Kanzlerin, Justiziarin, Staatssekretärin – Hessische Grüne nominieren Ayse Asar als Staatssekretärin – Deutsch-Türkin leitete Hochschule Rhein-Main

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Sie ist Volljuristin und Kanzlerin der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden, nun steht die Deutsch-Türkin vor dem ganz großen Karrieresprung: Ayse Asar soll neue Staatssekretärin im hessischen Wissenschaftsministerium werden. Die Grünen nominierten die Juristin,  die gerade einmal Anfang 40 ist, am Dienstag für den Posten. Ernannt wird Asar am kommenden Freitag bei der Regierungsbildung: Am 18. Januar konstitiuiert sich der hessische Landtag und wählt den Ministerpräsidenten, Volker Bouffier (CDU) steht vor der Fortsetzung seiner schwarz-grünen Koalition. Darin soll Asar nun Staatsekretärin werden – wir haben die beeindruckende Deutsch-Türkin im Juli 2018 getroffen und portraitiert. In unserem Gespräch damals spielten allerdings Parteizugehörigkeit und politisches Engagement keine Rolle. Asars Porträt ist auch Teil des neuen Buches „Starke Frauen“, das Ihr bei uns erwerben könnt.

Ayse Asar im Juli 2018 in der Bibliothek der Hochschule Rhein-Main. Die bisherige Kanzlerin soll neue Staatssekretärin im hessischen Wissenschaftsministerium werden. – Foto: gik

Nein, sagt Ayse Asar, und lacht: „Ich erfülle nicht ganz das klassische Bild eines gesetzten älteren Herren, wie man sich so einen Kanzler eben vorstellt.“ Schwarzes Kleid, schwarze Pumps, nein die dynamische Frau im Büro des Kanzlers der Hochschule Rhein-Main passt in kein Clichée. Mit gerade einmal 42 Jahren hat Ayse Asar ein steile Karriere hinter sich: Volljuristin, Justiziarin, Kanzlerin. Praktizierende Juristin wollte die Deutsch-Türkin aus Bad Schwalbach eigentlich werden, dann aber verliebte sie sich ins Wissenschaftsmanagement. Zwei Kinder hat sie, Elternzeit nahm sie nie – Asar ist eine Frau, die Brücken baut zwischen Welten und Kulturen.

Am Freitag wählt der Hessische Landtag in seiner konstituierenden Sitzung den Ministerpräsidenten, der neue ist auch der alte: Volker Bouffier. Der CDU-Bundesvize steht vor der Bildung seines zweiten schwarz-grünen Kabinetts, am Dienstag stellte er sein neues Kabinett vor. Bei den Landtagswahlen Ende Oktober 2018 war die CDU auf 27 Prozent abgerutscht, die Grünen hingegen auf 19,8 Prozent gestiegen – der Preis für eine Neuauflage der schwarz-grünen Koalition in Hessen: Die Grünen bekommen zwei Ministerien mehr. Zusätzlich zum Wirtschafts- und Umweltministerium halten sie nun mit dem Sozialministerium und dem Wissenschaftsministerium gleich vier Ressorts. Eine der wenigen Überraschungen am Dienstag: Ayse Asar soll der neuen grünen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, als Staatssekretärin zur Seite stehen.

Bislang war Asar Kanzlerin der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden und damit Verwaltungschefin über 13.000 Studierende und knapp 800 Beschäftigte, samt einem Etat von mehr als 70 Millionen Euro im Jahr. „Herausragender Mensch mit Migrationshintergrund“, mit diesem Preis wurde sie im Juni 2018 vom Land Hessen ausgezeichnet. Man möchte sagen: Wie passend.

„Ich mochte es immer, Argumente auszutauschen“, erzählt Asar, als wir uns im Juli 2018 in ihrem Büro in der Hochschule Rhein-Main treffen. Anwältin wollte sie schon früh werden, am liebsten im internationalen Kontext. „Bei Türken ist es ganz häufig so, man wird entweder Arzt, Jurist oder Ingenieur“, erzählt die Deutsch-Türkin. In Gießen und Köln studierte Asar Jura, machte in London ihren Master of Law, absolvierte eine Praktikum in Istanbul, arbeitete vier Monate in einer internationalen Kanzlei in Ankara.

Dann suchte man an der Frankfurter Goethe-Universität eine Juristin, die internationale Verträge prüft, Asar bewarb sich. „Ich wollte maximal ein Jahr im öffentlichen Dienst arbeiten“, erzählt sie, und lacht, eine Verbeamtung lehnte sie ab – es gab da ja auch Angebote von Großkanzleien. „Dann habe ich festgestellt, wie spannend Hochschulen und Wissenschaftsmanagement sind“, sagt sie. In Frankfurt sah man ihr Potenzial, Hochschulpräsident Rudolph Steinberg band sie ein in die Umwandlung der Goethe-Universität in eine Stiftungsuniversität. „Das war für mich eine spannende Zeit“, sagt Asar.

Vom Hochschul-Schreibtisch in die Politik: Ayse Asar, Kanzlerin der Hochschule Rhein-Main, wechselt als Staatssekretärin in die Politik. – Foto: gik

Zwölf Jahre blieb sie am Ende an der Frankfurter Universität, wurde Referentin des Kanzlers, Justiziarin, Leiterin der Präsidialabteilung, am Ende gar Vizekanzlerin. Auf Vorschlag bewarb sie sich als Kanzlerin für die Universität in Halle – und wurde prompt genommen. „Ich bin mutig, ich sage eigentlich nie Nein“, sagt Asar, doch diesem Schritt stand die Familie entgegen: Asar lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Rhein-Main-Gebiet. Stattdessen wurde sie im Oktober 2015 Kanzlerin der Hochschule Rhein-Main, der früheren „Fachhochschule“, in Wiesbaden.

„Wir haben einen ganz wichtigen gesellschaftlichen Auftrag“, sagt Asar: „60 Prozent unserer Studierenden haben keinen Akademikerhintergrund, auf den Unis haben das nur 20 Prozent.“ Sie selbst kommt nicht aus einer Akademikerfamilie, ihre Eltern waren türkische Gastarbeiter aus Kapadokien, die bei Black & Decker in Idstein arbeiteten. Ayse wurde in Bad Schwalbach geboren, wuchs in Idstein auf und ging dort zur Schule.

„Für meine Eltern war Bildung immer schon ganz wichtig“, sagt Asar, „Bildung ist ganz klar der Schlüssel für Integration.“ Drei weitere Schwestern und einen Bruder hat sie, alle haben studiert. „Ich hatte immer das Glück, dass ich eine tolle Familie habe“, sagt Asar. Die Mutter half bei der Betreuung ihrer Kinder, sie habe nie Elternzeit genommen, erzählt Asar, „interessanterweise ist die Rollenverteilung in der Türkei weniger streng.“

An der Hochschule habe ihre türkische Herkunft nie eine Rolle gespielt, sagt Asar. „Ich bin Muslimin, das ist Teil meiner Identität und Herkunft“, betont sie. In Frankfurt gründete sie das „Haus der Stille“ mit, ein Haus des interreligiösen Dialogs auf dem Campus. Als Amtsträgerin einer Hochschule habe sie neutral zu sein, betont Asar. Junge Migranten zu ermutigen, die Chancen von Stipendien, Austausch- und Mentorenprogrammen mehr zu nutzen, das ist ihr wichtig.

Probleme, als Chefin akzeptiert zu werden, habe sie nie gehabt, erzählt Asar, auch nicht, wenn sie Sanierungspläne an der Hochschule durchsetzen musste. Gerade entwickelt sie die städtebauliche Rahmenplanung für den neuen Zentralcampus der Hochschule in Wiesbaden und realisiert das 32 Millionen Euro teure neue Lehr- und Lernzentrum. „Frauen können so viel“, sagt sie noch, „Dinge bewegen, Dinge umsetzen, das können Frauen.“

Info& auf Mainz&: Das Porträt von Ayse Asar ist Teil des neuen Buches von Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein: „Starke Frauen Portraits“ ist gerade Ende Dezember 2018 im Axel Dielmann-Verlag Frankfurt erschienen und enthält 30 Porträts spannender, starker, faszinierender Frauen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet – darunter auch Margit Sponheimer, Woody Feldmann, Anja Gockel, Theresa Breuer und viele mehr. Das Buch hat 196 Seiten und ist für 18,- Euro zu haben – entweder Ihr bestellt es in der Buchhandlung Eures Vertrauens oder hier beim Axel Dielmann-Verlag. Ihr könnt natürlich auch uns eine Email schicken, wir leiten das dann gerne weiter.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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