Die Pioniere des Winzersekts: Wie die Rheinhessen den Champagner nach Deutschland brachten

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Heute ist Tag des Sektes, und da heben die Rheinhessen besonders gern ihr Glas zum Gruße. Denn tatsächlich wurde genau hier der Winzersekt erfunden – und damit die Methode Champenoise nach Deutschland gebracht. Der kleine Bruder des französischen Champagners wurde in Rheinhessen erfunden, bei der Winzergenossenschaft Sprendlingen. Winzersekt, das ist rebsortenreiner Sekt von Riesling, Weißburgunder, Spätburgunder oder einer Cuvee, produziert genauso wie das große Vorbild – nur heißen darf er nicht so. Und so hat sich in Deutschland eine ganz besondere Kultur rund um den Winzersekt entwickelt.

Hans Willi Fleischer mit Silvaner Sekt 1978 - Foto: gik

Hans Willi Fleischer mit Silvaner Sekt 1978 – Foto: gik

Die Rebsorten sind einer der großen Unterschiede zwischen Winzersekt und echtem Champagner. Letzterer darf nur in der französischen Region Champagne so heißen, und er wird traditionell hergestellt aus den drei Rebsorten Spätburgunder, Müllerrebe und Chardonnay. Neun Monate Gärung in der Flasche und die zweite Gärung auf der Hefe – diese Merkmale hat der Winzersekt mit dem großen Vorbild gemeinsam. Und so verwundert es eigentlich auch nicht, dass die deutschen Winzer aus ihren Rebsorten auch richtig gute Sekte herstellen.

Die Idee zum Sekt hatten 1981 zwei Weinpioniere in Rheinhessen: Hermann Jäger, damals Weinbaupräsident, und Hans Willi Fleischer, damals junger Winzer in Mainz. 1978 machte Fleischer senior seinen ersten Sekt aus Silvaner-Trauben aus dem Hechtsheimer Kirchenstück, die Flasche hat er bis heute. Die Genehmigung dafür musste Fleischer erst einmal vor Gericht erstreiten, danach war der Siegeszug des Winzersektes nicht mehr aufzuhalten.

Neun Millionen Flaschen Winzersekt wurden 2012 in Deutschland qualitätsgeprüft, knapp eine Million davon kam aus Rheinhessen. Die Deutschen sind Weltmeister im Sekttrinken: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden in Deutschland pro Jahr insgesamt rund 400 Millionen Flaschen Schaumwein getrunken. Sekt hat in Deutschland eine lange Tradition: Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wurden hierzulande die ersten Sektkellereien gegründet. Die älteste deutsche Sektkellerei ist nach eigenen Angaben die 1826 in Esslingen gegründete Sektkellerei Kessler. Drüben auf der anderen Rheinseite in Wiesbaden sitzt bis heute die Sektkellerei Henkell, eine der ganz großen der Branche. Zu dem Konzern gehört inzwischen auch das ostdeutsche Rotkäppchen, hier werden Sekte im großen Stil produziert.

Siegersekte DWI Bester Winzersekt 2015 kleiner

Siegersekte DWI Bester Winzersekt 2015, ganz vorne der Sekt des Weinguts Erbeldinger – Foto: gik

Die deutschen Winzersekte heben sich davon deutlich ab: Produziert oft aus nur einer Rebsorte, spiegeln die prickelnden Tropfen den Charakter der jeweiligen Rebsorte wieder – von Riesling über Silvaner bis hin zu Spätburgunder-Sekt ist da alles dabei. Produziert werden sie zumeist in traditioneller Flaschengärmethode, bei der die zweite Gärung (die erste macht aus dem Most den Wein) in der einzelnen Flasche auf der Hefe stattfindet. Winzersekte müssen mindestens neun Monate auf der Hefe reifen, oft aber sind es auch Jahre. So erhält die Kohlensäure viel Zeit sich mit dem Wein zu verbinden, deshalb moussieren Winzersekte im Glas sehr lang und fein. Die Trauben müssen aus eigenen Weinbergen stammen – was den Sekten die individuelle Note des Winzers verleiht.

Und gerade in Rheinhessen, dem Geburtsland des Winzersektes, wird noch immer fröhlich experimentiert. 91 Grad Oechsle hatte der 2013er Chardonnay vom Weingut Escher aus Gau-Bischofsheim, eigentlich zu hoch für einen Sektgrundwein. Anton Escher machte trotzdem einen Sekt daraus – und wurde dafür 2015 mit dem Preis als bester Burgundersekt Deutschlands ausgezeichnet. Der Preis für den besten Riesling-Sekt ging damals bei der Kür des Deutschen Weininstituts an das Weingut Erbeldinger aus Bechtheim für seinen Riesling-Sekt trocken. Vielfach preisgekrönt und ausgezeichnet sind ferner die Sekte der Brüder Braunewell in Essenheim – der Spätburgunder Rosé brut machte gerade den 3. Platz beim Deutschen Sektpreis, der Pinot Prestige 2013 war Winzersekt des Jahres beim Magazin Fokus. Die Vielfalt an Winzersekten ist riesig, die Geschmacksexplosionen am Gaumen auch – viele Winzersekte stehen Champagnern tatsächlich nicht nach.

Volker Raumland mit Sektflasche - Foto Kirschstein

Volker Raumland schenkt ein – Foto: gik

Das gilt vor allem für einen, dessen Produkte mit Winzersekt wahrlich nur schlecht umschrieben sind: Volker Raumland in Flörsheim-Dalsheim, gerade an der Grenze zur Pfalz, ist sicher der außergewöhnlichste Macher prickelnder Produkte. Raumland macht keinen Sekt – er macht Champagner, nach dem Rezept aus der Champagne und mit so einem Händchen dafür, dass er regelmäßig nicht nur die höchsten Preise in Deutschland gewinnt, sondern auch seine französischen Kollegen aus dem Felde schlägt – und zwar allesamt.

In einer Blindverkostung der Zeitschrift Vinum trat Raumland 2014 gegen 24 andere Champagnerhersteller an, und natürlich war im Vorfeld „klar“, dass ein Champagner gewinnen würde. Das Erstaunen war umso größer, als nach Ende der verdeckten Proben die Masken über den Flaschen gelüftet wurden – und ein Raumland Champagner Triumvirat der Spitzenchampagner war. So viel zur (Un)Voreingenommenheit mancher Tester 😉 Das ganze erzählen wir Euch in unserer Reportage Das Gefühl des Herrn Raumland für Champagner.

Raumlands Champagner – nennen wir sie der Einfachheit so – sind eine Entdeckungsreise in Individualität und Geschmack, und dazu gewann der Mann aus Rheinhessen auch noch in allen Kategorien  das Preis-Leistungs-Verhältnis. Kunststück: Raumlands Champagner fangen bei 13,- (!) Euro an und gehen bis maximal 85,- Euro. Französische Champagner hingegen fangen da erst an… Viel Spaß beim Probieren und natürlich beim Feiern!

Info& auf Mainz&: Mehr zum Winzersekt aus deutschen Landen samt einer genauen Liste der Geschmacksbezeichnungen beim Sekt und ihrer Einordnung findet Ihr hier beim Deutschen Weininstitut. Die Mainzer Winzer sitzen in Hechtsheim, Laubenheim und Ebersheim, ihre Namen und Adressen findet Ihr hier. Gute Winzersekte kosten in der Regel zwischen 8,- und 15,- Euro. Den Sektpionier Hans Willi Fleischer findet Ihr natürlich auf dem Weingut der Stadt Mainz, der Mann hat auch richtig gute Weine 😉 Infos zum Champagnerkönig Raumland findet Ihr auch auf dessen Homepage, hier könnt Ihr auch Sekte bestellen. Raumland-Sekte wiederum könnt Ihr nach Auskunft von Raumland auch in Mainz kaufen: bei der Villa Vinum in der Großen Bleiche, Ecke Klarastraße, und beim Weinkontor Kessler in der Altstadt, in einer kleinen Seitengasse zur Augustinerstraße. Einfach bei der Sparkasse am Leichhof links vorbei gehen, dann steht Ihr fast davor.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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