Rotweinen: Eva Pauser aus Flonheim ist eine der herausragenden Jungwinzerinnen Rheinhessens. Für den Blog der Great Wine Capitals hat Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein die inzwischen 33 Jahre alte Mutter eines kleinen Pausers besucht und sich erneut verzaubern lassen von einer charmanten Gastgeberin, toller Architektur und natürlich den immer noch wunderbaren Rotweinen. Das Lesestück zum Wochenende für Euch!

Herzliche Gastgeberin, tolle Winzerin: Eva Pauser in ihrer Vinothek in Pauser’s Quartier in Flonheim, – Foto: gik

Weingläser und Snack stehen schon bereit, als ich in Pauser’s Vinothek in Flonheim im Herzen Rheinhessens eintreffe. Doch die Augen sind noch viel zu beschäftigt die Schönheit der Umgebung einzusaugen: Die großzügige Couchlandschaft unter dem leuchtend rot-grünen Gemälde, die warmen Holztöne der Theke, den Blick in den Barriquekeller und den anderen aus dem Fenster über die Weinberge Rheinhessens. „Schade, dass man Wein nicht streicheln kann…“ steht auf der Fassade des neuen Kellers. Nun, bei Pauser’s kommen sie dem ziemlich nahe.

„Der erste Architekt wollte uns Türmchen und Sprossenfenster verkaufen“, sagt Eva Pauser, und lacht, „ich wollte mehr das Schlichte, etwas Echtes, kein Schickimicki.“ Nun steht am Rande von Flonheim ein hochmodernes Ensemble von Gebäuden mit klaren Linien und Elementen mit verrostetem Stahl, einem modern-gemütlichen Innenleben und einem Weinkeller, der mit der Schwerkraft arbeitet. „Wir haben den Keller so gebaut, dass eine Frau in ihm arbeiten kann ohne große Kräfte einsetzen zu müssen“, sagt Eva. Pauser’s Quartier nennen sie es – und gewannen damit den Great Wine Capital Best of Wine Tourism Award 2017 in der Kategorie Architektur & Gärten.

Moderne Architektur gepaart mit Frauenpower: Eva Pauser vor der Vinothek in Pauser’s Quartier. – Foto: gik

 

„Das Weingut wurde eigentlich immer von Frauen geleitet“, erzählt Eva. Es ist eine dieser typischen Rheinhessen-Geschichten von Hidden Champions und bodenständigen Meistern. Großmutter Amanda Pauser war eine der ersten Winzerinnen der Region, in den 1960ern begann sie mit dem Flaschenwein-Direktverkauf. 1978 gehörte ihr Sohn Friedrich zu den Top-Ten-Winzern in Deutschland, wirklich bekannt ist das nicht.

„Er hat es nie nach außen getragen“, sagt Eva, „mit 16, 17 Jahren habe ich deshalb gesagt: Wir müssen Gas geben und das nach außen tragen.“ Und das hat sie: 2005 wurde Eva Weinkönigin von Rheinhessen, eine der ersten, die das Erscheinungsbild vom biederen Grüßmädchen zur modernen Weinfachfrau revolutionierte. „Ich wollte zeigen, dass ich nicht nur Dekoration bin, sondern auch was im Kopf habe“, sagt sie: „Ich habe lieber eine Stunde mehr an meiner Rede gearbeitet als vorm Spiegel zu stehen.“ Ihren eigenen Kopf – Eva Pauser hatte ihn immer schon.

Weinfamilie Pauser: Eva, Mutter Cornelia und Vater Friedrich Pauser im Weinkeller. – Foto: Pauser

Winzerin wollte sie werden, schon mit 16 Jahren, machte erst einmal eine Ausbildung als Industriekauffrau bei einer großen Kellerei in Bingen, danach ihren Weinbautechniker in Bad Kreuznach. Aber was ihr Leben änderte, war ein Arbeitstrip nach Kalifornien, ins Nappa Valley: „Ich kam als eine andere Eva zurück“, erzählt sie: „Viel selbstbewusster – und mit Rotweinlust in der Nase.“

Seitdem haben ihre Syrahs, Merlots und Cabernets Ruhm und Preise eingesammelt, obwohl doch den schweren Roten so gar keine Chancen in Rheinhessen eingeräumt wurden. „Das wächst hier nie“, sagten die Alten, Eva ließ sich nicht beirren. „Ich wusste, dass wir hier die Böden und das Klima dafür haben“, betont sie. Schwere Lehm-Löß-Verwitterungsböden mit Sandstein haben sie hier in Flonheim, dazu jede Menge Sonnenstunden. „Brottrocken“, sagt Eva.

Wein mit Stil: Pauser’s Quartier in Flonheim. – Foto: gik

Bodenständigkeit und Pioniergeist, hier haben sie beides. Vater Friedrich pflanzte Chardonnay und Sauvignon Blancs noch mit Ausnahmegenehmigung. Bis heute stehen Vater und Tochter gemeinsam im Keller – er für die Weißen, sie für die Roten. „Ich liebe das“, sagt Eva, „da kann uns nichts trennen.“ Das Wissen der Alten über Weinberge und Weinmachen, da höre sie immer ganz andächtig zu – um es dann mit modernen Ideen zu fusionieren.

Nun ist sie 33 Jahre alt und Mutter des kleinen Vincent – wo soll die Reise noch hingehen? „Zu den Sternen“, lacht Eva – und zeigt auf das Weinetikett. „Es wird weniger Gold geben auf den neuen Etiketten, und wir werden unsere Qualitätsstufen nach Sternen benennen.“ Capella, Vega and Sirius, den hellsten Stern für die höchste Stufe, kombiniert mit natürlichen Farben. „Wir arbeiten ja mit dem lieben Gott, unsere Werkstatt liegt unter freiem Himmel“, sagt Eva, „das passt.“ Himmel und Erde – bei Pauser’s in Flonheim haben sie ein Meeting.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Weingut Pauser findet Ihr hier im Internet. Wieso Mainz& über die Great Wine Capitals bloggt und was es mit den GWC-Awards auf sich hat, das könnt Ihr hier lesen. Infos zur Great Wine Capital Mainz sowie die Blog-Geschichten auf Deutsch hier entlang bitte! Wer die Original-Englischen-Geschichten lesen will – bitteschön, die gibt es hier auf dem offiziellen Great Wine Capitals Blog. Und hier könnt Ihr lesen, wie Mainz& den Blogger-Wettbewerb gewann – die Siegerreportage findet Ihr hier: Mit dem Oldtimerbus….

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Schule beginnt: LKA gibt Tipps für sicheren Schulweg – Schulwegpläne und gelbe Füße – Bloß kein Elterntaxi!

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Am Montag beginnt in Mainz das neue Schuljahr 2017/2018 und für viele Erstklässler ist es der Start in einen aufregenden, neuen Lebensabschnitt: Schulbeginn! Damit aber tummeln sich auf unseren Straßen auch Hunderte unerfahrene junge Verkehrsanfänger – der Schulweg kann da durchaus schon mal zum Risiko werden. Aber keine Angst: Es gibt gute Möglichkeiten, dem vorzubeugen. Den Schulweg unbedingt mit dem Kind trainieren, rät etwa das Landeskriminalamt: Sicheren Weg festlegen und die Kinder souverän im Umgang mit Straßenverkehr machen. Dann klappt das auch mit dem Schulweg ganz alleine – das Elterntaxi ist nämlich eine leider weit verbreitete Unsitte. Experten warnen: Kinder werden so zur Unselbstständigkeit erzogen – und leben damit viel gefährlicher.

Begleiten, trainieren, zutrauen – das rät das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz in Sachen Schulwegvorbereitung. Foto: LKA RLP

„Es gibt meist keinen Grund, Kinder morgens mit dem Auto in die Schule zu chauffieren“, sagt Claudia Neumann, Expertin für Spiel und Bewegung beim Deutschen Kinderhilfswerk. Das nämlich führe zu teils chaotischen Verkehrssituationen vor den Schulen: „Eltern, die ihr Kind bis vor das Schultor fahren, gefährden dabei oftmals andere Kinder“, warnt die Expertin. Hektisch geparkte Autos erzeugen nämlich gerade für Kinder unübersichtliche Situationen, zu Fuß gehende Schüler müssten sich nicht selten durch ein wahres Autolabyrinth drängen – das erhöht die Unfallgefahr enorm. „Viele Gefahren entstehen erst durch den Elternverkehr“, warnte die Mainzer Polizei schon 2014, „die Eltern tun ihren Kindern dadurch nichts Gutes.“

Laut einer Studie des ADAC 2014 ist das Elterntaxi sogar gefährlicher als der Schulweg zu Fuß: 2013 seien allein 10.363 Kinder unter 15 Jahren im Auto ihrer Eltern zu Schaden gekommen – deutlich mehr als Kinder, die zu Fuß unterwegs waren. Gleichzeitig gehe durch die regelmäßigen Hol- und Bringdienste die selbständige Mobilität von Schulkindern immer mehr verloren. „Den Kindern, die auf der Rückbank sitzen, wird das Erfolgserlebnis verwehrt, den Schulweg eigenständig bewältigen zu können“, sagt auch Neumann. Studien zeigten, dass es in der Entwicklungsphase der Kinder wichtig sei, selbstständig Entscheidungen zu treffen und positive Erfahrungen zu machen, sagt Michael von Focht von der Mainzer Polizei. Sein Sohn  laufe morgens „mit Stolz geschwellter Brust in die Schule – weil, man ist ja schon groß.“

Experten aller Couleur betonen nämlich vor allem eines: Sicher ist der Schulweg dann, wenn Kinder sich souverän im Straßenverkehr bewegen und den besten Weg zu ihrer Schule genau kennen. Das müsse gar nicht immer der allerkürzeste Weg sein, betont das LKA: Verkehrsreiche Kreuzungen, unübersichtliche Straßenabschnitte und andere Gefahrenpunkte sollten nach Möglichkeit nicht zum Schulweg gehören. Deshalb gilt: Unbedingt den Schulweg vorher testen und mit dem Kind mehrfach einüben! „Erklären und zeigen Sie Ihrem Kind, wie es sich beim Überqueren der Fahrbahn verhalten soll“, raten die Experten: „Tauschen Sie mal die Rollen: Lassen Sie sich von Ihrem Kind führen und auf richtiges Verkehrsverhalten aufmerksam machen.“

Aktion Bitte kein Elterntaxi 2014 im Polizeipräsidium Mainz. – Foto: gik

Die Stadt Mainz hat auf ihrer Homepage Schulwegpläne im interaktiven Stadtplan zum ansehen, natürlich geben auch die Schulen selbst Tipps dazu. In verschiedenen Stadtteilen gibt es dazu an verschiedenen Stellen gelbe Füße auf den Fußböden – in Bretzenheim startete gerade eine weitere Aktion dazu. Die gelben Füße markieren auf dem Boden geeignete Stellen, um die Straße zu überqueren, ein guter Hinweis für Kinder, wo sie gut über die Straße gehen können. Eine weitere gute Möglichkeit sind Laufgemeinschaften: „Kinder lernen, auf sich und andere aufzupassen, wenn sie allein oder in einer Gruppe zur Schule gehen“, sagt Marion Laube vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Etwas selbst bewältigen zu können stärke zudem die Eigenverantwortung und das Selbstbewusstsein – „und diese Souveränität hilft den Kindern auch in anderen Situationen“, sagt Laube.

Natürlich kann es Situationen geben, wo die Fahrt zur Schule nicht zu vermeiden ist – etwa, wenn es keinen Schulbus gibt – was in Mainz nicht der Fall sein dürfte – oder der Schulweg exorbitant lang ist. Dann raten VCD und das Deutsche Kinderhilfswerk Fahrgemeinschaften zu gründen, denn auch die trügen dazu bei, das Verkehrsaufkommen vor den Schulen erheblich zu mindern. Dabei können in einiger Entfernung zur Schule eine Elterntaxihaltestelle eingerichtet werden, so könnten die Kinder immerhin die letzten 300 bis 500 Meter gemeinsam zu Fuß gehen.

Eltern fahren vor allem auch dann Kinder zur Schule, weil sie Angst um deren Sicherheit haben, dem aber kann man auch ohne Auto auf die Sprünge helfen: Bei Dunkelheit, Dämmerung und schlechten Wetterverhältnissen helfen helle Kleidung und reflektierende Accessoires an Schuhen und Jacken sowie am Schulranzen. Außerdem rät die Polizei: Ein gesundes Frühstück und ein kleiner Zeitpuffer sorgen für die nötige Konzentrationsfähigkeit auf dem Schulweg. Schulleiter bestätigen: Kinder, die zu Fuß zur Schule kommen, sind tatsächlich meist ausgeglichener und können sich besser konzentrieren. Nun wisst Ihr Bescheid 😉

Info& auf Mainz&: Infos und Tipps zum sicheren Schulweg gibt es unter anderem beim VCD Deutschland auf dieser Internetweite. Ende September gibt es zudem bundesweite Aktionstage „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“, mehr dazu findet Ihr hier. Zu den Schulwegplänen der Stadt Mainz geht es hier auf der Homepage der Stadt. Unseren ausführlichen Bericht zu den Probleme mit dem Elterntaxi findet Ihr hier.

 

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