50 Jahre Mainzer Johannisnacht: Stadtfest zu Ehren Gutenbergs feiert Jubiläum – Vereine ziehen an die LU – Geschichten gesucht

Alles&, Drinnen & Draußen, Rathaus & andere Skandale 0 369

Vergangenes Jahr feierte Mainz ja seine 50. Johannisnacht, nun kann die Stadt schon wieder feiern: 50 Jahre Johannisnacht heißt das Jubiläum in diesem Jahr, das 1968 ins Leben gerufene Stadtfest darf in diesem Jahr den echten runden Geburtstag feiern. Viele Neuerungen gibt es nicht: die Johannisnacht ist auch so schon eine runde Sache. Ein paar Neuerungen gibt es aber trotzdem: Die Vereine ziehen von dem zugigen Rathausplateau an einen neuen Standort auf der Ludwigsstraße um, auf dem Rathausplateau bespielt nun KUZunterwegs die Bühne – und die Stadt hat harten Rock und Metal weitgehend von der Hauptbühne verbannt. Man wolle Familienfreundlicher werden und den Anwohnern entgegen kommen, hieß es.

Buchdrucker-Gautschen und Feiermeile bei der Johannisnacht in Mainz. – Foto: gik

Die Mainzer Johannisnacht wurde 1968 vom damaligen Bürgermeister Karl Delorme (SPD) erfunden, ins Leben gerufen im 500. Todesjahr von Johannes Gutenberg. Der Buchdruckerfinder und berühmteste Sohn der Stadt sollte damit geehrt werden – das ist gelungen: Die Mainzer Johannisnacht ist nicht nur eines der größten Volksfeste am Rhein, sie schafft es auch, mit ihrer ungeheuren Vielfalt an Elementen Feiern und Kultur, Genuss, Lachen und Philosophisch-Kritisches ist geradezu einmaliger Weise zu verbinden.

77 Musik- und Kleinkunst-Acts, 24 mal Hommage an Gutenberg

Im Jahr des 550. Todestags von Johannes Gutenberg wolle man die Verbindung zu Kunst und Kultur noch einmal mehr betonen, sagte Festdezernentin Marianne Grosse (SPD) am Montag in Mainz: „Wir feiern eine besondere Johannisnacht.“ Allein 77 Musik- und Kleinkunst-Acts auf acht Bühnen gibt es in diesem Jahr, 24 Aktionen finden als Hommage an Gutenberg statt. Zum Jubiläum leistet sich die Stadt noch einmal Straßenkünstler, sechs Gruppen sollen durch die Stadt ziehen und für Überraschen und Staunen der Besucher sorgen – erwartet werden an den vier Festtagen mehr als 500.000 Besucher in Mainz.

Eine der schönsten Ecken der Mainzer Johannisnacht: das Weindorf der Mainzer Winzer zu Füßen des Doms auf dem Leichhof. – Foto: gik

„Wir feiern viel, aber wir wollen auch Gutenberg hochleben lassen“, betonte Grosse. Da ist etwa der Büchermarkt, der größte antiquarische der Republik rund um den Mainzer Ballplatz, da sind Veranstaltungen wie das Preisquadräteln sowie Veranstaltungen und Führungen im Gutenberg Museum selbst. Auch die aktuelle Mainzer Stadtschreiberin Anna Katharina Hahn wird mit der traditionellen Lesung auf der Johannisnacht dabei sein, am Sonntagvormittag um 11.00 Uhr auf dem Ballplatz.

Und da ist natürlich das Buchdruckergautschen, die große Taufe von Medienschaffenden am Ende ihrer Lehrzeit. Ursprünglich wurden natürlich Buchdruckerlehrlinge am Ende ihrer Lehrzeit von der Druckerschwärzer reingewaschen, heute sind die Gegautschten junge Mediendesigner oder andere Ausgelernte der Medienzunft. Auf der Bühne am Liebfrauenplatz landen sie alle in einem riesigen Zuber mit eiskaltem Wasser, hinterher gibt es ein Glas Wein und natürlich den Gautschbrief. Auch den einen oder anderen Promi erwischt es jedes Jahr sehr zur Gaudi der Besucher – das Gautschen ist eines der Highlights der Johannisnacht. Wer in diesem Jahr im Bottich landet wird natürlich noch nicht verraten – vergangenes Jahr waren es die Kult-Wirtin Helga Nass und Ver.di-Chef Frank Bsirske.

Mainzer Vereine ziehen auf die LU um – KUZunterwegs bespielt Rathausplateau

Ansonsten bleibt vieles beim Altgewohnten und Geliebten: Die Weindörfer der Mainzer Winzer rund um den Dom, die Festmeile vom Schillerplatz über die Ludwigsstraße bis hinunter an den Rhein, die zahlreichen Essens- und Trinkstände, das Festvergnügen in der gesamten Innenstadt. Ein neues Konzept gibt es hingegen für den Jockel-Fuchs-Platz vor dem Rathaus: Auf dem zugigen Plateau tummelten sich bislang die Mainzer Vereine – und klagten vielfach über schlechte Aufenthaltsqualität auf dem sehr offenen Platz.

In diesem Jahr wird nun das KUZ den Platz bespielen, die KUZunterwegs-Bühne soll vornehmlich jüngeres Publikum anziehen. Das Programm spannt einen weiten Bogen von einem Singer-Songwriter-Slam am Freitagabend (19.00 Uhr) über ein Elektrokonzert mit TripAdLip (Freitag, 22.00 Uhr) bis hin zu einer 2000er PARTY mit DJ bÄrt & Christine am Samstag (22.00 Uhr) und dem Ed Sheeran-Tribute Urban Fox (Montag, 18.00 Uhr) sowie den Swing-Helden „Whiskydenker“ am Montagabend um 21.00 Uhr.

Viel los auf der Festmeile, der LU, bei der Johannisnacht, das wird auch in diesem Jahr wieder so sein. – Foto: gik

Die Vereine wiederum ziehen um auf die Ludwigsstraße: Neben der Deutschen Bank werde „eine Oase des Austauschs und des Zusammenkommens organisiert“, sagte Grosse, am Abend sollen dort vornehmlich Singer-Songwriter M’N’M (Sonntag, 17.00 Uhr) spielen. Hier treten auch Pretty Lies Light (Freitag, 20.00 Uhr) mit Hits der Beatles, Simon & Garfunkel und Dire Straits, Two and a Box (Samstag, 17.30 Uhr) oder Funkysteve and Friends (Samstag, 21.00 Uhr und Montag, 19.00 Uhr) auf. „Ich könnte mir vorstellen, dass das ein neuer Lieblingsplatz werden kann“, sagte Grosse.

Bühne auf dem Schillerplatz abgespeckt – auch weniger harte Töne

Auch sonst reicht das Bühnenprogramm wieder von Rock bis Oldies, auf der SWR1-Bühne auf dem Bischofsplatz spielen unter anderem Jammin‘ Cool (Montag, 19.30 Uhr), bei SWR4 auf dem Liebfrauenplatz gibt es Sonntagabend eine Helene Fischer Tribute-Show (20.00 Uhr). Echte Topacts wie im vergangenen Jahr, als Torfrock und Guildo Horn die Johannisnacht beehrten, sind aber in diesem Jahr nicht dabei. So wird auch die große Hauptbühne am Schillerplatz abgespeckt, eine kleinere Bühne und mehr lokale Bands aus der Region sollen hier für eine mehr familiäre Atmosphäre sorgen. „Wir haben ein bisschen die Härte aus der Musik herausgenommen“, sagte Oliver Valentin, der zum ersten Mal als Organisator für die gesamte Johannisnacht zuständig ist.

Heiße Party auf dem Schillerplatz mit harten Tönen 2016 – in diesem Jahr soll es eine Nummer kleiner werden. – Foto: gik

2017 hatte „Mr. Johannisnacht“ Rüdiger Tasch nach 28 Jahren seine letzte Johannisnacht organisiert, der Mann mit dem langen Pferdeschwanz stand auch für Metal-Bands und harten Rock. Nun sagte Valentin, man habe mal „etwas Neues ausprobieren“ wollen: „Es gab die Kritik, das Programm wäre zu Heavy Metal lastig gewesen.“ So spielen auf dem Schillerplatz nun am Samstagabend Flo & Chris mit Live Acoustik Entertainment, am Sonntagabend heißt es Hanne Kah trifft Bender & Schillinger (21.00 Uhr). Wer die rockigen Töne liebt, sollte sich den Freitagabend vormerken: Dann präsentieren „Pfund“ kraftvolle Klänge von den Red Hot Chilli Peppers über Oasis bis hin zu Nirwana. Montagabend trifft sich halb Mainz hier natürlich zum Kultevent, wenn Se Bummtschaks (21.00 Uhr) zum Abschluss der Johannisnacht noch einmal einheizen.

Neu ist auch der Endpunkt der Musik: Am Sonntag ist erstmals um 23.00 Uhr Schluss und nicht erst zum 24.00 Uhr. „Es gab Beschwerden der Anwohner, das wollten wir ernst nehmen und ein Zeichen setzen“, sagte Valentin. Zudem sei es am Sonntagabend ohnehin meist vor Mitternacht deutlich leerer geworden. Das Kabarettprogramm auf dem Ballplatz ist in diesem Jahr mit Tina Teubner und Martina Brandl fest in Frauenhand, zudem spielen hier Lara Maria Gräfen (Sonntag, 20.30 Uhr), Jay Schreiber (Montag 16.00 Uhr) und die Pop-Band Karl die Große (Montag, 18.30 Uhr) sowie Sideways (Montag, 21.30 Uhr). Nicxht fehlen darf hier natürlich ein ganz wichtiger Lokalmatador: Fastnachter und Comedian Christian Schier rockt am Freitagabend (21.30 Uhr) den Ballplatz.

Mit dem Riesenrad in den Mainzer Nachthimmel am Rheinufer schweben – eines der Highlights der Mainzer Johannisnacht. – Foto: gik

Neu geordnet und gestaltet wurde ja im vergangenen Jahr der Künstlermarkt, nach dem Umzug von 2016 und viel sich daran anschließender Kritik über leere Gassen am Rheinufer besserten die Macher 2017 nach: mit Erfolg. Das kleine Dorf mit französischen Ess-Ständen am Rheinufer vor dem Rathaus wird es deshalb wieder geben, an der Ausgestaltung der Gassen soll weiter gearbeitet werden. Rund 250 Künstlerstände erwarten die Macher derzeit, das wären etwas weniger als im vergangenen Jahr. Um den Fischtorplatz herum sollen wieder besonders ansprechende Stände die Besucher von der Festmeile auf den Künstlermarkt locken, das Flair war 2017 wirklich hier besonders gut gelungen – ein tolles Entrée für den Markt, der sich am Rhein entlang bis zur Theodor-Heuss-Brücke zieht.

Rheinvergnügen mit Riesenrad und Free Fall Tower – Geschichten gesucht

Dahinter beginnt nun im dritten Jahr der Rummel auf der Promenade vor dem Schloss. Seit dem Umzug 2016 hat das „Rheinvergnügen“ mehr Platz, in diesem Jahr werden sich dort insgesamt 250 Stände und Fahrgeschäfte tummeln. Mit dabei sind natürlich Autoscooter und Breakdancer, Riesenrad und Chaos Airport, dazu sechs Kinder-Attraktionen wie Karussells. Die besondere Attraktion in diesem Jahr wird der Free Fall Tower mit einer Höhe von 65 Metern sein – ein Höherer ist außerhalb von Freizeitparks kaum zu finden. Auf dem Fischtorplatz wartet zudem ein besonderes historisches Highlight: Ein historisches, weit über 100 Jahre altes Karussell, das aus der Schweiz kommt und handgetrieben ist. „Immer wenn es sich dreht, machen zwei Personen in der Mitte Livemusik“, versprach Valentin, wir sind gespannt.

Fest steht: Die Mainzer Johannisnacht hat in fünf Jahrzehnten auch viele, viele Geschichten hervorgebracht, Freundschaften entstehen lassen und sogar Ehen gestiftet. Und genau solche Geschichten möchte die Stadt Mainz von Euch nun erfahren: „Wir sind neugierig und wollen dieses Jahr zum Jubiläum mehr wissen: An welches Ereignis müssen Sie denken, wenn das Stichwort Johannisnacht fällt?“, sagte Grosse: „Wir würden Ihre kleine Anekdote hinter der ‚Johanniswelt‘ gerne in Erfahrung bringen und einige dieser Geschichten während der Johannisnacht auf unseren städtischen Bühnen präsentieren!“

Spanische „Falla“ aus Valencia geht in Flammen auf – WM-Spiel auf den großen Bühnen

Das große Abschlussfeuerwerk zur Mainzer Johannisnacht – jedes Jahr ein absolutes Highlight. – Foto: gik

Die Mainzer Johannisnacht geht dann auch in ihrem 50. Jahr mit dem traditionellen großen Feuerwerk am Rheinufer am Montagabend ab 22.30 Uhr zuende. In diesem Jahr solltet Ihr allerdings mal gut 45 Minuten früher da sein. Auf einem Leichter im Rhein wird es dann nämlich ein besonderes Schauspiel geben: eine acht Meter hohe „Falla“, eine Papierfigur aus der spanischen Partnerstadt Valencia. Mit der feiert die Stadt Mainz in diesem Jahr 40 Jahre Partnerschaft, deshalb spendet Valencis eine „Falla“ fürs Fest, die während der Johannisnachttage am Rheinufer ausgestellt wird. Am Montagabend dann wird die Figur auf einem Schiff auf dem Rhein ab 21.45 Uhr mit Pyrotechnik in Flammen aufgehen, bevor das große Abschlussfeuerwerk startet.

Im Übrigen ist mal wieder Fußball-Weltmeisterschaft just während der Johannisnacht, in diesem Jahr „erwischt“ es den Samstagabend, dann spielt Deutschland gegen Schweden. Nach Hause gehen oder das Fest verlassen, muss deshalb aber niemand: an zahlreichen Ständen werden Fernseher für den Blick in die Fußballwelt sorgen. Mehr noch: auch auf den großen Bühnen am Schillerplatz, auf dem Liebfrauenplatz und auf der KUZ-Bühne auf dem Rathausplateau wird das Spiel auf Leinwände übertragen.

Info& auf Mainz&: 50 Jahre Mainzer Johannisnacht vom 22. bis 25. Juni 2018 in der gesamten Mainzer Innenstadt. Das Programm findet Ihr auch zum Download auf der neu gestalteten Internetseite der Stadt Mainz zum großen Mainzer Stadtfest. Wer Mainz und der Festwelt seine Geschichte oder auch Fotos zur Johannisnacht gerne mitteilen möchte, kann dies noch bis zum 27. Mai tun und unter dem Betreff „50 Jahre Mainzer Johannisnacht – meine schönste Erinnerung“ an mainz.online@stadt.mainz.de senden. Einige ausgewählte Fotos und Geschichten werden dann auf der Johannisnacht präsentiert.

 

 

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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