Stummfilm-Konzert zu Film „Luther“ von 1927 mit eigens komponierter Live-Filmmusik in der Altmünsterkirche

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Vor dem Altar steht eine Leinwand. An der Orgel sitzt Stephan von Bothmer. Musik und Film spinnen ein Abenteuer durch längst vergessene Emotionen. Diese spannende Atmosphäre will der Komponist und Pianist Stephan von Bothmer in der Altmünsterkirche Mainz kreieren, wenn er am Freitag, den 24. März, den rekonstruierten Stummfilm „Luther“ live vertont. Die Filmmusik lässt die erhabenen Szenen strahlen, aber auch die tiefen Momente ausloten, verspricht Altmünster-Pfarrer Hendrik Maskus. Gerade rechtzeitig zum 500. Reformationsjubiläum hat das Bundes-Filmarchiv die Verfilmung von Luthers Leben aus dem Jahr 1927  nach langjähriger Arbeit wieder rekonstruiert und restauriert. Von Bothmer hat dazu eine neue packende Live-Filmmusik komponiert. Im Anschluss an das Stummfilm-Konzert findet ein Gespräch mit dem Künstler und dem Mainzer Dekan Andreas Klodt über den Film und das Lutherbild von heute und damals statt.

Stephan von Bothmer mit Luther an der Kirchenorgel – Foto: Films-Filmmuseum

Die Biopic „Luther“ zeigt dessen Leben aus der Perspektive von 1927: Begonnen mit Luthers Studienzeit der Rechtswissenschaften ist das Gewittererlebnis ein erster Wendepunkt seines etappenreichen Lebens, als ein Blitz neben ihm einschlägt, er in Todesangst ein Gebet an die Heilige Anna spricht und sich wünscht, Mönch zu werden. Nachdem zwei Wochen später das »Schwarze Kloster« der Augustinermönche ihn in ihren Orden aufnehmen will, erzählt der Film Luthers Leben als Mönch, seinen Zweifeln und den exzessiven Bibelstudien sowie von der Konfrontation mit dem Ablasshandel. Luther kritisierte stark den Handel mit Ablassbriefen, die zum Teil Preise von einem Monatsgehalt hatten. Der Doktor der Theologie schlug auch deswegen am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche. Nachdem er auch vor dem Reichstag in Worms seine Lehren nicht widerrufen wollte, geht die Verfilmung weiter auf die Reichsacht, die Bibelübersetzung auf der Wartburg sowie auf Luthers Heimkehr nach Wittenberg ein.

Von Bothmer vertonte schon über 600 Stummfilme live

Der Stummfilmpianist von Bothmer hat bisher schon über 600 Stummfilme vor mehr als 110.000 Gästen vertont. Der Künstler hat sich in Deutschland und international einen Namen gemacht, spielt seine Konzerte auf fünf Kontinenten in Konzerthäusern und Theatern. Seit nunmehr zehn Jahren beschäftigt sich von Bothmer mit Stummfilmen, gibt aber darüber hinaus auch Meisterkurse und Workshops für Kinder in verschiedenen Ländern. Der Niedersachse aus Rotenburg an der Wümme hat auch schon Fußballspiele mit Orgelmusik untermalt: Bei der Europameisterschaft 2016 lief das Bild auf der Leinwand und von Bothmer interpretierte die Ereignisse beim Public-Viewing. Beim Berlin-Festival spielte er unter anderem neben den Pet Shop Boys und gestaltete den ersten Stummfilm-Gottesdienst in Berlin mit Szenen aus dem Spielfilm „Metropolis“.

Pianist von Bothmer interpretiert an der Orgel Szenen aus dem Luther-Stummfilm von 1927. – Foto: Wilhelms-Filmmuseum

Seine Stummfilm-Konzerte sind die erfolgreichsten Aufführungen ihrer Art in Deutschland. Im Januar war die Premiere der restaurierten Luther-Fassung, seitdem tourt von Bothmer durch Deutschland und gibt auch zwei Konzerte in Armenien. Für das Rhein-Main-Gebiet ist die Aufführung in Mainz die einzige Chance, den Star der passenden Orgeltöne zu erleben und zu sehen, auf welche Art und Weise er die einzelnen Szenen und auch weitreichenden Entscheidungen Luthers interpretiert. Von Bothmer möchte nämlich mit seine Orgelklängen auf moderne Weise verdeutlichen, dass Luther eine Person mit mutigen Entscheidungen, aber auch voller Ängste und Emotionen war. Laute und leise, schnelle und langsame Klänge untermauern die turbulenten und revolutionären Geschehnisse im Film.

Turbulenzen bei Uraufführung des Luther-Stummfilms 1928

Die Regie zum Film führte 1927 Hans Kyser, ein Drehbuchautor, der sich nur bei diesem Film an die Regiearbeit wagte. Außerdem schrieb er zum Beispiel das Drehbuch zu „Faust – eine deutsche Volkssage“ aus dem Jahr 1926. Zu den verschiedenen Hell-Dunkel-Techniken im Luther-Film haben ihn die barocken Maler inspiriert. Die aufwändige Restaurierung macht diese Licht-Schatten-Wirkung erstmalig wieder erlebbar. Bei den ersten Aufführungen nach der offiziellen Premiere des Films 1928 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der katholischen und evangelischen Kirche und sogar zu Prüfungen der Zensurbehörde.

Das Stummfilm-Konzert ist sicher ein Highlight zum 500. Reformationsjubiläum, das auch in Mainz ausgiebig gefeiert wird. Bis zum Reformationstag am 31. Oktober gibt es Dutzende Veranstaltungen rund um das Leben und Wirken des Reformators. In Mainz war der Reformer aber nie, vielleicht weil hier einer seiner Feinde saß: Erzbischof Albrecht von Mainz war es auch, der Luther vor den Reichstag nach Worms zitierte.

Info& auf Mainz&: Am Freitag, 24. März 2017, um 19.30 Uhr, spielt Stephan von Bothmer sein Stummfilm-Konzert zum Film „Luther“ von 1927 in der Altmünsterkirche Mainz, Münsterstraße 25. Tickets gibt es an der Abendkasse ab 18.30 Uhr im Foyer der Kirche für 14,- Euro. Mehr zur Veranstaltungsreihe „StummfilmKonzerte“ könnt Ihr auf dieser Internetseite nachlesen. Was sonst noch so im „Lutherjahr 2017“ passiert und was dahinter steckt, erfahrt Ihr hier bei Mainz&, das vollständige Stadt in Mainz zum Lutherjahr gibt’s hier bei der Stadt Mainz. Zum Rosenmontagsumzug gab es zudem einen übergroßen Luther auf einem Motivwagen zu sehen – mehr dazu auf dieser Mainz&-Seite zum Nachlesen.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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