Kleinste Garde von Mainz: Bernd Frank ist die Ein-Mann-Jägergarde

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Wenn die Garden an Fastnacht durch die Mainzer Innenstadt ziehen, ragt einer heraus: leuchtendes Orange, schickes Schwarz und 2,04 Meter groß – Bernd Frank wird definitiv herausstechen. Und viele werden sich fragen: Was ist denn das für ein Gardist? Ein ganz besonderer, weiß Mainz&: Bernd Frank ist seine eigene Ein-Mann-Garde. Genauer gesagt: Frank ist die Jägergarde, eine Hommage an das Kultgetränk Jägermeister. Mainz& hatte ja am 11.11.2014 von der kleinsten Mainzer Garde berichtet, Ihr erinnert Euch. „Massenveranstaltung“, nennt Bernd Frank das grinsend – er selbst darf sich nun mit Fug und Recht die kleinste Mainzer Garde nennen, denn Frank ist ihr einziges Mitglied. Mainz& hat ihn besucht.

Jägermeister Museum im Wohnzimmer

Das Wohnzimmer als Jägermeister-Museum – zuhause bei Bernd Frank – Foto: gik

Schon im Flur begrüßt einen leuchtendes Orange. Fahnen, Aschenbecher, Tabletts – von allen Seiten grüßt der Hirsch. „Ich mag die Farbe“, sagt Frank, und erzählt auch gleich, dass die vielen Aschenbecher alle unterschiedlich sind, und dass er vor allem auf die skurrilen Stücke steht. Wie die Jägermeister-Strumpfbänder, die natürlich aus den USA stammen und neben den Softball-Schlägern hängen. Um die Ecke im Wohnzimmer, an der Wand, eine große Sammlung unglaublich kitschiger Wandteller, alle mit einem dicken Porzellanhirsch versehen.

Jägermeister, der Kräuterlikör aus dem niedersächsischen Wolfenbüttel, war ja eigentlich das spießigste aller Getränke. „Vor dem Bier und nach dem Essen, Jägermeister nicht vergessen“, hieß es in der Nachkriegszeit. Jägermeister, das war ein Altherrengetränk. Doch die Wolfenbütteler hatten schon immer eine Schwäche für skurrile Typen – und bewiesen das mit der langjährigen Kampagne „Ich trinke Jägermeister, weil…“ Alltagsmenschen und Promis fielen hier mit frechen Sprüchen und skurrilen Posen auf.

Jägermeister Flaschen und Toaster

Viele Jägermeister-Flaschen und sogar ein Toaster – Foto: gik

Ende der 1990er Jahre dann schaffte Jägermeister den Imagewechsel: Vom spießigen Altherrengetränk zum Kultshot der Jugend und auf Parties. „Die haben echt die Kurve gekriegt zum Szenegetränk“, sagt Frank bewundernd: „Wir fanden das kultig, weil nicht unsere Väter, sondern unsere Großväter das tranken.“ Es war in den 1990er Jahren, als Frank begann, Jägermeister-Utensilien zu sammeln, heute ist seine Wohnung ein wahres Jägermeister-Museum.

Da hängen Rucksäcke und Anhänger, Uhren, Vitrinen und Plakate. Auf dem Wohnzimmertisch – eine Jägermeister-Tischdecke. Auf dem Sofa – ein Jägermeister-Kissen. Der einzige Jägermeister-Sammler ist der Mainzer Hüne nicht, sicher aber einer der liebevollsten. „Ich muss nicht alles haben, und ich stecke da nicht groß Geld rein“, sagt er. Stattdessen sind die Devotionalien liebevoll arrangiert und drapiert, Teil der Einrichtung. Star ist eine 3-Liter-Jägermeister-Flasche. „Die war nie gefüllt und reine Deko“, erzählt Frank, „die ist so begehrt, die könnte ich jeden Tag verkaufen.“ Wie viele Jägermeister-Utensilien er besitzt, weiß er gar nicht. „Ich fange nicht an zu zählen“, sagt Frank.

Jägergarde Bernd Frank in Uniform im Wohnzimmer

Die Meenzer Jägergarde alias Bernd Frank vollzählig, mit Montur und Standarte – Foto: gik

Aber die Werbegeschichte finde er klasse, dass Jägermeister die erste Firma war, die es schaffte, ihr Firmenlogo auf den Trikots eines Bundesliga-Fußballvereins zu haben – 1973 war das, bei Eintracht Braunschweig. Und die Widersprüche faszinieren den Sammler: Das Hirsch-am-Bergsee-Spießer-Image auf der einen, das sehr Individualistische auf der anderen Seite. „Ich bin ein sehr freier Mensch und gebe nichts auf Konventionen“, sagt Frank, „aber ich mag Traditionen und Dinge mit Geschichte.“

Und die Fastnacht – der gebürtige Oberfranke ist ein großer Fan der Kneipenfastnacht. „Von Weiberfastnacht an geht’s durch die Kneipen“, erzählt Frank. Und natürlich ging der Jägermeister-Fan auch als Jägermeister, erst mit orangenem T-Shirt, dann kam der orangene Overall, dann die umgemodelte Feuerwehr-Uniform. Von da war es nur noch ein kleiner Schritt zur echten Gardeuniform – oder auch ein großer. „Ich hatte Riesenprobleme, Stiefel zu finden“, sagt Frank, der Zwei-Meter-Mann hat schließlich Schuhgröße 49.

Jägergarde Bernd Frank in Uniform draußen nah

Uniformrock und Dreispitz der Mainzer Jägergarde Bernd Frank – Foto: gik

Rund 1600,- Euro steckte Frank in seine Uniform, seit wenigen Tagen nun ist sie vollständig: Orangener Rock, schwarze Weste und Hose, Dreispitz mit Jägermeister-Logo. Vorbild war die Uniform der Roten Funken in Köln – aus gutem Grund, erklärt Frank: „Ich wollte keine Mainzer Uniform abkupfern und mir vorwerfen lassen, der macht uns nach.“ Nein, etwas Eigenständiges, sollte die Uniform sein und trotzdem klassisch.

Die Standarte der Meenzer Jägergarde bastelte Frank selbst, das Logo entwickelte der studierte Grafik-Designer am Computer. Die Firma Jägermeister gab bereitwillig ihr Okay zur Verwendung des Logos – und spendierte begeistert einen Zuschuss zur Uniform. Mit Werbung habe seine Garde trotzdem nichts zu tun, findet Frank, „die Sache hängt ja mit meinem Hobby zusammen“, betont er. Und Garden gehörten nun einmal zur Fastnacht dazu, „das ist sozusagen ein professionelleres Ausleben der Fastnacht.“

Aber warum schließt sich Frank dann nicht einfach einer der vielen Mainzer Garden an? „Ich bin Hardcore-Individualist“, sagt er schmunzelnd, „ich will mich nicht unterordnen.“ Also wird Frank beim Neujahrsumzug seine eigene Fahne hochhalten, buchstäblich. Eine Nummer hat er auch schon, die 14a. Und was sagte der organisierende Mainzer Carnevals-Verein zu der Ein-Mann-Garde?

„Die haben mich gerade angerufen und gefragt, ob ich nicht noch zwei Kollegen motivieren könnte mitzugehen“, berichtet Frank lachend. Nun ja, antwortete er, das Konzept sei eigentlich, dass er eine Ein-Mann-Garde sei – da habe der MCVler herzhaft gelacht. „Diese Absurdität – Ein Mann, eine Garde – finde ich gerade lustig“, schiebt Frank noch nach – sein Motto für 2016: „Der Jäger in der Fassenacht/meisterlich nur Unsinn macht.“

Jägermeister Orden

Orden verteilt Bernd Frank schon länger, 2016 gibt’s erstmals den Jägergarde-Orden – Foto: gik

Auf Fastnachtssitzungen will er nun gehen, zur Rekrutenvereidigung am Fastnachtssamstag natürlich auch. An Rosenmontag wird der Gardist allerdings nicht mit im Zug mitlaufen. „Seit 1999 habe ich hier eine Party in meiner Wohnung an Rosenmontag“, sagt der 47-Jährige, der in der Rheinstraße in der Altstadt wohnt. Die ausfallen zu lassen, das könne er seinen Gästen einfach nicht antun. Zum Einsatz kommt dann natürlich auch ein Schmuckstück der Frankschen Wohnung: eine Jägermeister-Zapfanlage. Und Frank wird auch wieder den einen oder anderen Orden verteilen – selbst gemachte, und natürlich mit Jägermeister-Logo.

Irgendwann, sagt Frank noch, gründe er vielleicht mal eine Untergruppe mit Ehrenmitgliedern und absurden Aufnahmekriterien. „Humbug eben“, grinst er, das mit der Garde mache er ja nicht, um Vereinsmeierei zu betreiben oder gegen jemanden zu sein. „Ich will einen orangene  Farbtupfer setzen“, sagt Frank, „und eine Nuance zur Fastnacht dazu addieren.“

Info& auf Mainz&: Den Jägermeister-Sammler Bernd Frank findet Ihr natürlich auch im Internet, unter www.hochsitz-cola.de gibt’s seine Sammlung zum Entdecken. Dazu schreibt der Mann über alte Automobile, ist DJ auf Hochzeiten und hat den online Auto-Teile-Handel Fusselshop.de. Die Firma Jägermeister würdigt Frank als einen ihrer größten Fans im Jägermeister-Universum mit mehreren netten Videos auf ihrer Homepage. Bei Facebook findet Ihr Bernd Frank und die Jägergarde genau hier. Aber die Jägergarde hat natürlich auch eine eigene Homepage, bitteschön.

Der Neujahrsumzug der Mainzer Garden startet natürlich um 11.11 Uhr und führt vom Ernst-Ludwig-Platz die Große Bleiche hinauf, hinüber zum Schillerplatz und die LU hinunter zum Dom. Die Garden läuten damit offiziell die Fastnachtskampagne 2016 ein. Im Anschluss gibt es ein Neujahrskonzert der Mainzer Garden auf dem Domplatz.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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