Ordensempfang der Jägergarde: Bernd Frank feiert bereits fünf Jahre seiner närrischen Ein-Mann-Garde

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Der Einmarsch ist kurz, das Kadettencorps auf Schulausflug, und die zu ehrenden Jubilare tauchen auch nicht auf: Wenn die Mainzer Jägergarde zum Ordensempfang lädt, sind die traditionellen Rituale der Fastnachtsgarden irgendwie außer Kraft gesetzt. Und doch steht da am Mikrofon einer, der das Gardewesen in der Fastnacht durchaus ernst nimmt: als Parodie auf die Parodie und zugleich als Feier der Fastnacht an sich. Die Jägergarde ist sicher die ungewöhnlichste Garde von Mainz, denn sie besteht aus genau einer Person: Bernd Frank. In dieser Kampagne feiert sie tatsächlich schon ihren fünften Geburtstag – und feierte das mit dem ersten Ordensempfang der Jägergarde.

Da isser, der Orden 2018 der Meenzer Jägergarde! Vergeben am Mittwoch auf dem ersten Ordensempfang der Ein-Mann-Garde. – Foto: gik

25 Vereine folgten dem Ruf am Mittwochabend. „Das heißt ja auch, dass 25 Vereine glauben, dass „wir“ wirklich ein Verein sind“, staunte der Gastgeber und bekannte: „Ich fühle mich wahnsinnig geehrt.“ Kein Wunder, war doch die Jägergarde aus einer Schnapsidee heraus entstanden – aus einer Jägermeister-Schnaps-Idee, um genau zu sein. Denn Bernd Frank ist eigentlich in erster Linie eines: Der wohl passionierteste Sammler von Utensilien der Marke Jägermeister. Wohl Hunderte davon hat er in seiner Mainzer Wohnung liebevoll drapiert, seit den 1990er Jahren hat Frank Aschenbecher, Rucksäcke, Uhren, Tischdecken und allerlei Kurioses angehäuft. In den 1990er Jahren schaffte der Kräuterlikör den Turnaround vom Altherrengetränk zum Kult-Drink der jungen Generation, Frank faszinierte das – eben weil die Marke immer auch auf schräge, individuelle Typen setzte.

Vor drei Jahren dann legte sich Frank eine richtige Gardeuniform eigener Machart zu, seither fällt der 2,04 Meter große Hüne bei jedem Umzug unweigerlich auf. Die Firma Jägermeister unterstützte die Anschaffung – ein Novum: „Die haben gesagt, mache mer net, habe mer noch nie getan – aber bei dir? Okay“, berichtet Frank auf dem Ordensempfang. Es war der Beginn einer „großen“ Gardekarriere.

„Ich bin ja schon seit zwanzig Jahren in der Fastnacht unterwegs“, erzählte der gebürtige Oberfranke am Mittwoch, und schon immer habe er aus Spaß Jägermeister-Orden verteilt. „Wer Orden verteilt, ist eine Garde“, sei die logische Schlussfolgerung gewesen – prompt gründete Frank die „Meenzer Jägergarde“. Doch weil sich der Individualist nicht unterordnen mag, verhängte er auch gleich einen Aufnahmestopp, fortan war seine Garde die einzige Ein-Mann-Garde.

Meenzer Jägergarde mit ihrem exklusivsten, wichtigsten und zweifellos größten Mitglied: Bernd Frank. – Foto: gik

Jemand, der Uniform trage, sei ja eigentlich per Defintionem jemand, der einer Gruppe angehöre, sagt Frank – und hat einen Heidenspaß daran, genau damit zu brechen. „Wir fangen an mit den Beförderungen“, beginnt der Gardechef auf dem Ordensempfang: „Mich befördert heute das Taxi nach Hause.“ Die Ehrung langjähriger Mitglieder entfällt irgendwie auch, und dann beklagt Frank noch, es gebe ja einen, der habe sich mit allen Ämtern der Garde zugeschüttet: „Mich.“ Trotzdem befördert er sich gleich noch zum Leiter des Kadettencorps – eine herrliche Persiflage der oft doch ziemlich starr gewordenen Hierarchiekultur der Gardelandschaft….

„Mit solchen Punkten kann man Empfänge in die Länge ziehen, da haben andere mehr Talent zu“, sagt Frank denn auch mit einem breiten Grinsen. Klar, dass nicht jeder den Ein-Mann-Garde-Chef ernst nimmt, Frank weiß das. „Die einen sagen: Der nimmt uns doch auf den Arm, der verarscht uns doch“, sagt er, macht eine Pause, und fügt hinzu: „Ganz ehrlich? Stimmt!“ Natürlich veräppele er das Thema Garde ein wenig, dazu sei die Fastnacht schließlich da. „Aber die Gardefastnacht liebe ich“, versichert er.

Es war Ende 2015, als sich Frank das erste Mal für den Neujahrsumzug der Mainzer Garden am 1. Januar anmeldete – natürlich nur mit einer Person. Prompt sei ein irritierter Anruf vom Mainzer Carneval-Verein gekommen (MCV), erzählt er: Ob er denn nicht noch zwei andere Gardisten motivieren könne, mitzulaufen? Das werde schwierig, antwortete Frank – er sei eine Ein-Mann-Garde. „Nach zehn Minuten Gelächter am anderen Ende kam die Antwort: Dann lauf halt mit!“

Mainz& fühlt sich sehr geehrt, zum ersten Ordensempfang der Jägergarde eingeladen zu sein – da war natürlich ein Selfie fällig! – Foto: gik

Nach dem Umzug wurde er gleich mal als Eskorte eingeladen, zu Ordensempfängen. „Ich war Gardist und die Jägergarde ein Fakt“, sagt Frank, und inzwischen kenne ihn in Mainz wohl so ziemlich jeder. Ein bisschen Unterstützung hat der Gardechef inzwischen aber schon bekommen: Die Firma Jägermeister fördert ihr ungewöhnliches Aushängeschild, und der Mainzer Startup-Gründer Stullen Andi ist inzwischen offizieller Feldkoch der Jägergarde. „Zwei Querköpfe, die ihr eigenes Ding machen – das passt“, sagte der Andi mit einem Grinsen zu Mainz&.

Beim Ordensempfang der Jägergarde rockte da längst der „Holländer“ Frederik Vandersonne den Saal und schmiss Käseorden: „Fang! Das ist ja ein Empfang!“, rief der Entertainer. Den Orden der Jägergarde gab’s allerdings ganz ordentlich am Eingang und um den Hals. „Es ist wichtig, dass es große Garden gibt, aber es muss auch die Kleinen geben“, sagte Bernd Frank noch, und vielleicht stecke in den kleinen Garden „sogar ein bisschen mehr Herzblut.“ Die Vielfalt mache aber doch das Facettenreiche der Fastnacht, findet er: „Dass jeder seinen Punkt finden kann, wo er Spaß hat, das macht die Fastnacht aus.“

Info& auf Mainz&: Die ganze Geschichte des Jägermeister-Sammlers Bernd Frank, von den Anfängen der Mainzer Jägergarde bis heute, lest Ihr hier auf Mainz&. Den Jägermeister-Sammler Bernd Frank findet Ihr auch unter www.hochsitz-cola.de, sowie mit dem online Auto-Teile-Handel Fusselshop.de. Die Jägergarde hat natürlich auch eine eigene Homepage, bitteschön. Und hier auf Facebook zu finden.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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