Neue Sternwarte für Rheinhessen

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Update–Update–Update: Sternegucken Samstagabend Ihr kennt ja sicher die Kuppel oben auf der Anne-Frank-Schule, das ist das Gebäude, das an das Naturhistorische Museum angrenzt: die Mainzer Volkssternwarte. 50 Jahre lang blickten die Mainzer von hier aus zum Himmel, suchten Sterne, beobachteten astronomische Phänomene. 2011 war damit Schluss: Der Brandschutz befand auf einmal, der Aufstieg auf den Turm entspreche mangels eines zweiten Rettungsweges nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Seitdem ist Schluss mit Sternegucken mitten in Mainz. Doch nun ist Abhilfe in Sicht: im rheinhessischen Stadecken soll eine neue Sternwarte entstehen.

Die Mainzer Volkssternwarte über den Dächern von Mainz - Foto: gik

Die Mainzer Volkssternwarte über den Dächern von Mainz – Foto: gik

„Wir haben verzweifelt nach einem alternativen Standort in Mainz gesucht“, sagt Jan-David Förster. Der Chemiestudent ist der Vorsitzende der „Astronomischen Arbeitsgemeinschaft der Sternfreunde Mainz und Umgebung“, der Verein betreibt seit 1962 die Sternforschung in Mainz. Das Problem: „Dank“ Brandschutz dürfen nur noch drei Besucher gleichzeitig die Kuppel auf der Realschule erklimmen, vorbei die Zeiten, als die Astronomiefreunde bei der Langen Nacht der Museen Hunderte von Besucher mit ihrem Observatorium mitten in der Stadt faszinierten. „Wir wollten nicht komplett aus Mainz abwandern“, betont Förster.

Nun ist endlich Abhilfe in Sicht: Der Verein bekommt eine neue Geschäftsstelle und einen neuen Wirkungsraum. Mitten im Naturhistorischen Museum liegt der Lichthof, und der wird künftig eine neue Decke bekommen. Darauf soll dann ein großer Mehrzweckraum entstehen, der nicht nur für Präsentationen und Vorträge geeignet sein soll. Dank neuester Technik sollen die Astronomiefreunde nämlich in der Lage sein, Livebilder von ihrer Sternwarte in den Raum zu übertragen, und so den Besuchern die Erlebnisse aus dem Universum nahe zu bringen.

Skizze Rheinhessen Sternwarte

So soll die neue Sternwarte in Stadecken einmal aussehen – Quelle: AAG

Auf der Stadecker Warte soll ein komplett neues Gebäude entstehen, samt Ausgucksturm und einer Sternwarte oben drauf. 8,50 Meter hoch soll der Turm sein, das reiche, sagt Förster: „Es ist nicht so maßgeblich, wie hoch die Kuppel ist – wir sind mit dem Gebäude dann ja schon erhöht.“ Das wiederum sei wichtig für die Rundumsicht. Nun ist ja Stadecken nicht gerade direkt nebenan von Mainz, die Astronomiefreunde sind aber trotzdem ganz begeistert. Das Problem nämlich: in Mainz ist es längst viel zu hell für eine anständige Sternenbeobachtung, auch ist die Technik in der alten Volkssternwarte völlig veraltet, wie Förster sagt.

Blieb noch die zweite Sternwarte in Klein-Winternheim, ein erdnahes Teleskop in einem unscheinbaren niedrigen Verschlag am Rande der Felder. „Das war schon viermal so leistungsfähig wie in Mainz“, sagt Förster, für Besucher sei diese Sternwarte aber nie gedacht gewesen. Dazu kamen neue Probleme: „Die Lichtverschmutzung hat enorm zugenommen“, sagt Förster, das heißt: es gibt viel mehr Licht aus elektronischen Quellen. Das neue Hechtsheimer Gewerbegebiet, Möbel Martin, Neubaugebiete – die Beobachtungsqualität ließ immer weiter nach.

Dazu sollen auf den Feldern neben der Sternwarte demnächst 15 neue Windräder entstehen, ein klares Aus für die Sternwarte. „Wir sind lange in der Landschaft rumgefahren und haben gesucht, wo kann man noch eine Sternwarte bauen – und das auch zukunftssicher“, berichtet Förster. In Stadecken wurden die Sternegucker fündig, und schwärmen nun, dort werde man 1,6 mal mehr Sterne sehen können als in Klein-Winternheim.

Dann ist da allerdings noch das „kleine“ Problem der Finanzen: „Es fehlt noch an allen Ecken und Enden das Geld“, seufzt Förster. Bis zu 200.000 Euro werden noch benötigt, auch weil ein neues Teleskop angeschafft werden muss. „Wir wären mit einem 50cm-Teleskop sehr, sehr glücklich“, sagt Förster. Studenten der Fachhochschule Kaiserslautern entwickeln gerade eine neue Präsentation samt Webseite für die Astronomiefreunde, im Sommer soll das Projekt fertig werden. Dann hoffen die Mainzer Astronomiefreunde auf Spenden von Mainzer Unternehmern oder Förderern der Sterneguckerei.

Die Mainzer Volkssternwarte - Foto: gik

Die Mainzer Volkssternwarte – Foto: gik

Denn was der Verein da treibt, kommt nicht nur den Vereinsmitgliedern zugute. Die Astronomiefreunde veranstalten einmal im Monat Vorträge über Astronomie und Himmelserscheinungen. Der nächste Termin ist der 6. April, also dieser Sonntag, dann berichtet der Kosmochemiker und Planetenforscher Johannes Brückner vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie vom roten Planeten Mars. Brückner ist nämlich einer der Väter des Mars-Rovers, und kann Auskunft geben über die neusten Erkenntnisse.

Dazu passt dann auch gleich, dass am Samstag deutschlandweiter Astronomietag ist, der in diesem Jahr das Thema Weltraumwüsten hat. Die Mainzer Astronomiefreunde sind dann mit einem Strand auf dem Gutenberg-Platz in der Mainzer Innenstadt vertreten. Dort präsentieren sie ein Sonnenteleskop, mit dem man Gasausbrüche auf der Sonne beobachten kann. Also, schaut mal vorbei!

Update: Am Samstagabend ab 20.30 Uhr laden die Astronomiefreunde zum Sternegucken in die Paul-Baumann-Sternwarte in Klein-Winternheim. Die Vereinsmitglieder versprechen, „mit Rat und Tat“ Themen der Astronomie näher zu bringen. Beim Sternegucken soll dann auch der Planet Mars im Teleskop zu sehen sein.

Hinkommen: Die Sternwarte liegt am Rande von Feldern nord-östlich von Klein-Winternheim. Am besten die Autobahnabfahrt Klein-Winternheim der A63 suchen, von dem Kreisel südlich der Ausfahrt ist die Sternwarte ausgeschildert. Aber Achtung: Nach einem hohen Gebäude Aussschau halten nützt nichts! Die Sternwarte ist bodennah gebaut und hinter Büschen verborgen. Also lieber nach Menschen Ausschau halten.

Info& auf Mainz&: Vortrag „Mars-Rover – Neues vom Roten Planeten„, Sonntag, 6.4.2014. Ort: Vortragssaal des Naturhistorischen Museums in Mainz, Beginn: 15.00 Uhr. Eintritt ist frei! Infos über die Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz findet Ihr im Internet auf der Homepage, dort könnt Ihr Euch auch die Präsentation zur neuen Rheinhessen-Sternwarte runterladen. Infos zum Astronomietag gibt es hier.

Mehr& auf Mainz&: Auch zu diesem Thema könnt Ihr noch mehr erfahren über die Geschichte der Mainzer Volkssternwarte – im Bericht „Wo Mainz in die Sterne schaute“ (€).

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

1 Kommentar

  1. Jan-David Förster 3. April 2014 at 23:15 -  Antworten

    Vielen Dank für aufmerksames Zuhören, umfassende Recherche und den schönen Artikel, der selbst mir, obwohl mir der Inhalt vertraut ist, beim Lesen Spaß macht. Er wurde umgehend auf unserer Webseite und auf Facebook geteilt.

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