Neues Anflugverfahren für Morgenstunde in Frankfurt – EMAS soll Anflugstrom gleichförmiger und leiser machen – 160 verspätete Nachtflüge im Juli

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Die Deutsche Flugsicherung will einen gleichförmigeren und damit auch leiseren Anflugstrom in den Morgenstunden am Frankfurter Flughafen erreichen. Gemeinsam mit den Fluglinien Lufthansa, Lufthansa Cargo und Condor werde bereits seit Anfang 2018 das Projekt „Early Morning Arrival Stream Frankfurt“ (EMAS Frankfurt) erprobt, teilte die Deutsche Flugsicherung mit. Ziel sei ein besser planbarer und gleichförmigerer Anflugstrom auf den Flughafen Frankfurt in der Zeit von 5.00 Uhr bis 6.00 Uhr morgens. Derweil reißt der Ärger um die Verspätungsflüge in der Nacht nicht ab: Laut Statistik des hessischen Verkehrsministeriums kam es im Juli erneut zu rund 160 verspäteten Landungen nach 23.00 Uhr. Die Forderungen nach Sanktionen werden deshalb lauter.

Gerade die Flieger in den frühen Morgenstunden reißen die Menschen im Umfeld des Flughafens aus dem Schlaf, hier eine Maschine im Landeanflug über Raunheim. – Foto: gik

Das Projekt „Early Morning Arrival Stream Frankfurt“ (EMAS Frankfurt) wurde bereits Anfang des Jahres in einem Probebetrieb erprobt, wie die Deutsche Flugsicherung (DFS) erst jetzt mitteilte. Damit solle ein „besser planbarer und gleichförmigerer Anflugstrom“ insbesondere der Langstreckenflieger erreicht werden. Dafür bekommen die Piloten bereits Stunden vorher eine individuelle Landezielzeit übermittelt, die sie möglichst zielgenau einhalten sollen. Das Konzept der Zielzeiten sei insbesondere in der Morgenstunde ab 5.00 Uhr gut anwendbar, da zu dieser Zeit viele Langstreckenflüge aus Asien oder Nordamerika in Frankfurt landeten, die zum Teil verfrüht vor 5.00 Uhr in den Nahbereich einflögen, hieß es von der DFS weiter.

Mit dem neuen Konzept werde den Piloten die Zielzeit schon so viele Stunden vor der Landung übermittelt, dass sie diese in der verbleibenden Flugzeit sehr genau einhalten könnten. Ein erster Probebetrieb Anfang 2018 habe hat ergeben, dass sich die Zeit, in der die Flugzeuge im Nahbereich des Flughafens kreisen, so um durchschnittlich zehn Prozent reduzieren lasse. Flugstrecken im Horizontalflug unter 8000 Fuß nahe des Flughafens konnten zudem um etwa 20 Prozent verringert werden. Das führte zu verminderten Emissionen und einer Reduzierung des Fluglärms.

Das Verfahren soll nun im Rahmen des europäischen SESAR-Programms weiter untersucht werden. Dabei sollten zusätzliche Airlines eingebunden und Planungs- und Koordinationsverfahren automatisiert werden, hieß es von der DFS weiter. Ein zweiter Probebetrieb sei in 2019 geplant, darauf aufbauend solle ein EMAS-Regelbetrieb für den Flughafen Frankfurt etabliert werden.

Für Anwohner des Flughafens könnte das zumindest ein wenig Linderung bringen: Gerade die ab kurz vor 5.00 Uhr dröhnenden Flieger reißen viele Anwohner aus dem Schlaf. Und die Belastungen durch den Flughafen gehen weiter: Im Juli kam es laut Statistik des Hessischen Verkehrsministeriums erneut zu rund 160 verspäteten Landungen nach 23.00 Uhr, Höhepunkt waren 21 verspätete Starts wegen eines Gewitters am vergangenen Samstag.

Für Ärger sorgen seit Monaten aber vor allem verspätete Landungen von Billigairlines, Kritiker werfen Fluglinien wie Ryanair und Condor vor, die Verspätungen bewusst einzukalkulieren. „Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der neuen Entgeltordnung, die im Januar 2017 in Kraft getreten ist, und der Zunahme der Verstöße gegen das Nachtflugverbot“, sagte vergangene Woche nun auch der SPD-Landtagsabgeordnete Benedikt Oster. Mit der neuen Entgeltordnung habe der Flughafenbetreiber Fraport gezielt auch Billigflug-Gesellschaften angesprochen – und genau die seien nun besonders für die Verspätungen verantwortlich.

Die SPD forderte deshalb von der Fraport, für die Einhaltung des Nachtflugregelung zwischen 23.00 Uhr und 5.00 Uhr morgens zu sorgen. Die Fraport müsse dann eben die Entgelte für die Randzeiten sowie Überschreitungen „drastisch erhöhen, damit dieser Fehlentwicklung Einhalt geboten wird“, forderte der Mainzer Landtagsabgeordnete Johannes Klomann.

Info& auf Mainz&: Die Übersicht des Hessischen Verkehrsministeriums über die verspäteten Landungen am Frankfurter Flughafen findet Ihr hier im Internet. Auch der deutsche Fluglärmdienst erstellt eine eigene Liste der verspäteten Flieger mit genauer Uhrzeit sowie Fluglinie und Flugstrecke zugeordnet, diese findet ihr hier. Wegen der dramatisch gestiegenen Verspätungslandungen hat das Hessische Verkehrsministerium mehrere Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Ryanair und Condor eingeleitet, mehr dazu findet Ihr hier bei Mainz&.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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