Comedian Woody Feldmann rockt die Fastnacht – Kleine Powerfrau mit großer Schnauze und ganz viel Herz

Alles&, Narretei & andere Mainzer Spezialitäten 0 2255

Jetzt rockt sie wieder die Fastnachtsbühnen in Mainz: Woody Feldmann, stimmgewaltige Powerfrau aus dem Nachbarland Hessen. Donnerstagabend feierten sie rund 700 Menschen bei der „Fastnight“ im Mainzer Schloss, Feldmann war noch gar nicht richtig auf der Bühne, da kreischten die Fans im Saal schon aus vollen Kehlen. „Guude!“ rief Woody in den Saal und startete mit ihrem Lieblingssatz: „Schön, dass Ihr da seid!“ Keine Frage: Binnen weniger Kampagnen ist die kleine Powerfrau zum großen Liebling in der Mainzer Fastnacht geworden. Ende Januar steht sie etwa bei der Gemeinschaftssitzung von KCK und CCW auf der Bühne, bei den Kostheimer Woigeistern moderiert sie gar die ganze Sitzung. Wer ist die gerade 1,58 Meter kleine Frau, die so manches „Frauenbild“ gründlich ins Wanken bringt? Mainz& hat Woody Feldmann in ihrem eigenen Theater im hessischen Riedstadt besucht.

Comedian Woody Feldmann in ihrem eigenen kleinen Theater in Riedstadt vor den Toren von Darmstadt. – Foto: gik

Bürstenhaarschnitt, fester Händedruck, Männerhose – nein, Woody Feldmann kommt nicht wie eine Elfe daher. „Guude“, grüßt die gerade 1,58 Meter kleine Frau, bittet ins Haus, und plötzlich wirkt der Raum irgendwie kleiner. Feldmanns Präsenz und Ausstrahlung sind einfach enorm. Wir treffen uns in Woodys Wohnzimmer, ihrem eigenen Bühnentheater in einer unscheinbaren Halle am Rande von Riedstadt. „Wir sind bis 2019 ausverkauft“, sagt Feldmann stolz.

Standup-Comedy ist die offizielle Bezeichnung dessen, was Woody Feldmann macht, man könnte in ihrer Sprache auch sagen: Hinstelle, schwätze. „Meine Schlagfertigkeit ist fast unschlagbar“, sagt Feldmann. In der Tat: Ihr Mundwerk ist legendär, ihr Improvisationstalent auch. Wohl keiner schafft es so spontan, Ereignisse, Personen, Blödsinn einzubinden und daraus eine große Comedy-Nummer zu machen. Sommernächte auf der Friedberger Warte, Mainzer Comedy Night, Rosa Wölkcher-Sitzung – seit Jahren ist Woody Feldmann im ganzen Rhein-Mainz-Gebiet eine feste Comedy-Größe. Sie moderiert Fastnachtssitzungen, serviert Obdachlosen Essen beim traditionellen Weihnachtsdinner in Frankfurt und moderiert den Frankfurter Hate Slam – und immer sind ihre Auftritte ein Highlight.

Woody Feldmann, mal nachdenklich – in ihrer Garderobe im Theater in Riedstadt. – Foto: gik

Dabei redet sie über Banales, Alltägliches, über Beziehungen, nachtschwärmende Männer, Frauenprobleme. Ihr großer Hit: Eine Hommage an die Tupperdose, der ganze Saal grölt das mit. „Meine Texte schreib‘ ich im Kopf“, sagt Feldmann, „ich schnapp‘ halt gern Sachen auf, da wär’s ja schad, wenn ich ein festes Programm hätt‘.“ Mit acht Jahren schrieb sie ihre erste Büttenrede, die Fastnacht war ihr Zuhause, beruflich machte sie eine kaufmännische Lehre. Der Job war ihr nicht kreativ genug, also lernte sie noch Fotografin, verkaufte Luftaufnahmen.

„Ich wurde in einer Kneipe beim Witze erzählen entdeckt“, erzählt Feldmann, „ich hab‘ mich tierisch aufgeregt über meine Autoversicherung, da war ich gerade 20.“ Das war in einer Kneipe in ihrer Heimatstadt Griesheim, den „Auftritt“ erlebte live Peter Wunderlich mit: Der Theatermacher war damals als Regisseur am Staatstheater Darmstadt tätig und zufällig in derselben Kneipe – und war fasziniert. Das sei ein klarer Fall für die Bühne, sagte sich Wunderlich, doch wen genau er da vor sich hatte, ahnte er nicht. „Der hat eine Woche lang nicht gewusst, dass ich eine Frau bin“, sagt Woody mit einem breiten Grinsen. Wunderlich ist nicht der einzige, dem sich irgendwann diese Frage stellte.

Woody Feldmann am Donnerstagabend auf der Bühne bei der „Fastnight“ der Mainzer Prinzengarde. – Foto: gik

Tatsächlich ist Woody Feldmann eine Frau, geboren vor 46 Jahren in Griesheim. „Eine Hausgeburt“, sagt sie trocken, „wahrscheinlich war es meinen Eltern zu gefährlich, mit mir in eine Klinik zu gehen.“ Ja, einen zweiten Vornamen habe sie auch noch, der Geschlechter-Erkennung wegen, aber Woody, so riefen sie auch ihre Eltern, betont sie. „Bei mir war es immer schon schwierig, ob Mann oder Frau“, sagt sie ganz gelassen, „ich habe männliche Attribute.“ Dass sie Frauen liebt, wusste sie früh, „das Normale war nichts für mich.“

Wunderlich nahm sie mit in die Welt der Oper. „Ich hab‘ ein Jahr lang in Braunschweig den Toulouse Lautrec gesungen, richtig als Tenor“, erzählt sie – und schmettert mal eben so eine Arie in den Raum. Dabei kann sie nicht einmal Noten lesen, hat nie Gesang studiert – Lieder lernt sie nach Gehör. Ihr unglaubliches Stimmvolumen schlägt umgehend jeden Saal in den Bann – und überzeugte sogar die Braunschweiger Oper. „Die fanden keinen Tenor, der bereit war, vier Akte auf den Knien zu gehen“, sagt Feldmann, „da kam Feldmann ins Spiel.“ Als herauskam, dass sie gar kein Opernsänger war und zudem eine Frau, gab es einen Skandal – Feldmann sagte der Opernbühne adé und machte sich als Künstlerin selbstständig.

In Discos trat sie auf, moderierte Single-Abende, Privatparties. Vor etwa neun Jahren traf sie ihren heutigen Manager Thomas Neumann, zwischen dem Musiker und der Comedian stimmte die Chemie auf Anhieb. „Seitdem geht es ab, bin ich nur noch unterwegs“, sagt Feldmann, das Theater in Riedstadt bauten sie gemeinsam. „Wir gehen von hier live ins Internet, haben einen eigenen Youtube-Kanal – freier sein als ich hier, das geht gar nicht“, sagt Feldmann.

Vielen bekannten Comedians gehe es schlicht ums Geld, „das interessiert mich eigentlich gar nicht“, sagt Feldmann, lieber sitze sie mit Knäckebrot und einem Äppelwoi am Rhein. „Dass die Leute einfach mal zwei Stunden nicht denken, das ist mein Ziel“, sagt sie, „Leute, die lachen und das Paket vergessen, das wir alle zu tragen haben.“ Humor gebe Kraft, sagt sie, das Foto ihrer Eltern, beide schon gestorben, steht auf dem Garderobentisch. „Schee, dass es Dich gibt“, ist einer ihrer Lieblingssätze, „der wird viel zu selten gesagt, aber der verändert so viel“, sagt sie noch. Und dann schmeißt sie sich für den Abend in ihren schwarzen Bühnenfrack mit weißer Fliege für die nächste Mission Freundschaft und Lachen. Warum trägt sie schwarz? „Ich bin doch bunt genug“, sagt Woody Feldmann, „ich bin ein bunter Vogel.“

Info& auf Mainz&: Mehr von und mit Woody Feldmann sowie alle Infos zu ihrem Theater in Riedstadt und ihren Auftritten findet Ihr hier im Internet und hier auf Facebook.

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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