Einmal im Jahr wird Mainz zur Bierhauptstadt, nämlich immer dann, wenn am Rheinufer die Bierbörse an ihre Zapfhähne lädt. Ab Freitag ist es wieder so weit, dann öffnet die 17. Mainzer Bierbörse ihre Stände. Bis Sonntagabend gibt es dann hier rund 400 Biere aus aller Welt zu probieren. Und was wenige wissen. Die Bierbörse knüpft damit an alte Bierbrauer-Traditionen in Mainz an: 600 Jahre lang gab es eine reiche Bierbrauer-Tradition in Mainz, die leider vor einigen Jahrzehnten starb. Nun wird sie wiederbelebt – von einem jungen Startup, dem Eulchen Bier.

17. Mainzer Bierbörse lockt mit 400 Bieren aus aller Welt ans Rheinufer
Braukessel im Mainzer Eisgrubbräu – Foto: gik

Altmünsterbrauerei, Mainzer Aktien-Bier, Sonnenbräu – das waren einmal große Namen in Mainz. Mehr als 30 Brauereien gab es hier zeitweise, die meisten kleine Hausbrauereien. Gebraut wurde der Gerstensaft etwa bei der Bierbrauerei Kapp in Mainz-Bretzenheim, das war zwischen 1895 und 1925, bei der Brauerei Königsborn in Finthen zwischen 1868 und 1920, oder bei der Altmünsterbrauerei von 1840 an. Ursprünglich standen deren Braukessel einmal in der Großen Bleiche unter dem Namen, „Brauhaus der Stadt Mainz“, dann zog man um in die Nähe des Altmünsterklosters, daher der neue Name.

Die Altmünsterkirche gibt es noch heute, die Biergeschichte ist allerdings weitgehend Vergangenheit: alle Brauereien gaben entweder ihren Betrieb auf, oder wurden irgendwann vom großen Konkurrenten Binding aus Frankfurt aufgekauft. Das Schicksal erlitt etwa die „Mainzer Aktienbrauerei“, einst einer der größten Bierhersteller in Mainz, die hatte 1918 die Braurechte von der Altmünsterbrauerei übernommen.

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Die MAB wurde 1859 als „Brey’sche Aktien-Bierbrauerei“ gegründet, 1915 gehörte die Brauerei, die inzwischen „Mainzer Aktien-Bierbrauerei“ hieß, mit 300.000 Hektolitern Ausstoß zu den zehntgrößten Brauereien Deutschlands. 1928 hatte man sogar eine eigene Gaststätte in Paris, doch der zweite Weltkrieg zerstörte die Brauereigebäude auf der Kupferbergterrasse. Nach dem Krieg erreichte die MAB nie wieder alte Größe, 1983 wurde die Bierproduktion in den alten Gebäuden auf der Mainzer Kupferbergterrasse aufgegeben und ein Jahr später abgerissen.

17. Mainzer Bierbörse lockt mit 400 Bieren aus aller Welt ans Rheinufer
Eulchen Bier aus der Mainzer Neustadt – Foto: Eulchen Bier

Die Brauereien rankten sich übrigens um den Kupferberg der tiefen und kühlen Keller wegen – Geologen der Uni Mainz sprachen mal von „Eiskellern“, künstlich angelegten Vorratsräumen im Berg. Einen solchen Keller gibt es ein paar Schritte weiter heute noch: Das Eisgrubbräu hat in genau so einem alten Eiskeller seine Brau- und Schankräume. 1989 eröffnete hier die 1. Mainzer Gasthausbrauerei und brachte so ein Stück Biergeschichte zurück nach Mainz.

Ein zweites wird gerade von den jungen Unternehmern des Eulchen-Biers geschrieben: Philip Vogel und Leonidas Lazaridis riefen für ihre Bachelor-Arbeit 2013 das Eulchen Bier ins Leben, nun stellen die Jungunternehmer auf der Bierbörse bereits ihre zweites Bier vor. Mehr dazu lest Ihr morgen hier in einer Extra-Geschichte auch Mainz& 😉

Die Bierbörse selbst wartet auch mit einigen Highlights auf: es gibt Bier aus Bulgarien der Marke Zagorka, ein russisches Baltika Bier feiert Premiere, dazu kommen belgische Fruchtbiere, schottisches Bier vom Fass und unzähligen tschechische Fassbiere, die ja bekanntlich besonders lecker sind. Erstmals präsentiert zudem das Traditionsbrauhaus Kulmbacher eine Vielzahl fränkischer Spitzenbiere, und aus Groß-Ostheim in Franken kommt die Eder Brauerei mit verschiedenen Spezialitäten und dem berühmten „Schlappeseppl“ Bier.

17. Mainzer Bierbörse lockt mit 400 Bieren aus aller Welt ans Rheinufer
Das Störbecker Schiff ist das Markenzeichen der Bierbörse – Foto: Alphamarketing

Natürlich sind auch das Eisgrubbräu und das Brauhaus Kastell vertreten – Ihr könnt mit kleinen Bierbörsenprobiergläsern die Runde von Stand zu Stand machen. Unter den insgesamt 60 Ständen ist natürlich auch der eine oder andere Essensstand, dazu gibt’s an allen drei Tagen ein Programm auf den zwei Bühnen mit Live-Musik. Und erstmals wird die Bierbörse vom Mainzer Oberbürgermeister eröffnet: Michael Ebling (SPD) schwingt am Freitag um 19.30 Uhr vor der Bühne am Eisgrub-Ausschank den Anstich-Hammer.

Info& auf Mainz&: 17. Mainzer Bierbörse vom 10. bis 12. Juli am Rheinufer am Schloss, zwischen Raimunditor und Theodor-Heuss-Brücke. Die Bierhähne sind Freitag von 15.00 Uhr bis 24.00 Uhr, Samstag von 15.00 Uhr bis 1.00 Uhr und Sonntag von 11.00 Uhr bis 21.00 Uhr geöffnet. Mehr Infos zum Programm gibt es hier. Einen tollen Überblick über die Mainzer Bier-Geschichte gibt es auf der Internetseite mainzer-brauereien.de.

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