Kerzen und Grablichter auf Friedhöfen in Mombach und Gonsenheim verboten – Hohe Brandgefahr – Temperatur Rhein steigt – Ozonwerte nicht über Gefahrenwert

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Die Hitze und die zunehmende Wasserknappheit führen jetzt zu wahrhaft kuriosen Auswirkungen: Die Stadt Mainz verbietet nun Kerzen und Grablichter auf den Friedhöfen in Mainz-Mombach und Mainz-Gonsenheim. Das Risiko, dass dadurch ein Brand ausgelöst werden könne, sei einfach zu groß, sagte die Vorstandsvorsitzende des Wirtschaftsbetriebs Mainz am Freitag. Bäume, Büsche und Gräser seien inzwischen stark ausgetrocknet, die Friedhöfe in Mombach und Gonsenheim lägen zudem direkt am Wald. Auch die Feuerwehren warnen stark vor Brandgefahr in Wiesen und Wäldern. Grillplätze sind geschlossen, auf der auf der Maaraue ist der Wiesenparkplatz dicht – die heißen Autos könnten leicht einen Brand auslösen.

Grabkerzen sind erst einmal auf den Friedhöfen in Mombach und Gonsenheim verboten – die Brandgefahr ist zu hoch. – Foto: privat

Bereits seit Wochen führt die anhaltende Regenknappheit zu stark erhöhter Gefahr von Bränden, und zwar nicht nur in Wäldern: Auch Wiesen und Felder seien gefährdet, warnte die Mainzer Feuerwehr bereits Anfang Juli. Inzwischen gilt im Raum Mainz die höchste Brandgefahrenstufe, mehrere Felder gingen bereits in Flammen auf, im Rheinhessischen wie auf der Kostheimer Seite. Brände könnten durch weggeworfene Zigaretten, aber ebenso durch Glasscherben im Feld ausgelöst werden, warnen die Experten. Und sogar Autos sind potenzielle Gefahrenquellen: Der Katalysator eines Kraftfahrzeugs erhitze sich stark und könne einen Brand auslösen, warnt die Feuerwehr.

Der Feld- und Wiesenparkplatz auf der Maaraue bei Mainz-Kostheim wurde deshalb bereits Ende Juli geschlossen, am Mittwoch machte die Stadt Wiesbaden dann auch alle städtischen Grillplätze dicht – die Brandgefahr sei zu hoch. Der Wirtschaftsbetrieb Mainz entschloss sich deshalb am Freitag zu einer drastischen Maßnahme: Der Betrieb verbot Kerzen und Grablichter für die Friedhöfe in Mombach und Gonsenheim.

Nicht nur im Wald ist die Brandgefahr hoch, auch auf Wiesen und Äckern brennt es seit Wochen vielfach – wie hier in Mainz-Kostheim. – Foto: Freiwillige Feuerwehr Mainz-Kostheim

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte Vorstandschefin Jeanette Wetterling: „Denn wir wissen, wie wichtig solch ein Licht der Erinne­rung für viele Trauernde ist.“ Unter dem Strich sei aber das Risiko gerade auf diesen beiden Arealen „einfach zu groß.“ Beide Friedhöfe grenzten unmittelbar an den Lennebergwald, eine umgekippte Kerze oder ein gedanken­los weggeworfenes Streichholz könne so „in kürzester Zeit zu einer katastrophalen Kettenreaktion führen“, sagte Wetterling.

Auch auf den übrigen Friedhöfen der Stadt seien Kerzen und Grablichter momentan ein Risikofaktor. Von einem Verbot sehe man dort aber noch ab. Hinweisschilder in den Schaukästen wiesen aber auf die Gefahr hin, verbunden mit der Bitte, aktuell auf brennende Leuchtmittel zu verzichten. „Wir wissen, dass sich die Friedhofsbesucher der momen­tanen Wetterlage und den damit verbundenen Risiken durchaus bewusst sind“, sagte Wetterling weiter. Bei mehr als 70 Hektar Flächen der Mainzer Friedhöfe könne man aber einfach unmöglich alles kontrollieren. Deshalb gelte: „Aufpassen, verzichten und darauf hoffen, das Pe­trus endlich ein Einsehen hat, und Erde und Pflanzen schon bald die nötige Feuchtigkeit beschert“, fügte Wetterling hinzu.

Die Temperaturen im Mainz im Juli 2018, gemessen von der Wetterstation der Uni Mainz – Grafik: Wetterstation Uni Mainz

„Der Klimawandel ist auch hier in Rheinland-Pfalz angekommen“, sagte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) Anfang der Woche. Durch die Trockenheit steige aber nicht nur die Waldbrandgefahr, auch das Flusswasser erwärme sich. Das bedrohe Fische und andere Wasserlebewesen, dazu sorge die intensive Sonneneinstrahlung für ein erhöhtes Wachstum der Blaualgen in den Badeseen, warnte die Ministerin.

Die schlierenartigen Grüngewächse sind nicht zu unterschätzen: Blaualgen, die eigentlich gar keine Algen sind, können giftige Stoffe absondern, am übelsten für den Menschen sind Neurotoxine, die Hautausschlag und Allergien, aber auch Durchfall und Übelkeit auslösen können. Die Cyanobakterien können zudem aufs Nervensystem und auf die Verbindung zu Muskelsträngen schmerzhaft wirken. Ihr Wachstum wird durch hohen Phosphatanteil begünstigt – also durch Abwasserrückstände, auch von Waschmitteln, in Verbindung mit hohen Temperaturen.

Auch dem Rhein wird heiß, die Pegel sinken. – Foto: gik

Auch im Rhein klettern die Wassertemperatur derzeit stark nach oben. Da die Wassertemperatur bereits 27 Grad erreicht habe, würden aktuell alle relevanten Wärmeeinleiter von den zuständigen Wasserbehörden aufgefordert, alle Möglichkeiten einer Rückkühlung zu nutzen, teilte Höfken am Montag mit. Inzwischen hat die BASF in Ludwigshafen ihre Einleitungen in den Rhein gedrosselt, wie Medien am Freitag vermeldeten.

Auch die Ozonwerte klettern bei der enormen Hitze fleißig nach oben. An einigen Messstellen sei der Informationsschwellenwert von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter für das Jahr 2018 bereits überschritten worden, hieß es aus dem Ministerium, so etwa in Ludwigshafen, aber auch im Westerwald und dem Pfälzerwald. Eine erhöhte Ozonbelastung kann zu gesundheitlichen Problemen wie Hustenreiz, Atembeschwerden und Kopfschmerzen führen. Parallel zur atmosphärischen Ozonbildung entstehen aber auch zusätzlich reaktive Nebenprodukte, die im Gegensatz zu Ozon gut wasserlöslich sind und vor allem die Schleimhäute der oberen Atemwege und der Augen reizen können.

Allerdings ist die Zeit hoher und höchster Ozonwerte offenbar vorbei: Seit Jahren gebe es einen abnehmenden Trend, die Alarmschwelle von 240 Mikrogramm werde an immer weniger Sommertagen erreicht oder überschritten, sagte Höfken. Seit 2007 sei die Alarmschwelle nicht mehr erreicht worden – im bisherigen Rekordsommerjahr 2003 wurde die Informationsschwelle noch an 27 und die Alarmschwelle an sieben Tagen überschritten.

Immer neue Hitzerekorde: In Mainz-Zahlbach waren es am Freitagmittag in der prallen Sonne sogar 48 Grad… – Foto: gik

Hauptursache für den Rückgang sei die Verminderung der Emissionen an Vorläuferstoffen an Stickoxidverbindungen und Kohlenwasserstoffen, die für die Ozonbildung erforderlich seien. Der Ausstoß von Stickstoffoxiden ist nach Angaben des Ministeriums seit 1990 um etwa 60 Prozent und der von Kohlenwasserstoffen um etwa 70 Prozent reduziert worden.

Ein Freibrief ist das indes nicht: Experten warnen, in den großen Hitzestunden keinen Sport zu treiben und sich mit kraftzehrenden Aktivitäten im Freien zurückzuhalten. In Mainz-Mombach wurde am Freitag um 16.00 Uhr immerhin ein Ozonwert von 158 Mikrogramm gemessen. Zudem führt die Hitze in der Stadt zu einer erheblichen Geruchsbelastung – an vielen Stellen stinkt es gewaltig aus der Kanalisation. Die Stickoxidwerte lagen in der Mainzer Innenstadt zudem am Freitag weit über dem Schwellenwert von 40 Mikrogramm – in der Parcusstraße waren es 58 Mikrogramm, in der Rheinallee gar 62 Mikrogramm. Morgens um 9.00 Uhr wurden gar in der Rheinallee 79 Mikrogramm und in der Parcusstraße 83 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft erreicht. Die Temperatur in Mainz stieg am Nachmittag auf satte 38,6 Grad in Mombach – bei uns waren es in der prallen Sonne an der Hauswand sogar 48 Grad…

Info& auf Mainz&: Mehr zur aktuellen Brandgefahr lest Ihr hier bei Mainz&. Informationen zum Thema Ozon und den aktuellen Luftmesswerten des Landes findet Ihr unter http://www.luft-rlp.de/. Eine kartographische Darstellung der Ozonbelastung für Rheinland-Pfalz und das gesamte Bundesgebiet kann unter http://www.uba.de/ abgerufen werden. Für den Rheinabschnitt zwischen Worms und Köln (ca. 245 km) wurde ein LARSIM-Wärmemodell erstellt. Die aktuellen und prognostizierten Rheinwassertemperaturen könnt Ihr unter diesem Link an den verschiedenen Messstationen einsehen.

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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