Erfolg im Mordfall Susanna: Ali Bashar im Irak durch Kurden festgenommen und ausgeliefert – Update: Täter gestand Tötung

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Erfolg im Mordfall Susanna: Keine 24 Stunden nach der Pressekonferenz in Wiesbaden ist ihr mutmaßlicher Mörder, der Iraker Ali Bashar, am frühen Freitagmorgen im Nordirak festgenommen worden. Bashar sei Freitagfrüh um 2.00 Uhr durch kurdische Sicherheitsbehörden im Nordirak auf Bitten der Bundespolizei festgenommen worden, teilte das Bundesinnenministerium am Freitag auf Twitter mit. Medienberichten zufolge hat Ali Bashar die Tat zudem bereits gestanden: Er habe nach einem Streit mit Susanna diese vergewaltigt und sie getötet, als sie drohte, die Polizei zu rufen. Update: Das sagte der kurdische Polizeipräsident in Fernsehinterviews. Inzwischen heißt es von der Wiesbadener Polizei, Bashar habe zwar die Tötung Susannas gestanden, nicht aber die Vergewaltigung. Bashar wurde bereits am Samstagabend nach Frankfurt geflogen und in Wiesbaden vernommen.

Der mutmaßliche Mörder von Susanna, der 20 Jahre alte Iraker Ali Bashar, wurde nun von Kurden im Nordirak festgenommen. Er soll die Tat gestanden haben. – Foto: gik

Nach Mainz&-Informationen sowie nach Berichten der BILD-Zeitung waren es die kurdischen Peschmerga-Kämpfer sowie die kurdische Autonomieregierung im Norden des Irak, die Ali Bashar in beispiellos kurzer Zeit ausfindig machten und festnahmen. Der 20 Jahre alte Iraker soll die 14-jährige Mainzer Schülerin Susanna in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai in einem Feld bei Wiesbaden-Erbenheim erst vergewaltigt und dann durch Erwürgen getötet haben. Am 1. Juni war Bashar mit seiner gesamten, insgesamt achtköpfigen Familie, völlig überhastet aus dem Flüchtlingsheim, wo sie wohnten, abgereist und am 3. Juni per Flugzeug in die Türkei gereist. Von dort soll die Familie Medienberichten zufolge über die Grenze in den Nordirak geflohen sein. Die Gegend des Nordirak ist ein autonom von Kurden verwaltetes Gebiet, zu den Peschmerga-Einheiten der Kurden bestehen enge Beziehungen von deutscher Seite aus.

Nach einem Bericht der BILD-Zeitung war Bashar mit seiner Familie in seinen Heimatort Zakho geflohen, dort sei er in der Nacht zu Freitag von der Elite-Einheit „Zeravani“ festgenommen worden, die Teil der kurdischen Peschmerga-Kämpfer sei. Der kurdische General Tarek Ahmed, Chef der Polizei in Dohuk, sagte in einem TV-Interview, Bashar habe die Vergewaltigung und dem Mord an Susanna gestanden, wie mehrere Medien am Samstag berichten. Bashar sei am Samstagnachmittag zum Flughafen gefahren worden und werde am Samstagabend in Frankfurt eintreffen, er werde begleitet vom Chef der Bundespolizei persönlich, schrieb die BILD-Zeitung weiter.

„Der Erfolg ist das Ergebnis der guten Zusammenarbeit zwischen den kurdischen Sicherheitsbehörden im Irak und der deutschen Bundespolizei“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), und dankte ausdrücklich den kurdischen Sicherheitskräften. Mit ihrem schnellen Handeln und der problemlosen Auslieferung straften die Kurden alle Unkenrufen in Deutschland Lügen, die behauptet hatten, Ali Bashar werde nie mehr gefasst werden können. Tatsächlich existiert kein Auslieferungsabkommen zwischen der Bundesrepublik und dem Irak. Die deutsche Regierung unterstützt im Bürgerkrieg im Irak aber schon lange die kurdischen Peschmerga mit Ausbildung und Ausrüstung, das zahlte sich nun offenbar aus. „Wir müssen uns bei den Kurden und der kurdischen Regierung bedanken“, schrieb der Journalist Tobias Huch auf Twitter, ein genauer Kenner der Region und der dortigen politischen Verhältnisse: „Niemand sonst hätte so schnell durchgegriffen.“

Der Fall Ali Bashar wirft unterdessen weiter Fragen auf, vor allem die Umstände seiner Ausreise: Wie kam die Familie an Passierscheine, die sogenannten „Laissez Passez“, die von der irakischen Botschaft ausgestellt wurden – und zwar für eine Familie, die ihren Angaben zufolge aus dem Irak geflohen waren und dort verfolgt wurden? Dazu wurde am Düsseldorfer Flughafen bei der Ausreise nicht überprüft, ob die Namen auf den Bordscheinen dieselben waren wie die in den Papieren der Familie – die Tickets waren auf andere Namen ausgestellt. Obwohl Susanna bereits seit dem 23. Mai als vermisst gemeldet war und ihre Beziehungen zu der Familie Bashar allgemein bekannt war, konnte die Familie völlig ungehindert am 2. Juni ausreisen.

Nach einem Bericht des Spiegel soll Ali Bashar zudem in Wiesbaden vielfach mit Drogen gehandelt und so erhebliche Mengen Geldes eingenommen haben. Die Polizei Wiesbaden sagte dazu in ihrer Presskonferenz nichts, sie muss nun die Frage beantworten, ob sie davon nichts wusste oder ob sie diese Informationen nicht weiter gab. Bashar war bereits mehrfach durch Gewalttaten aufgefallen, gegen ihn laufen Verfahren wegen Angriff auf eine Polizistin sowie wegen schweren Raubes. Der Mord an Susanna hat in Mainz große Anteilnahme und Bestürzung ausgelöst, in Mainz sollten am Samstag mehrere Kundgebungen dazu stattfinden – sowohl von der rechtsgerichteten AfD, als auch von linken Gruppierungen.

An mehreren Stellen in Mainz und Wiesbaden stellen Menschen derzeit Kerzen im Gedenken an die getötete 14-jöhrige Susanna aus, diese Kerzen standen nach den Attacken in Paris am Institut Francais in Mainz. – Foto: gik

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat zudem für den 11. Juni um 18.00 Uhr zu einem stillen Gedenken auf dem Gutenbergplatz in Mainz vor dem Theater aufgerufen. „Wir erwarten von den Strafverfolgungsbehörden eine rasche und umfassende Erklärung“, heißt es in dem Aufruf, der Täter müsse im Rahmen eines rechtsstaatlichen Verfahrens zur Verantwortung gezogen werden. „Trotz aller Bestürzung und vielleicht auch Wut, darf ein solches Ereignis nicht dazu herhalten, das offene Miteinander in unserer Stadt, in unserer Gesellschaft zu zerstören“, betont DGB-Geschäftsführerin Astrid Clauss zugleich: „Unsere Stadt hat eine lange Tradition als weltoffene und tolerante Stadt, in der alle Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder sexueller Ausrichtung gut und friedlich zusammen leben. Diese Tradition wollen wir fortsetzen.“ Der DGB will deshalb am Montag „gemeinsam mit möglichst vielen Menschen ein Licht anzünden, um unserer Trauer Ausdruck zu geben, aber auch, um ein Signal der Hoffnung zu senden.“

Auch der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) rief zur Teilnahme an der Trauerkundgebung am Montag auf. „Wir brauchen Raum für die Trauer und die Anteilnahme“,  Susannas Tod „schmerzt uns sehr, und die Umstände der schrecklichen Tat machen uns wütend“, sagte Ebling am Freitag in einem schriftlich verbreiteten Statement: „Im Namen aller Mainzerinnen und Mainzer und ganz persönlich möchte ich den Angehörigen und Freundinnen und Freunden meine tiefempfundene Anteilnahme ausdrücken. Unser ganzes Mitgefühl gilt der betroffenen Familie.“

Er wünsche sich, dass der oder die Täter „mit der vollen Strenge des Gesetzes zu Rechenschaft gezogen werden können und für dieses abscheuliche Verbrechen büßen“, sagte Ebling weiter. Susanna habe ihr ganzes Leben noch vor sich gehabt, die Tat gegen sie sei „durch kein Motiv der Welt zu rechtfertigen. Unsere Stadt und der Stadtteil Lerchenberg sind aufgewühlt.“ Der brutale Mord fordere auch den demokratischen Rechtsstaat, der sich hinterfragen müsse, ob die Tat hätte verhindert werden können. Ebling kritisierte zugleich jene, die nun versuchten, „eine Situation der Trauer und der Anteilnahme auszunutzen, um politische Weltbilder zu skandieren, die gegen den demokratischen Rechtsstaat stehen.“ Es gelte zu vermeiden, dass Susanna zum Gegenstand Demokratie feindlicher Parolen gemacht werde.

Info& auf Mainz&: Der DGB ruft zu einem stillen Gedenken zur Ermordung der 14-jährigen Susanna am Montag, 11. Juni, um 18.00 Uhr auf dem Gutenbergplatz in Mainz auf. Mehr zum Mord an der Mainzer Schülerin lest Ihr hier bei Mainz&. Hintergründe über die autonome Kurdenregion im Norden Syriens und des Iraks haben wir in diesem Mainz&-Artikel beschrieben. Anmerkung der Redaktion: Da die Polizei Wiesbaden die Fotos des mutmaßlichen Mörders Ali Bashar sowie seinen vollen Namen mehrfach zu Fahndungszwecken herausgegeben und explizit um Berichterstattung mit Foto gebeten hat, verwenden wir die Fotos und den vollen Namen auch weiterhin. Wir halten es für unsinnig, nun Fotos im nachhinein zu verpixeln oder den Nachnamen abzukürzen.

 

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

2 Kommentare

  1. SvenS 11. Juni 2018 at 8:46 -  Antworten

    Was mich an der Berichterstattung etwas stört ist die Betonung auf „Iraker“. Auch wenn es nicht so gemeint sein sollte, wird damit ein ganzes Volk negativ belastet. Würde die Herkunft genauso oft angemerkt wenn er Österreicher, Schweizer, Bayer oder was auch immer wäre? Momentan hat er den kurdischen Behörden den Mord und die Vergewaltigung gestanden, davon abgesehen das ich mir über die Rechtsstaatlichkeit im Norden des Irak nicht so sicher bin, hat er nach anderen Pressemeldungen einer Wiesbadener Richterin zwar den Mord aber nicht die Vergewaltigung gestanden.
    Ja es ist ein grausame Tat, ja es scheint dass die deutschen Behörden hier keine Glanzleistung abgaben und ja er kommt aus dem nördlichen Irak. Aber selbst hier, einer Nachrichten-Seite die ich sehr schätze, merke ich im Artikel eine gewisse Vorverurteilung des mutmaßlichen Mörders.

    • Gisela Kirschstein 11. Juni 2018 at 14:15 -  Antworten

      Hallo Sven, wir verstehen die Sensibilität – und wir teilen sie. Aber nein, dass wir von einem „Iraker“ schreiben, ist keine Vorverurteilung – warum auch? Der Mann ist nun mal Iraker, und wenn er Österreicher oder Pole oder Chinese wäre, würden wir das genauso schreiben. Seine Herkunft ist schlicht deshalb relevant, weil er dorthin ja zurück geflohen ist, nachdem er VON dort geflohen war. Und die deutschen Behörden deshalb einiges zu erklären haben werden, was nämlich die Überprüfung von Asylsuchenden angeht. Da scheint einiges nicht zu funktionieren. Nur deshalb interessiert in diesem Fall die Herkunft. Und ich denke, wir haben anonsten sher deutlich gemacht, dass wir niemanden vorverurteilen. Die Infos aus Wiesbaden haben wir erst heute gekriegt, das müssen wir in der Tat noch nachtragen. Kommt noch 😉 und wir bleiben weiter so sachlich und vorsichtig nicht-vorverurteilend, wie Ihr uns kennt, versprochen!

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