Narr sein für einen Tag – 8.000 Narren feiern trotz Regen und Kälte 11.11.2017 auf dem Schillerplatz in Mainz – UPDATE

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Die Narren sind los! Pünktlich um 11.11 Uhr donnerte das Helau über den Schillerplatz in Mainz, starteten die Fastnachter für einen Tag in das bunte Treiben namens Narretei. „Man darf wieder ganz Narr sein und sich als Narr fühlen, zumindest für diesen einen Tag“, rief der Präsident des Mainzer Carnevals Verein (MCV), Reinhard Urban, der Menge auf dem Platz zu. Am 11.11. feiern die Narren traditionell die närrische Grundzahl „Elf“ und lupfen den Vorhang für die Fastnachtskampagne ein Stückchen, bevor die Vorweihnachtszeit beginnt. Gekommen waren nach Angaben der Polizei 8.000 Narren. „Egal, woher ein jeder kommt, egal ob schwarz, ob weiß, ob blond – lasst uns den Tag heut‘ richtig feiern, gemeinsam, friedlich, auch mit Bayern“, sagte der aus Bayern stammende MCV-Oberfastnachter an diesem 11.11.2017. Die Kampagne 2018 steht unter dem Motto: „So, wie der Mond die Nacht erhellt, strahlt Mainzer Fastnacht in die Welt.“

Geballte Narren-Prominenz um 11.11 Uhr auf dem Balkon des Osteiner Hofes (von links): Bert Christmann, Präsident der Eiskalten Brüder, OB Michael Ebling, Obermessdiener Andreas Schmitt und MCV-Präsident Reinhard Urban. – Foto: gik

Der 11.11. wird in Mainz traditionell vom Balkon des Osteiner Hofs eröffnet. In diesem Jahr tickte eine überdimensionale Uhr auf dem Balkon, mit goldenem Konfetti wurde die Narrenzeit begrüßt. Rund um den Schillerplatz drängten sich Garden und allerlei närrisch kostümiertes Volk, 8.000 waren nach Angaben der Mainzer Polizei gekommen. So viele wollten dabei sein, dass der Einlass zum Schillerplatz sogar wegen Überfüllung für etwa 20 Minuten gestoppt werden musste.

Und das, obwohl das Wetter alles andere als milde gestimmt war: bei teils heftigem Regen und ganzen sechs Grad herrschte schlechtestes Novemberwetter. Die Narren focht das nicht an: Ein Regenschirmmeer beschützte die Feiernden, warme Kostüme schützten vor der Kälte. Um kurz vor 11.11 Uhr startete der Countdown, dann donnerte das dreifache Helau über den Schillerplatz.

 

Eine Regenschirmmeer trotzte dem schlechten Wetter, Tausende Narren kamen am 11.11. auf den rappelvollen Schillerplatz. – Foto: gik

„Wir schlagen jetzt mit voller Wucht, Mucker, Philister in die Flucht“, verkündete danach der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) in klassischer Reimform: „Hinweg du schnödes Alltagsgrau, der Meenzer Fastnacht dreimal Helau!“  Für alle nicht-Meenzer: Mucker und Philister sind Spießer und Miesmacher, die obersten Feinde aller Narren, und Sinnesfrohen. Und da der Narr alles und jedem den Spiegel vorhält und auf die Schippe nimmt, vergaß Ebling auch nicht, dass bei der Stadt selbst zu tun: „Erlaubt mir, dass ich vom Balkon, was geraderück‘ im Narrenton. In Mainz passiert ’ne ganze Menge, wir lassen fast kein Thema hänge“, reimte der OB: „Wir graben Straße auf im Nu, und schütten sie auch wieder zu. Wenn’s sein muss graben wir sehr schnell, auch zehn Mal an der gleichen Stell! Und spielt das Wetter mal verrückt, dann überdachen wir das Marktfrühstück.“

 

Bert Christmann und Andreas Schmitt von den Eiskalten Brüdern verlesen das Närrische Grundgesetz, OB Ebling schaut links zu. – Foto: gik

Doch auch für einen kurzen Moment des Innehaltens war Zeit in all der Ausgelassenheit: „Bei allem Spaß, man nicht vergisst: Plakette-Klaus, Du wirst vermisst“, sagte Ebling in Erinnerung an den vor vier Wochen verstorbenen, legendären Zugplakettcher-Verkäufer Klaus Eigenbrodt. „Doch auf Erden, alle Wette, im Himmel verkauft er weiter Plakette“, fügte Ebling hinzu – unsere Karikaturistin Bianca Wagner hat das schon gezeichnet: „Kaaaft Zugplakettcher!“, schallts jetzt von Fastnachtswolke 11 herab: „Jedes Jahr dieselbe Leier, es Geld ist knapp, der Zug ist deier. Drum kaaft Plakettscher, diese schmucke, damit Ihr könnt de Zuuch aach gucke!“

 

Schließlich musste aber ja noch das Närrische Grundgesetz verkündet werden. Das übernahmen in diesem Jahr die Eiskalten Brüder mit ihrem neuen Präsidenten Bert Christmann, die Gonsenheimer feiern ihr 125-jähriges Jubiläum. „Die Würde des Narren ist unantastbar, egal wo man hingreift“, verkündete der Eiskalte-Sitzungspräsident Andreas Schmitt, auch bekannt als Obermessdiener: „Man soll die Narren nicht erdulden, sondern einfach mitmachen.“

Heiße Narrenparty in eiskalter Nacht: Am 11.11. wurde der Schillerplatz gerockt, die neuen Bewohner des Osteiner Hofes feierten kräftig mit. – Foto: gik

Und Schmitt wäre nicht Schmitt, wenn er nicht den einen oder anderen Zusatz dazu gedichtet hätte, und so wurde Teil des Närrischen Grundgesetzes der Zusatz: Weil wir im Juli zum fünften Mal Fußball-Weltmeister werden!“ Von der Menge wurde jeder der elf Artikel mit einem kräftigen „So sei es!“ bekräftigt. Die schwor Schmitt am Ende noch mit dem Satz ein: „Ich gelobe, den heutigen 11.11. trotz Regen und Schlambes in der Meenzer Altstadt zu feiern!“

Das nahmen die Narren ernst – auf dem Schillerplatz und in den Altstadt-Kneipen wurde bis in die Nacht gefeiert. Bis 21.30 Uhr reichte das Bühnenprogramm auf dem Schillerplatz selbst, dessen Ton allerdings zu Beginn erst einmal unter der Nässe litt: Die Musik war kaum zu hören. Am Nachmittag spielten noch die Spaßmacher, die Rheinmainzer, die Bockius Brüder und Oliver Mager auf, am Abend heizte die Band Kontrollverlust den jüngeren Narren ein – mit grandioser Stimmung, tollem Sound und vor der Kulisse eines wiederbelebten Osteiner Hofs: Die neuen Bewohner feierten bis in die Nacht hinein oben an den Fenstern und auf den Balkonen mit. Wie sagte der OB doch so schee: „Seid fröhlich, närrisch, genießt die Pracht, bei unserer Meenzer Fassenacht.“

Info& auf Mainz&: Mehr zum Narrenmotto und dem Mainzer Zugplakettcher 2018, dem Narrenmond, lest Ihr hier bei Mainz&, unsere Hommage an den Plakette-Klaus gibt es noch einmal hier. Das ganze Närrische Grundgesetz steht hier bei Mainz&, ein Video zur heutigen Verkündung findet Ihr auf unserer Mainz&-Facebookseite. Wir freuen uns, wenn Ihr uns ein Like schenkt oder unsere Beiträge teilt! Und eine kleine Bildergalerie haben wir natürlich auch noch für Euch – bitteschön:

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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