So verläuft der Mainzer Rosenmontagszug früher und heute – Wo guckt man den Zug am besten?

Alles&, Narretei & andere Mainzer Spezialitäten 3 25160

Der Rosenmontag wirft seine Schatten voraus, wieder einmal heiß gefragt: Der Zugweg des Mainzer Rosenmontagszuges. 7,2 Kilometer lang zieht der närrische Lindwurm immer an Rosenmontag ab 11.11 Uhr durch die gesamte Mainzer Innenstadt – Ausnahmezustand! Aber wo genau führt der Zug eigentlich lang? Für Neu-Mainzer, Auswärtige und Vergessliche hat Mainz& den Zugweg – und so manche Info. Über Zugwege früher und heute und die Frage: Wo sieht man den Zug am besten? Bitteschön.

Zugweg des Rosenmontagszuges in Mainz 2014

Zugweg des Rosenmontagszuges in Mainz 2014

Der Weg durch Mainz scheint uns heute ja unverrückbar. Tatsächlich aber gab es in der Geschichte des Mainzer Rosenmontagszuges seit 1838 insgesamt 35 verschiedene Zugstrecken! In jüngerer Zeit gab es zwei wesentliche Änderungen: Bis 1995 zog der närrische Lindwurm nämlich mitten durch die Mainzer Altstadt. Das größte Gedränge gab es immer in der Augustinerstraße, viele fanden, dass hier das Herz des Zuges schlug. Doch den Organisatoren wurde diese Strecke zu heikel: Immer größere Fastnachtswagen, immer betrunkenere Narren, das wurde einfach zu gefährlich.

Seit 1995 zieht der Mainzer Rosenmontagszug deshalb von der Ludwigsstraße geradeaus über die Domplätze hinunter zur Rheinstraße, und dort um die Altstadt herum die Weißliliengasse entlang wieder zum Schillerplatz. Das hat auch den Vorteil, dass der Dom jetzt viel länger im Blickfeld von Narren und Kameras ist 😉 Der Brunnen am Höfchen wird für diesen Weg übrigens eigens so abgedeckt, dass Wagen und Narren einfach über ihn drüber ziehen.

2010 wagte sich dann der langjährige (und inzwischen verstorbene) Zugmarschall Ady Schmelz erneut an eine Routenänderung: Schmelz verordnete dem Rosenmontagszug den Gang von der Christuskirche hinunter an den Rhein, und dann am Kurfürstlichen Schloss entlang. Die Proteste dagegen waren massiv und entzündeten sich vor allem an der Schloss-Strecke: Viel zu zugig, keine Atmosphäre, zu wenige Menschen für das zu offenen Gelände.

So kam es dann auch, der neue Zugweg floppte gründlich, 2011 nahm der MCV die Änderung wieder zurück. Die Meenzer Drecksäck parodierten damals in einem legendären kleinen Sketch die verfehlte Streckenführung – und pusteten die kleinen Zinnfiguren vor dem Schloss einfach um. Bis heute setzen die Drecksäcke dem im Mai 2010 verstorbenen Ady Schmelz ein kabarettistisches Denkmal – auch 2017 war das so.

Die heutige Zugstrecke ist 7,2 Kilometer lang, die Narren brauchen dafür dreieinhalb bis vier Stunden. Los geht es um 11.11 Uhr in der Boppstraße, Ecke Josefsstraße, der Zug der Narren ist aber aneinandergereiht inzwischen satte 9 Kilometer lang. Wenn also der erste in der Parcusstraße ankommt, sind die letzten noch nicht einmal losgegangen… Voraussichtliches Ende: nicht vor 15.30 Uhr.

Wo sieht man den Zug am schönsten?

Wow - der Blick vom Höfchen Richtung Schillerplatz - Foto: gik

Volles Haus am Rosenmontag auf der LU, mit den Ehrentribühnen vor dem Staatstheater rechts. – Foto: gik

Bleibt die immer wiederkehrende Frage: Wo kann man den Zug am besten sehen? Nun, das kommt darauf an, was Ihr wollt. Steht Ihr auf Party und dichtes Gewühl, dann sind der Schillerplatz, die Weißliliengasse und die Region Südbahnhof/Fort Malakoff die richtigen Gegenden für Euch. Speziell in der Altstadt und Richtung Südbahnhof trifft sich die Jugend, allerdings war die Stimmung am Fort Malakoff 2015 teilweise auch sehr aggressiv – hier kam es zu diversen Schlägereien und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Viel Jugend trifft sich auch am Neubrunnenplatz in der Großen Bleiche, in der Großen Langgasse wiederum mischt sich bunt das Publikum.

Eingefleischte Mainzer sehen sich den Zug gern im Schatten des Doms auf den Domplätzen an oder gleich auf Schillerplatz und LU – hier, im Herzen der Stadt, herrscht allerdings auch das dichteste Gedränge. 2017 allerdings war das erstmals anders: Wegen des neu eingeführten Glasverbots auf der Ludwigsstraße blieben die Narren zum Zug-Gucken auf der LU auf einmal aus – entlang des Zugwegs taten sich große Lücken auf, ausgerechnet im Blickfeld der Kameras… Keine gute Werbung für die Fastnachtsstadt Mainz.

Umso voller war es vergangenes Jahr in der Bauhofstraße und der Großen Bleiche – auf einmal wurde die sonst manchmal eher Stimmungsarme Zwischenstrecke zum Trubel-Hotspot mit toller Stimmung. Familien weichen übrigens gerne auf die Kaiserstraße aus, dort bietet der grüne Mittelstreifen viel Platz zum Toben und für Kinderwägen. Die Zugstrecke um die Christuskirche herum ist traditionell sowieso Familiengegend, ebenso die Boppstraße, wo der Zug startet. Manchmal halten sich hier die Zugteilnehmer mit dem Werfen von Bonbons allerdings noch sehr zurück – der Zugweg ist ja noch lang. Bei Bonbon-Jägern ist deshalb der auslaufende Schillerplatz Richtung Münsterplatz beliebt: Hier werfen die Narren auf den letzten Metern gerne noch ihre Wurfsachen unters Volk.

Info& auf Mainz&: Alle aktuellen Infos zum 66. Mainzer Rosenmontagszug im Jahr 2017 lest Ihr hier bei Mainz&. Und wie er war, der 66. Rosenmontagszug in Mainz, das lest Ihr hier. Die Infos zum 67. Mainzer Rosenmontagszug des Jahres 2018 – lest Ihr demnächst hier auf Mainz&. Wie die Motivwagen 2018 aussehen, könnt Ihr bereits hier gucken und lesen.

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

3 Kommentare

  1. Giulia Felsgraf 22. Februar 2017 at 5:37 -  Antworten

    „…über die Domplätze hinunter zur Rheinallee…“ ?????? Schade. Früher bog der Zug dort in die Rheinstraße ab.

  2. Giulia Felsgraf 23. Februar 2017 at 16:19 -  Antworten

    Frau Kirschstein, wollen Sie diesen Fehler in Ihrem Artikel nicht mal korrigieren?

    • Gisela Kirschstein 23. Februar 2017 at 17:34 -  Antworten

      Die Frau Kirschstein liegt krank im Bett. Aber Danke für den Hinweis. Wir sagen übrigens zu allem, was da am Rhein unne lang läuft Rheinallee…. Wer merkt sich denn schon genau, wo da „Allee“ aufhört und „Straße anfängt“??? Aber wir korrigieren’s natürlich.

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *