Urban Gardening – Gärtnern mitten in der Stadt – Serie Teil 3

Alles&, Drinnen & Draußen 1 1358

Mainz ist ja nicht die grünste aller Städte, und in den Studien über die Stadt wird immer wieder als Kritikpunkt genannt: Mainz hat zu wenig Grün. Umso wertvoller sind die Ecken, wo es – manchmal versteckt – Grünes zwischen den Häusern gibt. Eine solche „Ecke“ wird nun seit einem Jahr besonders gehegt und gepflegt: in einem Hinterhof in der Mainzer Neustadt wachsen seit einem Jahr Radieschen und Tomaten, Kartoffeln, Zucchini und Pastinaken. Urban Gardening heißt die Bewegung, das Phänomen breitete sich seit 2004 von London aus in die ganze Welt aus.

So fing alles an - Urband Gardening im April 2013 - Foto gik

 Serie „Natur in der Stadt“, Teil 3

Mehr Natur in die Stadt zurückholen, hässliche, kahle Ecken bepflanzen und wieder einen Bezug zur Herstellung von Lebensmitteln schaffen, das sind die Ziele der Urban Gardening Bewegung. Rund 40 Leute stark ist die Mainzer Gruppe, die seit mehr als einem Jahr nun eine gut 350 Quadratmeter große Fläche in dem Neustadt-Innenhof bepflanzt. Die Fläche ist durch eine große Hofeinfahrt frei zugänglich, die Stadt Mainz stellte das Gelände zwischen den hohen Mauern zur Verfügung und steuert auch Erde und Kompost bei.

Umgraben, Säen, Ernten - Urban Gardening - Foto gik

Umgraben, Säen, Ernten – Urban Gardening – Foto gik

„Wir sind alle keine erfahrenen Gärtner“, sagt ein Teilnehmer bescheiden, und schwingt die Hacke. Jeden Samstag treffen sich die Urban Gardener zur Pflege des Geländes. Es wird gehackt und gesät, neue Hochbeete für die Kräuter gebaut – und natürlich viel gequatscht. Gemeinsamkeit ist den Gärtnern wichtig. „Die Leute zu sehen, Pläne zu schmieden, Dinge aus dem Nichts entstehen zu lassen“, sagt Susanne, das sei ihre Motivation. „Es erdet einen“, sagte Natalie, das Gärtnern sei ein super Ausgleich zu ihrem Bürojob, wo man eben am Ende des Tages nicht sehe, was man geschaffen habe.

Manche der Gärtner wohnen direkt in den umliegenden Häuserns, andere ein paar Straßen weg. Junge Familien sind dabei, die ihren Kindern zeigen wollen, „dass das Gemüse nicht im Supermarkt wächst.“ Die Bandbreite ist groß, im Garten wachsen Möhren und Mangold, Spitzkohl, rote Beete, Bohnen und Spinat.

Urban Gardening mit Frau im April 2014

Es grünt und wächst: Urban Gardening in der Neustadt – Foto: gik

Einen Komposthaufen richtete die Gruppe ein, baute Umzäunungen für Beete und die Hochbeete für die Kräuter – dort sind die Pflanzen einfacher zu pflegen, und sie sind geschützter vor Tieren. Spannend war nämlich auch die Frage, ob die Neustädter das Projekt respektieren würden.

Hochbeete für die Kräuter - Urban Gardening - Foto gik

Hochbeete für die Kräuter – Urban Gardening – Foto gik

„Geklaut wurde schon“, sagt Susanne: „Sachen wie die Kürbisse haben wir nie gesehen.“ Vandalismus gab es aber keinen, auch die Hundehalter lernten schnell, ihre vierbeinigen Gefährten eben nicht zum Geschäft in den Hof zu schicken.Und so können sich die urbanen Gärtner schon mal auf neue landwirtschaftliche Entdeckungen in 2014 freuen – und wir uns auch!

 Info& auf Mainz&: Mehr zum Urban Gardening in Mainz gibt es auf einer eigenen Homepage zum Projekt, dem Gartenfeld Mainz. Das Projekt ist weiter offen für alle Neugierigen – einfach vorbei schauen! Zum Ursprung der Idee geht man am besten auf die Homepage des Erfinders des Guerilla-Gardenings, dem Briten Richard Reynolds. Eine Geschichte über Guerilla Gardening und die Anfänge des Mainzer Neustadt Gardenings könnt Ihr hier lesen.

In der Mainz&-Serie „Natur in der Stadt“ sind bereits diese Artikel erschienen:

 

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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