Sonnenfinsternis: Kreative Bastelsätze für Sonnen-Fernrohr und skurrile Ideen

Alles&, Drinnen & Draußen 2 3566

Habt Ihr auch keine Sonnenfinsternis-Spezialbrillen mehr bekommen? Die Pappbrillen mit einer speziellen Augenschutzfolie scheinen ja überall restlos ausverkauft zu sein. Gleichzeitig sind sich alle Experten – ob von Astronomie oder Augen – einig in der Warnung: Bloß nicht ungeschützt in die Sonne schauen! Das führt zu einem unglaubliche Kreativitätsschub im Internet: Die einen wollen sich mit einem Taschenspiegel behelfen, die andere bauen Observatorien aus Schukartons. Wir haben auch eine Variante: Mit einer privaten Lochkamera, einem Selbstbau-Solarscope, seid Ihr auf der sicheren Seite.

Sonnenfinsternis 2015 - Selbstbau Solarscope - Foto AAG

Selbstbau-Solarscope für die SoFi am Freitag – einfacher geht’s nicht! – Foto: AAG

Den Tipp haben wir natürlich wieder einmal von unseren persönlichen Astronomie-Beratern von der Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz (AAG). „Wir haben da übrigens noch einen Tipp für Leute, die keine Sofi-Brille mehr bekommen konnten“, schrieb uns gestern deren Vorsitzender Jan-David Förster: „Einfach einen Sonnenprojektionsschirm selber basteln! Kostet 5 Minuten.“

Pappröhre, Butterbrot- oder Backpapier, Folie, Gummibänder

Das haben wir uns natürlich sofort angeschaut und präsentieren Euch hiermit den Bausatz samt Anleitung.

Solarcsope: Alufolie auf das eine Ende gespannt, winziges Loch mit Stecknadel in die Mitte - Foto AAG

Solarcsope: Alufolie auf das eine Ende gespannt, winziges Loch mit Stecknadel in die Mitte – Foto AAG

Schritt 1: Was Ihr benötigt: Eine Pappröhre mit mindestens 30 cm Länge, ein Stück Alufolie, ein Stück Butterbrot- oder Backpapier, zwei Gummibänder und eine Stecknadel! So weit, so einfach – und so kostengünstig.

Schritt 2: Butterbrotpapier und Alufolie auf die zwei entgegengesetzten Enden der Rolle spannen und mit den Gummibändern befestigen. In die Mitte der Alufolie jetzt mit einer Stecknadel ein kleines Loch stechen – das ist sozusagen das Objektiv zur Sonne.

An die Hauswand lehnen, Röhre ausrichten

Sonnenfinsternis 2015 - Der helle Punkt der Sonne auf dem zweitem Ende des Solarcopes, dem Butterbrot- oder Backpapier - Foto: AAG

Der helle Punkt der Sonne auf dem zweitem Ende des Solarcopes, dem Butterbrot- oder Backpapier – Foto: AAG

Schritt 3: Die Röhre auf die Sonne ausrichten mit der Alufolie in Richtung Sonne. „Es hilft, sich dabei an eine Hauswand oder Ähnliches anzulehnen, damit man nicht so wackelt“, schreibt die AAG. Nun sollte sich eine kleine helle Scheibe auf dem Butterbrotpapier abzeichnen. Dies ist eine Projektion der Sonne, die sich dann am Freitag in Sichelform abbildet. Also das ist ja nun wirklich einfach!

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, fügen wir aber natürlich auch den Zusatz der AAG-Kollegen hinzu: „Den Tipp mit dieser Lochkamera haben wir übrigens von den Kollegen der Sternwarte Recklinghausen, und sofort nachgebaut!“ Na, Ehre wem Ehre gebührt.

Das ist aber beileibe nicht der einzige Weg, sich im Fall einer Brillenknappheit zu behelfen. Im Internet kursieren gerade die wildesten Ideen, wie man doch noch risikofrei in die Sonne schauen kann. In diesem Blog projizieren sie mit einem Kosmetikspiegel den Sonnenfleck in einen abgedunkelten Flur und dort auf die Wand.

Beim Planetarium Cottbus basteln sie gleich ein richtiges Sonnen-Observatorium aus einem Schuhkarton, einem weißen Blatt Papier und zwei Klopapierrollen. Großartig. Der ganze Vorgang wird in diesem Youtube-Video nett und ausführlich erklärt. Eine tolle Simulation der Sonnenfinsternis aus dem All von der Sternwarte Lübeck findet Ihr übrigens hier.

Wetter: Gut

Totale Sonnenfinsternis 2006 - Foto Michael Schmidt

Totale Sonnenfinsternis 2006 – Foto Michael Schmidt

Das Wetter verspricht übrigens am Freitag in Mainz noch eine Ausnahme vom Wolkenhimmel zu machen, das behaupten jedenfalls die Wetterfrösche. Also keine Panik, wenn es heute nicht mehr so sonnig werden sollte. In Mainz beginnt die SoFi um 09.30 Uhr und endet um 11.50 Uhr, das Maximum von 74,8 Prozent Abdeckung soll um 10.37 Uhr erreicht werden.

Was übrigens die Gefahren von der Sonne für Kameraobjektiv und Handykamera angeht – wir haben uns darüber auch gewundert, es erscheint so extrem, dass Objektive wirklich schmelzen können sollen. Aber tatsächlich haben wir auch auf anderen Seiten im Internet dieselben Warnungen gefunden.

Würdet Ihr Euer Auge auf eine Herdplatte halten?

„Würden Sie Ihr Auge auf eine Herdplatte halten?“schreibt etwa Sven Wienstein auf seiner privaten Astro-Homepage, und zeigt auch gruselige Fotos von geschmolzenen Sonnenfiltern und geplatzten Filtern. Wenn Ihr Euch für Berechnungen der Hitzeentwicklung interessiert – da findet Ihr sie.

So sehen die offiziellen Sofi-Brillen aus - Foto: gik

So sehen die offiziellen Sofi-Brillen aus – Foto: gik

Und noch etwas Hübsches haben wir beim Stöbern im Internet gefunden: Auf eclipse.astronomie.info haben wir eine Liste sämtlicher Sonnenfinsternisse in Mainz seit dem 12. Mai 1706 gefunden. Ob die Tabelle stimmt, wissen wir natürlich nicht – aber die Daten für 1999 (98 Prozent) und 2015 (79 Prozent) stimmen schon mal. Und Ihr könnt nachsehen welche Verdunkelungen es bis ins Jahr 2093 geben wird.

Und noch eines zeigt die Tabelle: Eine echte, ringförmige, komplette Sonnenfinsternis gab es in Mainz nur ein einziges Mal: am 7. September 1820.

Info& auf Mainz&: Alles rund um die SoFi 2015 könnt Ihr noch einmal in diesem Mainz&-Artikel nachlesen. Dort lest Ihr auch den Tipp mit der Rettungsfolie, mit der Ihr Eure Kamera oder Euer Handy schützen könnt. Die AAG Mainz lädt am Freitag ab 09.30 Uhr zum gemeinsamen SoFi-Gucken auf den Gutenbergplatz vor dem Staatstheater. Dort gibt es Infos, mehrere Telescope sowie rund einhundert SoFi-Brillen zum Ausleihen. Weitere Informationen zur AAG findet Ihr unter www.astronomie-mainz.de oder hier auf Facebook. Informationen zur SoFi gibt es auch unter www.sofi2015.de. Wir sehen uns!

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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