Freitag Vortrag zum Alten Dom in Mainz – Experten tagen zu Forschungsergebnissen aus der Johanniskirche

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Der Alte Dom in Mainz ist ja eine der spannendsten Ausgrabungsstätten überhaupt, nun treffen sich renommierte Forscher zu einer Expertentagung, um die bisherigen Funde zur Geschichte der Johanniskirche zu bewerten. Freitag und Samstag findet die Tagung statt, und am Freitagabend ist die Öffentlichkeit zu einem aktuellen Vortrag im Mainzer Rathaus eingeladen. Der wissenschaftliche Forschungsleiter Guido Faccani gibt dann einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Alten Dom. Wie man heute weiß, wurde der Grundstein für die damals enorme Kirche zwischen 640 und 680 gelegt, die heutige evangelische Johanniskirche war die Bischofskirche so berühmter Vertreter wie des Heiligen Bonifatius, mehrere deutsche Könige wurden hier gekrönt.

Blick in die Johanniskirche: Der Fußboden, ein einziges Grabungsfeld. – Foto: gik

Seit 2013 graben sich die Forscher im Inneren der Johanniskirche durch das Erdreich nach unten, bis zu vier Meter tief ist der Boden der Kirche aufgerissen. Eigentlich wollte die Gemeinde des von außen unscheinbaren Baus nur eine Fußbodenheizung einbauen, dabei machte sie den Fund ihres Lebens: eine der ältesten in ihren Grundformen erhaltenen Kirchen Deutschlands. Der Bau geht zurück auf die Zeit der Merowinger, bis in 16 Metern Höhe reichen bis heute die Originalmauern aus jener Zeit. Dazu förderten die Ausgräber eine enorme Vielzahl von Fundstücken zutage: Kacheln, Gräber, Austernschalen, Boulekugeln, sogar ein ganzes Alchimistenlabor wurde in der Kirche gefunden. Im Juli präsentierten die Forscher das 100.000 Fundstück, und noch immer gehen die Ausgrabungen weiter. Bis Jahresende dürfen die Archäologen noch den Untergrund der Kirche erforschen, im Juli hofften sie noch darauf, wenigstens das Grab eines früheren Erzbischofs zu finden.

„Unscheinbare Kirche mit großer Vergangenheit“ heißt denn auch der Titel des Vortrags an diesem Freitagabend. In den Vortrag sollen auch die Erkenntnisse des Symposiums einfließen, bei dem das Grabungsteam ausgewählte Themen und Fundmaterialien mit internationalen Experten der Fachgebiete Archäologie und Kunstgeschichte diskutieren will. Dabei werde es um archäologische Themen gehen, aber auch um Architekturgeschichte und natürlich die Funde selbst. Die heutige Johanniskirche blieb bis zum Bau des Willigisdomes 1036 die zentrale Bischofskirche von Mainz und wurde auch danach noch als bedeutendes Kirchenbauwerk benutzt. Unter anderem war er mit einem Wandelgang mit dem Willigis-Dom verbunden, auch im Mittelalter noch war der Alte Dom ein wahrer Prachtbau.
Das Bewusstsein für die Bedeutung der Kirche schwand in der Neuzeit: 1793 war die Johanniskirche von den Franzosen säkularisiert worden und diente 30 Jahre lang wohl als Stroh- und Heulager, zunächst den Franzosen, anschließend dem Deutschen Bund – der „Alte Dom“ geriet in Vergessenheit. Im Mai 1828 erhielt die Evangelische Kirche den Bau, nach zweijähriger Umbauphase wurde St. Johannis zu einer evangelischen Kirche. Mehrfach wurde der Kirchenbau noch umgebaut, brannte im Zweiten Weltkrieg zum Teil auch aus. Bis 1948 wurde sogar immer mal wieder ein Abriss der Kirchenruine diskutiert – zugunsten eines Parkplatzes oder für einen Rathausneubau. 1949 entschied man sich jedoch für den Erhalt und Wiederaufbau als Kirche – so blieb ein wichtiges Zeugnis der Mainzer Stadtgeschichte erhalten.
Info& auf Mainz&: Der Vortrag zum Alten Dom „Unscheinbare Kirche mit großer Vergangenheit“ findet am Freitag, den 20. Oktober 2017, um 19.00 Uhr statt, Dauer: bis 22.00 Uhr. Ort: Ratssaal im Mainzer Rathaus, der Eintritt ist frei. Mehr zu den Ausgrabungen und der Geschichte von St. Johannis lest Ihr hier bei Mainz&, ausführliche Informationen zur Kirche und ihrer Erforschung gibt es auf dieser Internetseite.

Über den Autor / 

Gisela Kirschstein

Gisela Kirschstein ist die Erfinderin von Mainz&, langjährige Journalistin, Filmemacherin & Buchautorin. In Mainz zuhause, schreibt sie am liebsten Geschichten über Menschen, Wein & Kurioses, und frönt im Hauptberuf ihrer Leidenschaft als politische Korrespondentin, in Hessen & Rheinland-Pfalz. Bekannt ist sie seit 1997 unter dem Kürzel gik.

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