Plaketten Klaus ist tot – Meenzer Fastnachtsoriginal stirbt mit 72 Jahren – Klaus verkaufte 54 Jahre lang Zugplakettcher

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„Kaaaft Zugplakettcher!“ rief der Klaus und stimmte seinen unverwechselbaren Vers an: „Jedes Jahr die selbe Leier, es Geld is knapp, de Zuch is teier.“ Ganz Mainz kannte das, nun ist der „Plaketten-Klaus“ für immer verstummt: Klaus Eigenbrodt, wie er im richtigen Leben hieß, ist am Samstag mit 72 Jahren in Mainz gestorben. „Wir sind, wie viele Mainzer, die ihn seit Jahren schätzen gelernt haben, bestürzt und traurig“, sagte der Präsident des Mainzer Carneval-Vereins (MCV), Reinhard Urban. Seit 1963 (!) verkaufte Klaus Eigenbrodt für den MCV die Zugplakettcher, mit denen der Mainzer Rosenmontagszug mitfinanziert wird. Unermüdlich zog der „Plaketten Klaus“ durch die Straßen und abends durch die Weinstuben – immer in den närrischen Farben gekleidet und immer mit Meenzer Schlappmaul. Mainz trauert um ein liebenswertes Fastnachtsoriginal.

Der Plaketten Klaus, wie ihn Mainz kannte. Nun ist Klaus Eigenbrodt mit 72 Jahren gestorben. – Foto: MCV

 

Dabei war Klaus Eigenbrodt gar kein gebürtiger Mainzer: Geboren wurde er in Nieder-Olm, wuchs in Undenheim auf und zog 1963 nach Mainz. Noch im selben Jahr begann Klaus, Zugplakettcher zu verkaufen. 33 Jahre lang arbeitete er bei den Entsorgungsbetrieben in Mainz, bei der Müllabfuhr und als Straßenkehrer. Doch seine Berufung fand er in der Meenzer Fastnacht: Als mobiler Verkäufer der Zugplakettcher verdiente er sich ein Zubrot, es wurde seine wahre Erfüllung. Schnell war er der „Plaketten Klaus“, sein Verkaufsspruch, gereimt natürlich, sein Markenzeichen:  „Jedes Jahr die selbe Leier, es Geld is knapp, de Zuch is teier. Drum kaaft Plakettscher, diese schmucke, damit ihr könnt de Zuch ach gucke.“

Jeder Mainzer kennt heute diesen Spruch auswendig, viele haben über Jahrzehnte ihre Umhängefiguren für den Rosenmontag beim Plaketten Klaus erstanden. „Ich hab schon diverse Nachrichten auf meinem Handy empfangen, mit Beileidsbekundungen und der bangen Frage: Ja wo sollen wir denn jetzt unsere Zugplakettcher kaufen?“ berichtete Walter Born, Vorstandsmitglied und Sprecher des Plakettenausschusses beim MCV: „Klaus war ein guter Freund, ein Original und ganz sicher der erfolgreichste Einzelverkäufer von Zugplakettchen in der Geschichte des MCV.“

Und nicht nur der MCV trauert um den Fastnachter: Auch bei der Kneipenfastnacht im Flehlappe war der „Plakette Klaus“ dabei. Und: „Keine Fastnacht des Bischöflichen Ordinariats ohne seine Eröffnung“, schrieb das Bistum Mainz traurig auf Twitter: „Danke für alles lieber Klaus!“

Seine große Liebe gehörte der Mainzer Fastnacht: Klaus Eigenbrodt, der Plaketten Klaus. – Foto: MCV

Beim MCV heißt es derweil beruhigend: Trotz der großen Trauer über Klaus‘ Tod sei der Verkauf der Zugplakettcher natürlich nach wie vor gesichert: Aktuell sind rund 20 Plaketten-Verkäufer „im Saal und auf der Gass“ unterwegs, die vom 11.11. an bis zum Rosenmontag auf Märkten und Plätzen, in Kneipen und Restaurants die bunten Anhängefiguren verkaufen. Das Zugplakettcher wurde 1950 zur Finanzierung des Rosenmontagszugs ins Leben gerufen und bis heute nach Angaben des MCV der größte Einzelposten bei der Finanzierung des Fastnachtsumzugs, der jedes Jahr immerhin mindestens 500.000 Euro kostet.

Bis heute wurden rund 3,5 Millionen Plaketten verkauft, jedes Jahr gibt es ein neues Motiv – alles begehrte Sammelstücke. Nach vielen Jahren, in denen die Schwellköppe das Zugplakettcher bildeten, formierten 2016 das Mainzer Nationalgericht „Weck, Worscht und Woi“ und 2017 der Mainzer Dom als Zugplakettcher. Vorgestellt wird das neue Motiv jedes Jahr traditionell zum 11.11., „und in diesem Jahr ganz sicher mit einem herzlichen Gedenken an den unnachahmlichen Plaketten Klaus“, heißt es beim MCV weiter.

Info& auf Mainz&: Zugplakettcher sind kleine Umhängefiguren aus Plastik, die zur Finanzierung des Mainzer Rosenmontagszugs dienen und deshalb liebevoll auch „Eintrittskarte“ genannt werden – obwohl es natürlich offiziell keinen Eintritt zum Fastnachtsumzug gibt. Erwerben könnt Ihr sie ab dem 11.11. bei rund 20 Verkäufern, die durch Mainz ziehen oder an 56 Verkaufsstellen in ganz Mainz wie in Zeitschriftenläden, Bäckereien, Hotels oder dem Mainzer Kinderladen.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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