Sängerin, Schauspielerin, Fastnachtsikone – Margit Sponheimer feiert am 7. Februar 2018 ihren 75. Geburtstag und wird Ehrenbürgerin von Mainz

Alles&, Narretei & andere Mainzer Spezialitäten, Rathaus & andere Skandale 0 324

Sie ist die Grande Dame der Meenzer Fastnacht, das heiß geliebte „Margittsche“: Margit Sponheimer ist bis heute die ungekrönte Königin der Mainzer Fastnacht. Ihre Hits wie „Wähle 06131“ und „Gell, du hast mich gelle gern“ kennt in Mainz jeder, ihr größter Erfolg  „Am Rosenmontag bin ich geboren“ ist eine wahre Hymne. Am 7. Februar wird Margit Sponheimer 75 Jahre alt, wer sie derzeit live erlebt, kann das kaum glauben: Die Sängerin ist noch immer voller Energie, ihre Ausstrahlung unverändert enorm. Und sie war immer mehr als „S’Margittsche“: Sängerin, Schauspielerin und Vorreiterin von Frauen auf der Fastnachtsbühne. Nun wird sie sogar Ehrenbürgerin von Mainz – Mainz& gratuliert mit diesem Porträt.

Margit Sponheimer an ihrem schwarzen Flügel in ihrem Haus in Ober-Olm. – Foto: gik

Der große schwarze Flügel im Wohnzimmer erinnert daran: Dies ist das Haus einer Vollblutmusikerin. „Ich wollte immer auf die Bühne, als kleines Kind schon“, erzählt Margit Sponheimer. Die Grande Dame der Mainzer Fastnacht wurde berühmt mit Liedern wie „Am Rosenmontag bin ich geboren“. Was aber viele nicht wissen: Die Sponheimer war die erste Frau, die Fastnachtslieder auf einer Bühne vor großem Publikum sang. Am Boden geblieben ist sie trotz aller ihrer Erfolge, trotz ihrer Beliebtheit: „Ein Promi?“, sagt Margit Sponheimer, „nein, das bin ich net.“ Moment mal: Margit Sponheimer, kein Promi? „Meine Mutter hat den schönen Satz geprägt: Heute Star, morgen Schnuppe“, sagt die Sponheimer ganz gelassen: „Wenn du mit den Füßen auf dem Boden bleibst, kannst du nicht so tief fallen.“

Mit vier, fünf Jahren sang sie in Frankfurter Hinterhöfen Lieder der Amerikaner wie Lilli Marleen, und weil die Eltern sich kein Klavier leisten konnten, bekam die kleine Margit ein Akkordeon. In einer Frankfurter Akkordeonschule lernte sie das Spielen. Nein, Margit Sponheimer ist weder am Rosenmontag noch in Mainz geboren, aber in der Fastnachtszeit schon: Am 7. Februar 1943 kam sie in Frankfurt zur Welt, mit acht Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Mainz. Die Eltern hatten ein Geschäft für Auto-Tachometer, die junge Margit stand ganz selbstverständlich im weißen Kittelchen hinter dem Tresen und bediente die Kunden.

Margit Sponheimer vor einigen Jahren als Marktfrau beim GCV auf der Bühne. – Foto: gik

Es war die Nachkriegszeit, und in Deutschland stand Überleben auf dem Stundenplan. Fleiß, Disziplin, Leistung, das waren die Werte, mit denen die junge Margit aufwuchs. Eine Lehre zum Groß- und Einzelhandelskaufmann absolvierte sie, doch da war ja noch die Bühne: Von 1959 an sang sie in der Fastnacht. Bei einem Neujahrskonzert mit den Gonsbachlerchen, der Gesangstruppe des legendären Herbert Bonewitz, entdeckte sie Toni Hämmerle, der legendäre Songschreiber.

 

1964 durfte sie erstmals als Sängerin auf die große Fernsehbühne, mit Ernst Neger, dem „singenden Dachdecker“. Eine Frau als Solistin, erzählt Sponheimer, war damals völlig undenkbar. Doch dann gab es ein Jahr später in der Dachdeckerfirma von Ernst Neger einen tödlichen Unfall, Neger sagte alle Fastnachtsauftritte ab – und Toni Hämmerle rief sie an: Komm sofort nach Gießen! „An einem Montagnachmittag entstand das Lied, und am Donnerstag war Premiere“, erzählt Sponheimer: „Der Flügel wurde auf die Bühne geschoben, der Saal rief „Neger!“ Und dann hat Gott Jokus den Narrenhimmel aufgemacht – und das Lied war sofort da.“

… und bei der Stehung des GCV vor jungem Publikum. – Foto: gik

 

„Gell, du hast mich gelle gern“ wurde der erste große Hit der Sponheimer, am Rosenmontag waren bereits 20.000 Singles des Liedes verkauft. „Die Zeitung titelte: Ein neuer Stern am Fastnachtshimmel“, erinnert sich die Sponheimer schmunzelnd, „es war eine Sensation.“ Zum ersten Mal war eine Frau in Deutschland ein Fastnachtsstar, „ich habe die Tür aufgemacht in dieser Männerdomaine“, sagt die 74-Jährige selbstbewusst.

Fortan war „das Margittsche“ aus der Fastnacht nicht mehr wegzudenken, immer neue Hits kamen: „So wie mein Papa“, „En ganzen Korb voll Grünes“, „Wähle 06131“. Ihren größten Hit aber komponierte der Österreicher Charly Niessen: „Am Rosenmontag bin ich geboren“ wurde ab 1969 zum Erkennungslied der Sponheimer. Wenn das 20.000 Fußballfans im Stadion von Mainz 05 anstimmen, bekomme sie eine Gänsehaut, bekannte sie einmal.

Mitte der 1980er Jahre begann sie vorsichtig, sich zu emanzipieren, ging statt im Abendkleid in Kostümen auf die Bühne, sang jetzt von Marktfrauen und dem melancholischen Clown. Und sie begann, bei Wind und Wetter durch die Festzelte der Nation zu tingeln. „Freiberufler, Frau, nicht verheiratet, das war ich“, sagt Sponheimer heute. Geheiratet hat sie erst mit 50 Jahren, als sie 28 war, kam ihr Freund bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. „Ich hatte ja nie Zeit zu heiraten und auch keine Lust“, sagt sie, „und man konnte früher auch nicht hochschwanger auf die Bühne, Bauch zeigen – so weit waren wir nicht.“

Wandlungsfähig, vielfältig: Margit Sponheimer als anrührender Clown 2017 beim GCV. – Foto: gik

1998 sagte sie der Fastnacht adé und ging zum Volkstheater Frankfurt, machte einen harten Schnitt, lernte einen neuen Job: Schauspielerin. Gut sei das gewesen, sagt sie: „Ich musste ein Haus verlassen, um ein anderes zu betreten.“ Gut zehn Jahre lang spielte sie in Frankfurt Theater, 2010 erschien ihre Autobiographie, natürlich mit dem Titel „Am Rosenmontag bin ich geboren.“ Die Autobiographie ist längst ausverkauft, gelegentlich gibt Margit Sponheimer aber noch Lesungen, irgendwo in der Republik. Sie sei immer wieder überrascht und angerührt, dass die Menschen das hören wollten, sagt sie. „Ich habe alles erreicht, was man mir als Talent mitgegeben hat“, sagt die Noch-74-Jährige, „man soll seine Träume leben, den Mut dazu haben.“

Heute tritt die Sponheimer wieder gelegentlich in der Fastnacht auf, etwa bei „Mainz bleibt Mainz“ oder bei der Jubiläumssitzung des Gonsenheimer Carneval-Vereins im vergangenen Jahr. Da sang sie „sag ja, sag dreimal ja zu deinem Leben“ – es war wie ein Lebensbekenntnis. Bei der „Stehung“ in Gonsenheim vor zwei Jahren feierte sie der Saal voller junger Leute, und „Es Margittsche“ war ganz gerührt: Nervös sei sie gewesen, erzählte sie damals, sie habe ja nicht gewusst, ob sie mit ihren „Liedern beim Jungvolk ankomme. Wie sehr sie aber auch bei jungen Menschen beliebt ist, zeigte sich gerade wieder bei der Mainzer Prinzengarde: „Margittsche – hat uns gelle-gern“, rappten da die RotRockRapper. Wenn die Sponheimer auf der Bühne steht, tobt der Saal, weil die Menschen spüren: Hier steht ein Vollblutprofi. „Ich muss in einem früheren Leben mal ein Zirkuspferd gewesen sein“, sagt sie lachend, „das ist einfach mein Leben, ich blühe damit.“

 Info& auf Mainz&: Am 7. Februar 2018 wird Margit Sponheimer im Mainzer Stadtrat mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Mainz geehrt – mehr dazu hier. Ein Video mit Margit Sponheimer und ihrem Hit „Ihr braucht zum Fröhlichsein doch keinen Clown“ könnt Ihr hier auf dem Mainz&-Youtube-Kanal sehen.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *