„Nur Tonleitern geübt“ – SPD Mainz-Altstadt will Straßenmusik neu regeln – Höheres Niveau durch vorherige Registrierung?

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Die SPD in der Mainzer Altstadt will die Straßenmusik in den Fußgängerzonen neu regeln. In den vergangenen Jahren hätten sich Beschwerden der Bürger „gehäuft, da immer mehr Berufsstraßenmusiker die sehr liberale Regelung der Stadt Mainz in Bezug auf Straßenmusik missbrauchen“, sagte der Vorsitzende der SPD Mainz-Altstadt, Bjoern Witczak. Straßenmusik gehöre zwar aus Sicht der SPD in eine Altstadt, es müsse aber „ein gesundes Mittelmaß“ gefunden werden. So würden die erlaubten 30 Minuten an einem Standort maßlos überzogen, und die Qualität der dargebotenen Musikstücke habe zum Teil „ein sehr niedriges Niveau“ wie Tonleitern üben, heißt es in einem Antrag der SPD. Straßenmusik dürfe aber nicht „zu einer Dauerbelästigung“ werden.

Gegen coole und hochwertige Musik zu einem Glas Wein hat niemand etwas. Die SPD will nun aber das Niveau der Straßenmusik in Mainz heben. – Foto: gik

Der Ortsbeirat Altstadt sollte am Mittwochabend über den Antrag beraten, vermutlich kommt das Thema auch am 27. September im Stadtrat auf die Tagesordnung. „Mainz hat eine sehr liberale Regelung in Bezug auf Straßenmusik“, heißt es in dem Antrag weiter: Jeder dürfe ohne vorherige Genehmigung in zwei Spielzonen in der Altstadt zu gewissen Zeiten eine halbe Stunde lang Musik aufführen, bevor er mindestens 100 Meter weiter ziehen muss. Diese Regelung aus dem Jahr 1993 habe jahrelang „gut funktioniert“, schreibt die SPD selbst und räumt auch gleich ein: Das sei eine bürgerfreundliche Regelung, die zudem die Verwaltung entlaste.

Nun aber werde die liberale Regelung zunehmend von kommerziellen Straßenmusikern missbraucht, heißt es weiter, Anwohner und Geschäftsleute klagten häufig. So spielten viele auch außerhalb der erlaubten Spielzeiten oder überzögen die 30-Minuten-Frist „maßlos“. Dazu werde an besonders lukrativen Orten ständig musiziert, und das leider nicht immer in besonders guter Qualität – von „zum Teil sehr niedrigen Niveau“ ist die Rede. Dazu würden oft keine ganzen Stücke gespielt, sondern nur noch Fragmente oder Loops, zuweilen würden technische Hilfsmittel verwendet, so dass die eigene künstlerische Leistung gar nicht mehr erkennbar sei. Und nicht zuletzt spielten dieselben Musiker oft jahrelang dieselben Stücke.

Die SPD will deshalb nun die Erlaubnis für Straßenmusik in Mainz völlig neu regeln – und das gleich mit drastischen Änderungen: So sollen potenzielle Straßenmusiker sich registrieren, und zwar indem sie vor einer Kommission vorspielen, das habe sich in München „seit zehn Jahren bewährt“, schreibt die SPD weiter. „Sollte die Verwaltung den hierfür notwendigen Personalaufwand als zu hoch einschätzen“, heißt es weiter, wäre auch eine ehrenamtliche Kommission des Ortsbeirats Altstadt denkbar. Dazu soll ein Online-Buchungssystem geschaffen werden, das an registrierte Musiker Spielplätze und Spielzeiten vergibt – als Beispiel führt man eine Satzung aus Dresden vom 22. Juni 2017  an.

Für nicht-kommerzielle Musikdarbietungen oder solche, die für einen guten Zweck spielten, könnten Ausnahmen von der Registrierungspflicht geschaffen werden. Insgesamt könnten die Kontrollen durch das Ordnungsamt so erleichtert werden, findet die SPD und fordert, es brauche insgesamt mehr Kontrollen.

Mainz& findet: Ständig duldende Straßenmusiker vor dem Geschäft oder der Wohnung zu haben, die auch noch permanent dieselben drei Lieder spielen, ist fraglos nervtötend. Das Niveau von Straßenmusik heben? Sofort! Aber mit einer Kommission zum Vorspielen? Wie oft soll die denn tagen? Wir finden, damit würgt man jede Spontanität und vor allem auch die fahrenden Straßenmusiker ab, die einfach mal einen Nachmittag in Mainz verbringen – und das sind meist nicht die schlechtesten! Wer Musiker zur Registrierung zwingt, beschränkt doch die Straßenmusik gerade auf immer dieselben Akteure, ob das dem Musikklang förderlich ist? Wir sind gespannt, wie sich die Diskussion dazu entwickeln wird, eines scheint uns aber schon jetzt klar: Das vorgeschlagene System dürfte für die Mainzer Verwaltung erheblich zu aufwändig sein – und zu viel Geld kosten. Wir bleiben dran!

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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