Radbenutzung Brücke: Radstreife der Polizei findet Fahrt auf Fahrbahn der Theodor-Heuss-Brücke zu gefährlich

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Radfahrer sollen ja derzeit die Theodor-Heuss-Brücke mitten auf der Fahrbahn für Autos überqueren – das Straßenverkehrsamt Wiesbaden hatte Ende Juli diese Regelung beschlossen. Doch daran gibt es massiv Kritik der Radfahrer: Die Brücke mit ungeduldigen Autos im Nacken zu überqueren, damit fühlen sich die allermeisten offenbar nicht wohl. Und in die Kritik stimmt nun – ganz vorsichtig – die Mainzer Polizei mit ein: Nachdem es vermehrte Bürgerbeschwerden gegeben habe, testete die Fahrradstreife der Mainzer Polizei die Brückenregelung nun selbst. Das Ergebnis: Auch die radfahrenden Polizisten fanden die Nutzung der regulären Fahrbahn zu gefährlich. Das Problem dabei: Radfahrer müssen nun über die Brücke schieben, wenn sie den Fußweg benutzen wollen. Damit aber wird eine wichtige Radroute in die Innenstadt mal eben unterbrochen.

Eine Radstreife der Mainzer Polizei testete am Mittwoch die Theodor-Heuss-Brücke mit der derzeitigen Radfahrregelung. – Foto: Polizei Mainz

 

Offiziell ist der Bürgersteig über die Theodor-Heuss-Brücke ein kombinierter Rad- und Fußweg, den sich in der Regel problemlos Radfahrer mit Fußgängern teilen. Doch seit die Brücke Anfang Juli Baustelle ist, steht nur noch eine Brückenseite zur Verfügung – und damit nur noch eine Wegeseite für beide Richtungen. Das sei zu eng, entschied das Straßenverkehrsamt Wiesbaden nicht ganz zu unrecht – und entschied, die Radfahrer für die Zeit der Bauarbeiten auf der regulären Fahrbahn fahren zu lassen. Der Mischverkehr mit den Autos sei möglich, weil die Geschwindigkeit auf Tempo 30 km/h reduziert worden sei, hieß es. Ein Überholen der Radfahrer sei ohnehin nicht zulässig, Radfahrer sollten ruhig selbstbewusst in der Mitte fahren.

Das sorgte umgehend für kritische Reaktionen, auch von Mainz&-Lesern: „Wow, ich will nicht wissen, in welche Konflikte man da als Radfahrer gerät“, schrieb eine Leserin auf unserer Facebook-Seite, der durch Baustellen und Sperrungen ohnehin bereits genervte Autofahrer werde die Radfahrer doch nur als „rollendes Hindernis“ sehen – was mit Sicherheit zu Drängeln, Hupen und Aggressionen führen werde. „Als Autofahrer kann man froh sein, dass sich niemand der Radfahrer daran hält“, schrieb denn auch Mainz&-Leser Norman von Rück, „und als Radfahrer würde ich mich nicht auf die Straße trauen.“

Genau das passierte offenbar: Radfahrer benutzen weiter den Bürgersteig, der aber derzeit nur ein reiner Fußweg ist – was wiederum zu Beschwerden der Fußgänger führte. Daraufhin entschloss sich die Mainzer Polizei, dort mal nach dem Rechten zu sehen – und schickte eine Fahrradstreife. Die führte am Mittwoch zwischen 8.30 Uhr und 11.00 Uhr eine „Überwachung“ der Theodor-Heuss-Brücke durch und testete dabei selbst die neue Regelung: „Wie es aktuell vorgeschrieben ist, wurde die Fahrbahn durch die Radstreife auf der PKW-Spur mehrfach befahren“, heißt es im Polizeibericht. Ergebnis Nummer 1: „Es konnte festgestellt werden, dass sich der Kraftfahrzeugverkehr hierdurch verlangsamte.“

Aber das war noch nicht alles: Die Polizei war natürlich auch gehalten, das Nichtbefahren des Fußgängerwegs zu kontrollieren – obwohl dort nach eigenen Angaben „kaum Personenaufkommen herrschte.“ Die Radfahrer wurden dann vor der Brückenauffahrt „auf die aktuelle Verkehrsführung hingewiesen“, daraufhin hätten sich bis zu 90 Prozent der Radfahrer dafür entschieden, das Rad lieber auf dem Fußgängerweg zu schieben anstatt auf der Fahrbahn zu fahren. „Viele erachteten es als zu gefährlich, über die Fahrbahn zu fahren“, schreibt die Polizei weiter, und fügt ausdrücklich hinzu: „Dieses Gefühl konnte die eingesetzte Radstreife beim Befahren der Fahrbahn nachempfinden und bestätigen.“

Die einzige sichere und korrekte Möglichkeit für Radfahrer, die Theodor-Heuss-Brücke bis zum Ende der Bauarbeiten Ende August zu überqueren, ist also das Rad zu schieben. Das aber bremst eine wichtige Radverbindung zwischen Mainz und den rechtsrheinischen Vororten aus – oder würdet Ihr ein Schild akzeptieren: „Autofahrer, bitte aussteigen und schieben?“ Also warum mutet man das Radfahrern einfach zu? Das zeigt den Stellenwert, den das Radfahren in unserer Autogesellschaft eben immer noch hat – und das war jetzt der Kommentar zum Bericht 😉

Info& auf Mainz&: Die Theodor-Heuss-Brücke soll noch bis Ende August Baustelle sein, Grund ist die Erneuerung der Fahrbahn. Mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&.

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

3 Kommentare

  1. Gerd Schreiner Donnerstag, 10. August 2017 at 7:48 -  Antworten

    Baustellen-Management und Verkehrspolitik sind derzeit in Mainz eine Katastrophe. Umso mehr muss auf Strasse und Gehweg der erste Satz der StVO gelten: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Dann braucht es auch nicht praxisfremde Regulierungen. – Wenn alle aufpassen, kommen auch alle zügig and Ziel.

  2. Astrid Donnerstag, 10. August 2017 at 7:52 -  Antworten

    Danke!

    Genau das frage ich mich auch jedes Mal, wenn eine Baustelle an einem Radweg ist und dort ein Schild steht: „Radfahrer bitte absteigen“. Das Rad ist doch ein Verkehrsmittel, das auch auf der Straße benutzt werden darf.

    Zum Glück ist die Theodor Heuss Brücke keine ewige Baustelle, so dass man hier eine überschaubare Zeit eben mal das Rad schiebt, wenn man nicht im Autopulk mitfahren möchte.

    Als die Eisenbahnbrücke umgebaut wurde hat sich mein Weg zur Arbeit fast verdoppelt.
    Es blieb zur Fahrt über den Rhein die Wahl zwischen Theodor Heuss Brücke oder Weisenauer Brücke,
    das Ganze dauerte eineinhalb Jahre.
    Ging auch vorbei.

    Also liebe Radlerinnen und Radler, haltet durch.
    Wir pusten keine Abgase in die Luft, das ist uns ein vorübergehender Umweg doch allemal wert, oder?

  3. Christoph von Küster Donnerstag, 10. August 2017 at 14:08 -  Antworten

    Es gibt ja noch die Schiersteiner Brücke, die Kaiserbrücke und die Südbrücke. Und die Köln-Düsseldorfer fährt einmal täglich per Schiff…

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