Erlebnisbad im Mainzer Taubertsbergbad vor dem Aus – Schwimmbad soll Familienbad werden – Großer Sauna- und Wellnessbereich angedacht

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Das Erlebnisbad im Mainzer Taubertsbergbad steht vor dem Aus: Man habe die ursprünglich geplante 1:1-Erneuerung von Sportbad, Erlebnisbad und Sauna „auf den Prüfstand gestellt“, sagte Stadtwerke-Vorstand Daniel Gahr am Dienstag in Mainz. Der Grund: Die Schäden an der Bausubstanz des Bades sind offenbar so gravierend, dass eine Sanierung wirtschaftlich keinen Sinn mehr zu machen scheint. Nun steht das komplette Schwimmbad auf dem Prüfstand: Das Erlebnisbad steht vor dem Aus, die Mainzer Stadtwerke wollen sich auf ein kombiniertes Sport- und Familienbad konzentrieren. Dazu soll ein deutlich vergrößerter Sauna- und Wellness-Bereich entstehen – dem Taubertsbergbad steht praktisch ein kompletter Neubau bevor. Zu den Kosten wollten die Mainzer Stadtwerke derweil noch nichts sagen.

Das Mainzer Taubertsbergbad wird völlig neu geplant: Erlebnisbad und Sauna sind zu marode für eine Sanierung. – Foto: gik

2003 hatte die Stadt Mainz das Taubertsbergbad in die Hände des privaten Betreibers Uwe Deyle gegeben, der baute eine moderne Erlebnislandschaft und eine Sauna ein. Doch vor zwei Jahren, im Oktober 2016 meldete Deyle auf einmal Insolvenz ein – und hinterließ der Stadt einen wahren Scherbenhaufen: Immer neue gravierende Mängel tauchten auf, seit die Stadt zum 1. Januar 2018 den Betrieb des Schwimmbades wieder in städtische Regie übernahm. Auf 18 Millionen Euro schätzte Sportdezernent Günter Beck (Grüne) die Mängel – das war vor einem Jahr. Schon da war der gesamte Bereich des Sauna- und Erlebnisbades still gelegt, Technik und Duschen entpuppten sich als völlig marode, sämtliche Einrichtungen müssten vollständig herausgerissen und erneuert werden, hieß es damals.

Inzwischen ist klar: Es ist noch viel schlimmer. Es gelte „täglich neue Herausforderungen zu stemmen“, seufzte Schwimmbad-Managerin Kerstin Stumpf. Aktuell betreffe das den Sprungturm, der aus Sicherheitsgründen und neuer TÜV-Gutachten derzeit außer Betrieb sei, aber im November wiedereröffnet werden solle. Sanierungsbedarf gebe es aber auch beim Zustand und der Funktionalität der Duschen. Das wiederum seien aber „Arbeiten, die teilweise aktuell nicht gemacht werden können, da sie größere Sanierungsarbeiten erfordern und wir dann das Bad länger schließen müssten“, sagt Stumpf.

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Das Taubertsbergbad wird wohl zu einem Sport- und Familienbad mutieren, derzeit ist ohnehin nur der Sportbereich geöffnet. – Foto: gik

m Sommer wurden bereits die bis dahin laufenden Arbeiten zur Sanierung des Saunabereichs gestoppt. „Aufgrund der immer neu zu Tage getretenen massiven baulichen Mängel in der Gebäudesubstanz macht die Sanierung der Sauna in der ursprünglich geplanten Form aus unserer Sicht keinen Sinn“, sagte Gahr nun. Mehr noch: die Gebäudesubstanz selbst ist in so schlechtem Zustand, dass nun auch massiv an die Sanierung des Daches und der Außenhaut gegangen werden muss. „Aufgrund der engen Verzahnung aus Dach, Fassade und Innenausbau von Sauna und ehemaligem Erlebnisbad“ sei nun vorgesehen, die Restarbeiten am Saunabereich „in das Gesamtsanierungsprojekt zu integrieren“, sagte Gahr weiter. Im Klartext: Das Taubertsbergbad muss komplett neu gemacht werden.

Aus heutiger Sicht erscheine es „sinnvoller, das bisher dreigliedrige Konzept abzuwandeln und künftig nur noch auf zwei statt wie bisher auf drei Funktionsbereiche zu setzen“, heißt es von den Stadtwerke weiter: ein kombiniertes Sport- und Familienbad auf der einen Seite sowie einen großzügigeren Sauna- und Wellnessbereich auf der anderen Seite. „Diese Variante erscheint aus Sicht der Stadtwerke und der Gutachter auch betriebswirtschaftlich die interessanteste“, sagte Gahr weiter: Die beratenden Experten der Gesellschaft GMF sowie der Bad-Sachverständige Klaus Batz seien „überzeugt davon, dass Sauna und Erlebnisbad in ihrer ursprünglichen Größe und Ausstattung dauerhaft nicht wettbewerbsfähig sind – auch nicht nach einer Sanierung.“

Die schöne, heile Badewelt des Altbesitzers Uwe Deyle mit dem alten Erlebnisbad in Bildern von der alten Taubertsbergbad-Homepage. – Foto: gik

Und so präferieren die Stadtwerke derzeit eine Weiterführung des Sportbereiches kombiniert mit einem Saunabereich, der auf die Fläche des ehemaligen Erlebnisbades erweitert wird. Das Sportbad wiederum könnte um einen Familienbereich erweitert werden – das bedeutet eine grundlegend neue Planung des gesamten Tabuertsbergbades. Dazu sei aktuell eine europaweite Ausschreibung in Vorbereitung, teilten die Stadtwerke weiter mit. Man wolle im Zuge der Ausschreibung neue Ideen der Bewerber abwarten, sagte ein Stadtwerke-Sprecher Mainz&. Was Neuplanung und Neubau kosten könnten, dazu wollen die Stadtwerke derzeit nichts sagen: Erst wenn die neue Ausschreibung durch sei, „kann verlässlich etwas über Zeit- und Kostenrahmen dafür gesagt werden“, betonte das Unternehmen. Der Aufsichtsrat sei unterrichtet, ein eigener Stadtbad-Ausschuss eingerichtet, der fortlaufend und regelmäßig informiert werde.

Doch der Sanierungsbedarf macht an den innen liegenden Bäderbereichen nicht Halt: Auch das Freibad entpuppte sich als deutlich maroder als gedacht. So wurden Undichtigkeiten am Schwimmerbecken festgestellt, die für die Freibadsaison notdürftig repariert werden konnten, wie die Stadtwerke mitteilten, „genauso wie die Pumpe für die Rutsche.“ Dazu stellte man fest, „dass der so genannte Potentialausgleich um die Becken nicht gewährleistet ist.“ Das habe 2018 schon zu umfangreichen Tiefbauarbeiten geführt, um die Sicherheit für die Badegäste gewährleisten zu können.

Nun soll in den kommenden zwei Jahren auch das Freibad umfassend ertüchtigt werden: „In den nächsten zwei Jahren stehen größere Sanierungsarbeiten im Freibadbereich an“, sagte Stadtbad-Geschäftsführerin Kerstin Stumpf. Die seien auch deshalb „unumgänglich“, weil das Freibad künftig als Sportbadersatz dienen könnte: Weil das Dach des Taubertsbergbades ebenfalls marode ist, müsste im Zuge einer Sanierung auch der Sportbadbereich gesperrt werden. Währenddessen wollen die Stadtwerke nach Vorbild des Mombacher Schwimmbades eine Traglufthalle über dem Freibad-Schwimmbecken errichten, um Ersatz zu schaffen und das Taubertsbergbad vor allem für den Schulsport zu sichern.

Auch Schwimmerbecken und Kinderbereich im Freibadbereich sollen ertüchtigt werden. – Foto: gik

Die Stadtwerke wollen in den kommenden zwei Jahren dazu auch den Freibadbereich optimieren: Neben dem Austausch von Filtern und Pumpen sowie der Sanierung der Toiletten und Duschen, soll auch das 50-Meter-Becken selbst ertüchtigt werden: Das Schwimmerbecken soll zumindest teilweise eine geringere Tiefe bekommen. Damit sei es für die Besucher besser zu nutzen und spare gleichzeitig Wasser und Heizkosten, so die Stadtwerke. . Zusätzlich werde im Freibad zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit eine Entzerrung von Kinderbecken und Matschspielplatz geprüft. So könnte der bisherige Matschspielplatz zu einem Wasserspielplatz werden. „Einige dieser Arbeiten werden jetzt vorgezogen“, hieß es weiter. Die Sanierung des Schwimmerbeckens im Freibad könne aber frühestens nach dem Sommer 2019 erfolgen.

Die gute Nachricht in all dem: Die Mainzer haben ihr Taubertsbergbad unter städtischer Führung gut angenommen. Nach Angaben der Stadtwerke kamen bis Ende Oktober knapp 120.000 Besucher ins Sportbad, davon mehr als 28.000 aus Schulen und Vereinen. Auch das Freibad sei mit 93.000 Besuchern hervorragend besucht gewesen, in den Vorjahren seien dort nur 39.000 bis 76.000 Gäste verzeichnet gewesen. Auch die Resonanz auf die regelmäßigen Konzerte im Freibad in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Hof sei sehr positiv gewesen.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Insolvenz des Mainzer Taubertsbergbades unter dem Vorbesitzer Uwe Deyle lest Ihr hier bei Mainz&, eine erste Bilanz von Ende 2017 hier.

 

 

 

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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