Die Maaraue – eine unbenutzte Brache?

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Habt Ihr schon gewusst, dass die Maaraue eine unbenutzte Brache ist, die dringend als neue Stadt zwischen Mainz und Wiesbaden geplant werden sollte? Nein? Nun, auch Mainz& ist bislang davon ausgegangen, dass die Maaraue ein wertvolles Landschaftsschutzgebiet und Naherholungsgebiet ist, das mit Spazierwegen und Radwegen, mit Schwimmbad und Campingplatz, Sportplätzen und Kleingärten wirklich gut gefüllt ist. Und dass ein wahrer Schatz für uns Städter ist. Nicht so die Städte Wiesbaden und Frankfurt.

Mainz Silhouette von Kastel aus

Was für ein Blick… – Foto: gik

Die gaben gleich acht internationalen Archtitekturbüros den Auftrag, Ideen für zwei „gigantische Brachen“ zu entwickeln – die eine zwischen Frankfurt und Offenbach, und die zweite unsere Maaraue. Das berichteten nun übereinstimmend mehrere Tageszeitungen, darunter der Wiesbadener Kurier und die Frankfurter Neue Presse. In schwärmerischen Worten ist da von „Visionen für die Region“ und einem „starken Signal“ der Oberbürgermeister die Rede.

„Ideen für vernachlässigte Stadtränder“

Das Ganze nennt sich „Architektursommer“, und der soll sich 2015 in der Tat mit dem Thema „Region im Fluss“ beschäftigen. Nichts gegen neue Visionen fürs Rhein-Main-Gebiet, dagegen ist nun wirklich nichts einzuwenden. Aber Ideensuche für „vernachlässigte Stadtränder“? So hatten wir die Maaraue noch gar nicht gesehen…

Nicht gesehen habe diese aber offenbar auch die Architekturbüros, anders ist nicht zu erklären, welche Konzepte da entwickelt wurden. Die Architekten wollten die „Maininsel als einen „versteckten Ort“ aus der industriellen Vergangenheit Kostheims von der Gegenwart in die Zukunft befördern“, schrieb Anfang dieser Woche der Wiesbadener Kurier.

Kreisrunde Ufo-Stadt auf der Maaraue

Da entwickele ein Büro die Vision einer kreisrunden Stadt auf der Maaraue, die sich wie ein Ufo an den Rändern abflacht, die dann auch prompt bei Hochwasser überschwemmt werden könnten. Dann würde sich die Stadt auf der Insel wie eine Hallig abheben und aussehen wie eine der künstlichen Inseln in Dubai, auf die Piloten der anfliegenden Flieger ihre Passagiere hinweisen könnten. Ah ja.

Vorbeugung gegen Astbruch Lesellallee - Foto gik

Viel Grün, viel Platz zum Joggen und Radfahren – Foto: gik

Von einer Stadt für Studierende ist da die Rede, die in den anderen Kommunen keine Wohnung hätten finden können. Als Vorbild gelte die Wohnbebauung am Schiersteiner Hafen, schwärmen die Architekten offenbar, und offenbaren dabei ihre Weltfremdheit: Seit wann werden direkt am Wasser billige Wohnungen für Studenten gebaut? Die Maaraue aber sei ein vernachlässigtes Gelände mit „dem verblassenden Charme eines Freizeitgeländes der 60er Jahre“, heißt es im Wiesbadener Kurier weiter – da würde uns ja mal interessieren: Seht Ihr das auch so?

Schnellweg für Räder und fahrerlose Autos – sechs Spuren breit

Vollends absurd wird es, wenn von „okatagonalen Gewächshäusern“ sowie einem „Schnellweg für Fahrräder und fahrerlose Automobile, sechs (!) Spuren breit“ (Wiesbadener Kurier) die Rede ist – wo, bitte, ist denn dafür Platz auf der Maaraue? Neben der neuen Stadt, versteht sich… „Entwickeln solle sich die neue Stadt aus sich selbst heraus“, – schreibt der Wiesbadener Kurier, dem wir hier ausdrücklich danken – „unter tätiger Mitwirkung der Bewohner aus Mainz und Wiesbaden in selbstgewählter Isolation.“

Kein Wunder, dass dieser Bericht am Mittwoch auf fassungsloses Kopfschütteln stieß: Die Maaraue sei kein „unentdecktes Gebiet“, sie diene der Naherholung und müsse ja nun „nicht zwangsläufig erschlossen werden“, kritisierten die Grünen im Wiesbadener Rathaus.  Die Maaraue sei als „grüne Lunge“ absolut unverzichtbar, gerade im dichtbesiedelten Rhein-Main-Gebiet „freuen sich die Menschen an den Fleckchen Natur, die noch nicht voll durchgestaltet sind“, sagte Fraktionsvize Claus-Peter Große.

AUF: „Einfach bescheuert!“

„Einfach bescheuert!“ hieß es vom Arbeitskreis Umwelt und Frieden, allseits bekannt in AKK als AUF. „Etwas Absurderes als Architekturbüros in aller Welt damit zu beauftragen, irgendwelche Visionen für ein Landschaftsschutzgebiet wie die Maaraue zu entwickeln, kann ich mir nicht vorstellen“, sagte AUF-Sprecher Frank Porten, und wollte auch gleich noch wissen, wer denn bitteschön in Wiesbaden die Maaraue als Brache eingestuft habe?

Die AUF will nun auch wissen, wie viel Geld Wiesbaden für den Architektursommer beigesteuert habe, und man hoffe schwer, dass dies „kein Cent“ sei – jeder Cent für dieses Projekt sei ein verschwendeter. Gleichzeitig würden Pläne für einen Jugendtreff auf der Maaraue, sichere Fußwege und anderes abgelehnt – mit Verweis auf das Landschaftsschutzgebiet, kritisiert Porten.

Und so kommen die Kasteler und Kostheimer denn auch zu der Vermutung, die Architekten hätten wohl die Bedeutung der Maaraue nicht erkannt. „Ein schlichter Abend- oder Sonntagsspaziergang dort“, meinten die Grünen, „hätte bereits gezeigt, was die Maaraue ist und bleiben muss: ein Ort für Natur, Bewegung, Sport und Erholung.“

Mainz& will’s wissen: Aus Sicht von Mainz& ist dem wenig hinzuzufügen – oder? Seht Ihr das genauso? Oder findet Ihr, neue Ideen für die Maaraue müssen her? Dann schreibt uns an oder@mainzund.de – und wir machen unseren eigenen Ideen-Workshop für die Maaraue!

P.S.: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Pläne Wirklichkeit werden, dürfte gering sein – wenn es nämlich an die Frage geht, wer das Ganze bezahlt.. Allerdings soll 2015 nach Wegen gesucht werden, wie die Visionen realisiert werden können.

P.P.S.: Mainz& versucht natürlich, noch an die Fotos und Entwürfe der Architekten für die Maaraue zu kommen, das könnte aber schwierig werden – die zweiwöchige Ausstellung im Deutschen Archtitekturmuseum in Frankfurt scheint nämlich schon vorbei zu sein. Aber wir bleiben dran 😉

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

3 Kommentare

  1. irmi Donnerstag, 5. Juni 2014 at 8:13 -  Antworten

    ob deshalb die Kastanien wegmüssen ?

  2. Paul Laib Donnerstag, 5. Juni 2014 at 11:17 -  Antworten

    Schande !
    Eine neues EHEC (Quatsch ich mein natürlich ECE) muß im Keim erstickt werden.
    Wir brauchen eine Mainz / Wiesbadener BI „Rettet die Maaraue“:
    Bürger höret die Signale. AUF ins nächste Gefecht !

    Übrigens: Kaiser Barbarossa hielt auf der Maaraue an Pfingsten vor 830 mit dem Mainzer Hoftag das größte und prachtvollste Fest des Mittelalters in deutschen Landen ab.
    Aber wer weiß sowas heute noch … :-((.

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