Freundeskreis für Gutenberg Museum gegründet – Neuer Kreis strebt erweiterte Trägerschaft mit Bund und Land an

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Das Gutenberg-Museum hat nun auch einen eigenen Freundeskreis: Am 28. Mai gründeten Mitglieder der Gutenberg-Stiftung in Mainz einen eigenen Unterstützerkreis für das Weltmuseum der Druckkunst. „Die Zeit ist reif“, sagte der Vorsitzende Andreas Barner, gleichzeitig Vorsitzender der Gutenberg-Stiftung. Man wolle den in Mainz entstandenen Schwung nach dem Bürgergehren zum Bibelturm zugunsten des Museums nutzen. Der Bürgerentscheid habe gezeigt, „es sind alle für das Museum“, da werde der Freundeskreis „sicher auf Zustimmung stoßen“, sagte Barner.

Liebesaffäre mit Gutenberg: Die Gründer des neuen Freundeskreises des Gutenberg-Museums (v.l. nach rechts): Andreas Barner, Annette Müller und Museumsdirektorin Annette Ludwig. – Foto: gik

Damit vollzieht das Gutenberg Museum einen Schritt, den andere Museen weltweit schon lange gegangen sind: Der Freundeskreis soll das Museum positiv begleiten und das Erbe des berühmten Buchdruck-Erfinders Johannes Gutenberg bewahren helfen. Die Freunde des Kreises würden „als Teil des Gutenberg-Netzwerkes laufend über unsere Arbeit und aktuelle Entwicklungen informiert“, heißt es weiter. Dazu wolle man Informationsveranstaltungen, Ausstellungspreviews, Exkursionen und vieles mehr veranstalten. Auch bei der Spendensammlung soll der Freundeskreis helfen.

„Die letzten Monate haben gezeigt, dass die Zeit reif ist für eine neue, von einer breiten Bevölkerung getragene Bewegung für das Gutenberg-Museum“, betonte Bahner: „Wir haben erleben dürfen, wie unglaublich hoch der Einsatz vieler Mainzerinnen und Mainzer für ihr Museum ist, und dass sie Großes zu leisten bereit sind.“ Diese Kräfte, die man unter Befürwortern wie Gegnern des Bibelturms gleichermaßen habe beobachten können, wolle man nun im Freundeskreis Gutenberg bündeln und für das Museum nutzbar machen. Auch mit der BI Gutenberg-Museum, die gegen den Bibelturm gekämpft hatte, wolle man sich ausdrücklich im Freundeskreis gemeinsam wiederfinden, betonte Barner. Wichtig sei aber auch, auch über Mainz hinaus ein Netzwerk zu bilden von Menschen, die sich dazu bekennen.

„Wir sind überzeugt davon, dass diese gemeinsamen Aktivitäten die Unterstützer des Gutenberg-Museums noch näher zusammenbringen können“, betonte Barner. Der Freundeskreis dürfe das Tun des Museums durchaus auch kritisch kommentieren, wolle das Wirken aber vor allem konstruktiv begleiten. Auf diese Weise könne „eine positive unterstützende Stimme“ entstehen. „Netzwerk, Interesse und Engagement, sind Faktoren, die wir uns vom Freundeskreis erhoffen“, fügte er hinzu.

Das Gutenberg Museum in Mainz braucht viele Freunde, insbesondere für den anstehenden Neuanfang. – Foto: gik

Auch bei der Gutenberg-Stiftung stehen damit nach dem aggressiven Wahlkampf rund um den Bibelturm die Zeichen auf Versöhnung und Ausgleich. Das Gutenberg-Museum sei „vielleicht ein wunderbares Beispiel, Bürgerbeteiligung in Mainz einzuüben“, sagte Barner, es gebe gerade im Internet „breite Möglichkeiten zur Partizipation“ von Bürgern. Auch Museumsdirektorin Annette Ludwig betonte, aus dem Prozess um den Bibelturm seien „ganz viele positive Dinge entstanden“, den Wenigsten sei es in der Debatte „nur um Schwarz oder Weiß“ gegangen.

Die neuen Töne sind überraschend, hatten doch gerade die Bibelturm-Befürworter die Gegner des Projektes im Wahlkampf häufig als Kulturbanausen und rückständige Modernisierungsverweigerer bezeichnet, Ludwigs selbst hatte wiederholt gewarnt, werde der Bibelturm abgelehnt, drohe dem Gutenberg-Museum schwerer Schaden. Die Mainzer hatten dennoch am 15. April das umstrittene Turmprojekt mit 77,3 Prozent deutlich abgelehnt. Nun sagte Ludwig, aus dem Prozess „der vermeintlichen Niederlage, die ich gar nicht so bezeichnen möchte“, seien „ganz viele positive Dinge entstanden.“ Es gebe eine spürbare Aufbruchstimmung zugunsten des Museums.

Die Gründung des Freundeskreises sei „ein guter Tag für das Gutenberg-Museum“, betonte Ludwig. Mit der Stiftung habe das Museum bislang einen wissenschaftlichen Unterstützerkreis gehabt, „was fehlte, war aber ein Freundeskreis, wo jeder mitmachen kann“, sagte Ludwig. Der Kreis solle auch positive Lobbyarbeit für das Museum betreiben, Netzwerke knüpfen und die Bedeutung in breite Kreise ventilieren. Die Idee habe es schon länger gegeben, bisher sei das aber „gar nicht gewünscht gewesen“, fügte Ludwig hinzu.

Der neue Freundeskreis strebt auch eine erweiterte Trägerschaft für das Gutenberg-Museum an. – Foto: gik

Nicht erwünscht gewesen sei bislang auch eine Diskussion über die Trägerschaft des Museums, Barner betonte nun ausdrücklich, der Freundeskreis setze sich auch für eine Erweiterung in Richtung Bund und Land ein: Da sich ein grundlegend erneuertes Museum „nur mit einer Beteiligung von Land und Bund realisieren lasse, ist auch eine erweiterte Trägerschaft des Museums Ziel des Freundeskreises“, sagte Barner. Voraussetzung für eine neue Trägerschaft sei aber die Entwicklung eines Konzeptes, fügte er hinzu.

Auch Ludwig betonte, sie setze sich dafür ein: „Ich kämpfe seit Jahren für eine Erweiterung der Trägerschaft“, betonte sie, die Stadt Mainz werde „auf absehbarer Zeit“ nicht in der Lage sein, die Ausstattung des Museums adäquat zu leisten. Nun gebe es bei der Frage der Trägerschaft Fortschritt, sagte Ludwig weiter: „Wir hätten das Potenzial, ein Nationalmuseum zu werden.“

Der Freundeskreis soll denn auch dazu beitragen, Spenden für ein neues, künftiges Museum zu sammeln. Das Frankfurter Städel sei „ein wunderbares Beispiel“, dass ein Freundeskreis eine wichtige Säule der Spendengewinnung sein könne, sagte Barner. „Freunde“ unterstützen das Museum mit einer jährlichen Spende in Höhe von 60,- Euro als Privatperson, ermäßigt 30,- Euro. Firmen und Verbände sollen mit jeweils 600,- Euro dabei sein. „Es darf in jedem Fall auch immer etwas mehr sein“, fügte Barner hinzu.

Info& auf Mainz&: Anträge für den neuen Freundeskreis des Gutenberg-Museums findet Ihr auf der Internetseite der Gutenberg-Stiftung, genau hier.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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