Rote Röcke, Pferde und eine schneeweiße Uniform – Jeanette von Opel ist Kommandeurin der Mainzer Prinzengarde

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Wenn jetzt die Fastnachtsumzüge durch die Straßen toben, dann führt sie das größte Reiterregiment der Mainzer Garden an: Jeanette von Opel. Seit drei Jahren ist die 35-Jährige Kommandeurin der Mainzer Prinzengarde. Und Jeanette tritt dabei in große Fußstapfen: Ihre Großmutter war Irmgard von Opel, eine berühmte Springreiterin, Unternehmerin aus der Opel-Dynastie und ebenfalls Kommandeuse der alteingesessenen Mainzer Garde. Mainz& hat die junge Kommandeurin besucht, die mit ihrer schneeweißen Uniform aus den roten Männern heraussticht – und sie gefragt, wie das so ist als Frau unter 350 Männern…

Jeanette von Opel, Kommandeurin der Prinzengarde, im Kreise der Männer. – Foto: gik

„Mein Vater Carlo von Opel war Fastnachtsprinz, 1962“, erzählt Jeanette von Opel. Die junge Dame trägt einen großen Namen, ihre Familie kennt man eher als Autobauer und Unternehmer und als Weingutsbesitzer von Schloss Westerhaus bei Ingelheim. Doch in Mainz kennt man die Opels noch anders: Jeanette von Opel ist seit dem 1. Januar 2015 Kommandeurin der Mainzer Prinzengarde. Als einzige Frau unter 350 Männern. Es ist eine Familientradition: Oma Irmgard von Opel war ebenfalls Kommandeuse der Mainzer Prinzengarde, von 1938 bis zum Jahr 1986. Die Enkelin des Firmengründers Adam Opel war in den 1930er Jahren die wohl beste Springreiterin der Welt, 1934 gewann sie als erste Frau überhaupt das deutsche Springderby.

Im Weinhaus Wilhelmi, dem Hauptquartier der Mainzer Prinzengarde, hängen sie einträchtig nebeneinander: Irmgard von Opel und Enkelin Jeanette (rechts), beide in der Uniform der Kommandeurin. – Foto: gik

Wie ihre ganze Familie, so war Irmgard von Opel aber auch Unternehmerin, 1934 übernahm sie das Hofgut Petersau bei Frankenthal in der Pfalz. Hier gründete ihr Sohn Carlo von Opel 1962 die Firma Chio Chips – zur Verwertung der familieneigenen Kartoffelernte. Die Chipsfabrik wurde später an die Konkurrenz verkauft, das Hofgut aber blieb in den Händen der Familie. Hier auf der Petersau wuchs auch Enkelin Jeanette auf – geboren aber ist sie in Mainz, ausgerechnet an einem 11.11…

Die Eltern lernten sich in der Fastnacht kennen, Vater Carlo heiratete die bürgerliche Mainzerin Marion Schöntag 1978 – vier Jahre zuvor war Mutter Marion ebenfalls Fastnachtsprinzessin in Mainz gewesen. Klar, dass Tochter Jeanette, geboren 1982, mit der Fastnacht aufwuchs: Der Vater war seit seinem 14. Lebensjahr Mitglied der Mainzer Prinzengarde, einer der ältesten Fastnachtsgarden von Mainz. Sein Bruder Heinz von Opel, Jeanettes Onkel, gewann gar 1966 beim Kostümspringen des Hamburger Derby Turniers den Sonderpreis – Heinz von Opel ritt in der Uniform der Mainzer Prinzengarde.

Der Prinzengardist und seine Kommandeurin Jeanette von Opel bei der Fastnight im Mainzer Schloss. – Foto: gik

Jeanette selbst wurde früh Mitglied der Mainzer Füsiliergarde in Gonsenheim, ist die Prinzengarde doch eine reine Männergarde – nicht einmal die Kommandeuse darf Mitglied der Männertruppe sein. Jeanette wurde auf der Petersau zur Pferdenärrin, machte eine Ausbildung zur Pferdewirtin und übernahm im Jahr 2000 die Leitung des Hofguts. „65 Pferde stehen hier, davon 25 eigene“, erzählt Jeanette, „es ist eine Mischung aus Zucht, Sport und Ausbildung.“ 15 Mitarbeiter hat das große Hofgut. „Die Mitarbeiterführung, das ist eigentlich das anstrengendste“, sagt Jeanette. Die Belohnung: „Ein tolles Team!“

Die Fastnacht aber findet weiter in Mainz statt, rund zehn Einsätze hat die Kommandeurin in der Fastnachtskampagne, das Amt ist vor allem repräsentativ. „Es ist ein riesengroßer Kreis, der ein Hobby teilt“, erklärt sie, „und ob einer Handwerker ist oder Rechtsanwalt, das spielt keine Rolle.“ Und während die Männer rote Uniformen tragen, trägt die Kommandeurin leuchtendes weiß. Das sei Tradition, erklärt Jeanette, auch die Großmutter hatte eine solche herausstechende Uniform. 350 Mitglieder hat die Mainzer Prinzengarde, ausschließlich Männer, wie bändigt man die? „Ach“, lacht Jeanette, „da wird man auf Händen getragen.“

Tatsächlich setzen auch die jungen RotRockRapper in ihrem neuesten Video „Ich hab Uniform“ ihrer Kommandeurin ein musikalisches Denkmal: „Prinzengard‘ hat Kommandeuse, Prinzengard‘ hat Präsident“, heißt es da stolz. Die Fastnachtsgarden entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts als Parodie aufs preußische Militär. Mainz war im 19. Jahrhundert Festungs- und Garnisonsstadt, das Militär allgegenwärtig – vor allem die Preußen wurden zum Spottobjekt der Fastnachter. Garde, die Ranzengarde, entstand bewusst als Parodie auf die „Langen Kerls“ des preußischen Königs, im Gegensatz zu den extra-großen Preußen schrieb die Ranzengarde einen Mindestbauchumpfang vor.

Jeanette von Opel bei der Fastnight im Mainzer Schloss. – Foto: gik

 

Heute sind die Garden Grundpfeiler der Mainzer Fastnacht, neben Trommler- und Musikkorps wird hier auch viel soziale Arbeit geleistet. In der 1884 gegründeten Prinzengarde gibt es daneben auch ein Reiterkorps, „deshalb ist es bei uns ganz wichtig, dass die Kommandeurin reitet“, erklärt Jeanette. Zweimal rückt sie an Fastnacht mit dem Reitercorps zum Umzug aus, einmal an Fastnachtssonntag zum Gardeumzug samt anschließender närrischer Rekrutenvereidigung, und dann natürlich am Rosenmontag.

„Es ist wunderschön, im Umzug mitzureiten“, schwärmt Jeanette, „man ist ein bisschen höher, sieht viel, ist trotzdem nah dabei.“ Anspruchsvoll ist der Ritt durch die wogende Menge aber auch: „Da erschrickt schon mal ein Pferd“, weiß Jeanette, das gefährlichste aber sei das rutschige Kopfsteinpflaster in der Altstadt. Doch auch in diesem Jahr wird die Prinzengarde das sicher wieder meistern – auch Dank ihrer Kommandeurin.

Info& auf Mainz&: Mehr zum coolen Video „Ich hab Uniform“ der RotRockRapper, DEM Hit der Kampagne 2018, lest Ihr hier bei Mainz&.

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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