Bereits 7.000 Unterschriften gegen Bibelturm am Gutenberg-Museum – OB wirbt für Turm – Gab es Stadtratsbeschluss?

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Der Bau des Bücherturms neben dem Gutenberg-Museum in Mainz scheint beschlossene Sache, die Stadtspitze handelt, als wäre der Turm nicht mehr aufzuhalten. Doch die Bürgerinitiative Gutenberg-Museum sieht das ganz anders: Es gebe keinen Stadtratsbeschluss, in dem der Bücherturm formell beschlossen worden sei, sagt die BI – und sammelt seit Anfang August Unterschriften gegen das Projekt. Das Ziel: den Bibelturm verhindern und stattdessen den Neubau des Haupthauses des Museums vorziehen. 7.000 Unterschriften habe man bereits für ein Bürgerbegehren gesammelt, sagt die BI. Das brachte nun die Stadtspitze auf die Straße: Vergangenen Samstag informierten OB und Baudezernentin persönlich auf dem Liebfrauenplatz über das Projekt. Und dabei räumte man erstmals ein: Wirklich Platz schaffen wird der neue Bücherturm für das Museum nicht.

So soll nach neuesten Fotomontagen der Bibelturm künftig neben dem Dom wirken, daneben ein Modell der Fassade mit durchbrochenen Buchstaben. – Foto: gik

Es hatte einen Hauch von High Noon vor dem Gutenberg-Museum: Direkt vor dem Eingang zum Weltmuseum der Druckkunst standen Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) und allerlei Prominenz, um die Mainzer vom Bau des neuen Bücherturms neben dem Gutenberg-Museum – jetzt Bibelturm genannt – zu informieren. Auch die Initiative „Mainz für Gutenberg“, die für den Turm ist, war dabei. Wenige Meter weiter: Die Bürgerinitiative Gutenberg-Museum, die weiter gegen den Bau des Bibelturms kämpft – und für ein Bürgerbegehren Unterschriften sammelte.

BI sammelt Unterschriften: „Wollen echte Wahl der Mainzer“

Der Streit um den Erweiterungsbau, für den nun Anfang 2018 Spatenstich sein soll, ist also alles andere als vorbei. „Wir wollen weiter, dass die Mainzer über den Bau entscheiden“, sagte BI-Sprecher Thomas Mann zu Mainz&, „wir wollen, dass eine legitime Wahl stattfindet.“ In einem Bürgerbegehren fordert die BI, alle Mainzer sollten über den Erweiterungsbau abstimmen, betreffe dieser doch einen der zentralen Plätze der Stadt. „Wir sind nicht gegen das Gutenberg-Museum und nicht gegen eine Erweiterung“, betonte Mann, „nur: Mit dem Turm wird die notwendige Erweiterung ja gar nicht geschaffen.“

Die BI fordert deshalb nun inzwischen, den zweiten geplanten Bauabschnitt, die Ertüchtigung des Schell-Baus des Museums vorzuziehen. „Fünf Millionen Euro sind für den Turm veranschlagt, aber der Schell-Bau muss in Sachen Brandschutz für vier Millionen ertüchtigt werden“, rechnete Mann vor. Woher wolle die Stadt denn das Geld für den Brandschutz nehmen? Die BI befürchtete schon früher, dem Haupthaus des Museums könne gar die Zwangsschließung drohen, so marode sei der Zustand. Dazu hält die BI weiter an ihrer Kritik fest, der Turm sei für den Platz neben dem Dom zu modern in der Architektur, füge sich nicht genug ins Stadtbild ein und koste zudem zu viel wertvolle Fläche auf dem bei den Mainzern sehr beliebten Liebfrauenplatz.

Erstmals zeigten Absperrband und rote Linien die ungefähren Dimensionen des künftigen Turmbaus neben dem Römischen Kaiser. – Foto: gik

Rote Linien zeigten erstmals Dimension des Bibelturms

Zumindest was die Dimensionen angeht, schaffte die Stadtspitze nun erstmals eine Orientierungshilfe: Mit Hilfe von roten Linien auf dem Boden und mit Hilfe von Absperrbändern waren erstmals die ungefähren Umrisse des künftigen Turmbaus abgesteckt worden. Die rote Linie reichte da etwa bis zur Hälfte des derzeitigen Blumenbeetes, die Stadt hat versprochen, eine neue Grünfläche mit Sitzmöglichkeiten zu schaffen. Die BI kritisiert dennoch die Pläne: „12 Bäume werden im Zuge der Bauarbeiten verschwinden“, klagte Mann, und auch wenn neue gepflanzt würden – „die sind dann erst einmal klein.“

Nebenan warben unterdessen Architekten, Dezernentin und OB für den Turm: Man habe den Menschen „viel erklären können“, sagte Baudezernentin Marianne Grosse, „es war eine gute Idee, Rede und Antwort zu stehen.“ Die Stadtspitze setze nun den Stadtratsbeschluss vom Februar zum Bau des Turms um, sagte die Dezernentin weiter. Grosse selbst hatte im Juli 2016 den Auftrag zu Planung und Bau an das Hamburger Architektenbüro DFZ vergeben – weit vor jedem Stadtratsbeschluss.

Ebling wirbt persönlich für Bibelturm: „Wird nicht alle Fläche und Freuden nehmen“

Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) warb am Samstag persönlich für den Bibelturm am Gutenberg-Museum. – Foto: gik

„Wir wollen die Aufwertung des Museums und den Anspruch erfüllen, Weltmuseum der Druckkunst zu sein“, sagte Ebling im Mainz&-Gespräch. „Mit das Wichtigste“ sei dabei, „die Gutenberg-Bibel spektakulär zu präsentieren“. 12 mal 14 Meter groß soll der Bibelturm werden, das sei „nicht so groß, wie es von der BI gerne dargestellt wird“, sagte Ebling, der Turm werde „nicht alle Freuden und Flächen der Stadt nehmen.“ Allerdings räumte der OB zugleich auch ein, der Turm sei „nicht die einzige Antwort“ auf die Aufgabe, dem Museum mehr Fläche zu verschaffen. Der Schellbau werde aber noch deutlich in die Höhe wachsen, „das ist der Flächengewinn“, sagte Ebling.

Über Architektur „lässt sich trefflich streiten, das ist völlig normal“, sagte Ebling weiter. Aber die Stadt habe mit den Ausstellungen zum Architekturwettbewerb umfassend informiert, 5.000 Besucher hätten die Veranstaltungen besucht. „Ich kenne keine breitere Beteiligung als bei diesem Projekt“, sagte Ebling, „das hat sogar bundesweit Aufmerksamkeit erregt.“ Die Informationsführungen im kleinen Kreis zu den Bauplänen sollten im Übrigen wieder aufleben, kündigte Ebling an. Der Turm werde auch wirklich „kein monolither Betonblock werden“, versicherte Architekt Eckard Proske, sondern mit der Fassade aus durchbrochenen, bronzenen Buchstaben „eine leichte Erscheinung kriegen.“

Stadt präsentierte verbesserte Pläne und Ansichten

Die Stadt hatte eigens neue Bilder anfertigen lassen und präsentierte verbesserte Pläne für den Bücherturm, darunter auch ein kleines Modell der Buchstaben-Fassade – ein leichtes, sehr transparentes Gitterwerk. „Ich finde es ein wunderschönes Wahrzeichen, eben weil es so ungewöhnlich ist“, sagte der Vorsitzender der Gutenberg-Stiftung, Andreas Barner, zu Mainz&: „Er ist kein effizienter Museumsbau, aber das soll er ja auch gar nicht sein“, sagte Barner weiter. Der Turm werde „die Inszenierung der Kanzel und der Gutenberg-Bibel“ sein, das sei absolut faszinierend, schwärmte der Architekt Jürgen Hill, Sprecher der Initiative „Mainz für Gutenberg“.

Die Stadt präsentierte zudem neue, genauere Pläne des Bücherturms innen. – Foto: gik

Es gehe doch darum, den wertvollsten Schatz der Stadt angemessen zu präsentieren, „wir sind der Auffassung, der Turm leistet das“, sagte Annette Müller von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Der Turm sei keineswegs zu modern für den Platz, „rund um den Platz gibt es wimmelt es von unterschiedlichen Baustilen, da eine zeitgenössische Position dazu zu setzen, ist eine konsequente Entwicklung“, argumentierte sie: „Wir denken, es gibt keine stichhaltigen Gründe gegen den Turm, aber viele dafür.“

„Leute informieren sich drüben – und unterschreiben dann bei uns dagegen“

„Ich finde es schade, wenn der Platz zerstört wird“, entgegnete ihr eine Mainzerin: „Das Flair wird zerstört, eine Begegnungsstätte kaputt gemacht.“ Sie selbst habe auch Unterschriften gegen den Turm gesammelt, erklärte Sigrid Erdmann: „10 Prozent waren dafür, 90 Prozent dagegen.“ Der Turm sei „eine kalte Architektur, die hier nicht reinpasst“, die geringen Ausmaße beruhigten sie überhaupt nicht – „und die Finanzierung ist doch noch gar nicht gesichert.“

Nebenan bei der BI Gutenberg-Museum sah man das ähnlich: „Ich brauche kein überdimensioniertes Treppenhaus, und mehr ist das da doch nicht“, sagte einer. „Die Leute informieren sich da drüben – und kommen dann zu uns, um gegen den Turm zu unterschreiben“, sagte Mann. Tatsächlich erlebte Mainz& mehrere Fälle, wo genau das geschah. 600 bis 700 Unterschriften habe die BI allein an dem vergangenen Samstag gesammelt, sagte Mann, rund 7.000 seien es seit Anfang August insgesamt. 8.000 Unterschriften bräuchte die Bürgerinitiative, um ein Bürgerbegehren einzuleiten, dass auf den Listen auch Nicht-Mainzer unterschrieben, sei doch klar, sagt Mann: „Auch Auswärtige sind von der Änderung für Markt und Marktfrühstück betroffen – und wollen wir wirklich Kasteler ausschließen?“

BI und ÖDP: Es gibt keinen echten Stadtratsbeschluss pro Bau, vor Kenntnisnahme der Vorpläne

Die Bürgerinitiative Gutenberg-Museum wirbt für den Erhalt des Liebfrauenplatzes und ist gegen den Turmbau. – Foto: gik

Bis Ende September will die BI denn auch noch weitere Unterschriften sammeln, da Menschen mit einem Wohnsitz außerhalb von Mainz für das Bürgerbegehren nicht gewertet werden. Die Stadt argumentiert unterdessen, das Bürgerbegehren komme viel zu spät, da der Stadtrat im Februar den Bau bereits beschlossen habe – und die Frist von vier Monaten danach bereits um sei. „Der Stadtratsbeschluss war kein echter Beschluss pro Bau“, sagt Mann unterdessen, der Stadtrat habe lediglich den Auftrag vergeben, weiterzuarbeiten. „Der eigentliche Stadtratsbeschluss pro Bau steht noch aus“, betont Mann – so sieht es auch die ÖDP im Stadttrat: „Es gab bis heute keinen expliziten Stadtratsbeschluss, etwa ob der umstrittene Bibelturm gebaut werden soll“, betont ÖDP-Chef Claudius Moseler.

Tatsächlich heißt es in der Stadtratsvorlage für die Sitzung am 8. Februar explizit: „Die städtischen Gremien nehmen die Vorplanung der Maßnahme zur Kenntnis und beauftragen die Verwaltung auf dieser Basis weiterzuarbeiten.“ Damit habe der Rat die Baupläne fürs Gutenberg-Museum lediglich „zur Kenntnis genommen“, dieser „schwammige“ Beschluss sei „keinesfalls ein belastbarer Startschuss für den Turm und einen massiven Eingriff in das Mainzer Stadtbild“, sagt Moseler. Die ÖDP fordere eine Grundsatzdebatte mit ordentlichen Beschlüssen im Mainzer Stadtrat, „offenbar scheut man diese demokratische Debatte im Stadtrat.“

An der Stelle der Platanen würde künftig der Bibelturm errichtet. – Foto: gik

Moseler kritisiert Diffamierung des Bürgerbegehrens als undemokratisch

Man stehe „uneingeschränkt zu unserem Beschluss im Stadtrat, den Bibelturm zu bauen“, teilten hingegen Vertreter der regierenden Ampelfraktionen SPD, Grüne und FDP sowie die CDU-Opposition in einer gemeinsamen Pressemitteilung Anfang August mit. Die städtischen Gremien seien „zu jeder Zeit eng in die einzelnen Planungsphasen eingebunden“ gewesen, die Beschlüsse in den Gremien und im Stadtrat „mit überwältigender Mehrheit gefasst“ worden. Die Beteiligung der Vertreter der Stadtratsfraktionen im Architektenwettbewerb sei „eine reine Alibiveranstaltung“ gewesen, konterte hingegen Moseler – die Vertreter der Fraktionen hätten in dem nicht-öffentlich tagenden Preisgericht nämlich gar kein Stimmrecht gehabt, ebenso wenig die Vertreter der Denkmalpflege. Externe Architekten, Dezernenten und sogar Verwaltungsmitarbeiter hätten hingegen Stimmrecht besessen, „ist das demokratisch?“, fragte Moseler.

Im Übrigen sei es ausgesprochen schlechter Stil, das Bürgerbegehren nun „als undemokratisch zu diffamieren.“ Die Bevölkerung habe „im Rahmen unserer repräsentativen Demokratie jederzeit die Möglichkeit mit Bürgerbegehren zu reagieren und Beschlüsse der kommunalen Gremien zu korrigieren“, betonte Moseler. Das sieht auch die BI so: „Es sollte auch mal der Frankfurter Hof abgerissen werden, auch dafür gab es einen Stadtratsbeschluss“, sagte Mann. Wäre es damals nach dem Stadtrat gegangen, würde der Frankfurter Hof nicht mehr stehen – eine BI kippte damals die Entscheidung. „Das ist auch für uns jetzt Motivation, weiter zu arbeiten“, sagte Mann.

Brief von Bonewitz: Wir sind Mainzer – und gegen den Bücherturm

Im Rat und in der Stadtspitze registriere man offenbar „auch nicht den breiten Unmut in der Bevölkerung über dieses Projekt“, sagte Moseler. Dazu passt zumindest eine Wortmeldung von niemand Geringerem als dem Kabarettisten und Ur-Mainzer Herbert Bonewitz: Es sei „gutes demokratisches Recht, wenn sich Bürgerinitiativen bilden, um sich für oder gegen öffentliche Projekte einzusetzen“, schrieb Bonewitz in einem Leserbrief an die Allgemeine Zeitung.

Kritikwürdig fand der Ur-Mainzer aber offenbar den Umgang damit: Es könne nicht sein, dass solche Initiativen „diffamiert“, ihre Vertreter als „spießig, banausenhaft und rückständig“, abqualifiziert würden, rügte Bonewitz – oder dass gar eine Initiative mit dem Namen „Mainz pro Gutenberg“ suggeriere, sie vertrete ganz Mainz, und jeder, der den Bücherturm ablehne, sei gegen Gutenberg. „Meine Frau und ich sind zweifellos Mainzer und haben uns schon immer für Gutenberg eingesetzt“, schreibt Bonewitz weiter: „Dennoch erlauben wir uns zu erklären, dass dieser ‚Bücherturm‘ in keinster Weise unserem ästhetischen Empfinden entspricht und dass der Liebfrauenplatz eine attraktivere architektonische Lösung verdient hätte.“

Info& auf Mainz&: Mainz& hat ausführlich über die Pläne für den Bücherturm am Gutenberg-Museum berichtet – einen Bericht über die Vorplanung findet Ihr hier, einen über die Auftragsvergabe und Entscheidung pro Turm hier und den Ausgangsbericht über den Architekturwettbewerb hier. Über die Kritik am Turm und die Gründung der BI berichten wir in diesem Artikel, die Bedenken der Denkmalpfleger hier. Die Bürgerinitiative Gutenberg-Museum findet Ihr auf einer neu gestalteten Homepage hier – nun sehr übersichtlich und verständlich hier. Informationen über die Unterschriftenlisten findet Ihr genau hier – weil unsere Leser danach gefragt haben. Und weil das auch gefragt wurde: Es gibt keine Möglichkeit, online zu unterschreiben.

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

11 Kommentare

  1. Dini Dienstag, 29. August 2017 at 9:20 -  Antworten

    Warum hat es eigentlich so lange gedauert, eine Unterschriftenaktion in die Wege zu leiten? Es wurde ja von dem Beschluss im Februar berichtet -auch hier-, die Fristen sind bekannt. Hätte man nicht schon im Frühjahr aktiv werden müssen, unabhängig davon, ob es sich nun um einen rechtskräftigen Beschluss handelt oder nicht? Und warum findet keine Unterschriftenaktion online statt oder ist das durch die Angabe des Wohnsitzes nicht umsetzbar?

    Wo kann man seine Unterschrift abgeben? Wäre jedenfalls noch interessant zu wissen, meine es jetzt nicht im Artikel gelesen zu haben.

    • Gisela Kirschstein Dienstag, 29. August 2017 at 9:31 -  Antworten

      Hallo Dini, leider darf man online nicht für ein Bürgerbegehren unterschreiben, das muss man persönlich tun. Und klar hätte man Früher Unterschriften sammeln können, wahrscheinlich müssen. Aber da ist die BI eben micht in die Gänge gekommen… Unterschreiben kann man jeden Samstagmittag vor dem Gutenberg-Museum.

      • Dini Dienstag, 29. August 2017 at 14:19 -  Antworten

        Dankeschön, dann muss ich Samstag wohl mal nach Mainz rein! Wäre trotz aller Widrigkeiten klasse, wenn sich noch etwas erreichen lassen würde, denn für ein „Treppenhaus“ für knapp 5 Millionen kann ich mich leider auch nicht erwärmen.

  2. Heike Dienstag, 29. August 2017 at 14:52 -  Antworten

    Hallo Dini, unterschreiben können Sie Samstags (10 bis 14 Uhr) am Stand der BI am Liebfrauenplatz, aber z.B. auch im Tabacasa am Liebfrauenplatz, unter der Woche. Über die Stadt sind auch weitere Sammelstellen verteilt. Ihre Unterschrift wird benötigt und gibt Ihrer Meinung poltisches Gewicht! Vielen Dank für Ihre Mühe!

  3. Guido FInk Donnerstag, 31. August 2017 at 20:14 -  Antworten

    Wie die Stadt diesen Turm planen und bauen will ist mir ein absolutes Rätsel.
    Es ist kein Geld da um die Brunnen zu betreiben, hierfür sollen die Bürger spenden weil die Kassen leer sind, aber für den Bibelturm ist das alles kein Problem.

    In den Mainzer Schulen fehlt es an allem, teilweise muss in Containern unterrichtet werden, lange versprochene Turnhallen werden nicht gebaut oder deren Errichtung massiv verschleppt. Es fehlt für die Renovierung der Toiletten, einfache Dinge wie Klobrillen und Toilettenpapier sind nicht finanzierbar usw.

    Und dann Millionen für so was, unfassbar.

    Und die Befürworter mit diesen Argumenten angesprochen reagieren sehr aggressiv mit den Worten. „…Wenn Sie von Kunst nichts verstehen…“ und „…das zieht Touristen aus aller Welt an…“

    Naja, schöne Brunnen und gepflegte Grünanlagen ziehen die Touristen sicher auch an.

    Wie wäre es denn wenn dieser Turm über Spendengelder finanziert wird, da kann die PRO Bibeltum BI mal zeigen was sie können und was den wirklichen Kennern die Kunst Wert ist.

  4. leon mendorf Freitag, 1. September 2017 at 7:12 -  Antworten

    Wird es jetzt ein Bücherturm (allgemeingültig für alle Bücher) oder ein Bibelturm?

    • Gisela Kirschstein Freitag, 1. September 2017 at 10:21 -  Antworten

      Es wird ein Bibelturm, nur für die Gutenberg-Bibeln, nicht allgemein für Bücher. Wir haben den Terminus Bücherturm weiter verwendet, weil er bekannter ist, aber dabei nicht bedacht, dass das vereirren kann… Danke für den Hinweis! Ändern wir künftig!

  5. Heinz-Geoorg Diehl Freitag, 1. September 2017 at 15:44 -  Antworten

    Ich bin Mainzer – und für den Bibelturm!
    Jeder soll seine Meinung äußern können, das ist doch klar! Aber man muss zum Schluss auch die Mehrheit akzeptieren, das ist Demokratie. In unserer verfassten Demokratie entscheiden die gewählten Vertreter des Volkes letztendlich. Und das ist in der Stadt der Stadtrat. Aber zur Sache ist auch folgendes zu sagen:
    Der Marienplatz besteht aus einer Folge von historisch unterschielichen Bauten. Da ist der romanische Dom, die barocken Domhäuser, gegenüber ein stehen gebliebes Haus aus den Gründerjahren, das Eckhaus mit dem Lotto Geschäft ist ein Nachkriegsbau, dann kommt die Renaissancefassade des Römischen Kaisers mit der seitlich angebauten Altdeutschen Weinstube aus dem ausgehenden Mittelalter. Schräg gegenüber steht der Neubau von Hinz und Kunz, auf der anderen Seite ein noch neuerer Neubau, in der Folge die von den Preußen errichtete Hauptwache zwischen Kassik und Biedermeier, dann das Bischofshaus im Kontrast zum Dom. Mainz ist eben im Gegensatz zu Rotenburg ob der Tauber keine in einer bestimmten historischen Situation fixierte Museumsstadt. Der Reiz liegt in der Vielfalt, an der die Mainzer Geschichte ablesbar ist. Und dazu gehört auch der Bibelturm. Wie ein Ausrufunszeichen für das historische Werk Gutenbergs ragt er hervor und ist doch gleichzeitig auch ein Dokument des 21. Jahrhunderts auf diesem Platz. Mainz lebt auf seinen Plätzen! Auch architektonisch.

  6. Thomas Mann Samstag, 2. September 2017 at 17:12 -  Antworten

    „D E N“ Beschluss des Stadtparlaments gibt es gar nicht. Von wegen, es wäre zu spät und es gäbe einen Mehrheitsbeschluss! Man hat seitens des Stadtrates lediglich der Verwaltung grünes Licht gegeben, dass sie eine endgültige Entscheidung verwaltungsmäßig weiterhin vorbereiten kann. Zu einer richtigen formgerechten Vorlage gehören Angaben zu der finanziellen Situation und vor allem die Beschreibung dessen, was passiert, wenn die Verwaltungsvorlage nicht angenommen wird.
    Von den denkmalpflegerischen Belangen hören wir gar nichts. Es geht bei der Platzgestaltung um gesetzliche Vorgaben. Das Landesdenkmalsamt ist der Öffentlichkeit bis heute eine Antwort schuldig geblieben.
    War nicht auch die ursprüngliche Ausgangslage die Brandschutzmaßnahmen für den Schellbau? Aussage von Frau Grosse gegenüber der BI in einem persönlichen Gespräch vom April 2016. Man fing mit dem Thema „Brandschutz im Museum“ an und landete beim Bau des Bibelturms. Gibt denn die gegenwärtige Finanzsituation der Stadt ein solches Vorgehen überhaupt her, ohne das die Mittel für den Brandschutz zweckentfremdet verwendet werden?
    Leider bleiben die Stadt und die Befürworter bis heute die Antworten schuldig.

  7. Heike Montag, 4. September 2017 at 20:57 -  Antworten

    Sehr geehrter Herr Diehl,

    mit Ihrem Totschlagsargument der architektonischen Vielfalt könnte man ohne Weiteres auch absolut nutzlose Bauwerke rechtfertigen.

    Um ein solches handelt es sich hier:

    Der Bibelturm ist bei nüchterner, realistischer Betrachtung nichts weiter als ein umbautes Treppenhaus ohne Fenster und ohne Eingang zum Platz.
    Der Turm ist vom Besucher nur über einen unterirdischen Gang erreichbar und soll so auch wieder verlassen werden. Dieser derart enge, überhohe Turm, der über 8 Geschosse – vom Durchschnittstourist leistbar?- bestiegen werden soll und in dem es oberirdisch überhaupt nichts zu sehen gibt, was bislang der Erwähnung wert gewesen wäre, nicht einmal Aussicht (im Sinne des allgemeinen Sprachgebrauchs),
    kann doch den ursprünglichen Zweck, der den Stadtratsmitgliedern verkauft wurde, gar nicht erfüllen, den Schellbau von größeren Besuchergruppen zu entlasten. Selbst der Laie, der sich den Schnitt ansieht, erkennt das Unverhältnis zwischen Nutz- und Erschließungsfläche! Im neuen Flyer der Stadt, der am Samstag am Infostand der Stadt verteilt wurde, fehlt der Schnitt allerdings.
    Warum wohl?

    Und die Gutenbergbibeln, die künftig im Keller des Turms lagern sollen, sind im Tresorraum des Schellbaus m. E. viel besser aufgehoben.

    Eine neue Attraktion beherbergt der Turm also nicht. Die Prognosen über steigende Besucherzahlen sind reine Luftschlösser, da Touristen wegen historischer Sehenswürdigkeiten nach Mainz kommen und eher das Haus des römischen Kaisers fotografieren als ein weiteres Zeichen der baulichen Monotonie des 21. Jahrhunderts.

    Mainz lebt auf seinen Plätzen? Von wegen. Der bei Bürgern und Touristen überaus beliebte Liebfrauenplatz (nicht: Marienplatz) wird nach den Plänen der Stadt in der mehrjährigen Bauzeit gerade nicht mehr „leben“, sondern einem Kahlschlag unterzogen. Dies wird bisher tunlichst verschwiegen und auf die geringen Platzbedarf des Turms verwiesen.

    Schauen Sie sich die Pläne im Museumsfoyer einmal an: Die Riesenbaustelle erfasst den gesamten Platz und macht nicht einmal vor den Bäumen vor dem Hinz und Kunz halt.
    Und den Bürgern wird vorgegaukelt, dass nur ein paar Platanen direkt neben dem Turm gefällt werden.

    Das Marktfrühstück und damit ein sichtbares Bekenntnis zur Mainzer Lebensart kann dann nicht mehr in dieser Oase abseits vom hektischen Strom der Stadt, inmitten von Blumen und eingesäumt von Bäumen, die natürlichen Schatten spenden, stattfinden, sondern dann eben neben einem hohen Turm auf einem kahlen Platz mit einer Fassade aus Edelmetall an deren Einmaligkeit und filigranen Lichtdurchlässigkeit die Befürworter sich zwar berauschen, deren Blendwirkung aber ebensowenig bedacht wurde wie deren Stabilität.
    Der kahlgeschlagene Platz, den unser Stadtrat auf dem Gewissen haben wird, wird dann schon wegen der fehlenden Schmuckbepflanzung und wegen der fehlenden Bäume eine Atmosphäre vermitteln, die an das Brandzentrum erinnert.

  8. T. Baader Dienstag, 5. September 2017 at 18:43 -  Antworten

    @ Herr Diehl:
    „In unserer verfassten Demokratie entscheiden die gewählten Vertreter des Volkes letztendlich. Und das ist in der Stadt der Stadtrat.“

    Aber auch Bürgerbegehren sind in der Verfassung eindeutig vorgesehen. Somit ist das eine nicht weniger demokratisch als das andere. Ich denke daher, diesen Teil der Debatte können wir uns sparen, das sind Spiegelfechtereien, die nirgendwo hinführen.

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