Moderator, Schauspieler, Troubadour der Neuzeit – Fastnachter Nick Benjamin ist tot

Alles&, Narretei & andere Mainzer Spezialitäten 0 835

Er war der Mann mit der roten Nase und der komischen Brille. Der mit der Gitarre und den Witzen. Der mit der sonoren Stimme hinter dem Film. „Troubadour der Neuzeit“ nannten ihn die Mombacher Bohnebeitel – nun ist er für immer verstummt: Nick Benjamin, langjähriger SWR4-Moderator und Ur-Fastnachter, ist tot. Benjamin sei am Montag nach langer Krankheit im Alter von 72 Jahren verstorben, teilte der SWR auf seiner Internetseite mit. Das habe der Sender aus Familienkreisen erfahren. Am Abend, als die Nachricht die Runde machte, breitete sich tiefe Trauer in Mainz und in den sozialen Netzwerken aus. Weggefährten, Kollegen und Fastnachter zeigten sich tief betroffen. „Und wieder einer der ganz Großen. Fassungslos“ schrieb Oliver Hauf. „Nick wird uns fehlen, ich bin dankbar, dass ich ihn kennenlernen durfte“, schrieb die Fastnachterin Hildegard Bachmann: „Bis dann, Nick.“

Nik Benjamin wie man ihn kannte: Als Troubadour mit der Gitarre auf der Bühne bei den Bohnebeiteln. – Foto: gik

Sein berufliches Zuhause war der Südwestrundfunk, das Zuhause seines Herzens die Bühne – und vor allem die Fastnachtsbühne: Radiomoderator, Synchronsprecher, Sänger – Nick Benjamin war ein Mann der Stimme. Geboren wurde er am 21. August 1946 in Lüneburg, wenn wir uns auf Wikipedia verlassen dürfen, sein bürgerlicher Name lautete Lutz Jörg Nicolai. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann wurde er Sprecher für Kinderhörspiele und für Werbespots, dann auch bei Radio und Fernsehen. Seit Anfang der 1980er Jahre war er rundum als Sprecher im Einsatz: Hörspiele, Hörbücher, Dokumentationen, vor allem im Auftrag von ARD und ZDF.

Von 1986 bis 2011 arbeitete Benjamin als Radiomoderator, davon alleine 21 Jahre für den Südwestrundfunk in Mainz, vor allem auf der Welle SWR4 war er zu Hause. Doch Benjamins Talent beschränkte sich nicht auf das Mikrofon, für den Tatort und den „Fall für 2“ oder die Kurklinik Rosenau stand er auch als Schauspieler vor der Kamera. Jemand, der so mit der Stimme umgehen konnte, wie Nick Benjamin, war natürlich prädestiniert für die Fastnachtsbühne: 15 Jahre lang stand er als Redner bei den Mombacher Bohnebeiteln auf der Bühne, erzählte Witze und kleine Alltagsgeschichten. Highlights waren seine urkomischen Lieder zur Gitarre, die gerne als Clownerien daherkamen, aber oft tiefen Sinn verbargen.

Farbenfroh, Clownesk, auf den Punkt: „Der Brigg geht’s nedd gut“, sang Nick Benjamin 2015 – wahrhaft prophetische Worte. – Foto: gik

Unvergessen auch sein Auftritt in der Kampagne 2015, als Benjamin musikalisch seufzte, „Der Brück‘, der geht’s net gut, weil sich lang schon nichts mehr tut.“ Es waren wahrhaft prophetische Zeilen: Wenige Tage später sackte ein Brückenpfeiler bei Bauarbeiten weg, die Schiersteiner Brücke hatte einen großen Riss und musste für Wochen gesperrt werden. Und Benjamin hatte noch gesungen: „Was macht dann nur die Schiersteiner Brück, Schiersteiner Brück, Schiersteiner Brück? Isse kaputt? Naaaa, se bebt noch, se bebt noch, se bebt noch – doch bald is‘ se Schutt…“ Sein größter Fastnachtshit aber widmete sich einer Ur-Meenzer Fastnachtsspezialität: „Ich hol‘ für Dich die Füllung aussem Kreppel“ war Liebeslied und große Narretei zugleich.

Auf der Fastnachtsbühne begleitete Benjamin sich selbst mit der Gitarre, es war nur ein winziger Ausschnitt seiner Musikliebe: Seit 50 Jahren war er dem Jazz zugeneigt, wie er auf seiner Homepage bekennt. Mit Liedern wie dem Mainz-Blues verquickte er beide Welten. „Diese Stadt ist so jung, so jung, so jung, wie sie alt ist“, sang er da, das galt irgendwie auch für ihn selbst. Noch vor einem Jahr hatte Benjamin im Mainzer Unterhaus mit seinem Programm „Feucht und Fröhlich“ auf der Bühne gestanden, sein Tod mit nur 72 Jahren schockte am Montagabend viele.

„Mach es gut, lieber Freund, ich wünsche Dir Frieden in der nächsten Ebene“, schrieb Andreas Guntrum vom CCW. „Ich bin fassungslos“, sagte Adi Guckelsberger, bekannt als „Nachtwächter“: „Ein wunderbarer Mensch und ein toller Fassenachter, einer der lange Zeit ein Gesicht der Bohnebeitel war und ihre Sitzungen mitgeprägt hat. Ich verneige mich vor ihm und wünsche seiner Familie viel Kraft.“ Viele dankten Benjamin für seinen Humor und die vielen unvergesslichen Momente des Lachens, die er beschert hatte. „Nick tot…“, schrieb eine Facebook-Nutzerin, „nicht vorstellbar und so traurig….“

Info& auf Mainz&: Zur Meldung des SWR über den Tod von Nick Benjamin geht es hier entlang. Mehr über Nick Benjamin erfahrt Ihr außerdem hier auf seiner eigenen Homepage. Mehr über den Brückensong von Nick Benjamin 2015 findet Ihr hier bei Mainz&.

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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