Repair Café Mainz feiert vierten Geburtstag – Nächstes Treffen Freitag, 28. April 2017

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Es ist das älteste Repair Café von Rheinland-Pfalz, nun feiert es seinen vierten Geburtstag: Am morgigen Freitag treffen sich in der Windmühlenschule wieder einmal Bastler, Tüftler und alle die Menschen, die Lieblingsstücke vor dem Müll retten wollen. Die ehrenamtlich tätigen Bastler und Fachleute retten Toaster, Uhren, Fotoapparate und auch schon mal eine Puppe, ein 3-D-Drucker steht zum Ausdrucken von Ersatzteilen bereit. Eine Kleidertauschbörse und die Fahrradwerkstatt runden das Programm ab. Vorbeikommen kann jede und jeder, eine Garantie gibt es nicht, dafür viele gute Tipps. Reparieren statt Wegwerfen, Upcyceln und dabei Müll vermeiden – das liegt voll im Trend.

Kopfunter die Reparatur, wenn nötig: Ganzer Einsatz im Repair Café in Mainz. – Foto: gik

Gegründet wurde das Repair Café im April 2013, Gisela Apitzsch, Referentin für gesellschaftliche Verantwortung im Mainzer Dekanat der evangelischen Kirche, initiierte die Treffen. Zunächst fanden die im Konferenzraum des Dekanats in der Kaiserstraße statt – im fünften Stock hoch oben unter dem Dach. Ziemlich unpraktisch war das besonders für größere Stücke, deshalb zog das Repair Café 2015 in die Windmühlenschule in der Berliner Siedlung um. Die Reparaturtreffen finden immer am letzten Freitag im Monat statt, mehr als 20 Reparateure gehören inzwischen zum Team. Pro Treffen kommen mindestens 100 Besucher, manchmal wird es richtig eng.

Heinrich Jung beim Einsatz im Repair Café Mainz. – Foto: gik

Gebracht wird zu den Treffen alles nur Denkbare: Fernseher, Handy, Toaster, Navigationsgeräte oder Bügeleisen – etwa 65 Prozent der Sachen können gerettet werden. Oft seien es geliebte alte Stücke, die Lieblingskassette, die im Recorder steckt, die alte Kuckucksuhr vom verstorbenen Ehemann, erzählt Apitzsch. Reparieren statt Wegwerfen – vor ein paar Jahren habe da noch kein Hahn nach gekräht, sagt Heinrich Jung, dabei lohne sich oft die Reparatur eines alten Gerätes sogar mehr als die eines modernen: „Was 30 Jahre gehalten hat, hat gute Chancen, auch noch länger zu halten.“ Jung gründete bereits 1983 den Reparaturservice „Blitzblume“, seitdem repariert er Waschmaschinen, Herde, Haushaltsgeräte und gibt nebenher Ökotipps für den Haushalt.

Dass moderne Geräte immer kurzlebiger werden, dafür gibt es ein Fachwort: „Geplante Obsoleszenz“ heißt es, wenn Geräte sozusagen mit vorzeitigem Verfallsdatum produziert werden. Beweisen lässt sich das meist nicht, die Tendenz dazu jedoch schon, wie eine Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion ergab, die Ihr hier als pdf herunterladen könnt. „Die Vermutung liegt nahe, dass es Absicht ist“, sagte vor ein paar Jahren die Mainzer Grünen-Landtagsabgeordnete Nicole Müller-Orth zu Mainz&, sie ist selbst gelernte Elektromechanikerin. Da werde Kunststoff statt Metall verbaut, oder der Akku in der elektrischen Zahnbürste so mit dem Gerät verschweißt, dass man ihn allein nicht mehr wechseln kann. „Das könnte man auch anders lösen“, sagte Müller-Orth, aber leider sei heute die Reparatur eines Gerätes oft teurer als ein Neukauf.

Kleidertauschbörse beim Repair Café in der Windmühlenschule. – Foto: gik

Denn der moderne Konsum produziert vor allem eines: ein riesiges Abfallproblem. In Deutschland würden pro Jahr rund 700.000 Tonnen allein an Elektroschrott produziert, hieß es 2013, weltweit wächst der Müllberg pro Jahr um rund 3,5 Millionen Tonnen, so eine Studie in der Zeitschrift „Nature“. „Das ist verdammt viel Zeug, wo tun wir das alles hin?“, fragte die Grünen-Politikerin schon 2013, und forderte: „Wir müssen die Reparatur-Kultur wieder fördern.“

Genau das tun Repair Cafés, die in den vergangenen vier Jahren überall aus dem Boden sprossen. Und das Angebot hat sich stetig ausgeweitet: In Mainz gibt es zu Kleidertauschbörse, Fahrradwerkstatt und 3-D-Drucker inzwischen auch ein „Umsonstlädchen“: Dort kann abgegeben werden, was im eigenen Haushalt überflüssig geworden ist, jeder Besucher kann sich in der Fundgrube kostenlos bedienen. Auch werden im Repair Café gut erhaltene Spielsachen, Bilder- und Kinderbücher angenommen und an Kinder aus Familien weitergeleitet, die mit wenig Geld auskommen müssen.

Info& auf Mainz&: Repair Café Mainz am Freitag, 28. Oktober 2017 von 18.00 Uhr bis 20.30 Uhr, Windmühlenschule in der Generaloberst-Beck-Straße 1. Die Straßenbahn hält fast vor der Haustür. Das Repair Café findet immer am letzten Freitag im Monat zur gleichen Uhrzeit statt. Repariert wird kostenlos und damit auch ohne Garantie oder Gewährleistung. Ersatzteile müsst Ihr selbst finanzieren. Im Nebenraum findet die Kleidertausch-Aktion statt, dort könnt Ihr Unliebsames gegen neue Lieblingsstücke tauschen, eins zu eins. Infos unter www.repaircafemainz.de oder hier auf Facebook.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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