Ihr habt Euch ja vielleicht schon mal gefragt, warum eigentlich ausgerechnet die 11 die Zahl der Narren ist. Der heutige 11.11. ist für Narren ein hoher Feiertag, die Prinzengarde trägt die 11 auf ihren Hüten, und alle närrischen  Jubiläen sind erst dann welche, wenn sie durch 11 teilbar sind. Warum aber die 11? Nun, die elf gilt seit vielen Jahrhunderten als eine magische Zahl, allerdings auch als die Zahl des Teufels. Anarchie und Unordnung sind die Eigenschaften der Zahl 11 – und genau deshalb wurde sie auch zur Zahl der Narren.

11 ist die Zahl der Anarchie und des Teufels - und der Narretei
Elf auf dem Hut: Prinzengardisten am Rosenmontag in Mainz – Foto: gik

Das hättet Ihr jetzt nicht gedacht, das mit der Anarchie, stimmt’s? In der Tat wirkt die heutige Fastnacht durchstrukturiert und in sehr ordentliche Bahnen gelenkt. Mag sein, aber abgesehen davon, dass das auch heute nicht unbedingt überall gilt, ist der Ursprung der Fastnacht ja auch ein sehr unordentlicher: Die Fastnacht folgt der Tradition des Clowns, des Scherzboldes und desjenigen, der gegen die Obrigkeit spöttische Lieder singt oder freche Reden hält. Die Freheit der Rede, früher gab es das nur an den närrischen  Tagen.

Eule und Spiegel: Symbole der Mainzer Fastnacht

Nicht umsonst hat die Mainzer Fastnacht den Eulenspiegel als Symbol, der Bajazz in der Fernsehfastnacht folgt genau dieser Tradition – Eule und Spiegel inklusive. Die Eule galt früher als Vogel der Weisheit, der Spiegel indes ist das, was der Narr den Herren vorhält.

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Die politische Tradition der Fastnacht begann wohl mit der deutschen Revolution von 1848, damals war die Fastnacht der Deckmantel für Demokratie und Pressefreiheit. Bis heute zeichnet die Mainzer Fastnacht ihre politischen Redner aus, das gibt es so in keiner anderen Fastnachtshochburg.

Die Elf: geheimnisvoll & närrisch

Warum also nun die 11? „Die Elf gilt als närrische, geheimnisvolle und nicht zufällige Zahl“, weiß man beim Mainzer Carnevals-Verein, dem MCV, zu berichten. Der MCV organisiert in Mainz die Straßenfastnacht, was er schon seit 1838 tut. Die Fastnacht wiederum, muss man wissen, gäbe es ohne die Gebote der Bibel nicht: Der 11.11. liegt ebenso wie 40 Tage vor einem hohen christlichen Fest, Weihnachten und Ostern.

Weil die 40 Tage vor diesen Festen eine Fastenzeit waren, wurde vorher noch einmal über die Stränge geschlagen, und in Fleisch, Fett und Eierspeisen geschwelgt. Daher kommen die Kreppel an Fastnacht und das Gänseessen am 11.11. – wobei das mit den Gänsen in Mainz natürlich auch mit Sankt Martin zusammenhängt, der ist schließlich der Schutzpatron des Hohen Doms zu Mainz.

Die Elf: außerhalb der Ordnung, sündhaft

11 ist die Zahl der Anarchie und des Teufels - und der Narretei
MCV Fahnen mit der Elf auf der LU – Foto gik

Die Bezeichnung „elf“ entwickelte sich aus dem anthochdeutschen „einlif“, wie der MCV berichtet, und das hieß „eins darüber“ – also eins über der Zehn. Und damit sind wir schon bei der wichtigsten Bedeutung der 11: Weil nämlich die Zehn wegen der zehn Gebote heilig war, stand die Elf außerhalb dieser Ordnung – eins mehr als die zehn Gebote, aber eins weniger als die 12 Apostel Jesu.

Die Elf kennzeichnete also „alle Menschen, die außerhalb der Sittengesetze standen – alle, die die Zehn Gebote überschritten hatten.“ Mehr noch: Die Elf verweist also auf die Sünde und den damit verbundenen Weltuntergang. „Auf alten Kupferstichen und Gemälden des 16. und 17. Jahrhunderts mit Darstellung des Weltuntergangs oder des Jüngsten Gerichtes zeigen Uhren stets die elfte Stunde an“, schreibt der MCV. Müssen wir mal drauf achten.

Die Elf: Zahl des Teufels und der Narren

Die Elf galt denn auch als Zahl der Maßlosigkeit, als anarchische und als teuflische Zahl. Und natürlich ist sei damit auch die Zahl des Narren, der sich ja ebenfalls der normalen Ordnung entzieht und über die Stränge schlägt. Dazu kam später dann wohl auch noch, dass die 11 von vorne wie von hinten gelesen die gleiche Zahl ist – das fällt dann wohl in die Kategorie närrisch. Und so fangen heute Fastnachtssitzungen immer um elf nach oder um 33 an, und Jubiläen sind erst richtig närrische Feierjahre, wenn sie durch elf teilbar sind.

Als närrische Zahl trat die Elf erstmals 1842 in Erscheinung, sagt der MCV. Und natürlich haben die Fastnachter für die närrische Elf eine ganz eigene Interpretation, die ihr die Kölner Jecken gegeben haben: Eins neben Eins, das ist das Zeichen der Eintracht unter den Jecken.

Info& auf Mainz&: Heute, am 11.11, wird ab 10.00 Uhr der närrischen Elf gehuldigt, auf dem Schillerplatz zwischen Fastnachtsbrunnen und Osteiner Hof. Um  11.11 Uhr wird hier das närrische Grundgesetz  verkündet, danach gibt’s Party bis in den Abend.

5 KOMMENTARE

  1. Eine sehr gute und eingängige Interpretation der närrischen Zahl 11. Es gibt auch noch eine andere Deutung: die französische Revolution proklamierte die Grundsätze einer neuen Zeit: Egalité, Liberté, Fraternité! (Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit.) Zieht man die Anfangsbuchstaben der französischen Revolutionsgrundsätze zusammen kommt ELF = 11 heraus. Passt mir besser zur spezifisch politische Fastnacht der Mainzer.

  2. Nur eine kleine Korrektur: Die auf dem oberen Bild abgebildete Garde ist nicht die mainzer Prinzengarde, sondern die Füsiliergarde Mainz-Gonsenheim! 😉

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