Schiersteiner Brücke: Landesbetrieb verteidigt Fahrspur-freie Zone bei Auffahrt Mombach

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Die Mainzer sind ja gerne mal kreativ, aber was der Landesbetrieb Mobilität (LBM) da gerade auf der Schiersteiner Brücke treibt, ist schon experimentelles Fahrzeugmanagement: Seit einigen Tagen herrscht auf 70 Metern hinter der Auffahrt Mombach Richtung Wiesbaden eine Fahrspur-freie Zone. Weil die Fahrbahn hier mit 5,05 Metern Breite nicht für zwei volle Spuren ausreicht, entschloss sich der LBM, die Spuren gleich ganz wegzulassen. „Wir vertrauen auf die Vernunft und das Vermögen der Autofahrer, dass die sich arrangieren“, verteidigt LBM-Chef Bernd Hölzgen die neue Regelung. Bisher gebe es keine Probleme – und erst einen Unfall.

Schiersteiner Brücke - Grafik Herzstück mit West und Ost NEU

Die Teilbereiche des Herzstücks: West wird gerade abgerissen und neu gebaut, der Verkehr fließt über Ost – Grafik: LBM

Irgendwie wird man den Eindruck ja nicht los, dass an der Schiersteiner Brücke weiter rumgestückelt wird. Ursache für die neue Engstelle an der Zufahrt zur Rheinbrücke ist ein Teilabriss und Neubau mitten in der Konstruktion der Vorlandbrücke: Der LBM reißt derzeit das westliche Teilstück des sogenannten Herzstücks ab und baut es neu, es ist der Anschluss zur neuen zweiten Rheinbrücke, die von Hessen gebaut wird.

Nur wegen Brückenunfall wird Herzstück jetzt neu gebaut

Am vergangenen Wochenende wurde mitten in der Schiersteiner Brücke ein großer Schnitt gemacht: Ein Trennschnitt auf 100 Metern Länge. Nun kann der Bereich West abgerissen und neu gebaut werden, der Verkehr wird solange auf dem Stück Ost abgewickelt, das danach abgerissen und neu gebaut wird. Diese neue Bauentwicklung ist übrigens eine direkte Folge des Brückenunfalls am 10. Februar, der Neubau des Herzstücks war ursprünglich gar nicht geplant.

„Der Unfall hatte etwas Gutes: wir haben dann einen komplett neuen Anschluss der neuen Rheinbrücke, ein neues Herzstück statt einer Brücke aus den 60ern“, sagte Hölzgen am Donnerstag. Fragt sich ja, warum das nicht gleich so geplant wurde… Ursprünglich hatte der LBM die alte Brücke einfach nur mit Pfeilern von unten für den zusätzlichen Verkehr ertüchtigen wollen, beim Rammen der neuen Pfeiler in den Boden gab es dann den Bauunfall: Der Untergrund sackte weg, ein Pfeiler stellte sich schief, die Brücke krachte um 30 Zentimeter ab – und war wochenlang gesperrt…

Schiersteiner - Grafik LBM Fahrbahnbreiten nach Trennschnitt

Die neue Fahrspurbreite nach dem Trennschnitt – Grafik: LBM

Nach Trennschnitt nur noch 8,60 Meter Platz, das gibt drei Fahrspuren

Der Trennschnitt zwischen West und Ost aber konnte aus statischen Gründen nicht genau in der Mitte der Brücke angesetzt werden, erläuterte Hölzgen nun stehen statt 9,50 Meter nur noch 8,60 Meter zur Verfügung. Das reiche für drei Fahrspuren, aber nicht für vier, „das können Sie drehen und wenden, wie sie wollen“, betonte Hölzgen.

Der Hintergrund: Für eine vollwertige Pkw-Fahrspur braucht es mindestens 2,50 Meter, auch wenn an der Baustelle dann nur „2 Meter“ ausgeschildert sind, erfuhr Mainz& von den Experten. Für eine Fahrspur mit Lkw aber braucht es mindestens drei Meter Breite – und ab November sollen über die Schiersteiner auch wieder Lkw rollen. Der LBM will daran auch unbedingt festhalten: Die Wirtschaft habe schon genug unter der Sperrung der Schiersteiner Brücke gelitten, sagte Hölzgen. Vermutlich ist der Druck auf die Politik zu groß 😉

70 Meter Fahrspur-freie Zone, bisher ein Unfall

Also wird gebastelt, müssen sich die Autofahrer beim Einfädeln in Mombach selbst entscheiden, ob sie nebeneinander oder hintereinander herfahren. „Bisher war das in den zwei Wochen kein Problem“, betonte Hölzgen, erst einmal habe ein Autofahrer dem anderen einen Außenspiegel abgefahren. Allerdings räumte Hölzgen auch ein, dass noch kein Lkw über die Brücke rolle.

Schiersteiner - Grafik LBM Fahrspur freie Zone

Grafik zur Fahrspur-freien Zone – Grafik: LBM

Aber auch bei der Autobahnpolizei Heidesheim gab es grünes Licht für die Regelung: „Wir haben das jetzt über mehre Tage beobachtet“, sagte der Leiter Rolf Gäbler, „es hat wirklich sehr gut geklappt.“ Die Autofahrer fädelten sich tatsächlich im Reißverschlusssystem ein, das sei genau richtig. „Der Verkehrsteilnehmer wird sich sehr schnell dran gewöhnen“, prophezeite Gäbler. Zumal auf dieser Strecke praktisch nur Ortskundige unterwegs seien, unterstrich Hölzgen. Zugleich räumte er aber auch ein, dass es während der Eingewöhnungszeit sicher Probleme geben werde.

Zwei Fahrspuren von Wisbaden nach Mainz, nur eine Richtung Wiesbaden

Warum aber gibt es dann aus Richtung Wiesbaden zwei volle Spuren über die Brücke? Das habe nichts mit einer Benachteiligung der Mainzer zu tun, versicherte Hölzgen, es sei schlicht so, dass es aus Richtung Wiesbaden mehr Verkehr gebe – und zwar morgens wie abends. So rollten am Morgen rund 3.000 Fahrzeuge pro Stunde von Wiesbaden nach Mainz, nach Wiesbaden seien es knapp 2.500. Abends wiederum wollten knapp 3.500 Fahrzeuge pro Stunde nach Mainz, aber nur 2.000 nach Wiesbaden. Na so was, und da heißt es immer, alle wollten zum Arbeiten nach Hessen 😉

Schiersteiner - Neue Auffahrt Mombach mit Engstelle

Und so sieht es in Realität aus: Auffahrt Mombach Richtung Wiesbaden – Foto: gik

Simulationen wiederum hätten gezeigt, dass nur eine Spur aus Richtung Wiesbaden zu kilometerlangen Staus in der ganzen Wiesbadener Innenstadt führen würden, berichtete Hölzgen: „Da muss man fair bleiben, das ist keine Lösung.“

Zufahrtsampeln auf beiden Auffahrten, aber nur in Richtung Gonsenheim aktiv

Nun installiert der LBM an den Auffahrten in Mombach in beiden Richtungen Zufahrtsampeln, die können dann den Zustrom auf die Brücke einzeln pro Auto dosieren. Die Ampel in Richtung Gonsenheim werde auf jeden Fall scharf geschaltet, die in Richtung Wiesbaden aber zunächst nicht, sagte Hölzgen. Nanu? wunderte sich Mainz&: Zwei Fahrspuren und eine Begrenzungsampel, eine offenen Fahrzone und keine?

Die Simulation habe gezeigt, dass eine Ampel dazu führe, dass der Durchfahrtsverkehr bevorzugt werde, erklärte Hölzgen: „Eine Ampel gibt dem Hauptstrom Vorrang.“ Es dauere aber wesentlich länger, bis ein stehendes Auto wieder angefahren sei und auf die Autobahn rolle. Bei der Mombacher Auffahrt Richtung Wiesbaden sei aber das Ziel, dass der Auffahrende eine Lücke im Zustrom nutzen könne. Die Auffahrtampel wolle man deshalb nur scharf schalten, wenn es die Sicherheit wirklich erfordere.

Schiersteiner - Grafik LBM Zufahrten Rampen Mombach

Grafik der neuen Rampen-Auffahrtregeln in Mmbach zur Schiersteiner Brücke – Grafik: LBM

Lkw womöglich über Gonsenheim, weitere Sperrungen nötig

Im Klartext: Mit Zufahrtsampel würde der Mombacher Kreisel wohl zum Dauerstaubereich… Leicht wird es der Kreisel in der nächsten Zeit ohnehin nicht haben, die neue Engstelle wird für reichlich Behinderungen sorgen. Hölzgen betonte, man habe noch andere Stellschrauben, so könnte etwa die Mombacher Auffahrt für Lkw wieder gesperrt werden und die über Gonsenheim auf die Schiersteiner geführt werden. Na super, dann rollen die Brummis durch Mombach und Gonsenheim…

Für die Abrissarbeiten des Teilstücks West muss zudem die Rampe an der A 643 noch einmal für ein Wochenende gesperrt werden, vom 30. Oktober bis zum 1. November. Mit einer erneuten Sperrung der Brücke wird zudem der Abbau der Lkw-Schikanen im November verbunden sein. Tja, vergangenes Wochenende waren durch die Vollsperrung die Staus in Mainz zurück…

Info& auf Mainz&: Wie immer findet Ihr auf Mainz& eine umfangreiche Berichterstattung zur Schiersteiner Brücke – einfach in der Suchmaske mal „Schiersteiner“ eingeben. Den jüngsten Artikel zum Trennschnitt im Herzstück findet Ihr hier. Den Bericht zum Gutachten über die Ursache des Bauunfalls im Februar übrigens hier. Zu den Informationen des Landesbetriebs Verkehr geht’s hier entlang.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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