Kriminalstunde im Gonsbachrevier – GCV zelebriert in Närrischen Kammerspielen 2017 Tatort der Extraklasse

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Kriminalstunde in Gonsenheim, im Gonsbachrevier herrscht helle Aufregung: Eine Leiche wird gefunden und verschwindet, viel schlimmer aber noch – dem Gonsenheimer Carnevals-Verein haben sie Kapp‘, Kostüme und Bier und Wein gestohlen. Und dann kommt auch noch das Schnorreswackler-Denkmal weg, da hat Schimanski Grom alle Hände voll zu tun. Zumal er und sein Team auch noch mit den Mainzer Baustellen und einer hartnäckigen Staatsanwältin zu kämpfen haben… Zum 11.11. zelebrierte der GCV wieder einmal bei seinen Närrischen Kammerspielen 2017 einen Abend der Extraklasse: In der Turnhalle tobte der erste Gonsenheimer Tatort, und der war voll gespickt mit närrischen Höhepunkten und gleich mehreren Überraschungsgästen.

Stress auf dem Gonsbachrevier mit (von links) Christina Grom, Rudi Hube, Sebastian Grom, Lea Heymann und einem Bockius Bruder im Knast. – Foto: gik

Seit einigen Jahren schon schafft es der GCV, aus den Kammerspielen echtes närrisches Theater zu machen. Wo andere Vereine zum 11.11. (durchaus auch gute) Fastnachtssitzungen auf die Bühne bringen, binden die Gonsenheimer ihre Aktiven in eine komplette Rahmenhandlung ein – mal Kreuzfahrt oder mal Vereinsjubiläum. Christian Schier und Thomas Becker komponieren inzwischen eine rasante Achterbahnfahrt in Sachen Narretei, in diesem Jahr höchst kriminalistisch. „Kriminalstunde am Gonsbach, dunkle Gestalten scheuen das Licht“, singt da der Eröffnungssänger, der fabelhafte Peter Beckhaus ganz in Kriminaltango-Manier: „Kriminalstunde, überrascht dich im Schlummer/ hinter den Träumen, lauert der Kummer, im Glauben, es wär alles Konfetti, Paletti/ grausam zerstört…“

Im Gonsbachrevier geht es eher gemütlich zu. Schimanski – Sitzungspräsident Sebastian Grom mit Trenchcoat und Pferdeschwanz – und sein Kollege Wachtmeister Becker (alias Rudi Hube) kommen natürlich erst mal zu spät – der eine ist über die Schiersteiner Brücke gekommen, der andere über die Weisenauer. Nix wie Stau in Mainz. Der jungen Kollegin Melitta wiederum steht eine hochmoderne Schreibmaschine zur Verfügung – und an der Wand hängt eine Vermisstenanzeige: Gesucht wird Guddi Gutenberg, denn der hat vergangenes Jahr seine Druckermütze ans Denkmal gehängt und ist verschwunden…

Oh je, das Schnorreswackler-Denkmal wird vor den Augen von Polizist Rudi Hube geklaut! Von Mario Hohmann… – Foto: gik

Es ist eine herrliche Polizeicrew, die da durch den Abend führt, großartig verstärkt durch Christina Grom als Melitta und geziert durch eine herrlich nervige Staatsanwältin Lea Heymann. Peter Büttner mimt den GCV-Hausmeister, und der hat Schreckliches zu vermelden: Die Komiteekapp‘ vom Sitzungspräsidenten ist weg, dazu Kostüme, eine Ehrennadel – vor allem der Wein und ein Kasten Bier.

Der GCV sitzt auf dem Trockenen! Da ruft Schimi Grom gleich den Notstand aus, lässt den Ort abriegeln und alle verfügbaren Einheiten fahnden. Dass da ja auch noch eine Leiche war – Nebensache. „Wer der Mörder ist?“ fragt Kojak. „Im Zweifel ich“, sagt ein Mann in grüner Latzhose, und stellt sich freundlich vor: „Ich bin der Gärtner. Claus Theo Gärtner.“ Es sind wieder einmal die vier GCV-Narrenstars Michael Emrich (Gärtner), Benno Hellmold (Kloagent), Christian Schier (Kojak) und Martin Heininger (Leichenstatist), die den Saal zu Lachsalven rocken. Als „Zwischenspiel“ legen sie den ganzen Krimi-Sumpf des deutschen Fernsehens offen und kalauern sich quer durch die Filmszene („Sean penn“, „Agent Null Null jagt Dr. Klo“).

Großes Narren-Kino: Das ESK, das Ein-Satz-Kommando mit Benno Hellmold, Martin Heininger, Christian Schier und Michael Emrich. – Foto: gik

Als die „Vier Alten“ sezieren sie später dann gleich noch die Mainzer Stadtpolitik von nie kommenden Brücken und Einkaufszentren über Mainzer Feste, die Sicherheits-Exzesse am Tag der Deutschen Einheit bis hin zu Mainzelbahn, Millionen Jahre alten Affenzähnen, Feinstaubbelastung und Baustellenfreuden. Und auch die Bundestagswahl mit ihrem Rechtsruck bleibt nicht außen vor, Schier fragt nur angeekelt: „Protestwähler, was ist das denn für ein Scheißdreck? Wenn mir ein Bier im Supermarkt nicht mehr schmeckt, dann kauf ich mir doch nicht ein Bier, das noch beschissener schmeckt!“ Der Saal dankt mit donnerndem Applaus.

Derweil suchen sie im Gonsbachrevier die Leiche, doch auch Oberförster Christoph Seib, der Kerbholz heißt, hat nur Frösche laichen sehen und singt eine sanfte Ballade vom Waldesrand. Die Presse darf bloß nix wissen (ts!!!), dafür gibt die Polizei eine Anzeige nach der Leiche auf – kann ja nicht schaden. „Ich schieß‘ auf alles, nur kein Wild/, Wilma setzt sie schnell ins Bild“, verkündet derweil fröhlich „Knollenlady“ Wilma.

Thorsten Spengler und Torsten Schäfer geben mit großartiger Spielfreude und in Frauenkostümen die Damen von der Verkehrsüberwachung, blitzen auf den Feldern auch schnell die Gülle(n)-Bewegung und das Publikum wegen zu schnellem Hinsetzens – herrlich! Nebenher singen Wilma Petz und Evira Knoll auch noch, und schließlich gehen ihnen mit 111 kmh die Bockius Brüder in die Falle.

Große Narretei: Helmut Schlösser (mit Schal) wird von Thomas Becker interviewt. – Foto: gik

„Katrin, bau mir en Baustell'“, schmachten Andy und Matthias Bockius, „ich bin zu schnell am Arbeitsplatz!“ Ein musikalischer Geniestreich der Mainzer Blues Brothers – den Ihr hier auf unserem Mainz&-Youtube-Kanal anhören könnt – , trotzdem müssen die natürlich in den Knast und trinken fortan genüsslich Bier hinter Gittern. Zuvor hatten schon Jens Ohler und Andreas Müller den Schauplatz des Mordes gründlich närrisch aufgeräumt, inzwischen seziert der noch viel närrischere Pathologe das Mordopfer. Johannes Emrich kalauert sich durch Mann-Frau-Themen, findet ein Pils zwischen Leber und Milz, und seziert gleich noch die verstorbene SPD mit: „Das nennt man Würselener Geschwulst, da kann man gar nichts mehr machen, da biste geschulzt.“ Das Ganze kommt auch noch in Reinform und mit Klaviermusik daher, Respekt vor der abgrundtief närrischen Seziererei!

Hatte sichtlich Spaß beim Moderieren des GCV Journals: Gundula Gause. – Foto: gik

Die Leiche allerdings macht sich davon – es war ein eingepennter Büttenschieber des MCV. Denn auch in diesem Jahr vergessen die Gonsenheimer nicht ihre eifrigen Seitenhiebe auf Fastnacht, Vereinsmeierei und auch sich selbst – und holen sich dafür prominente Verstärkung: Das „Journal vom MCV Helau“ präsentiert niemand anderes als Heutejournal-Moderatorin Gundula Gause, die mit viel Spaß die Brennpunkt-Manie des Fernsehens auf die Schippe nimmt. Außenreporter Thomas Becker berichtet natürlich von einem (menschenleeren) Ort in Aufruhr: „Eine Passantin sagte in Tränen aufgelöst, sie vermisse eine Gesangsnummer!“ Wir auch: Der Ercan Demirel war nämlich in diesem Jahr leider nicht dabei.

Doch das ist noch nicht das Schlimmste: Den Mombacher Bohnebeiteln wurden sämtliche Gags geklaut, berichtet ein gewisser Herr Burgen wie Schlösser, „das ist schon fünf Jahre her, aber wir haben es jetzt schon gemerkt…“ Bohnebeitel Helmut Schlösser kalauerte sich mit Thomas Becker quer durch die Narrenszene, Anspielungen auf Obama und Trump, die Paraderollen der beiden Narren in den vergangenen Jahren, inklusive. Wenn der Narr den Narr derart gekonnt auf die Schippe nimmt, dann wird wahre Fastnacht gefeiert. Er ist nicht der einzige Narrengast: Obermessdiener Andreas Schmitt persönlich poltert als grantiger Talkshowgast herum, während Thomas Becker einen herrlich schleimigen und strunz-dummen Fernsehtalker namens Lanz mimt, erneut eine großartige Becker-Parodie. Schmitt verneigt sich dann noch vor dem verschwundenen Guddi Gutenberg: „Ich hör jetzt mit mei’m Vortrag uff und stell mich auf sein‘ Sockel druff!“

Fake-Feger und Agent mit der Mülltonne: Hans-Peter Betz in neuer Rolle. – Foto: gik

Prompt betritt die Bühne – ein Straßenkehrer, der verteufelte Ähnlichkeit mit dem Verschwundenen hat. Hans-Peter Betz genießt sichtlich die Freiheit, in neue Rollen zu schlüpfen und mimt den „VE“, den verdeckten Ermittler mit Kehrbesen und James Bond-Mülltonne. Ob Kampfradler, Hundehaufen, Veganer-Hype oder Marktfrühstück, der Fake-Feger räumt kräftig auf in der Stadt und vergisst natürlich auch den Tag der Deutschen Einheit nicht: „Gestern haben sie noch einen Scharfschützen gefunden, den hatten sie auf dem Dach des Staatstheaters vergessen“, berichtet der Betz. So streng seien die Sicherheitsvorkehrungen am 3. Oktober rund um den Dom gewesen, „wenn da einer gefurzt hätte, den hätten sie als Gefährder nach Afghanistan deportiert.“

Derweil ist im Gonsbachrevier der Teufel los: Ein Herr in Schwarz und mit Wollmütze aus Polen hat das Schnorreswackler-Denkmal zum Putzen in seinen Transporter gebracht, kräftig unterstützt von Wachtmeister Becker. „Der Willi muss müssen, und ‚es Denkmal ist weg!“, lamentiert daraufhin Erhard Grom, und weiß natürlich gleich, wer’s war: Die Finther! Also schließt der Grom gleich die Grenze nach Finthen und führt eine Obergrenze ein: „Sind fünf Finther hier, kommt kein Sechster mehr rein. Ein Finther reicht, um das Denkmal zu klaue, beim knapp halben Dutzend wär die Turnhalle hier fott!“

Herrlich mafiös, musikalisch top und voller genialer Einfälle: die Schnorra Nostra! – Foto: gik

Hund Willi schnüffelt ganz echt auf der Bühne herum, und freut sich so sehr über seinen Auftritt, dass er ganz in echt und völlig ungeplant was auf der Bühne fallen lässt. „Es ist dringend, mein Hund muss müsse“, spornt da das Herrchen gerade die Polizisten vom Revier an – der Saal johlt vor Lachen. Auch wenn zwischendurch was schief geht – hier wird es schlicht Teil der Narren-Inszenierung.

„Ich bin der schönste Mann im Knast“, charmeuert dazwischen ein großartiger Uli Brüggen, sehr zur Freude der Damen vom Revier. Und der Flashmob vom Ballett rockt nicht nur den Saal, sondern bringt auch die Polizei zum Mittanzen. Das närrische I-Tüpfelchen schließlich setzen noch einmal Emrich, Helmold, Heininger und Schier als SEK-Kommando mit einer mordsmäßig genialen Redeschlacht. Motto: „Mehr als Ein Satz kriegen die nicht hin.“ – „Wir sind ja auch das Ein-Satz-Kommando.“ Narretei in Reinform und Narren in Höchstform!

Am Ende aber wird alles gut, denn die geklauten Sachen tauchen in einem finsteren Keller wieder auf: Die Schnorra Nostra haben das Bier gemopst und das Komitee zur „Al Kapp Ohne“ gemacht. Die Schnorreswackler kommen italienisch-mafiös daher und brillieren ganz nebenbei noch mit einem neuen Geniestreich: Einer närrischen Meenzer Version des Cup Songs mit grandioser Choreographie zu neuem Text: „Freunde, hebt mit mir das Glas!“ Das gibt natürlich stehende Ovationen – und von der Staatsanwältin einen Freispruch: „Unschuldig in Sinne der Fastnacht, ich plädiere für Freispruch!“ – „Freibier!“ schallt es zurück – Zeit fürs Finale! Und dafür, sich ausgiebig auf die Kampagne 2018 zu freuen.

Info& auf Mainz&: Mehr Fastnachts-Videos, auch von den Närrischen Kammerspielen des GCV, findet Ihr auf der Mainz&-Facebookseite oder auf in unserem Mainz&-Youtube-Kanal – viel Spaß damit! Den GCV im Internet findet Ihr hier. Noch mehr Fotos – und zwar sehr geniale! – den Gonsenheimer Tatorts findet Ihr auf der Facebookseite des GCV, geschossen von Ralf Trabold. Und wie immer hier, in chronologischer Reihenfolge, die Aktiven der Närrischen Kammerspielen 2017 des GCV in Bildern:

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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