Stadtwerke Mainz wollen wieder Strom und Gas verkaufen

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Die Stadtwerke Mainz wollen künftig den Mainzern wieder selbst Strom und Gas verkaufen. Man wolle im Laufe des Jahres 2016 „die Voraussetzungen dafür schaffen, dass den Bürgern künftig wieder eigener Strom und Gas angeboten werden kann“, teilten die Stadtwerke am Mittwoch mit. Aktuell erarbeite man zusammen mit externen Beratern ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell für einen kommunalen Strom- und Gasvertrieb. 2010 hatten die Stadtwerke ihre Anteile am regionalen Energieversorger Entega abgegeben, seither vertrieben die Mainzer Strom und Gas nicht mehr selbst.

Müllheizkraftwerk Ingelheimer Aue mit Kran 2008

Das Müllheizkraftwerk der KMW auf der Ingelheimer Aue – Foto: gik

Das soll sich nun offenbar wieder ändern, die Frage ist: wie? Holen sich die Stadtwerke einen Partner ins Boot oder setzen sie auf eigene Kräfte? Die Voraussetzungen dazu wären da: Auf der Ingelheimer Aue steht seit 2001 laut Eigenwerbung der Stadtwerke „eines der effizientesten Kraftwerke der Welt.“ Es ist ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk mit einer Leistung von rund 400 MW, betrieben von den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden AG, einem gemeinsamen Tochterunternehmen der Stadtwerke Mainz AG und der ESWE Versorgungs AG (Wiesbaden). Dazu kommt das Müllheizkraftwerk, auch damit wird kräftig Strom, Fernwärme und Prozessdampf erzeugt.

Dazu betreiben beide Städte ein älteres Gas-Kombiblock-Kraftwerk aus dem Jahr 1977 mit einer Leistung von rund 350 MW. Die Pläne für ein Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue scheiterten ja Gott sei Dank 2009, seither haben die Stadtwerke in eine andere Richtung investiert: Die Erneuerbaren Energien wurden massiv ausgebaut – zuletzt wurde im Juli der Energiepark Hechtsheim eingeweiht mit der angeblich größten grünen Wasserstoffanlage der Welt.

Direkt neben dem Energiepark in Hechtsheim drehen sich die Windräder der Stadtwerke auf den Ebersheimer Feldern, mehr als ein Dutzend eigene Windkraftanlagen besitzen die Stadtwerke inzwischen, Gesamtleistung: 6 Megawatt und 18.000 Megawattstunden Jahresertrag. Im Bereich Solarenergie bauten die Stadtwerke die Solaranlage auf der Coface-Arena in Mainz  und besitzen eine 50-Megawatt-Freiflächenanlage in Tutow in Mecklenburg-Vorpommern, ein der größten Freiflächenanlagen Deutschlands.

Energiepark Mainz - Eingang - Foto Mfy

Der Energiepark der Stadwerke Mainz in Hechtsheim – Foto: mfy

Und das ist noch nicht alles: Die 95-prozentige Stadtwerke Tochter Überlandwerk Groß-Gerau treibden Bau eines Geothermiekraftwerks mit einer Größenordnung von rund 35 Millionen Euro voran. Und die 100-prozentige Tochter Enaqua betreibt seit 2009 ein 450-Kilowatt-Laufwasserkraftwerk im Sauerland sowie seit Januar 2014 ein 440-Kilowatt-Laufwasserkraftwerk im Erzgebirge.

Nun sehen sich die Stadtwerke offenbar gerüstet, um selbst wieder Strom und Gas an die Mainzer verkaufen zu können. Wie genau das künftige Verkaufsmodell aussehen könnte, werde in den nächsten Wochen und Monaten festgelegt, hieß es weiter. Man werde sich aber als 100 Prozent kommunales Unternehmen auf das Netzgebiet der Stadtwerke Mainz Netze konzentrieren, betonte das Unternehmen zugleich. Ein bundesweiter Vertrieb werde nicht angestrebt.

„Die Marke Stadtwerke Mainz ist hier regional verwurzelt, wir sind ein kommunales Unternehmen, das den Bürgern gehört“, sagten die beiden Stadtwerke-Vorstände Detlev Höhne und Tobias Brosze. Sehr viele Bürger hätten in den vergangenen Jahren gefragt, „wann sie endlich wieder Strom und Gas von ihren Stadtwerken kaufen können und so dazu beitragen können, dass die Wertschöpfung in diesem Geschäftsbereich auch hier in der Stadt bleibt.“ Soso 😉

Der Start in den Energievertrieb könnte zunächst schlank erfolgen, skizzierten die Vorstände weiter ihr Vorhaben, angedacht seien „übersichtliche, aber attraktive Produktangeboten im Strom- und Gasbereich.“ Das ist auch nötig, gilt der Grundversorger Entega doch auch als einer der teuersten Anbieter in Deutschland. Später könne das Angebot ausgeweitet werden, hieß es weiter – mittel- und langfristig sei für die Stadtwerke Mainz auch eine Beteiligung anderer Unternehmen an der neuen Vertriebsgesellschaft vorstellbar. Na, da gibt es ja offenbar schon sehr viel weiter gehende Pläne 😉

Info& auf Mainz&: Mehr zu den Stadtwerken Mainz und deren Geschäftsfeldern findet Ihr auf deren Homepage, genau hier.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

1 Kommentar

  1. Anonymus 5. Dezember 2017 at 13:20 -  Antworten

    Die Stadtwerke Mainz haben uns damals in die Arme von Entega getrieben.
    Nun wollen sie die Kunden wieder gewinnen. Wer weiß für wie lange.
    Bis wieder eine städtische Pleite ansteht.
    Nein danke……

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