Dreckiges Pflaster Bahnhofstraße: Stadt startet Probeversiegelung – Imprägnierung wurde aus Kostengründen gespart, „jetzt finanzierbar“

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Es war das Ärgernis des Sommers: Der neue Belag in der Mainzer Bahnhofstraße fällt seit Monaten durch extrem schwarze Flecken und verdreckte Stellen auf. Ausgerechnet das als „neuer Boulevard“ angepriesene Stadtentrée war bereits kurz nach seinem Start unansehnlich und abstoßend, der „Konfetti-Belag“ erwies sich als den Belastungen nicht gewachsen. Der Grund: Wie Mainz& schon im November 2017 berichtete, hatte die Stadt an der Imprägnierung gespart. Nun soll doch nachgebessert werden: Am Dienstag werden zwei Probeflächen in der Bahnhofstraße imprägniert beziehungsweise versiegelt, wie die Stadt mitteilte. So wolle man nach einer Probephase bewerten können, „ob eine der gewählten Methoden eine deutliche Verbesserung erzielt.“ Denn inzwischen sei das Geld für eine flächendeckende Versiegelung da.

Schwarze Flecken, unansehnliche Stellen: Das Pflaster in der Bahnhofstraße hält dem Alltag nicht wirklich Stand. Nun soll imprägniert werden. – Foto Désirée Thorn

Anfang Oktober 2017 war die neugestaltete Bahnhofstraße fertig geworden, gerade rechtzeitig zum Tag der Deutschen Einheit in Mainz. Doch schon acht Wochen später stellte sich heraus: Der helle Belag entwickelte in rasanter Weise schwarze Flecken. Die vermehrten sich in der Folgezeit, gerade rund um Sitzplätze wurde der Boden regelrecht schwarz. „Man kann vorher nicht absehen, wie sich der Verschmutzungsprozess gestalten wird“, antwortete Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) Ende November 2017 auf Anfrage der CDU im Mainzer Stadtrat, die Stadt wolle nun verstärkt Reinigen. „Es wird besser werden bei häufigerer Benutzung“, versprach Grosse damals.

Wurde es aber nicht, im Gegenteil: Die schwarzen Flecken vermehrten sich. Schon im November 2017 hatte Grosse in der gleichen Stadtratssitzung einräumen müssen: Imprägniert wurden die Platten nicht. In der Planungsphase sei „die Option einer Oberflächenversiegelung“ geprüft, aber aufgrund der hohen zusätzlichen Kosten nicht weiterverfolgt worden. Im August dieses Jahres dann räumte die Stadt auf erneute Anfrage der CDU im Stadtrat ein: Eine Imprägnierung des Belags in der Bahnhofstraße hätte die Materialkosten um rund 25 Prozent erhöht. Das sei mit „dem damaligen Förderhöchstsatz nicht abbildbar“ gewesen.

Die Wahl des Materials sei „im Rahmen einer Vorbemusterung unter Teilnahme aller an den Planungen Bahnhofstraße und Große Langgasse beteiligten externen und internen Planer/Innen“ erfolgt, heißt es in der Antwort auf die Anfrage weiter. Die Wahl sei ferner bei einer „Hauptbemusterung mit Entscheidung über die Wahl des Materials in den Sitzungen des Bauausschusses am 22.09.2016 und Verkehrsausschuss am 29.09.2016“ getroffen worden. Dem ausgewählten Material sei damals „aufgrund seiner feinporigen Struktur eine gute Pflegeleichtigkeit attestiert“ worden, verteidigt sich die Stadt weiter.

Und so sollte das Pflaster in der Phantasie der Planer wirken. – Grafik: Büro Bierbaum

Letztlich habe „der hohe Nutzungsdruck und die anhaltende Trockenheit (keine natürliche Reinigung) zu den inakzeptablen Verunreinigungen“ in diesem Sommer geführt, sagte Bürgermeister Günter Beck (Grüne) im August weiter. Die Imprägnierung werde zudem nur geringe Auswirkungen auf spätere Reinigungs- bzw. Pflegekosten haben. Auch mit Versiegelung sei eine kontinuierliche Reinigung unumgänglich, hatte Grosse bereits im November 2017 argumentiert.

Inzwischen sei der Höchstfördersatz durch den Fördergeber angehoben worden, teilte die Stadt nun weiter mit. Eine Kostensteigerung durch eine Imprägnierung sei jetzt bei den Projekten Große Langgasse und Münsterplatz/Schillerstraße finanzierbar. Eine Entscheidung über eine nachträgliche Imprägnierung der Bahnhofstraße sei aber noch nicht gefallen, betonte die Stadt weiter: Die Widerstandsfähigkeit der Beläge mit Imprägnierung gegen Verunreinigungen werde zwar etwas verbessert. Eine Reinigung im Nassreinigungsverfahren sei aber immer noch notwendig, um ein ansprechendes Erscheinungsbild zu gewährleisten – insbesondere bei längeren Trockenperioden.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Verschmutzung des Pflasters in der Bahnhofstraße lest Ihr in diesem Mainz&-Artikel aus dem November 2017. Mehr über die ursprüngliche Vorstellung von Belag und Gestaltung der Bahnhofstraße gibt es hier bei Mainz&.

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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