Recyclinghöfe: Mainzer müssen Herkunft ihres Abfalls jetzt mit Formular nachweisen – Staus und Wartezeiten als Folge

Alles&, Drinnen & Draußen, Rathaus & andere Skandale 0 245
Sperrmüll in der Mainzer Neustadt am Gartenfeldplatz - Foto: gik

Seit dem 1. Januar müssen die Mainzer auf den Recyclinghöfen des Mainzer Entsorgungsbetriebs nun plötzlich ein Formular ausfüllen, wenn sie Grünschnitt, Sperrmüll oder Elektroschrott entsorgen wollen. Mit den Formularen solle die Herkunft der Abfälle aus Mainz nachgewiesen werden, teilte die Stadt Mainz diese Woche mit. So solle „verhindert werden, dass Fremdabfälle zu Lasten der Mainzer Bürger abgegeben werden.“ Die Neuregelung sorgt für verärgerte Reaktionen der Mainzer: Das Müll-Formular sei doch komplett sinnfrei und verursache lange Staus und Wartezeiten vor den Recyclinghöfen, so Mainz&-Leser. Die Linke kritisiert, der Entsorgungsbetrieb „schießt mit seiner Datensammlung mit Kanonen auf Spatzen“, sinnvoller sei es, Kleinlaster zu überprüfen.

Sperrmüll in der Mainzer Neustadt am Gartenfeldplatz - Foto: gik

Wilder Sperrmüll in der Mainzer Neustadt – die Mainzer können so etwas in den Recyclinghöfen entsorgen. Allerdings braucht es dazu seit 1.1.19 ein Müll-Formular. – Foto: gik

Der Recyclinghof in Hechtsheim und das Entsorgungszentrum Budenheim seien für die Annahme von Abfällen aus der Stadt Mainz gedacht und werden über den Abfallgebührenhaushalt finanziert, informiert der Entsorgungsbetrieb der Stadt Mainz auf seiner Internetseite. Leider komme es aber „immer häufiger vor, dass auch Abfälle aus anderen Herkunftsbereichen angeliefert werden“, heißt es weiter. Dies gehe zu Lasten der Mainzer Abfallgebührenzahler. Das gelte besonders bei den Abfallarten, die zwar kostenfrei angenommen würden, bei der weiteren Entsorgung aber dennoch Kosten verursachten.

Wie groß die Missbrauchsraten sind, war bisher nicht zu erfahren, eine Anfrage von Mainz& bei der Pressestelle der Stadt war auch nach drei Tagen noch unbeantwortet. Um unzulässige Abfälle abweisen zu können, müsse man die Herkunft der Abfälle prüfen und habe dafür jetzt ein Formular zur Abfallherkunft eingeführt, so der Entsorgungsbetrieb weiter. Auf der „Erklärung des Abfallerzeugers“ müssen Entsorgungswillige die Abfallart sowie Name, vollständige Adresse und Art der Anlieferung samt KFZ-Kennzeichen angeben. Auch eine persönliche Unterschrift ist nötig.

Am Recyclinghof Mainz-Hechtsheim werden ausschließlich Abfälle aus der Stadt Mainz angenommen, in Budenheim sind auch Abfälle aus dem Landkreis Mainz-Bingen zulänssig. Für die Abgabe von Sperrmüll und Elektroschrott müssen Privatpersonen aus dem Landkreis hier „zusätzlich die ausgefüllte AWB-Sperrmüllkarte und den Entsorgungsauftrag vorlegen“, so die Stadt Mainz.

Das neue Müll-Formular des Mainzer Entsorgungsbetriebs (Auszug). – Foto: gik

An der Regelung gab es umgehend Kritik: Das Formular sei doch „komplett sinnfrei“, schließlich könne man einfach irgendeine Mainzer Adresse draufschreiben, kritisierte eine Mainz&-Leserin auf Twitter: „Wer will das in Stoßzeiten kontrollieren?“ Zudem bildeten sich jetzt gerade vor dem Recyclinghof in Mainz-Hechtsheim lange Autoschlangen auf der Emy-Roeser-Straße, kritisierten andere Nutzer in sozialen Netzwerken. „Statt umweltfreundliche Müllentsorgung zu fördern, wird diese erschwert“, meinte ein weiterer Twitter-Nutzer: „Mainz wie es singt und lacht!“

Mainz& hatte daraufhin versucht nachzufragen, wieso diese Form der Kontrolle gewählt wurde und wie groß die Fremdanlieferungen denn seien, eine Antwort haben wir bisher nicht. „Der Entsorgungsbetrieb schießt mit seiner Datensammlung mit Kanonen auf Spatzen“, kritisiert derweil die Linke: Das Verfahren führe zu Verkehrsbehinderungen, Mehrbelastung der Mitarbeiter der Wertstoffhöfe und eine unnötige Sammlung persönlicher Daten.

Zwar sei natürlich die gebührenfreie Abgabe von Sperrmüll „ein begrüßenswerter Service, den der Entsorgungsbetrieb unbedingt beibehalten sollte.“ Auch müsse verhindert werden, dass Wirtschaftsbetriebe nicht ihre Entsorgungsabgaben umgehen und auf Kosten der Allgemeinheit ihren Schrott kostenfrei auf den Wertstoffhöfen entsorgte.  „Anstatt jedes winzige Fahrzeug zu erfassen und zu kontrollieren, sollten Kleintransporter ins Auge gefasst werden oder stichprobenartig illegale Entsorgungen untersucht werden“, sagte die Linkspartei. Die allgemeine Verdächtigung aller Nutzer lehne man ab. Auch seien die Datenschutzbestimmungen auf dem Formular nicht direkt ersichtlich – eigentlich müsse man erst einmal ins Internet gehen um zu wissen, was mit den erhobenen Daten geschehe, das sei vor Ort unpraktikabel.

Info& auf Mainz&: Der Entsorgungsbetrieb verweist darauf, dass man die „Erklärung des Abfallerzeugers“ auch im Internet herunterladen und gleich ausgefüllt zum Wertstoffhof mitbringen könne, das verringere Wartezeiten. Das Formular könnt Ihr Euch hier im Internet herunterladen. Informationen kann man auch telefonisch beim Abfalltelefon unter der Rufnummer Mainz 123 456 erfragen.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Werbung&

Mainz& Gezwitscher

Datenschutzerklärung

 

Werbung auf Mainz&

Kauf mir ’n Kaffee!

Kaffee ist das Lebenselixier für Journalisten – und auch für Mainz&. Du findest gut, was ich hier schreibe, poste, mache? Kauf Mainz& 'n Kaffee, und verleih uns zusätzlichen Schwung!

Mainz& unterstützen

Mainz& abonnieren!

Keinen Artikel von Mainz& mehr verpassen - mit unserem Newsletter! Einfach eine gültige Email-Adresse eintragen und die Bestellung noch einmal bestätigen! Kein Spam, jederzeit kündbar, Mainz& pur!