Radwege sanieren, neue Stadtteilrouten, mehr Abstellplätze – Verkehrsdezernentin Eder will 2018 Radinfrastruktur deutlich ausbauen

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„Mainz setzt aufs Rad“ lautete der Slogan der Stadt vor ein paar Jahren, das soll auch 2018 weiter gelten: Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) will auch in diesem Jahr deutlich in den Radverkehr investieren. Im Vordergrund stehen in diesem Jahr Investitionen in die Infrastruktur: Sechs größere Radwegestrecken sanieren, einhundert neue Radabstellbügel, neue Radschutzstreifen und zwei große neue Stadtteilradrouten stehen auf der Agenda 2018. Auch der Radweg auf der Südbrücke soll mit einer neuen Fahrbahndecke saniert werden – und die Kaiserbrücke bekommt vielleicht in näherer Zukunft spiralförmige Auffahrrampen.

Schlechte Radwege wie dieser am Arbeitsamt führten zu schlechten Noten 2017 im Radklimatest des ADFC. – Foto; gik

In Mainz ist in den vergangenen zehn Jahren der Radverkehr geradezu explodiert: Nutzten 2008 noch rund 11 Prozent der Mainzer das Fahrrad für regelmäßige Wege zur Arbeit, zum Einkaufen oder zur Schule, so waren es 2016 bereits 20,2 Prozent. „Wir waren völlig überrascht von den Werten“, sagte Eder am Dienstag in Mainz, im Vergleich mit anderen Städten seien das sehr gute Werte. Natürlich lägen Städte wie Freiburg noch darüber – aber in der Nachbarstadt Wiesbaden liege der Radverkehrsanteil bisher bei sechs Prozent.

Wiesbaden allerdings landete 20127 auch auf dem letzten Platz des ADFC-Fahrradklimatests und heimste so erneut die Rote Laterne als fahrradunfreundlichste Stadt ein. Seither hat der neue Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) allerdings ein massives Investitionsprogramm in Sachen Radverkehr gestartet: Neue Radwege werden geschaffen, Beschilderungen verbessert – und Wiesbaden führt das Mainzer Radmietsystem MVGmeinRad auch auf der rechten Rheinseite ein.

Aber auch Mainz bekam 2017 einen Dämpfer: Beim ADFC-Fahrradklimatest rutschte die Stadt um vier Plätze ab und bekam besonders schlechte Noten in Sachen Radinfrastruktur. Das soll sich nun ändern: „Wir haben jetzt 2,5 Jahre den Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit gehabt, wir schwenken jetzt wieder mehr um zu Infrastrukturprojekten“, sagte Eder: „Wir wollen es dem Radverkehr leichter machen, sich vorwärts zu bewegen.“ Die Zahlen geben der Dezernentin dabei Recht: „Wir laufen dem Trend quasi hinterher“, betonte Eder.

Ein Traum für jeden Radfahrer: die erste Mainzer Fahrradstraße in Hechtsheim. – Foto: Stadt Mainz

In diesem Jahr soll es deshalb zwei neue große Radwegerouten von Gonsenheim/Finthen und von Weisenau in Richtung Innenstadt geben. Ein Büro sei derzeit dabei, die Routen auszuarbeiten, die Ergebnisse erwarte sie Ende April, sagte Eder. Die Routen sollen möglich über Seitenstraßen geführt werden, die Radler an Ampeln mithilfe von Druckknöpfen – sogenannten Tasern – Vorrangschaltungen anfordern können. Binnen drei Sekunden erhalte man dann Grün, sagte Eder, „da muss man nicht einmal mehr absteigen.“

Dazu sollen gleich sechs Radstrecken saniert werden und neue, glattere Oberflächen bekommen: In der Rheinallee, der Pariser Straße in Höhe Freiligrathstraße, Am Pulverturm, Am Hechenberg, in der Welchstraße und im Milchpfad in Mainz-Zahlbach, eine wichtige Verbindung zwischen Oberstadt und Uniklinik und Bretzenheim/Hechtsheim. Auch der Radweg auf der Rheinallee in Höhe Zollhafen soll fertig gestellt werden, im Mai oder Juni soll der Radweg über die Südbrücke saniert werden.

Neue Radschutzstreifen auf der Fahrbahn soll es in der Salvatorstraße, der Hechtsheimer Straße auf der Strecke zwischen Goldgrube und Tankstelle sowie auf Elbestraße und Kreuzstraße geben. Die Hindenburgstraße wiederum bekommt in diesen Tagen Rad-Piktogramme auf der Fahrbahn, sie sollen den Autofahrern signalisieren, dass die Radfahrer hier nicht an die Benutzung des Radweges gebunden sind – die Radwegepflicht wurde in der Hindenburgstraße schon vor mehr als zehn Jahren aufgehoben.

Radfahrer auf die Straße wie hier an der Goldgrube ind er Oberstadt, das will die Stadt Mainz in Zukunft mehr. – Foto: gik

Die Städte können diese Nutzungspflicht aufheben, wenn die Radwege in einem so schlechten Zustand sind, dass ihre Nutzung nicht mehr verpflichtend zumutbar ist, oder sie anderweitig modernen Anforderungen nicht mehr genügen. Der frühere Radweg in der Hindenburgstraße ist etwa stark von Baumwurzeln beeinträchtigt, ebenso der Radweg an der Goldgrube in der Mainzer Oberstadt. Hier hatte die Stadt deshalb im April 2017 ebenfalls die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben und stattdessen die Straße mit Radpiktogrammen versehen – wofür sie sogar den Deutschen Fahrradpreis bekam.

„Man wird als Fahrradfahrer leider immer noch von Autos und Bussen angehupt, wenn man auf der Straße fährt“, sagte Eder, die selbst passionierte Radfahrerin ist. Radfahrer seien aber im Verkehrsraum „sichtbarer, das erhöht die Sicherheit der Radfahrer“, betonte sie. Viele Radfahrer wollten deshalb auch gerne auf der Straße fahren, die Stadt werde deshalb die Radwegebenutzungspflicht weiter überprüfen. Sinnvoll sei das auch angesichts des zunehmenden Einsatzes von E-Bikes und Pedelecs: „Die sind so schnell und so stabil, dass sie für Radwege nicht geeignet sind“, sagte Eder, „man ist da im Straßenraum besser und sicherer mit unterwegs.“ Um mehr Verständnis bei Autofahrern und auch bei Radfahrern selbst zu wecken, hat die Stadt zwei neue Flyer zum Thema Radwegenutzungspflicht aufgelegt.

Der Horror-Radweg für viele Mainzer Radler: Die Große Bleiche. – Foto: gik

 

Nicht antasten will Eder hingegen erst einmal den Radweg in der Großen Bleiche, eine der gefährlichsten Radstrecken in Mainz überhaupt. Der Grund: Die Citybahn nach Wiesbaden. Sollte sich der Mainzer Stadtrat für eine Citybahn in der Großen Bleiche entscheiden, müsse der Straßenraum völlig neu geordnet und aufgeteilt werden, sagte Eder. Tipp von der Dezernentin: „Wer die Große Bleiche meiden will, sollte durchs Bleichenviertel fahren.“ Ein Fachbüro soll nun weitere Stellen zur Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht in Mainz prüfen.

Neu gestaltet werden soll zudem der Übergang von der Gärtnergasse in Richtung Hauptbahnhof für Radfahrer. „Wir werden am 12. Juni dem Verkehrsausschuss eine Lösung für den Anschluss zwischen Gärtnergasse und Hauptbahnhof vorlegen“, kündigte Eder an. Wie der aussehen soll, sagte sie noch nicht. Die Forderung nach einer anständigen Radroute an dieser Stelle gebe es schon seit Jahren, nun liege endlich eine Lösung vor.

Die Kaiserbrücke, die nördliche Eisenbahnbrücke, könnte zusätzlich zu den Treppen in Zukunft spiralförmige Auffahrten bekommen. – Foto: gik

Eine Lösung will Eder zudem für die Radstrecke an der Goldgrube in der Oberstadt präsentieren: Der Radweg dort ist dringend sanierungsbedürftig, gleichzeitig kämpfen Anwohner und Ortsbeirat um die Parkplätze. „Der Bereich müsste komplett neu gemacht werden, aber das würde bedeuten, dass alle Bäume gefällt werden müssten – und das mache ich nicht“, sagte Eder. Nun aber gebe es eine Idee des Tiefbauamtes, wie durch eine Umsortierung von Parken und Radfahren eine bessere Lösung geschaffen werden könne, sagte Eder: „Wir haben eine Lösung, die wollen wir aber erst dem Ortsbeirat vorstellen.“

Bewegung soll endlich auch in die Frage eines Aufgangs auf die Kaiserbrücke kommen, die Eisenbahnbrücke zwischen der Neustadt und Mainz-Amöneburg ist eine beliebte Pendlerstrecke für Radfahrer. Die Aufgänge sind allerdings enorm steil, Radfahrer müssen ihre Gefährte hier tragen oder steil schieben. Nun könnten Gelder des Bundesumweltministeriums aus dem Programm „Radverkehr im Klimaschutz“ Abhilfe schaffen: „Zum 15.5 gibt es einen sogenannten Call des Bundes, wo man sich bewerben kann um Geld“, sagte Eder, das wolle Mainz gemeinsam mit Wiesbaden tun.

Einhundert neue Fahrradbügel soll es in der Innenstadt geben. – Foto: Caro Müller

„Die Kaiserbrücke ist sehr schwierig, sie ist denkmalgeschützt, sehr hoch und die Grundstückssituation sehr eng“, sagte Eder. Die Lösung könnten zwei spindelförmige Auffahrtstürme an jeder Seite sein, das sei auch mit dem Denkmalschutz abgestimmt. „Die Kosten gehen aber in den Millionenbereich“, sagte Eder, deshalb sei das bisher nicht zu realisieren gewesen – Schätzungen zufolge kostet jeder Aufgang rund zwei Millionen Euro. „Mit dem Call des Bundes gibt es nun vielleicht die Möglichkeit, etwas zu machen“, sagte Eder, „dadurch, dass es Länderübergreifend ist, sehen wir da Chancen.“

Abhilfe soll es außerdem bei den Wirtschaftswegen im Süden von Mainz geben. Zwischen Ebersheim und Hechtsheim sollten nun Lösungen gefunden werden, Wege zu entwässern und die schlimmsten Pfützenstellen zu entschärfen, kündigte Eder an. „Wir haben nur 40.000 Euro für die Wirtschaftswege zur Verfügung“, sagte sie, zuletzt seien die für die Wege rund ums Mainz 05-Stadion verwendet worden. Nun soll auf den Wegen nach Ebersheim und Hechtsheim „die eine oder andere Stelle geflickt werden“ und so die neuralgischsten Punkte entschärft werden, sagte Eder: „Wir werden nicht alle Wege neu machen können.“

Weitere Pläne für das Jahr 2018 umfassen rund einhundert neue Fahrradstellbügel im Innenstadtbereich, die Erweiterung und Sanierung der Radwegebeschilderung – und die Realisierung des Fahrradparkhauses am Hauptbahnhof für rund 1.000 Fahrräder.

Info& auf Mainz&: Mehr Infos zum Thema Radverkehr in Mainz gibt es auf dieser Internetseite der Stadt Mainz. Am 21. April lädt die Stadt zudem zum Fahrradaktionstag auf der Rheinpromenade am Rathaus mit vielen Tipps und Infos rund um das Thema Radfahren, auch unter Beteiligung der Mainzer Polizei. Am 10. Mai gibt es eine Lastenrad-Roadshow auf dem Gutenbergplatz vor dem Staatstheater, dort könnt Ihr dann verschieden Modelle von Lastenrädern ausprobieren. Am 5. Juni lädt die Stadt dann zum öffentlichen Runden Tisch Radverkehr um 17.30 Uhr auf die Zitadelle, dort könnt Ihr dann Fragen, Anregungen und Kritik zum Thema vorbringen. Am 4. August wiederum steigt das Fahrradfilmfestival auf dem Liebfrauenplatz – und vom 4. bis 24. August nimmt Mainz wieder am bundesweiten Stadtradeln teil.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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