AfD-Wahlkampfauftakt: Parolen gegen Flüchtlinge, AfD-Anzeige gegen Polizeichef und erneut Ode an die Freude – UPDATE

Alles&, Rathaus & andere Skandale 12 1544

Sie haben es erneut getan: Um 19.56 Uhr schallte „Freude, schöner Götterfunken“ lauthals über den Platz vor dem Bürgerhaus Mainz-Finthen. Die Ode an die Freude wird langsam zur Anti-AfD-Hymne. Im Bürgerhaus nämlich feierte die Alternative für Deutschland (AfD) ihren Wahlkampfauftakt zur Landtagswahl am 13. März, rund 250 Menschen wollten AfD-Bundesvize Alexander Gauland sehen. Vor der Tür protestierten gegen rechte Parolen rund 300 Menschen, lautstark und friedlich. Dabei erfuhr Mainz&: AfD-Mitglieder zeigten inzwischen auch den Mainzer Polizeichef Achim Zahn an – wegen Nötigung.

Demo gegen AfD vor dem Bürgerhaus Finthen

Demo gegenndie AfD vor dem Bürgerhaus in Finthen – Foto: gik

Zahn berichtete am Dienstagabend Mainz& empört, er habe jetzt mehrere Anzeigen gegen sich – erstattet von AfD-Mitgliedern. Der Vorwurf: Nötigung, der Grund: Zahn habe den Zugang zur AfD-Demo vor dem Staatstheater im November 2015 verhindert. Zahn konnte darüber nur den Kopf schütteln: „Ich musste ja beide Seiten voneinander trennen“, sagte der Leiter der Polizeidirektion Mainz. Gleichzeitig werde er „in die rechte Ecke gestellt“, weil seine Leute die Anzeige gegen das Mainzer Staatstheater gestellt hatten – weil deren Mitglieder mit lautstarkem Singen der „Ode an die Freude“ die AfD-Kundgebung kurzzeitig störte. „Wir hatten keine Wahl“, bekräftigte Zahn noch einmal.

Beethovens Hymne an die Freiheit und die Brüderlichkeit der Völker hatten die Demonstranten auch diesen Dienstag wieder mit im Gepäck dieses Mal allerdings als Aufnahme. Vor dem Bürgerhaus Finthen hatte eine Menge Demonstranten schon früh Aufstellung bezogen, um trotz Regen, ekliger Kälte und der Entfernung zur Innenstadt gegen die rechten Parolen der AfD Flagge zu zeigen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Polizei sprachen von rund 300 Gegendemonstranten, die Zahl war schwer zu schätzen.

Friedlicher Protest gegen Rassismus und rechte Parolen

Ralph Erbar mit Plakat gegen AfD

Unidozent Ralph Erbar mit Plakat gegen die AfD vor dem Bürgerhaus Finthen – Foto: gik

„Es sind noch viel zu wenige“, meinte Ralph Erbar, Dozent für Geschichtsdidaktik an der Uni Mainz. Erbar hatte eigens ein Schild gemalt für den Anlass, „Flüchtlinge Willkommen, Brandstifter nicht!“ stand darauf. „Ich bin gegen den autoritären Charakter bei der AfD, die rassistischen Tendenzen, die erkennbar werden, und vor allem gegen die Hetze gegen Flüchtlinge“, begründete Erbar, warum er vor dem Bürgerhaus sein Plakat hoch hielt. „Dagegen muss man rechtzeitig ein Zeichen setzen“, betonte der Hochschuldozent, „und heute Abend ist so eine Gelegenheit.“

Es war eine bunte Mischung da auf dem Platz vor dem Bürgerhaus: Etabliertes Bürgertum, SPD-Stadträte, Gewerkschafter, junge Leute, Antifa. Mit lauter Rockmusik und absolut friedlich protestierten sie dagegen, dass die AfD erneut Mainz zum Pflaster für ihre Veranstaltung machte. Übrigens: Es kam jeder problemlos durch die Menge, der durch wollte.

Update: Passanten teils massiv beleidigt und behindert

UPDATE: Inzwischen erreichen uns Berichte, wonach das mit dem problemlosen Durchkommen offenbar doch nicht so ganz stimmt. Zwar erlebte Mainz& das freidliche Passierenlassen tatsächlich genau so, an anderen Stellen der Protestkundgebung war das aber offenbar anders: In Höhe des Musik-Trucks, so berichten mehrere Augenzeugen, seien Passanten Richtung Bürgerhaus massiv behindert worden, beleidigt, beschimpft und auch geschubst worden. Das natürlich ist weder friedlich noch demokratisch – weswegen wir diese Berichte selbstverständlich ergänzen. Es geht ja hier nicht um Schönfärberei, sondern um die tatsächliche Darstellung dessen, was gewesen ist.

Unser Kommentar dazu: Solche Vorkommnisse erweisen dem demokratischen Protest einen Bärendienst und erlauben es Kritikern, die Demonstranten in die Ecke Gewalttätiger zu stellen – was dem Protest vieler friedlicher Bürger völlig Unrecht tut und ihn diskreditiert. Ganz zu schweigen davon, dass diese angeblichen Verteidiger sich alles andere als demokratisch verhalten…

Gewalttätige AfD-Sympathisanten: Randale und Plakat anzuzünden

Gewalt ging aber durchaus auch von AfD-Sympathisanten aus, wie Mainz& persönlich miterlebte: Ein junger Mann wollte das Plakat von Ralph Erbar mit dem Feuerzeug anzünden, konnte aber mit höflicher Ansprache abgehalten werden. Dagegen ging ein großer, älterer Mann völlig unvermittelt und ohne Anlass auf die Demonstranten los, schlug um sich und brüllte: „Sonst gibt’s was auf die Fresse!“ Der Mann war zuvor nicht angegriffen oder gar angefasst worden.

Voller Saal im Bürgerhaus Finthen bei AfD

Voller Saal im Bürgerhaus Finthen bei AfD – Foto: gik

Trotzdem sprach der Landesvorsitzende der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der AfD, Damian Lohr, im Saal von einer „Drohkulisse“ vor der Tür und behauptete, auf das Bürgerhaus sei im Vorfeld der Veranstaltung „geschossen worden.“ Tatsächlich waren am Montag und Dienstag am Bürgerhaus und vor dem Bürgerhaus Schmierereien aufgetaucht: Fenster, Wände und der Boden vor dem Haus seien mit Parolen gegen die AfD beschmiert worden, sagte Nicole Scheuring von der Polizei Lerchenberg Mainz&.

Bürgerhaus beschmiert, aber nicht beschossen, sagt Polizei

Die Schriftzüge waren am Abend bereits wieder beseitigt worden, zum Teil waren sie auch nur mit Kreide auf den Boden gemalt worden. Allerdings wurden auch Schlösser des Bürgerhauses mit Sekundenkleber oder Ähnlichem verschlossen, das betraf offenbar auch die Ortsverwaltung im Erdgeschoss. Dazu gebe es ein kleines Loch in einer Außenscheibe, sagte Scheuring, das wahrscheinlich von einem Steinwurf stamme. „Eine klassische Schusswaffe war das eher nicht“, betonte die Polizistin, „dann wäre die Scheibe nämlich durch, und das ist sie nicht.“ So viel zur Mythenbildung Schuss aufs Bürgerhaus.

Junge: „Millionen illegaler Einwanderer“ bilden jetzt Ghettos

AfD Junge Rede Bürgerhaus Finthen

AfD-Landeschef Uwe Junge bei seiner Rede im Bürgerhaus Mainz-Finthen – Foto: gik

Auch sonst hielt es die AfD an diesem Abend nicht so genau mit der Wahrheit: AfD-Landeschef sprach in seiner markigen Rede von „Millionen illegaler Einwanderer“, deren Integration „angesichts der hohen Zahlen überhaupt nicht zu schaffen ist.“ Woher Junge die Millionen (!) erst recht illegaler (!) Menschen nahm, sagte er nicht – tatsächlich kamen 2014 rund eine Million Flüchtlinge nach Deutschland, legal und registriert, zumindest in Rheinland-Pfalz.

Dennoch sprach Junge vom „Asylchaos“, in dem er „Ordnung nicht erkennen“ könne und kündigte an: „Jetzt beginnt die Ghettoisierung!“ Die rot-grüne Regierung in Rheinland-Pfalz hingegen verschließe die Augen vor der Realität, wetterte Junge, und es reiche auch nicht aus, wenn CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner „einen Integrationsguide aufs Kopfkissen legen will.“ Mit den Flüchtlingen werde „ein völlig anderes Rechtsverständnis importiert“, drohte der AfD-Spitzenkandidat, und fügte mit Blick auf die Ausschreitungen in Köln an Neujahr hinzu „Köln war vielleicht nur der Anfang.“

AfD hat in Rheinland-Pfalz derzeit 1.200 Mitglieder

Die AfD, behauptete Junge weiter, wolle „mit sachlichen Argumentationen“ im Wahlkampf punkten und habe inzwischen „sehr viel Zuwachs.“ Seinen Angaben zufolge hat die Partei inzwischen 1.200 Mitglieder und reichte für ihre Bewerbung zur Landtagswahl 3.500 Unterschriften ein – etwas mehr als 2.000 sind nötig.

Tatsächlich war der Saal im Finther Bürgerhaus dicht besetzt mit rund 250 Menschen, nicht alle davon waren aber Mainzer. „Das ist eine demokratische Partei“, sagte ein anwesender Mainzer, der kein Interview geben wollte. Nach Mainz&-Informationen hatte die AfD im Vorfeld massiv mit Flugblättern für ihren Wahlkampfauftakt geworben.

Junge: Solarfelder „unsozial“, Windräder „rücksichtslos“ und nutzlos

„Hier in Mainz ist der Hotspot, hier muss man eröffnen“, sagte Junge Mainz&. Die AfD biete den Menschen „endlich eine Alternative zum Alt-Parteien-Kartell“. Und Junge zählte in seiner Rede auf, wofür die AfD im Wahlkampf steht: Förderung nur der Kernfamilie von Vater, Mutter, Kind, keine Gleichstellung anderer Familienformen, mehr Polizei und Sicherheit, Betonung der Leistungsgesellschaft.

AfD Bundesvize Gauland Rede Bürgerhaus Finthen

AfD-Bundesvize Gauland langweilte mit seiner Rede im Finther Bürgerhaus eher – Foto: gik

Auch mit der Energiewende fremdelt die AfD offenbar: Solarfelder verschandelten die Landschaft und seien „unsozial“, weil der Stromkunde für sie zahlen müsse, es drohe ein weiterer  „rücksichtsloser Ausbau der Windkraft ohne Nutzen“, behauptete Junge – die finanziellen Nutzen für die zahllosen Gemeinden in Rheinland-Pfalz, die sich geradezu um Windräder reißen, erwähnte er nicht. Das Erneuerbare Energien Gesetz müsse weg, forderte Junge und prophezeite selbstbewusst den Einzug seiner Partei in den Landtag Rheinland-Pfalz am 13. März – angesichts von Umfragwerten von derzeit 7 Prozent ist das nicht auszuschließen, aber keineswegs sicher.

Gauland referiert länglich über Bismarck und verteidigt Höcke

Völlig unspektakulär geriet danach die Rede Gaulands: Der Bundesvize referierte ausführlich über die „Demütigung von Versailles“ gegen Deutschland am Ende des 1. Weltkriegs, über Reichskanzler von Bismarck und die Ausgrenzung Russlands – den Saal riss er damit eher weniger mit.Am Ende allerdings verteidigte Gauland ausdrücklich den wegen seiner rechten Reden stark in die Kritik geratenen Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke.

„Ich schätze Herrn Höcke sehr und habe ihn im Bundesvorstand verteidigt“, sagte Gauland wörtlich, und fügte hinzu: „Keine Sorge, Herr Höcke wird nicht ausgeschlossen und nicht die AfD verlassen.“ Der Bundesvorstand werde in seiner Zusammensetzung bleiben. Bis zu den anstehenden Landtagswahlen „müssen wir aber vorsichtig argumentieren“, fügte Gauland hinzu.

Vor der Tür hielten die Demonstranten derweil mit lauter Rockmusik dagegen. „AfD, Ihr seid hier nicht Willkommen“, rief die Menge just während Gaulands Rede: „Haut ab!“ Das aber hat die AfD nicht vor: Man werde im Wahlkampf präsent sein, mit Infoständen nahe an den Bürgern sein und noch mehrere Großkundgebungen in Mainz abhalten, sagte Junge. Bleibt festzustellen: Die AfD konnte erneut völlig ungehindert ihre Veranstaltung in aller Ruhe abhalten. Warum trotzdem Redner behaupteten, sie dürften „ihre Meinung nicht sagen“, blieb rätselhaft. Junge selbst behauptete in seiner Rede gar, die Meinungsfreiheit in Deutschland sei am Ende: „Das sind die klassischen Methoden totalitärer Staaten.“

Polizei sichert AfD Veranstaltugn Bürgerhaus Finthen

Friedlicher Protest, die AfD von Polizei geschützt – Foto: gik

Meinung& auf Mainz&: Das ist wirklich unsäglich: Deutschland mit einem totalitären Staat zu vergleichen, geht gar nicht. Ein solcher Vergleich schürt Ängste und zeichnet ein völlig unangemessenes Bild eines Staates, der in die Rechte seiner Bürger eingreift. Welche Fehler auch immer Deutschland hat – die Meinungsfreiheit gilt. Die AfD hat genau diese am Dienstagabend ja ausführlich ausgeübt – und zwar völlig ungehindert. Sie musste sich nicht in einem Hinterzimmer treffen, ihre Versammlung wurde nicht von der Polizei aufgelöst, das Bürgerhaus nicht gestürmt.

Ungestört war die AfD nicht – aber, liebe Leute, genau das ist Teil unserer Demokratie und Meinungsfreiheit. Wer Thesen äußert, muss mit Widerspruch rechnen – und genau das taten die Demonstranten vor der Tür. Gewalt im Dunkeln ging dabei nicht von den Demonstranten aus – sondern von den AfD-Sympathisanten. Die fühlten sich schon bedroht, weil da Menschen standen – das aber wirft ein bezeichnendes Licht auf deren Demokratieverständnis.

Dazu passt, dass ausgerechnet ein Polizeichef von diesen Rechten angezeigt wird, weil er seinen Job macht – es entlarvt die angeblich so demokratischen Aktivisten der rechten Seite: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns und wird rücksichtslos bekämpft. Das gabe es zuletzt unter den Nationalsozialisten, genauer: im NS-Staat.

Plakat gegen Rassismus AfD Demo Finthen

Plakat gegen Rassismus vor dem Bürgerhaus Finthen bei der AfD-Veranstaltung – Foto: gik

Sobald die AfD Widerstand spürt, spielt sie die Beleidigten und Verfolgten. Das sind typische Verfolgungswahn-Mechanismen rechter Parteien – die damit Ängste von Menschen schüren, die meinen, es könne Tendenzen von Meinungsunterdrückung geben. Und siehe, da sagt ein seriöser Politiker einer offiziellen Partei, seine Meinung werde unterdrückt, seine Partei verfolgt – das ist Wasser auf die Mühen aller Misstrauischen. Dann auch noch von „totalitärem Staat“ zu reden schürt den Eindruck, es gäbe so etwas tatsächlich.

Der Verfassungsschutz nannte früher so etwas übrigens „staatszersetzende Reden“ – bleibt zu hoffen, dass die Schlapphüte das auch mitbekommen. Wer solche Reden führt, der zerstört die Demokratie von innen, in dem er den Eindruck erweckt, sie sei bereits tot. Gaulands Aussagen zeigen zudem deutlich: die rechtsextreme Gesinnung ist in der AfD ausdrücklich gewollt und Programm – bis zur Wahl will man das aber lieber noch ein bisschen verstecken. Also schaut hin, was Ihr wählt.

Dass eine solche Partei tatsächlich am 13. März in den rheinland-pfälzischen Landtag einzieht – Glauben tun wir das noch nicht. Abgerechnet wird am 13.3.2016 um 18.00 Uhr.

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

12 Kommentare

  1. Johannes Dienstag, 5. Januar 2016 at 23:46 -  Antworten

    Extremisten sind immer sehr gefährlich, sowohl rechte, linke, als auch religiöse. Vor diesem Hintergrund habe ich durchaus Verständnis, dass dieser Artikel eher wertend und emotional, als sachlich distanziert gehalten ist.

    Trotzdem: Farbschmierereien, Steinwürfe und andere Sachbeschädigungen sind kein friedlicher Protest!

    Das Übertönen einer genehmigten Veranstaltung durch laute Musik (egal ob Beethoven oder Rock) ist und bleibt eine ernstzunehmende Straftat. Das Stören einer Versammlung kann mit bis zu 3 Jahren Haft bestraft werden. Derart harte Strafen haben Ihren Grund: Versammlungsfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung sind das Fundament einer Demokratie, das mit aller Härte verteidigt werden muss. Dass der Zweck die Mittel heiligt, ist in diesem Zusammenhang ein sehr gefährlicher Irrglaube, der schnell in den Totalitarismus führt.

    Nach Ihrer Schilderung waren die Reden im Bürgerhaus eher belanglos und inhaltsleer. Da waren die Proteste draußen wohl eher staatsgefährdend.

    • Gisela Kirschstein Mittwoch, 6. Januar 2016 at 0:51 -  Antworten

      Hallo Johannes, in der Tat: Sachbeschädigungen sind nicht friedlich, diese hier passierten aber VOR der Protestdemonstrationen am Dienstagabend. Dementsprechend habe ich die Demo – und NUR die Demo! – als friedlich bezeichnet. Genau lesen bitte! Und es wurde auch keine Veranstaltung und keine Rede im Saal übertönt. Hetze gegen Flüchtlinge zu betreiben, diffuse Ängste zu schüren – belanglos finde ich das allerdings nicht unbedingt…

  2. Adrian Mittwoch, 6. Januar 2016 at 0:14 -  Antworten

    Eine Sache muss ich korrigieren, es kam nicht jede Person die wollte durch die Menge. Vermutete Besucher der AFD-Veranstaltung wurden beim Durchqueren der Gegendemo blockiert (dahinter war sowieso vollständig abgesperrt) und mussten einen anderen Weg nehmen.

    • Gisela Kirschstein Mittwoch, 6. Januar 2016 at 0:53 -  Antworten

      Hallo Adrian, also während ich da vor dem Bürgerhaus stand, kam jeder durch, der wollte. Er musste vielleicht um ein Gitter herum laufen – ja, und? Man kam problemlos ins Bürgerhaus rein, oder nicht? Bei einem Fußballspiel und an Rosenmontag gibt’s auch Gitter und Absperrungen – ist das dann auch eine Blockade?

  3. Adrian Mittwoch, 6. Januar 2016 at 3:34 -  Antworten

    Hallo Gisela, wohl eine Frage der Uhrzeit.
    Als ich ab geschätzt 18:30 teilnahm wurden die Leute bei der Gegendemo noch vor dem Gitter blockiert, erst nach Auflösung der Versammlung wieder.

  4. Petrus Monntanus Mittwoch, 6. Januar 2016 at 9:48 -  Antworten

    Freude schöner Götterfunken …
    In der Tat DIE Anti-AFD Hymne.
    Auch die Mitarbeiter der Semper Oper müssen – wie zu lesen war – sie immer wieder anstimmen,
    wenn die rechtlich denkenden Demonstranten vor ihren Toren aufmarscheiren
    und lauthals beklagen, daß sowohl Programm als auch die Inszenierungen von Deutchlands
    meistbewundetem Musentempel nicht völkisch genug sind.
    *
    bis zu den Wahlen vorsichtig argumentieren …
    Eine sehr aufschlußreiche Formulierung dies.
    Danach darf mann wohl die S.. rauslassen.

    Heile heile Gänsje.

    Euer Petrus

  5. enavigo Mittwoch, 6. Januar 2016 at 10:47 -  Antworten

    Danke für diesen Artikel.
    Ja, die AfD muss auf demokratischen Weg gestoppt werden. Und dazu zählen eben auch Kundgebungen – sogar mit lauter Musik -.
    Wer die „Forderungen“ von Herrn Junge überprüft, erkennt schnell dass außer Populismus sehr wenig Substanz hinter den Sprüchen steckt. Und diese unbewiesenen Übertreibungen sind halt ein Stilmittel schlechter Rhetorik, die aber leider bei einem Teil der Bevölkerung Gehör findet.
    Sicherlich ist die Flüchtlingsthematik eine Herausforderung für die Gesellschaft und Politik, aber Menschen einfach nicht in ein Land zu lassen mit der Gefahr, dass sie vor den Grenzen oder auf der Flucht ertrinken, erfrieren oder verhungern sollte für eine aufgeklärte Gesellschaft – zu der sich doch angeblich auch die AfD Politiker und Wähler zählen – als Lösung noch nicht einmal angedacht werden.
    Solche und ähnliche Forderungen haben auch mit sachlichen Wahlkampf, den die AfD immer wieder betont, gar nichts zu tun. Umsetzbare Alternativen sehe ich bei der Alternative keine, außer der Bürgermitbeteiligung, die aber von anderen Parteien schon länger gefordert wird, als es die AfD überhaupt gibt.

  6. Carl Mittwoch, 6. Januar 2016 at 12:22 -  Antworten

    Hallo Frau Kirschstein, ganz so einfach ist es nicht: Eins vorweg – ich war gestern auch unter den Protestierenden, um das klar zu sagen. Mir ist aufgefallen, dass einzelne vermutete Teilnehmer der AFD-Veranstaltung tatsächlich gehindert wurden, den direkten Weg zur Polizeiabsperrung hin zu nehmen. Sorry: da fängt für mich Gewalt an. Ich möchte einen sehen, der einmal von rechten Demonstranten daran gehindert würde, eine Veranstaltung der SPD oder sonstwas zu besuchen. Der Aufschrei wäre groß. Zu Recht, denn die Versammlungsfreiheit gehört zu den Grundfesten der Demokratie und: das Gewaltmonopol liegt bei Staat und nicht bei uns Protestierenden, auch wenn wir auf der vermeintlich „richtigen“ Seite stehen. Eine Versammlung der AFD kann nur dann nicht stattfinden, wenn staatlich zuständige Instanzen das, aus welchem Grund auch immer, anordnen. Ihr Ansatz, dass z.B. der Verfassungsschutz wachsam sein sollte, weist in die richtige Richtung.

  7. Heinz-Georg Diehl Mittwoch, 6. Januar 2016 at 13:08 -  Antworten

    In der Intention stehe ich voll hinter Ihrer Berichterstattung – oder war das doch mehr eine Kommentierung im Sinne von politischer Stellungnahme? Aber auch bei aller berechtigten Emotionalität müssen klare Regeln beachtet werden. Veranstaltungen einer zugelassenen Partei dürfen nicht durch Beschimpfungen und Zugangserschwernisse beeinträchtigt werden. Wir Demokraten müssen doch stark genug sein, mit überzeugenden Argumenten auf hirnrissige rechte Propaganda zu antworten. Das Voltaire zugesprochene Wort „Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen“ sollte für jeden Demokraten gelten. Natürlich besteht damit auch das Recht, sicher sogar die Pflicht, „verachteten Meinungen“ energisch entgegenzutreten. Vor einer Veranstaltung, also ohne damit Störung der Meinungsfreiheit des politischen Gegners zu begehen, kann man die „Ode an die Freude“ singen. Und bitte, bleiben Sie bei der Wahrheit: Es ist nicht die „Ode an die Freiheit“, wie Sie sie benennen. In dem ganzen Text kommt das Wort Freiheit nicht ein einziges Mal vor. Man kann vieles implizieren, unter dem Text „alle Menschen werden Brüder“ vielleicht auch Freiheit. Aber bitte, machen Sie den Rechten es doch nicht so leicht, „Lügenpresse“ zu rufen. Zum Thema Gegendemonstration eine Erinnerung aus meinen Kindertagen: Wenn meine Eltern mit meinen Geschwistern und mir sonntags nach St. Bonifaz in den Gottesdienst gingen, zog in den 30er Jahren die Hitlerjugend mit Pauken und Trompeten um die Kirche herum. Man musste sich beim Kirchgang durch die braunen Horten drängen. Eine massive Störung des Gottesdienstes?! Gegendemonstration?! Demokraten dürfen sich solcher Methoden nicht bedienen. Der Zweck heiligt hier nicht die Mittel.

    Politiker und Journalisten brauchen eins: Visionen von einer besseren Welt, Mut in oft beschwerlichen Schritten auf dieses Ziel zuzugehen und unbeugsames Durchhaltevermögen. Nur Mut: Wir schaffen das!

    • Gisela Kirschstein Mittwoch, 6. Januar 2016 at 14:05 -  Antworten

      Hallo Herr Diehl, Beethovens Ode an die Freude ist auch als Freiheitshymne bekannt, deshalb schrieb ich „Ode an die Freiheit und Brüderlichkeit“ – das ist historisch belegt. Und natürlich bleibe ich bei der Wahrheit 😉

    • Carl Mittwoch, 6. Januar 2016 at 14:28 -  Antworten

      Hallo Herr Diehl, ich danke Ihnen für diesen Beitrag. Auch für den Hinweis auf ihre Erlebnisse mit den Nazis in den 30ern. Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass man heute nicht zu ähnlichen Mitteln greifen darf, nur weil man glaubt, damit die richtigen Ziele zu verfolgen. Es steht, glaube ich, zurzeit vieles auf dem Spiel. Den inneren Frieden, den unser Land zu einem der lebenswértesten und stabilsten gemacht hat, ist nur zu erhalten, wenn man „aushalten“ kann, dass es Menschen mit anderen Meinungen gibt und man den Mut und die Hoffnung hat, die besseren Argumente zu finden.

  8. Heinz-Georg Diehl Mittwoch, 6. Januar 2016 at 14:41 -  Antworten

    Zu dem Gauland Verweis auf die „Demütigung von Versailles“.: Die „Demütigung von Versailles“, in dem Deutschland nach dem ersten Weltkrieg 1919 einem Friedensdiktat unterworfen wurde, hatte ihren Ursprung in einer vorhergehenden Demütigung Frankreichs durch Deutschland. 1871 besiegten die vereinigten deutschen Heere unter Führung Preußens die Franzosen und besetzten Paris. Dort begründeten die Deutschen das 2. Deutsche Kaiserreich durch die Ausrufung Wilhelms I. zum deutschen Kaiser – im Spiegelsaal von Versailles! Die Deutschen hatten den französischen Kaiser Napoleon III. vom Thron gestoßen und in die Gefangennahme nach Kassel geschickt („ab nach Kassel!“). Das die Deutschen in Versailles, der Herzkammer Frankreichs, das deutsche Kaiserreich ausriefen und ihren Kaiser kürten war eine unglaubliche Demütigung Frankreich. Das Friedensdiktat war gewaltig. So wurde die Deutsche Reichsbahn, einst das größte Unternehmen der Welt!, mit französischen „Tributzahlungen“ gebaut. Frankreich bekam Elsass und Lothringen abgenommen. Ein stolzes Volk, das fortan nach dem Motto lebte „nie darüber reden, immer daran denken“. Der Hass saß so tief, dass ein zweites Versailles, auch angesichts der ungeheuren Opfer des ersten Weltkrieges, trotz des besonneneren US-Präsidenten Wilson, nicht zu verhindern war. Es musste der Zweite Weltkrieg noch mal 50 Mio Menschen fordern und sich die Landkarte Europas verändern, Kolonialreiche zum Einsturz kommen und sich die politische Weltachse nach Amerika und Russland verschieben, bis man in Europa erkannte, dass nur Versöhnung das Weiterleben der Europäer sichert.

    Und jetzt kommt da so ein Herr Gauland, dem man eigentlich Geschichtskenntnis und Intelligenz unterstellen müsste, in Gesellschaft von Ahnungslosen und Dumpfbacken daher und wagt das von den Nazis für ihre Kriegsvorbereitung gebrauchte Schlagwort von der „Demütigung von Versailles!“ in den Mund zu nehmen! Und dann noch den in Deutschland immer noch verehrten Otto von Bismarck, mit dem doch alles angefangen hat. Wer hat denn in Berlin 1848 die demokratische Erhebung niederschießen lassen? Kronprinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I., ging als Kartätschenprinz in die Geschichte ein. (Unfassbarer Weise steht der heute wieder in Koblenz am Deutscher Eck auf dem Sockel!). Bismarck machte die hoffnungsvolle Entwicklung der Paulskirche zunichte, jagte Österreich aus dem Reichsverbund, sackte 1866 bis zum Main halb Deutschland nach Preussen ein und zwang die letzten noch nicht preusisschen Länder in einen von ihm (Emser Depesche) angezettelten deutsch-französischen Krieg. Dies preussische Hegemonialreich, zustandegekommen mit „Blut und Eisen“, trug den Keim des Untergangs in sich. Das Ende ist bekannt! Und da beruft sich dieser Herr Gauland drauf?
    Bitte empört euch nicht nur, sondern klärt auf!!

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