Unfallzahlen an Blitzer-Spots nicht gesunken – Fast eine Million Euro in 2015 eingenommen

Alles&, Verkehr & andere Baustellen 1 242

Die Stadt Mainz hat 2015 durch Geschwindigkeitskontrollen fast eine Million Euro eingenommen. Wie eine Antwort der Stadt auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Stadtrat ergab, nahm die Stadt zwischen Januar und Dezember 2015 genau 964.586,39 Euro durch Blitzer ein. Im Januar 2016 waren es bereits 144.257,89 Euro – fast so viel, wie in drei Monaten Ende 2014 zusammen, da flossen von Oktober bis Dezember genau 193.892,78 Euro durch Blitzer in die Stadtkasse. Die Unfallzahlen sind an den Blitzer-Hotspots unterdessen nicht gesunken – im Gegenteil: An 12 von 20 Stellen stiegen die Unfallzahlen 2015 sogar noch an.

Blitzer stationär mit Tempo 30 Schild - Foto Bussgeldkatalog.org

Stationärer Blitzer – Foto: BUssgeldkatalog.org

Im März 2011 hatte die Stadt Mainz die Aufgabe der Geschwindigkeitskontrollen von der Polizei übernommen – eigentlich, um an Gefahrenschwerpunkten für die Verkehrssicherheit zu sorgen. Schulen, Kindergärten, Unfallschwerpunkte – das waren eigentlich die Stellen, an denen Blitzer besonders stark auf Einhaltung drängen sollten. Nun zeigt sich: Die Stadt blitzte verstärkt auch auf weiten Strecken wie der Saarstraße oder in wenig befahrenen Nebenstraßen.

Stadt blitzte besonders viel im Landwehrweg, Rheinallee, Ritterstraße

Wir hatten ja schon das Gefühl, dass im Landwehrweg besonders viel geblitzt wird – wir hatten Recht: Der Landwehrweg gehört zu den absoluten Top-Blitzer-Positionen in Mainz. Ebenso dazu gehören etwa die Rheinallee am Zollhafen, die Grabenstraße, die Geschwister-Scholl-Straße, die Saarstraße, die Straße An der Bruchspitze, die Ritterstraße sowie die Rheinallee Höhe Bundeswehr-Standortverwaltung.

Die Auswahl wirft Rätsel auf: Wieso etwa wird ausgerechnet in der doch sehr ruhigen Ritterstraße im Edelviertel in der Oberstadt so häufig geblitzt? Oder in der Straße Zur Laubenheimer Höhe? Denn die CDU hatte in ihrer Anfrage auch gefragt, wie viele Unfälle es denn wohl an diesen Stellen gegeben habe? Viele Bürger beklagten sich, „dass sehr häufig Geschwindigkeitsmessungen auf Straßen stattfinden, wo offenkundig kein Gefahren- bzw. Unfallschwerpunkt liegt“, begründete die CDU ihre Frage.

Und tatsächlich: In der Ritterstraße gab es 2015 keinen einzigen Unfall, im Jahr davor waren es genau zwei. In der Straße Zur Laubenheimer Höhe waren es in drei Jahren genau 8 Unfälle, in der Grabenstraße – auch ein Blitzerschwerpunkt – gab es 2015 ganze fünf Unfälle. „Die Polizei bestätigt uns immer wieder, dass die von der Stadt Mainz durchgeführten Geschwindigkeitskontrollen zu einer spürbaren Geschwindigkeitsreduzierung im gesamten Stadtgebiet geführt haben“, wehrt sich die Stadt, die Zahl der Schwerverletzten bei Unfällen habe sich hierdurch reduziert.

Blitzer an Landstraße - Foto Radarfalle.de

Mobile Blitzanlage – Foto: Radarfalle.de

Zahl der Unfälle stieg bei mehr als 50 Prozent der Blitzer-Hotspots

Interessanterweise aber hat sich die Zahl der Unfälle durch die Blitzer keineswegs reduziert – im Gegenteil: An 12 der 20 häufigsten Blitzerstellen stieg die Zahl der Unfälle von 2014 auf 2015 sogar an. So kam es an der Rheinallee Höhe Zollhafen 2014 zu 251 Unfällen, 2015 waren es schon 270. In der Geschwister-Scholl-Straße stieg die Zahl der Unfälle gar von 54 in 2014 auf 72 in 2015. An der Bruchspitze gab es 2015 insgesamt 15 Unfälle, 2014 waren es nur 9 gewesen. Und an der Laubenheimer Höhe krachte es 2015 vier Mal – 2014 gab es hier nur einen Unfall.

Einen deutlichen Unfallrückgang gab es dagegen an der Wallstraße, hier sank die Zahl von 55 in 2015 auf 46 in 2015. In der Grabenstraße waren es 2015 zwei Unfälle weniger als im Vorjahr – und in der Ritterstraße wurden aus 2 Unfällen in 2014 gar keiner in 2015. An der Saarstraße übrigens gab es 2014 insgesamt 81 Unfälle, 2015 waren es 79 – obwohl hier fleißig geblitzt wurde. Die stetig wiederkehrende Behauptung der Stadt, durch das Blitzen würden Unfallschwerpunkte entschärft muss also zumindest hinterfragt werden. Beinahe könnte man ja vermuten, die Unfallzahlen stiegen durch das Blitzen erst an – etwa weil Autofahrer erschreckt auf die Bremse steigen.

Insgesamt nahm die Stadt zwischen Oktober 2014 und Ende Januar 2016 – nach dem Zeitraum hatte die CDU gefragt – rund 1,3 Millionen Euro durch Blitzer ein – genau waren es 1.302.737,06 Euro. Dem stellt die Stadt aber üppige Kosten von knapp 1,2 Millionen Euro – genau 1.193.006,81 Euro – entgegen. Das seien 271.748,25 Euro an Sachkosten sowie rund 920.000 Euro an Personalkosten. Zwischen dem 1. Oktober 2014 und dem 31. Januar 2016 seien so nämlich 13.316 Personalstunden Außendienst sowie 4.992 Arbeitsstunden im Innendienst angefallen, die pro Stunde mit einem „Arbeitsrichtwert“ von 50,32 Euro vergütet, ergebe die genannten Werte.

Damit hätte die Stadt seit Oktober 2014 einen Reinerlös von genau 109.730,25 Euro durch Geschwindigkeitskontrollen gemacht – sofern die Personalstunden auch tatsächlich mit dem Arbeitsrichtwert vergütet wurden.

Info& auf Mainz&: Braucht Mainz einen Masterplan Verkehr? Das forderte die CDU am Mittwoch im Stadtrat – die Ampel-Koalition lehnte ab. Mehr dazu lest Ihr in diesem Mainz&-Artikel.

Anbei dokumentiert Mainz& die Aufstellungen der Stadt Mainz auf die Anfrage der CDU.

Vom 01.10.2014 bis zum 31.01.2016 wurden an folgenden Standorten am häufigsten geblitzt:
Nr.  Messstellen
1 Rheinallee zwischen Bahnhof Mainz-Nord und gegenüber Zollamt
2 Landwehrweg zwischen Stahlbergstraße und Haus-Nr. 56
3 Grabenstraße zwischen Weserstraße und Ölwiesenstraße
4 Geschwister-Scholl-Straße vor Haus-Nr. 4 / Einfahrt Grünamt
5 Suderstraße zwischen Auf der Langen Lein und Am Obstgarten
6 Saarstraße Höhe Kantstraße
7 Wallstraße zwischen Hausnummer 54 und Hausnummer 12
8 Erzberger Straße Höhe Schwimmbad
9 An der Bruchspitze zwischen Haus-Nr. 53 und Carl-Goerdeler-Straße
10 Wormser Straße unter Fußgängerbrücke
11 Ritterstraße zwischen Welschplatz und Neumannstraße
12 Am Fort Elisabeth zwischen Jägerstraße und Kinderhaus / Fußgängerampel
13 Rheinallee Höhe Baum 114 / geg. Standortverwaltung Bundeswehr
14 Industriestraße zwischen Sauerwiese und Haus-Nr. 16
15 Albert-Stohr-Straße Höhe HNr. 49
16 Am Sportfeld zwischen Maler-Becker-Straße und Kirchstraße
17 Rheinallee vor Standortverwaltung Bundeswehr / geg. Baum 114
18 Peter-Altmeier-Allee Höhe Theodor-Heuss-Brücke
19 Zur Laubenheimer Höhe zwischen Am Kühborn und Hinterm Rech
20 Salvatorstraße Höhe Zitadellenweg

Und hier die Zahl der Unfälle an den jeweiligen Orten:

Unfälle an Blitzer Hotspots in Mainz

 

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

1 Kommentar

  1. matthias Mittwoch, 16. März 2016 at 23:13 -  Antworten

    ich habe ja noch nie verstanden, warum man sich über die kontrollen beschwert – so lange sie erfolgreich sind, also übertretungen messen, sind sie doch richtig? interessant wird es doch erst dann, wenn gemessen wird, wo keine verbotenen geschwindigkeiten gemessen werden – dann kann man zu recht fragen, wofür das gut sein soll …

Kommentar verfassen

Werbung

Ihre Werbung auf Mainz&

Kauf mir ’n Glas Wein!

Wein ist das Lebenselixier von Mainz & Rheinhessen – und für Mainz&. Wir lieben Wein, und bei einem guten Glas arbeitet es sich noch mal so gut. Kauf Mainz& 'n Glas Wein, und hilf uns, nicht auf dem Trockenen zu sitzen!

Mainz & Du

Du hast einen Wunsch, eine Frage, eine Idee?
Wir freuen uns auf Dich!
Am besten per Email unter:
info@mainzund.de