Fahrradparkhaus für Mainz kommt – Am Hauptbahnhof West entsteht ein Steckmetall-Gebäude für 1120 Drahtesel – Doppelparker und gesicherte Plätze

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Lange war es immer wieder in der Diskussion, nun soll es endlich kommen: Die Fahrradpendler in Mainz bekommen am Mainzer Hauptbahnhof endlich einen sicheren Hort für ihre Drahtesel. Vor einer Woche begann die Stadt mit den Vorbereitungen für den Bau eines Fahrradparkhauses am Hauptbahnhof West, 1.120 sichere und hochwertige Parkmöglichkeiten für Fahrräder sollen hier entstehen. Das Fahrradparkhaus entsteht direkt unter der Hochbrücke und soll den gesamten Bereich des westlichen Bahnhofsausgangs aufwerten helfen.

So soll das Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof West einmal gelegen sein: Direkt neben dem Eingang zum Bahnhof, unter der Hochstraße. – Visualisierung: Architekt Schoyerer

Aktuell werde der Bereich unter der Hochbrücke „mit seinem Eindruck auf ankommende und abreisende Besucher dem Bild einer Landeshauptstadt nicht gerecht“, heißt es in der Vorlage für den Stadtrat selbstkritisch: Der Ort unter der Hochbrücke sei „ein Unort und Angstraum.“ In der Tat: Das Areal zwischen dem Hauptbahnhof und dem noch immer weitgehend ungenutzten alten Postlager ist einer der Schandflecken der Stadt.

Nun soll das Areal aufgewertet werden und den dringend benötigten Parkraum für Fahrräder schaffen: Der Hauptbahnhof wird seit Jahren von Horden abgestellter Fahrräder umrahmt, darunter immer Dutzende sogenannter „Schrotträder“ und „Fahrradleichen“, die nicht mehr abgeholt werden. Im Bereich Hauptbahnhof West gab es bislang 500 Stellplätze für Fahrräder unter der Hochbrücke, doch auch das reicht schon nicht mehr aus: Der Bedarf sei deutlich höher, dazu gebe es einen steigenden Bedarf zum sicheren Abstellen von hochwertigen Rädern und Pedelecs, konstatiert die Stadt.

So könnte das neue Fahrradparkhaus aussehen: Eine Gebäude mit Metallfassade, die Licht und Sicht reinlässt. – Visualisierung: Architekt Schoyerer

Abhilfe soll nun ein Parkhaus über die gesamte Tiefe unter der Hochbrücke schaffen. Im vorderen Bereich sollen 30 Prozent kostenpflichtige Stellplätze entstehen, der Zugang wird durch ein Drehkreuz gesichert, das sowohl mit als auch ohne Rad hindurchgehen könne, so die Stadt. Hier sollen Nutzer auch feste Stellplätze mieten können. 70 Prozent des Radparkhauses – und damit rund 810 Stellplätze – sollen aber kostenfrei nutzbar sein.

Die Räder sollen in sogenannten „Doppelstockparkern“ untergebracht werden, der Nutzer kann sich aussuchen, ob er sein Rad oben oder unten einschieben und abschließen will. Die Nutzung sei leicht zu bedienen, da eine Gasdruckfeder das hoch und herunterholen unterstütze. Die Doppelstockparker hätten sich bereits in anderen Fahrradparkhäusern bewährt, daneben soll es auch Fahrradboxen und Schließfächer für Zubehör sowie Sonderabstellflächen für Hänger, Tandems oder Liegeräder geben. Pedelec-Besitzer sollen ihre Akkus im Fahrradparkhaus laden können.

Beiden Bereichen des Parkhauses wird eine kleine Servicestation zur Kontrolle und Überwachung vorgelagert, hier soll Personal zur Sicherheit anwesend sein, aber auch Informationen an die Kunden weiter geben können. Von außen soll das Fahrradparkhaus Wände aus Steckmetall erhalten, durch die Lochstruktur des Gewebes soll das Parkhaus schön hell werden. Die offene Gestaltung sei ein Sicherheitsgewinn und könne Gefühle von Angst oder Unwohlsein verringern, heißt es in den Plänen der Stadt.

Skizze von Lage und Anordnung des neuen Fahrradparkhauses am Hauptbahnhof West. – Quelle: Architekt Schoyerer

Insgesamt solle das Gebäude die Umgebung aufwerten, seitdem entlang der Mombacher Straße Hotels und Studentenwohnheime entstehen, nimmt hier auch das Passantenaufkommen zu. Den Betrieb des Parkhauses will die Stadt ausschreiben, dem Betreiber zugleich vorschreiben, dass die Gebühren für die verschiedenen Gruppen „attraktiv zu gestalten sind.“

1,52 Millionen Euro soll allein der Bau des Parkhauses kosten, der Stadtrat hat bereits zugestimmt, das Geld kommt aus den Stellplatzabgaben. Dazu kommen Baunebenkosten von rund 1,9 Millionen Euro – und damit hat die Stadt nun begonnen: derzeit laufen vorbetreitende Arbeiten an Gas-, Wasser- und Stromleitungen, bis Ende März sollen die fertig sein. Auch werden die Strom-Netzanschlüsse für das Fahrradparkhaus und eine neue E-Ladesäule hergestellt und die Beleuchtung angepasst, hieß es weiter. Und wenn man schon die Straße aufreißt, sollen auch gleich die Oberflächen neu mitgemacht werden.

Die Arbeiten werden zu Behinderungen führen, warnt die Stadt: In der Mombacher Straße werde es für etwa zwei Wochen im Februar 2019 eine Engstelle geben. An diesem Baufeld werde der Verkehr einspurig vorbeigeführt. Die Querung der Wallstraße erfolgt in zwei Abschnitten. Die Baugruben für Gas- und Stromleitungen in der Wallstraße werden nachmittags mit Stahlplatten abgedeckt, damit der Feierabendverkehr fließen kann, so die Stadt weiter. Die Haltestelle für die Fernbusse wird vorerst zum Kaiser-Wilhelm-Ring zurückverlegt. Wann das Fahrradparkhaus fertig wird, können wir nicht sagen – dazu schweigen sich die Unterlagen aus.

Info& auf Mainz&: Mehr zu Fahrradabstellmöglichkeiten in Mainz findet Ihr übrigens hier bei der Stadt Mainz.

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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