Coffee To Go: Erstes Becher-Pfand-System in Mainz gestartet – ConCup will Region erobern – NEU: Eder will Kooperation

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Mainz hat seinen ersten Mehrweg-Kaffeebecher: Am Dienstag startete mit dem ConCup das erste Coffee to go-Pfandsystem in Mainz. Das neue Becher-Pfand-System wird zunächst von 18 Partnerbetrieben in Mainz angeboten, die meisten sind Bäckereien, die eben auch den Kaffee für unterwegs anbieten. „Con“ steht dabei für das englische Wort „convenience“, also Bequemlichkeit, doch gleichzeitig soll der Mehrwegbecher vor allem die Umwelt schützen: 30.000 Einwegbecher verursachen pro Tag 420 Kilogramm Müll und verbrauchen 690 Kilogramm Holz und 270 Liter Öl. Und das Mehrwegsystem hat große Pläne: Wiesbaden, Bad Kreuznach, Bingen, Rüdesheim und bis nach Frankfurt – in der ganzen Region soll sich der ConCup verbreiten.

So sieht der neue Kaffee-Mehrwegbecher ConCup aus. Foto: Con Cup

Erfinder ist der Ebersheimer Daniel M. Brandes, der erzählt, er habe sieben Jahre Erfahrung in der Mehrwegbecherbranche. „Ich habe mir schon länger Gedanken über dieses Thema gemacht“, berichtete er Mainz&: Allein in Deutschland würden pro Stunde (!) rund 320.000 Coffee to go-Einwegbecher entsorgt. Im Jahr seien das 2,8 Milliarden Einwegbecher allein beim Kaffee, jeder Einwegbecher aber verbrauche 23 Gramm  Holz, mehr als einen halben Liter Wasser, 9 Milliliter Öl und am Ende 14 Gramm Abfall. Dafür würden pro Jahr rund 43.000 Bäume gefällt, 320 Millionen Kilowatt Strom verbraucht, 22.000 Tonnen Rohöl gefördert und 111.000 Tonnen CO2 freigesetzt. Am Ende fielen so rund 40.000 Tonnen Abfall an – auf Mainz gerechnet bestehe bei einem täglichen Verbrauch von geschätzten 30.000 Einwegbechern ein Einsparpotenzial von 690 kg Holz, mehr als 16.000 Liter Wasser, 270 Liter Öl und 420 Kilogramm Müll. Und das alles pro Tag!

Brandes wollte das ändern, die Entwicklung zur Lösung habe rund sechs Monate gebraucht, berichtet er. Heraus kam ein stabiler Becher aus Polypropylen, der spülmaschinengeeignet, bruchsicher und langlebig sei. Den Becher kauft der Kunde für einen Euro und kann ihn bei jedem der 18 Partner wieder zurückgeben, wobei er den einen Euro auch wieder zurück bekommt. Die Becher werden dann gereinigt und wieder neu ausgegeben. Das System sei für jeden Verkäufer von Coffee to go sehr interessant, glaubt Brandes, denn jeder eingesparte Einwegbecher bedeute auch finanzielle Ersparnisse für die Partner.

„Unser System hat den großen Vorteil überregional agieren zu können“, sagt Brandes weiter, man sei derzeit in der Akquise weiterer Partner. Wiesbaden, Bad Kreuznach, Bingen, Rüsselsheim und vielleicht sogar Frankfurt und Darmstadt sollen in Zukunft mit eingebunden werden. „Müll und Ressourcenersparnis geht uns alle etwas an“, betont Brandes, „wir versuchen, einen kleinen Beitrag zu leisten die Leute zu sensibilisieren, aber auch einen echten Gewinn für die Umwelt zu erzielen.“

Damit prescht Brandes in einem Feld vor, das gerade auch die Parteien als lohnendes Aktionsziel auserkoren hatten: Die CDU hatte Mitte März vorgeschlagen, einen Meenzer Kaffeebecher einzuführen und dazu einen Prüfantrag im Stadtrat gestellt. Die Idee dabei ist die Entwicklung eines eigenen Mainzer Bechers, den man morgens in seine Tasche steckt und in der Bäckerei oder dem Café befüllen lässt. Parallel dazu aber verriet Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne), die Stadt plane schon ein eigenes Becher-Projekt:  Das Projekt sei schon länger in Planung, die Stadt wolle „mit einem großen Player“ kooperieren, sagte Eder Mainz&.

So hatte sich die CDU den Mainzer Kaffeebecher vorgestellt. – Foto: CDU Mainz

Im Stadtrat allerdings konnten sich die Fraktionen erst einmal nicht recht einigen, die FDP sprach gar von einem „Schnellschuss“ der CDU, Fragen wie die nach dem Spülen seien nicht beantwortet. „Ich müsste die CDU-Fraktion für den Antrag schon fast knuddeln“, wurde hingegen Thorsten Lange von den Grünen regelrecht euphorisch, das gehe absolut in die richtige Richtung. Aber die Frage sei doch, „ob wir in Mainz unbedingt einen eigenen Testballon starten müssen“, schließlich gebe es in anderen Städten schon einiges an Vorbildern.

Tatsächlich müssten die Mainzer nur mal über den Rhein nach Hessen schauen: Dort rief Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) schon vor einem Jahr die Initiative „BecherBonus“ ins Leben, inzwischen machten dort mehr als 50 Unternehmen und knapp 3.000 Filialen mit. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis nach einem Jahr“, sagte Hinz Anfang April bei einer ersten Bilanz. Das Prinzip hier ist noch einfacher: Die Geschäfte gewähren ihren Kunden einen Rabatt von mindestens zehn Cent pro Kaffee, wenn der Kunde seinen eigenen Becher gleich selbst mitbringt. Angesichts einer wachsenden Beliebtheit von hochkarätigen Warmhaltebechern keine schlechte Methode. Und selbst die Deutsche Bahn macht inzwischen in ihren Bordbistros mit, verkündete Hinz stolz.

Die Ministerin wirbt dafür, die Coffee-to-go-Becher gleich ganz zu vermeiden, denn die seien schwer recycelbar, weil innen mit Kunststoff beschichtet. Die 2,8 Milliarden Wegwerfbecher pro Jahr in Deutschland seien somit „eine Verschwendung wertvoller Ressourcen.“ Was jetzt aus den Mainzer Initiativen von Stadt und CDU wird, ist indes unklar: Dezernentin Eder sprach sich im Stadtrat jedenfalls dafür aus, der Stadtrat möge nicht ein System bevorzugen. „Es ist der falsche Weg zu sagen, wir schreiben eine Variante vor“, sagte Eder, das sei „den Menschen gegenüber doof, die sich seit Monaten für das Thema engagieren.“ Und schließlich sei „jeder Becher, der vermieden wird, eine gute Sache.“

Update: Am Donnerstag hatte Mainz& Gelegenheit, Dezernentin Eder zu dem neuen Becher-Pfandsystem zu befragen, das Ergebnis: Die städtischen Projekte werden wohl erst einmal auf Eis gelegt. „Es ist nicht Aufgabe einer Stadt, einem Jungunternehmer Konkurrenz zu machen“, sagte Eder Mainz&. Sie werde nun das Gespräch mit dem Betreiber der ConCups suchen und sehen, wie man kooperieren oder den Unternehmer unterstützen könne. „Mehrere Systeme in einer Stadt machen wenig Sinn“, fügte die Dezernentin hinzu.

Info& auf Mainz&: Mehr zum neuen ConCup in Mainz findet Ihr auf dieser Internetseite, dort findet Ihr auch eine Liste der Shops, die bei dem Projekt mitmachen. Informationen zum hessischen BecherBonus-Modell genau hier im Internet.

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

1 Kommentar

  1. Hans Meier 7. November 2018 at 17:52 -  Antworten

    Der Con Cup ist häslich, der Becher der CDU ist wesentlich ansprechender.
    Vielleicht hätte man sich im Umfeld mehr Gedanken über die Zielgruppen
    machen sollen.

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