61. Jugendmaskenzug rollt zum vorerst letzten Mal am Fastnachtssamstag – 2019 Verlegung – Straßenfastnacht startet

Alles&, Narretei & andere Mainzer Spezialitäten 0 481

Es ist der Bruch mit einer langen historischen Tradition: In diesem Jahr zieht der Mainzer Jugendmaskenzug zum vorerst letzten Mal am Fastnachtssamstag durch die Straßen der Narrenhochburg. 2019 werde der Umzug zwei Wochen nach vorne verlegt werden müssen, sagte Organisator Jürgen Schmitt vom Mainzer Carneval-Verein (MCV). Der Grund: Rheinland-Pfalz bekommt 2019 erstmals Winterferien – und die liegen ausgerechnet genau in der Fastnachtszeit. Nun muss der Jugendmaskenzug verlegt werden, denn getragen wird der vor allem von den Schulen und Kitas der Stadt. Wie das Experiment im kommenden Jahr ausgeht, kann derzeit niemand sagen – ob die Atmosphäre zwei Wochen vor Fastnacht wohl genau so ist? Es gilt also: Am Samstag ab auf die Gas, und noch einmal den 61. Jugendmaskenzug am Fastnachtssamstag genießen!

Der Kinderprinz führt die kleinen Narren traditionell auf der Lok in die närrische Schlacht. – Foto: gik

Leidtragender ist der Umzug immerhin tausender kleiner Nachwuchsnarren, der nach Angaben des MCV größte Kinder- und Maskenumzug in Europa. Zehn Schulen, 13 Kitas und neun Jugendorganisationen stellen den Großteil der diesjährigen 3.200 Teilnehmer, schon Monate vorher wird in den Einrichtungen an Themen und Kostümen gewerkelt. Große Wagen gibt es kaum, nur drei Gefährte rollen im Zug mit – auch aus Sicherheitsgründen, aber vor allem, weil der Fokus des Zuges auf den großartigen kreativen Kostümen liegt. Die werden jedes Jahr in einem großen Kostümwettbewerb prämiert, in diesem Jahr stehen dafür Preisgelder in Höhe von 12.000 Euro bereit. Das Motto lautet diesmal: „Schlümpfe, Obelix, der kleine Nick,/ Super-, Batman, Schweinchen Dick,/ die Comic-Welt trifft Mainz am Rhein/ zum Superhelden-Stelldichein.“

61. Mainzer Jugendmaskenzug läutet Fastnachtsendspurt ein

„Der Jugendmaskenzug ist Lebensfreude pur“, betonte Schmitt, die Tradition des Umzugs will der MCV unbedingt am Leben erhalten. Wie das allerdings im kommenden Jahr wird, ist völlig unklar: Traditionell ist der Jugendmaskenzug ein Herzstück der Mainzer Straßenfastnacht, die an Weiberfastnacht beginnt. Die Verlegung des Umzugs sei „total schade“, sagte Schmitt, der MCV habe noch versucht, im Mainzer Bildungsministerium zu intervenieren – allerdings vergeblich. Nun sehe er die Verlegung auch als Chance, sagte Schmitt, bei einer Abfrage der Schulen sei das Ergebnis eindeutig gewesen: „Die sind erfreut, dass sie einerseits Fastnacht feiern und dann aber auch Skifahren gehen können“, berichtet der Organisator. So wird der 61. Jugendmaskenzug also zum letzten Mal die heiße Phase des Fastnachtswochenendes einläuten.

Die kleinen Narren mit ihren tollen Kostümen sind die Stars beim Mainzer Jugendmaskenzug. – Foto: gik

Pünktlich um 14.11 Uhr setzt sich der Jugendzug am Samstag in der Mainzer Neustadt in Bewegung, 2,5 Kilometer weit führt die Zugstrecke dann durch die Innenstadt bis zur Auflösung am Mainzer Dom. Um die kleinen Narren zu schützen gilt auch in diesem Jahr wieder ein Lkw-Fahrverbot für die Mainzer Innenstadt, am Samstag von 12.00 Uhr bis 17.00 Uhr, die Innenstadt ist für den Individualverkehr rund um den Zug ebenfalls gesperrt. 50 Zugnummern erwarten die Zuschauer. Größte teilnehmende Schule ist die Münchfeldschule mit 371 Teilnehmern, zweitgrößte mit 200 Teilnehmern die IGS Anna Seghers. Rund 800 kleine Narren kommen von den 13 Kindergärten und –tagesstätten, etwa 300 Teilnehmer von Jugendorganisationen. 650 Musiker sorgen für Schwun, und Kinderprinz Benjamin I. führt die Mainzer Kinder und Jugendlichen in den Kampf gegen Mucker und Philister.

Tanz auf der LU und Guggemusikfestival, GCV-Ball und Prinzengardeball

Wenn den Narren die Straßen gehören, dann ist Fassenacht in Meenz! – Foto: gik

Nach dem Zug geht es auf der Mainzer Ludwigsstraße mit der Vereinigung der Rekruten der närrischen Garden sowie einer Parade der Mainzer Schwellköppe am Nachmittag weiter – präsentiert werden dabei auch die neuen Kinder-Schwellköppe des MCV. Die kleinen Figuren sind allerdings umstritten: Manchen Beobachter erinnern die Köpfe eher an Horrorfilme. Mit dem Jugendmaskenzug ist dann auch die heiße Phase der Mainzer Straßenfastnacht eröffnet: Bis Dienstagabend herrscht Ausnahmezustand in der Mainzer City, auf den Domplätzen findet die Fastnachtsmesse der Mainzer Schausteller statt. Auch rund um das Theater und auf der LU gibt’s allerlei Attraktionen, dabei auch wieder das große Narrenzelt. Und am Abend toben natürlich auch noch einmal Sitzungen, der große Ball des Gonsenheimer Carneval-Vereins (GCV) in der Turnhalle in Gonsenheim sowie der Prinzengardeball in der Rheingoldhalle.

Am Fastnachtssonntag präsentieren sich dann ab 11.11 Uhr die Garden bei ihrer großen Narrenparade auf der LU, im Anschluss können die Besucher ausgiebig die 13 politischen Motivwagen des MCV auf der LU bewundern. Ab 13.11 Uhr startet rund um den Fastnachtsbrunnen am Schillerplatz der „Tanz auf der LU“, hier treten unter anderem die Humbas und Oliver Mager, aber auch die RotRockRapper der Mainzer Prinzengarde mit ihrem Hit „Ich hab Uniform“ auf (ab 14.15 Uhr).

Am Fastnachtssonntag bebt beim Guggemusik-Festival die Innenstadt. – Foto: gik

Nach 17.00 Uhr ziehen dann beim 5. Guggemusik-Festival verschiedene Guggemusik-Gruppen im 30-Minuten-Takt durch die Mainzer Altstadt und präsentieren auf vier Plätzen ihre mitreißenden Rhythmen. Mit dabei sind die „Loubeschränzer“ aus der Schweiz, die Mainzer „Kaktusstreichler“, „Nodequetscher“ und „Huxelpetzer“ sowie die Forster „Stobbelhobblae“. Los geht’s jeweils am Narrenzelt auf der LU, dann geht’s weiter auf Liebfrauenplatz, Markt und Tritonplatz. Nach dem Rosenmontagszug laden die Narren dann zur Rosenmondnacht auf der Ludwigsstraße, dort heizen zwei „Narrentürme“ bei der großen Freiluftparty ein.

Fastnachtsumzüge in den Stadtteilen

Das ist aber beileibe nicht alles in Sachen Straßenfastnacht: Auch in den Mainzer Stadtteilen toben die Narren auf den Straßen. Bereits am Freitag zieht um 10.11 Uhr der Hechtsheimer Kinder- und Jugendmaskenzug durch den alten Ortskern des Vorortes, das Motto lautet: „Hexemer Kinner uff de Gass, ei was macht des fer en Spass!“ Am Fastnachtssamstag ist dann in Gonsenheim ab 14.11 Uhr Rathauserstürmung mit anschließendem Umzug ab 14.44 Uhr. Am Sonntag, dem 11. Februar, geht es dann um 14.11 Uhr mit dem Finther Zug der Lebensfreude weiter, einem der größten Stadtteil-Umzüge von Mainz mit mehreren Zehntausend Besuchern. Zeitgleich setzt sich auch in Mainz-Bretzenheim der Fastnachtsumzug ab 14.11 Uhr in Bewegung, ein echtes Familienfest mit viel Bonbons, Narretei und Helau.

Schwellkoppparade am Dom – mehr Mainzer Fastnacht geht nicht! – Foto: gik

Der Rosenmontag gehört dann natürlich dem großen Umzug, aber am Fastnachtsdienstag hat Mainz noch zwei Fastnachtsumzüge zu bieten: In Drais setzt sich um 14.11 Uhr der kleinste der Mainzer Umzüge in Bewegung. Kult ist für viele Narren aber auch der große Schismellezug in Mombach, der um 14.33 Uhr startet. In der Innenstadt endet derweil am Fastnachtsdienstag mit der Kappenfahrt, einem Autocorso, ab 15.11 Uhr die Straßenfastnacht – hier werden aus den Cabrios der Mainzer Vereine noch einmal Unmengen übrig gebliebener Bonbons und Süßigkeiten unters Narrenvolk gebracht.

Info& auf Mainz&: Alle Informationen zu den Fastnachtsumzügen in den Mainzer Stadtteilen findet Ihr auf dieser Internetseite der Stadt Mainz, leider stellen die Vereine weiterhin nur sehr rudimentäre Infos dort zur Verfügung. Ist leider alles, was im Internet zu haben ist – auf der neuen Internetseite „Mainzer Fastnacht“ kommen die Stadtteilumzüge noch gar nicht vor… Aber dafür habt Ihr ja uns 😉 Viele Infos zum Jugendmaskenzug gibt’s auf dieser Internetseite, einen Überblick zur Straßenfastnacht mit allen Parties hier beim MCV.

 

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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