50. Mainzer Johannisnacht: Feuerspeiender Drache, Letternbraut und Khider – Coole T-Shirts

Alles&, Drinnen & Draußen, Rathaus & andere Skandale 0 106

Vom 23. bis 26. Juni ist es soweit: Dann feiert Mainz das schönste seiner Feste und das in diesem Jahr mit ganz viel besonderem Schwung. Die 50. Mainzer Johannisnacht steht vor der Tür, und es soll ein ganz besonderes Fest werden. Schließlich ist das Mainzer Stadtfest DIE identitätsstiftende Party – und eines der größten Stadtfeste Deutschlands. Zum 50. Jubiläum gibt es Straßenkunst und feuerspeiende Drachen, Guildo Horn, Torfrock – und neue coole T-Shirts. Dazu endlich wieder mal eine Lesung mit dem Mainzer Stadtschreiber – und Mainz&-Karikaturistin Bianca Wagner könnt Ihr dabei live erleben!

Zu Füßen des Doms werden in Mainz bei der Johannisnacht auf offener Bühne die Buchdrucker gegautscht – Foto: gik

„Es ist das schönste Stadtfest überhaupt“, sagt einer, der es wissen muss: Rüdiger Tasch organisiert seit 1989 das größte Fest von Mainz. In diesem Jahr wird „Mr. Johannisnacht“ 60 Jahre alt – und geht allen Ernstes in den Ruhestand. „Seit 28 Jahren sorgt Rüdiger Tasch dafür, dass die Johannisnacht zu dem geworden ist, was sie ist“, sagte Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) – und nicht nur das: Tasch ist Vorbereiter, Organisator und während des Festes Mädchen für alles: „Egal, ob Schraube, Änderungen, Konzerte oder wo es Salat gibt – Herr Tasch weiß alles“, sagte Grosse, und seufzte: „Ich kann mir die Johannisnacht ohne Sie gar nicht vorstellen…“

Der so Gelobte blieb gelassen und meinte nur, er freue sich auf sein Haus in Ostfriesland. 81.265 Schritte, so viel lege er bei einer Johannisnacht zurück, das habe er mal mit einem Zähler herausgefunden, sagte Tasch, „ich werde langsam zu alt dafür.“ In seinen 28 Jahren habe sich die Johannisnacht stetig entwickelt, „heute haben wir eine überregionale Bedeutung – wer hätte das 1989 gedacht.

1968 wurde die Mainzer Johannisnacht erstmals veranstaltet, erfunden hat sie der damalige Mainzer Dezernent und Bürgermeister Karl Delorme (SPD). Der hatte die Idee, ein Fest zu Ehren des größten Sohns der Stadt ins Leben zu rufen, die erste Johannisnacht fand zum 500. Geburtstag von Johannes Gutenberg statt. Und es war Delorme, der dem Fest seinen ganz eigenen Charakter gab: Selbst gelernter Buchdrucker griff er die alte Buchdruckertradition des Gautschens auf, bis heute ist die Taufe im großen Zuber auf offener Bühne zum Ende der Lehrzeit eines der wichtigsten Elemente der Mainzer Johannisnacht.

Mr. Johannisnacht Rüdiger Tasch und Kulturdezernentin Marianne Grosse mit den neuen Johannisnacht-T-Shirts. – Foto: gik

Es war auch der Start der Rückbesinnung auf Gutenberg und sein Erbe, die Mainzer Johannisnacht veranstaltet deshalb jedes Jahr den größten antiquarischen Büchermarkt Deutschlands, in diesem Jahr mit bis zu 100 Ständen. Und dann ist da noch das Preisquadräteln: eine Art Würfelspiel mit länglichen Bleistäben, ebenfalls ein alter Buchdrucker-Brauch. Und natürlich öffnet das Gutenberg-Museum an der Johannisnacht seine Tore weit zu Druckkunst, Führungen und eigenem Drucken.

Daneben aber ist die Johannisnacht auch ein großes Kulturfest: Vier große Bühnen sorgen für eine breite Spannbreite von Musik vom Schlager bis zu harten Klängen, dazu die Kabarettbühne auf dem Ballplatz – „die ungeheure Bandbreite ist das, was die Johannisnacht von vielen anderen Festen unterscheidet“, sagt Tasch: „Kabarett und Künstlermarkt – so etwas findet man auf dem Oktoberfest nicht.“ Es sei die wirklich einmalige Vielfalt, die das Fest auszeichne und ausmache, sagt Mr. Johannisnacht. In der Tat: Festmeile, Weindorf, Kulinarium, Künstlermarkt, Büchermarkt und Rummel – die Mainzer Johannisnacht bietet so viel Verschiedenes, wie kein anderes Fest. 500.000 Besucher kommen an vier Tagen dazu nach Mainz, „und die Faszination der Johannisnacht nimmt nie ab, sondern wird immer größer“, sagte Grosse.

Große Straßenkunst mit Les Contes d’Asphalt. – Foto: Stadt Mainz

In diesem Jahr werden zum 50. Geburtstag Straßenkünstler die Besucher erfreuen. Da wird die Gruppe Donner Trummel mit Liedern des europäischen Mittelalters und orientalischen Klängen echte Spielmannskultur zelebrieren, die Steeldrum-Band Sunshine Coconuts mit außergewöhnlichen Klängen, bunten Steeldrums und farbenfrohen Hemden Karibik-Flair pur nach Mainz bringen. Und die belgischen Puppenspieler Les Contes d’Asphalt sind mit ihrem feuerspeienden Drachen Ottfried und dem tanzenden Skelett Odil unterwegs.

Musikalisch ist die Bandbreite wieder groß: Von Guildo Horn über Neue Deutsche Welle mit Knutschfleck bis hin zur U2-Coverband U12 ist wieder alles dabei. Höhepunkte sind das 25-jährige Bühnenjubiläum von Jammin‘ Cool am Montagabend auf dem Bischofsplatz, aber vor allem die Rückkehr von Torfrock am Samstagabend nach Mainz auf den Schillerplatz – und die feiern ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. „Dass die Bummtschacks zum Schluss auf den Schillerplatz kommen müssen, dass ist wie die Humba an Fastnacht, das muss einfach sein“, sagte Tasch.

Gehört zur Johannisnacht unbedingt dazu: Kettenkarussel und Riesenrad. – Foto: gik

Auf der Kabarettbühne auf dem Ballplatz geben sich in diesem Jahr Christian Schier und Kick la Luna die Ehre, Nessi Tausendschön kommt am Sonntagabend, und der Montag gehört Jay Schreiber, dem Mainzer Newcomer Sinu und natürlich den Salsatänzern am späten Abend mit Chacan. Da steht der Rest von Mainz längst am Rheinufer und staunt beim gigantischen Höhenfeuerwerk zum Abschluss der Johannisnacht. Zum ersten Mal ist auch der große Radiosender SWR3 mit einigen Konzerten auf der Bühne auf dem Liebfrauenplatz vertreten.

Und dann ist da natürlich noch der Rummel der Mainzer Schausteller, die am Rheinufer und quer durch die ganze Innenstadt mit rund 300 Ständen für Volksfestcharakter sorgen. Seit 2016 beginnt die Kirmes ja direkt hinter der Theodor-Heuss-Brücke und zieht sich bis zum Kaisertor, der Künstlermarkt hingegen erstreckt sich nun von der Brücke bis zum Fischtor. Neu in diesem Jahr: Der Markt zieht sich nun erstmals rund um den Fischtorplatz, in zwei Reihen werden hier allerlei kreative Waren von Schmuck über Keramik bis hin zu Korbkunst oder auch Naturkosmetik aufreihen. „Der Künstlermarkt holt die Besucher jetzt praktisch schon am Fischtor ab“, sagt der Leiter des Wirtschaftsamtes Peter Brümmendorf.

Zugig, hässlich, nur von wenigen gefunden: Auf dem neuen Künstlermarktplatz zu Füßen des Rathauses waren 2016 die Stände direkt am Rheinufer kreuzunglücklich. Das soll dieses Jahr anders werden. – Foto: gik

Vergangenes Jahr hatte die Neuordnung allerdings für viel Ärger gesorgt, manch Standbetreiber hatte sich am Rheinufer ausgesprochen unwohl gefühlt. „Das war nicht ganz problemlos“, räumte Brümmendorf ein, nun aber habe die Stadt eine Form gefunden, die noch besser gefallen werde. Dazu sollen etwa Gassennamen beitragen, die in der Schriftart der Pariser Metro gehalten werden. „Die Stände direkt am Rhein werden an der schönen Aussicht stehen“, sagte Brümmendorf, die Stadt wolle dafür sorgen, dass dieses Jahr die Gasse direkt am Rhein besser gefunden werde.

Durch einen kleinen Platz soll außerdem mehr Aufenthaltsqualität hergestellt werden, Eisstand, Bänke und kulinarische Spezialitäten sollen ein französisches Flair entstehen lassen. Crêpes, Flammkuchen, Käseplatten, Süßwaren, Café au Lait und Wein soll es geben. „Künstlermarkt à la Montmartre, das werden wir aufnehmen“, sagte Brümmendorf mit Blick auf den berühmten Stadtteil von Paris. Bis zu 300 Stände wird der Künstlermarkt in diesem Jahr haben, mit dabei seien Künstler aus Ungarn, Spanien, Frankreich und den USA.

Auf dem Markt und vor allem auf dem Leichhof hinter dem Dom findet sich wie immer das Weindorf der Mainzer Winzer, hier wird gemütlich gesessen, genossen und geklönt und den herrlichen Tropfen der Winzer gefrönt. Wer es edel mag, pilgert zum Culinarium der Spitzenköche ans Rheinufer. Ach, geht einfach selbst hin, lasst Euch durch die Stadt treiben und genießt die ungeheure Vielfalt der Mainzer Kultur! Die Johannisnacht, sagte Tasch noch, sei eine wahre Visitenkarte der Stadt, „ich wüsste ad hoc kein Fest, was dem gleich käme.“

Bianca Wagner zeichnet Abbas Khider – wie auf dieser Mainz&-Karikatur!

Nur eines solltet Ihr wirklich nicht vergessen: Am Johannisnachtsonntag liest morgens um 11.00 Uhr der tolle Mainzer Stadtschreiber Abbas Khider auf dem Ballplatz und setzt damit die alte Tradition der Stadtschreiber-Lesung auf der Johannisnacht fort. In diesem Jahr wird das noch durch ein ganz besonderes Event flankiert: Mainz&-Karikaturistin Bianca Wagner wird während der Lesung Khider malen – dass sie das unnachahmlich genial kann, hat sie ja schon mit ihrer Karikatur „Biancas Blick auf Mainz“ bewiesen. Khider wird die Karikatur signieren, anschließend wird das Werk versteigert – und zwar zugunsten der Initiative Fallschirm Mensch, die sich für Flüchtlinge einsetzt. Dürft Ihr auf keinen Fall verpassen!

Info& auf Mainz&: 50. Mainzer Johannisnacht vom 23. bis 26. Juni 2017 in der gesamten Mainzer Innenstadt vom Schillerplatz bis zum Rheinufer. Das ganze Programm zur Party findet Ihr hier bei der Stadt Mainz im Internet. Die coolen neuen Johannisnacht-T-Shirts „Letternbraut“ und „Druckmeister“ kosten übrigens 19,68 Euro, nur 400 Stück gibt es davon, also beeilt Euch lieber. Außerdem gibt’s einen Johannisnacht-Turnbeutel zu 10,- Euro, je 1,00 Euro aus dem Verkauf geht ans Gutenberg-Museum.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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