67. Mainzer Rosenmontagszug 2018: Nur noch 8.800 Teilnehmer, drei Polizeipunkte an der LU und Drohnenverbot

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Der Mainzer Rosenmontagszug 2o18 wirft seine Schatten voraus: Kommenden Montag ist es soweit, dann setzt sich pünktlich um 11.11 Uhr in der Mainzer Neustadt der 67. Mainzer Rosenmontagszug seit dem Zweiten Weltkrieg in Bewegung. Fünf Stunden lang ist dann die Mainzer Innenstadt fest in Narrenhand: 7,2 Kilometer lang führt der Zugweg kreuz und quer durch die Mainzer Innenstadt – dann geht in der Narrenhochburg nichts mehr, Mainz feiert den absoluten Höhepunkt des Jahres! Wir freuen uns schon riesig auf den närrischen Lindwurm, ist die Narrenparade doch wahrlich Treffpunkt und Staunen, Feiern und Wiedersehen zugleich – Ausgelassenheit pur! Wer es nie erlebt hat, sollte sich wirklich mal mitreißen lassen – Fassenacht in Mainz ist definitiv eine Reise Wert. Wir haben alle Infos und alle Tipps rund um einen der größten Rosenmontagszüge der Republik für Euch.

Mainzer Narren auf der Gass – am Rosenmontag macht das Spass! – Foto: gik

Der Mainzer Rosenmontagszug setzt sich traditionell um 11.11 Uhr an der Ecke Boppstraße/ Josefsstraße in der Mainzer Neustadt in Bewegung und windet sich dann auf 7,2 Kilometern kreuz und quer durch die gesamte Mainzer Innenstadt. Gegen 12.15 Uhr erreicht die Zugspitze die Ludwigsstraße und rollt an den Ehrentribünen und den Fernsehkameras vorbei in Richtung Dom – dann beginnt auch die Fernsehübertragung. Die Zugspitze erreicht gegen 13.30 Uhr den Münsterplatz, das Ende der Zugstrecke, die letzten Teilnehmer, treffen hier erst gegen 16.30 Uhr ein. Mehr zum Zugweg lest Ihr hier bei Mainz&.

Zug auf 8.800 Teilnehmer gekürzt – Keine Hexengruppen aus dem Alemannischen

Erstmals wird der närrische Lindwurm dabei deutlich kürzer werden als in den Vorjahren: 139 Zugnummern mit rund 8.800 Teilnehmern werden für kommenden Montag erwartet, das sind 15 Zugnummern und rund 800 Teilnehmer weniger als 2017. Im vergangenen Jahr hatte Zugmarschall Markus Perabo noch geseufzt ob der ewig ausufernden Gruppen im Zug – nun zog der ausrichtende Mainzer Carneval-Verein (MCV) die Reißleine. Man habe den Zug straffen wollen und zudem regionalen Gruppen den Vorzug gegeben, sagte Perabo am Dienstag. Absagen habe es deshalb vor allem für reine Party-Fußgruppen gegeben, aber auch Hexengruppen aus der alemannischen Fastnacht werden erstmals nicht dabei sein.

Schaaade! Wir werden sie vermissen, die Hexengruppen aus dem Süden der Republik. – Foto: gik

Es ist der insgesamt 116. Zug, seit der erste Fastnachtsumzug am 19. Januar 1838 durch die Straßen von Mainz zog. Wenn Ihr jetzt nachrechnet: Einige Mal fiel der Narrenumzug Kriegen oder anderen Katastrophen zum Opfer – zuletzt wegen des Beginns des Golfkrieges 1991 und vor zwei Jahren, als eine Sturmwarnung die Verantwortlichen zur Absage des Großereignisses zwang. In diesem Jahr steht der Zug übrigens unter dem Motto: „So wie der Mond die Nacht erhellt, strahlt Mainzer Fastnacht in die Welt.“ Das ist auch eine Hommage an den legendären Fastnachtshit „Am Rosenmontag bin ich geboren“ – seine Interpretin, Margit Sponheimer, feiert just an diesem 7. Februar 2018 ihren 75. Geburtstag.

Narrenmond und Schwellköppe

Rund 500.000 Zuschauer werden bei gutem Wetter zu dem närrischen Höhepunkt in Mainz erwartet, mehr als 450.000 Euro kostet der Zug den MCV jedes Jahr. Finanziert wird das durch Spenden, Einnahmen aus der Saalfastnacht sowie den Verkauf von Fastnachtsutensilien: Fastnachtsschals, Pins und Anstecker sowie natürlich die Zugplakettcher, die kleinen Umhängefiguren, die als Eintrittskarten zum Rosenmontagszug gelten. In diesem Jahr sind das Narrenmonde – und beim Verkauf wird einer schmerzlich vermisst: Im Oktober 2017 verstarb der Plaketten-Klaus, ein Urgestein der Mainzer Fastnachtsszene. 54 Jahre lang verkaufte Klaus Eigenbrodt, wie er im richtigen Leben hieß, Zugplakettcher, im Oktober verstarb er mit 72 Jahren in Mainz. Legendär geworden ist sein Plakettchereim, dem in dieser Kampagne viele Fastnachter huldigen: „Jedes Jahr die selbe Leier, es Geld is knapp, de Zuch is teier. Drum kaaft Plakettscher, diese schmucke, damit ihr könnt de Zuch ach gucke.“

Die geliebte Mainzer Schwellkopp-Parade. – Foto: gik

Den Zug eröffnen traditionell Fahnenschwenker und Schwellkoppträger, insgesamt 92 gibt es davon, ein zweiter Teil beschließt den Zug. Unter den 8.800 Teilnehmern sind 70 Musikgruppen mit 2.124 Musikern, 161 närrische Wagen rollen mit, gezogen von 113 Traktoren oder Zugmaschinen. Dazu kommen noch 33 Zugpferde, 107 Reiter wagen sich in den Zug, viele davon von der Mainzer Prinzengarde. Stars im Zug sind natürlich die 13 närrischen Motivwagen des MCV mit den großen Karikaturen: Baby Trump, ein wackelnder Bibelturm, Rohrkrepierer Schulz und Fossil Merkel – die rollenden närrischen Karikaturen sind so bissig und gelungen, wie selten. Ein Augenschmaus!

Für die Sicherheit der Narren wird viel Aufwand getrieben: Zwei Kilometer Sperrgitter werden jedes Jahr von der Stadt Mainz gestellt, die ersten früh morgens ab 7.00 Uhr – von da an gibt es wachsende Beeinträchtigungen im Verkehr. Bis 10.00 Uhr ist dann die Stadt von der Holzhofstraße bis Kaiser-Karl-Ring vollständig für den Individualverkehr gesperrt. Die Rheinstraße ist wegen des Aufbaus von Gittern zwischen der Theodor-Heuss-Brücke und der Salvatorstraße bereits um 8.15 Uhr geschlossen und wird voraussichtlich um 18.00 Uhr nach erfolgter Reinigung wieder geöffnet werden. 450 schwere Gitter (Gesamtlänge 1350 Meter) sowie 300 leichte Gitter (750 Meter) werden am „Tag der Tage“ gestellt, dazu werden rund 310 Halteverbotsschilder schon Tage vorher positioniert. Im Stadtkern folgen am Rosenmontag 110 Absperrungen sowie 150 weitere Verkehrszeichen.

LKW-Fahrverbot an Fastnachtssamstag und Rosenmontag für die Innenstadt

Zone für das Lkw-Fahrverbot am Rosenmontag 2018. – Grafik: Stadt Mainz

Dazu gilt 2018 zum zweiten Mal ein Lkw-Fahrverbot in der Innenstadt für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen am Rosenmontag und am Fastnachtssamstag während des Jugendmaskenzugs – das Fahrverbot wurde 2017 aus Angst vor Terroranschlägen installiert. Im vergangenen Jahr sicherten zusätzlich große Zugmaschinen Einfalls- und Zufahrtsstraßen zur Innenstadt und zum Zugweg, das wird auch dieses Jahr wieder so sein. Das Fahrverbot gilt am Samstag, 10.02.2018, von 12.00 Uhr bis 17.00 Uhr, und am Rosenmontag, dem 7. Februar 2018, von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr.

Die Polizei wird auch in diesem Jahr wieder mit erheblichen Einsatzkräften die Umzüge sichern, im vergangenen Jahr waren allein an Rosenmontag rund 1.000 Beamte im Einsatz, um für die Sicherheit der Narren zu sorgen. Der neue Leiter der Polizeidirektion Mainz, Alban Ragg, betonte, auch in diesem Jahr werde die Polizei alles tun, damit die Narren ein friedliches Fest feiern können.

Dazu gehören vor allem mobile Einsatztruppen der Polizei, die im ganzen Innenstadtbereich unterwegs sein werden, aber auch eine frühzeitige Identifizierung und Ansprache von möglichen Krawallmachern. „Wir legen großen Wert drauf, Störer frühzeitig zu identifizieren“, sagte Ragg. Dabei sei auch die Bundespolizei ein ganz wichtiger Partner: Die Kollegen haben nämlich schon vor dem Umzug die Bahnhöfe im Umkreis von Mainz im Auge und geben den Mainzer Kollegen Hinweise, ob sich Störergruppen auf den Weg nach Mainz machen. „Wir ziehen die dann aus dem Verkehr“, versprach Ragg.

Das gilt auch für alkoholisierte Jugendliche oder Minderjährige, bei denen hochprozentiger Alkohol gefunden wird: Wie schon seit Jahren werden sich auch in diesem Jahr kombinierte Gruppen von Polizei und Jugendsachbearbeitung der Stadt Mainz im Vorfeld des Zuges in der Stadt umsehen, Jugendgruppen gezielt ansprechen und auf Alkohol kontrollieren. Werden etwa bei Minderjährigen hochprozentige Substanzen gefunden, landen die gnadenlos im Ausguss.

Glasverbot erneut rund um Schillerplatz und LU

Glasverbotszone am Rosenmontag, den 12.2.2018 in Mainz. – Grafik: Stadt Mainz

Apropos Ausguss: Das Glasverbot rund um die Ludwigsstraße gilt auch wieder im Jahr 201. 2017 war das Glasverbot ja vom Schillerplatz auf die gesamte Ludwigsstraße ausgeweitet worden – die Folge war unter anderem eine ziemlich leere LU während des Rosenmontagszuges…. Die Narren feierten lieber außerhalb der Verbotszone, denn die wird durch fünf Sicherheitsschleusen und 16 Glaskontrollstellen rund um LU und Schillerplatz in Kraft gehalten – dort werden Glasflaschen abgenommen und entsorgt. Nicht jeder Narr mochte sich dem 2017 aussetzen. Auch 2018 gilt: Kein Glas „von Narrenturm zu Narrenturm“ – das sind die hohen Brücken, vor denen nach dem Zug die Party abgeht. Das Glasverbot gilt an Weiberfastnacht, also Donnerstag, dem 8. Februar von 8.00 bis 17.30 Uhr, und an Rosenmontag von 8.00 Uhr bis Fastnachtsdienstag 8.00 Uhr früh.

Der Mainzer Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP) verteidigte indes das Glasverbot als richtige und erfolgreiche Maßnahme: „Wir appellieren, insgesamt auf Glas zu verzichten“, sagte Sitte nun: „Jedes Glas, das nicht auf der Straße landet, ist ein gutes Glas.“ 2017 sei rund ein Fünftel weniger Glas erfasst worden als in 2016.

Inzwischen ist zudem eine umfassende Videoüberwachung in der Innenstadt installiert – der Sicherheit zuliebe. Konkrete Hinweise auf irgendwelche Anschläge oder Störungen gibt es keine, im Gegensatz zu 2017 ist die Nervosität der Sicherheitsleute erheblich abgeflacht. Doch an den Sicherheitsmaßnahmen gebe es keine Abstriche, betonten Stadt, MCV und Polizei gleichermaßen: „Das Sicherheitskonzept war so erfolgreich“, sagte MCV-Sprecher Michael Bonewitz, „warum sollten wir dann etwas ändern?“

Polizeianlaufstellen auf der LU und Frauennotruf im Einsatz

Müllwerker nach dem Rosenmontagsumzug in Mainz – ein Helau auf die fleißigen Helfer! – Foto: gik

Neu sind in diesem Jahr allerdings drei Polizeianlaufstellen im innersten Kernbereich an der LU, die Ihr durch kleine Fahnen erkennt: Solltet Ihr Hilfe benötigen, hier findet Ihr immer Polizeibeamte vor. Ragg betonte zudem: Jeder Polizist auf der Straße sei ein ansprechbarer Helfer, wer Probleme habe, solle sich ruhig trauen, auf die Beamten zuzugehen. Für Frauen ist übrigens erstmals der Frauennotruf in Bereitschaft, eine Kontaktadresse haben wir dazu leider nicht bekommen, liefern wir aber natürlich noch nach.

Nicht zuletzt sorgt der Mainzer Rosenmontagszug auch für erhebliche Mengen an Müll: Vier Arbeitsgruppen der Mainzer Müllabfuhr rücken unmittelbar nach dem Umzug mit insgesamt 113 Kräften den Müllbergen zu Leibe. Zu entsorgen gilt es schätzungsweise erneut um die 75-80 Tonnen in der ersten Reinigung und von um die 85-90 Tonnen insgesamt.

Für die persönlichen Bedürfnisse gibt es erneut ein Großaufgebot an mobilen Toilettenanlagen: 32 Toilettenwagen der Stadt Mainz an 17 Standorten entlang der Zugstrecke (sechs davon barrierefrei), dazu acht Urinale an sieben Standorten, flankiert von 18 Dixie-Toilettenkabinen für Frauen. Von der Kaiserstraße bis einschließlich Weißliliengasse sind insgesamt 11 Dixie-Toilettenkabinen und 14 Stehurinale verteilt, dazu stellt der MCV entlang des Zuges fast 90 weitere Dixie-Klos und fünf Toiletten-Container auf. Das Rechts- und Ordnungsamt der Stadt wird wieder einmal versuchen, dem wilden Pinkeln mit Kontrollen Einhalt zu gebieten – wird jemand bei wildem Pinkeln angetroffen, kann es teuer werden: Es drohen Bußgelder von 50 Euro zuzüglich Verwaltungsgebühren, mithin 75 Euro…

Drohnen-Flugverbot an allen Fastnachtstagen

Von Weiberfastnacht bis Fastnachtsdienstag gilt übrigens ein Drohnenflugverbot in Mainz – und ganz allgemein ein Verbot des „Betriebs von unbemannten Luftfahrtsystemen und Flugmodellen über und in einem seitlichen Abstand von 100 Metern von Menschenansammlungen, Unglücksorten, Katastrophengebieten und anderen Einsatzorten von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“, wie es offiziell von Seiten der Stadt Mainz heißt. Das gelte für alle Arten von Flugmodellen und UAS, unabhängig davon, ob eine Aufstiegserlaubnis erforderlich wäre oder nicht. Verstöße können mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden, warnt die Stadt, auch müsse damit gerechnet werden, dass der Verursacher selbst die Kosten für Polizeieinsätze zahlen müsse.

Das Ende des Rosenmontagszuges wird traditionell von der Zugente markiert, die Ente ist echt Kult. – Foto: gik

Verlustig gegangene Kinder werden wie in jedem Jahr in der Polizeiinspektion I in der Weißliliengasse „gesammelt“, dort organisiert das Jugendamt gemeinsam mit der Polizei bis 17.00 Uhr einen Raum, wo sich die Kids bis zur Abholung durch die Eltern aufhalten können. Sollte sich die Abholung verzögern, werden die Kinder ab 17.00 Uhr in der Kindernotaufnahmestelle Juvente (früheres städtisches Kinderheim), Gleiwitzer Straße 1, untergebracht und betreut. Die Polizeiinspektion ist telefonisch unter 06131 – 65 41 75 und 65 41 69 erreichbar, die Kindernotaufnahmestelle Juvente unter Telefon 90 60 982.

Die Stadt bittet zudem eindringlich darum, bei der Anreise auf das Auto zu verzichten und Busse und Bahnen zu nutzen – die Mainzer Verkehrsgesellschaft, die umliegenden Verkehrsverbünde und auch die Bahn haben ihre Fahrten verstärkt. Alle Infos dazu bei www.mvg-mainz.de. Weil die Mainzer Neustadt zum Großteil Aufstellgebiet für den Umzug ist, bittet die Stadt wie in jedem Jahr unbedingt die Halteverbotsschilder zu beachten – die sind nämlich ernst gemeint!! Die Schilder markieren auch Rettungswege, also bitte haltet Euch daran. Und: spätestens ab 6.30 Uhr am Rosenmontag wird abgeschleppt!

Info& auf Mainz&: Der 67. Mainzer Rosenmontagszug am 12. Februar 2018 setzt sich um 11.11 Uhr in Bewegung. Mehr zum Zugweg und seiner Historie lest Ihr hier bei Mainz&. Alle Infos zu Sicherheit und Absperrungen rund um den Mainzer Rosenmontagszug findet Ihr auch auf den Internetseiten der Stadt Mainz, etwa hier zum Lkw-Fahrverbot und hier zum Glasverbot.

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

1 Kommentar

  1. N. 16. Februar 2018 at 12:27 -  Antworten

    «keine Hexengruppen aus dem Alemannischen»
    Es ist so schade…
    Das war ein riesiger Fehler!

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