Großbrand an der Industriestraße in Mainz-Mombach: MCV-Wagenhalle von Flammen bedroht – Fastnachtswagen gerettet

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Schock am Nikolausabend in Mombach: In der Industriestraße geriet am Abend ein Komplex mit zwei Lagerhallen in Brand – und das Feuer drohte auf die benachbarte Wagenhalle des Mainzer Carneval-Vereins (MCV) überzugreifen. Neun Mitarbeiter in der MCV-Wagenhalle mussten in Sicherheit gebracht werden, nur mit einem massiven Aufgebot an Feuerwehrleuten und Wassermaßen konnten die Rettungskräfte das Übergreifen auf die MCV-Halle verhindern. Die beiden benachbarten Lagerhallen brannten allerdings bei dem Großbrand vollständig nieder, hier war unter anderem Zubehör für Wasserpfeifen einer Shisha-Bar gelagert samt größerer Mengen Holzkohle. Zur Brandursache konnte die Feuerwehr nichts sagen, der Schaden dürfte allerdings enorm sein.

Flammeninferno in zwei Lagerhallen an der Industriestraße in Mainz-Mombach – gleich neben der MCV-Wagenhalle brannten zwei Lagerhallen nieder. – Foto: Feuerwehr Mainz

Eine Anwohnerin hatte am frühen Abend Rauch im Dachbereich des Hallenkomplexes bemerkt und um 18.15 Uhr die Feuerwehr alarmiert. Die rückte auch sofort an, doch vor Ort stand bereits der 70 mal 25 Meter große Komplex mit zwei Hallen komplett in Brand. Kurz nach Eintreffen der Feuerwehr stürzte bereits die Dachkonstruktion der vorderen Halle in sich zusammen. Berichte, in den Hallen würden Autoteile lagern, konnte die Feuerwehr nicht bestätigen. Bei den Hallen handele es sich um ein Hochregallager und eine Flachdachhalle, hieß es von Seiten der Feuerwehr, hier hätten „größere Mengen Zubehör für Wasserpfeifen, insbesondere mehrere Tonnen Holzkohle“ gelagert – vor allem letztere befeuerten den Brand erheblich.

Das große Problem aber: Direkt angrenzend an die brennenden Hallen befindet sich die Wagenhalle des MCV, hier werden ab Herbst die Motivwagen für den Rosenmontagszug gefertigt – und hier lagern große Mengen Styropor sowie zahllose Figuren, Komiteewagen und auch die Zugente. Die Feuerwehr baute sofort eine sogenannte „Riegelstellung“ zum Schutz der MCV-Halle auf, also eine Wasserwand, um die Flammen am Überspringen zu hindern.

Der Brand war im Dachstuhl einer der beiden Hallen ausgebrochen. – Foto: Feuerwehr Mainz

Neun Personen arbeiteten zu dem Zeitpunkt in der Wagenhalle, sie wurden von der Feuerwehr gewarnt und rechtzeitig evakuiert. Drei Personen wurden allerdings mit Verdacht auf Rauchvergiftung vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Laut dem Notarzt vor Ort gehe es den Personen „den Umständen entsprechend gut“, teilte die Feuerwehr am Abend mit, sie blieben aber zur weiteren Beobachtung bis zum Morgen im Krankenhaus.

Die Feuerwehr stemmte sich derweil mit allen Kräften gegen die Ausbreitung des Feuers: Bis Mitternacht waren rund 160 Einsatzkräfte vor Ort, darunter mehr als 130 Feuerwehrkräfte. Auch halfen Rettungsdienst, Polizei, Technisches Hilfswerk und Katastrophenschutz der Stadt Mainz an der Brandstelle mit, zwei Großtanklöschfahrzeuge der Berufsfeuerwehr Wiesbaden waren ebenfalls in Bereitstellung. Alle elf freiwilligen Feuerwehren in der Stadt sowie dienstfreies Personal wurden aktiviert, auch um die leergefegten Feuerwachen zu besetzen.

Mit einer Wasserwand gelang es der Feuerwehr, die MCV-Wagenhalle zu retten, für die beiden anderen Lagerhallen kam jede Hilfe zu spät. – Foto: Feuerwehr Mainz

Durch den Großbrand entstand eine starke Rauchentwicklung mit einer Rauchsäule, die weit über Mainz hinaus zu sehen war. Da die Rettungskräfte zunächst nicht wussten, was genau in den beiden Hallen brannte, wurde vorsorglich eine Warnmeldung über die Smartphone-App NINA herausgegeben: Die Bevölkerung in Mainz und im Umkreis wurde so vor der starken Rauchentwicklung gewarnt und gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Feuerwehr sei mit mehreren Messfahrzeugen vor Ort gewesen, giftige Stoffe habe man aber nicht feststellen können, sagte ein Sprecher der Mainzer Feuerwehr Mainz&: „Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung, aber es muss mit Sichtbehinderung und mit Geruchsbelästigung gerechnet werden – es stinkt einfach noch.“

Das könne auch noch bis in den frühen Morgen hinein anhalten, teilte die Feuerwehr später mit – die Nachlöscharbeiten zögen sich hin, da die Glutnester durch Trümmerteile verdeckt seien und mit schwerem Gerät durch das THW geräumt werden müssten. Erst ungefähr eine Stunde vor Mitternacht war der Großbrand in den beiden Lagerhallen komplett unter Kontrolle, konnte die Feuerwehr Entwarnung geben: die MCV-Wagenhalle ist gerettet. Nur rund zehn Wochen vor Rosenmontag wäre ein Brand hier eine Katastrophe und womöglich eine Bedrohung für den Rosenmontagszug gewesen. Inwiefern die Halle und ihr Inhalt durch Löschwasser Schaden genommen haben, stand in der Nacht noch nicht fest. Zur Brandursache könne man noch keine Angaben machen, hieß es weiter, die Polizei nahm die Ermittlungen auf.

UPDATE: Beim MCV herrschte am Donnerstag große Erleichterung: „Die Feuerwehr hat einen Riesenjob gemacht“, sagte MCV-Sprecher Michael Bonewitz Mainz&. Dass die Einsatzkräfte es geschafft hätten, die MCV-Wagenhalle zu retten, sei „sensationell, das war ein kleines Meisterstück, was die vollbracht haben. „Das Wichtigste sei für den MCV aber, dass die neun Personen, die in der Halle arbeiteten, in Sicherheit seien und dass es ihnen so weit gut gehe. Zwei der drei Verletzten, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, könnten heute wohl schon wieder entlassen werden.

In der Halle selbst hielten sich die Schäden in Grenzen, sagte Bonewitz nach einer Besichtigung am Donnerstagmorgen: „Wir haben zwei Löcher in der Decke“, die werde man nun erst einmal flicken, damit es nicht reinregne. „Es war unglaublich viel Löschwasser in der Halle, auch weil die eine Wand gekühlt wurde“, berichtet der MCV-Sprecher weiter. So gebe es kleinere Schäden an Styroporteilen, die Schäden hielten sich aber in Grenzen. „Wagenbauer Dieter Wenger hat mir versichert, dass wir das aufholern können“, sagte Bonewitz – die Motivwagen für den Rosenmontagszug seien nicht gefährdet. „Am Freitag werden die ersten weiter arbeiten können, am Montag werden wir wohl schon wieder Normalzustand haben“, sagte Bonewitz, „wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.“

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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