Na, ward Ihr schon mal im rheinland-pfälzischen Landtag? Also: In Eurem Landtag? Schon mal auf dem Stuhl von Kurt Beck gesessen – oh Pardon, der gehört ja jetzt Malu Dreyer 😉 Nein? Dann wird’s aber höchste Zeit. Gerade eine Woche vor den Wahlen zum Europaparlament und zum Mainzer Stadtrat, öffnet ein anderes Parlament weit seine Tore: Am Sonntag ist Verfassungsfest in Mainz, und das findet traditionell im und um den Landtag herum statt.

Rheinland-Pfalz ist ja eigentlich ein künstliches Gebilde, entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg auf Geheiß der Alliierten – in Mainz waren das die Franzosen. Aus Teilen des Rheinlands, aus Rheinhessen und der Pfalz, schufen die Sieger einen neuen Bundesstaat: Rheinland-Pfalz. Und es ist eigentlich ein kleines Wunder, dass 60 Jahre danach, sich Pfälzer und Rheinhessen und Rheinländer miteinander sehr wohl fühlen in ihrem Bundesland.

Immer am 18. Mai: Verfassungsfest am Landtag
Das Wappen von Rheinland-Pfalz

Grundlage dafür war auch das Dokument, das das Land im Inneren zusammenhält: Am 18. Mai 1947 nahmen die Bürger in einer Volksabstimmung die Verfassung des neuen Landes Rheinland-Pfalz an. Und in der Präambel heißt es:

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„Im Bewußtsein der Verantwortung vor Gott, dem Urgrund des Rechts und Schöpfer aller menschlichen Gemeinschaft, von dem Willen beseelt, die Freiheit und Würde des Menschen zu sichern, das Gemeinschaftsleben nach dem Grundsatz der sozialen Gerechtigkeit zu ordnen, den wirtschaftlichen Fortschritt aller zu fördern und ein neues demokratisches Deutschland als lebendiges Glied der Völkergemeinschaft zu formen, hat sich das Volk von Rheinland-Pfalz diese Verfassung gegeben.“

Zum Geburtstag gibt es, wie sich das gehört, ein Fest, und zwar eines für die Bürger. Ab 13.00 Uhr werden die Tore weit geöffnet, im Landtagshof gibt es dann Musik – unter anderem mit dem Landespolizeiorchester – aber eben auch Kaffee und Kuchen. Und natürlich gibt es, wie in Rheinland-Pfalz nötig, Wein zum Geburtstag: dieses Mal kommt er von der Staatlichen Weinbaudomäne in Oppenheim.

Auch werden Bratwürste gegrillt und bestimmt auch Schwenksteaks – und es gibt Leckereien aus dem französischen Partnerland Burgund. Die Franzosen informieren außerdem über ihr Land und haben eine Tanzgruppe – La Luna del Oriente – mitgebracht.

Immer am 18. Mai: Verfassungsfest am Landtag
Eingang zum Landtag in Mainz – mit rasender Reporterin 😉 Foto: gik

Im Landtagsgebäude gibt es dann einiges zu Entdecken: Durchs Gebäude mit Plenarsaal gibt es Führungen, und ja: Ihr dürft Euch auch auf die Regierungsbank setzen 😉 Man kann aber auch das Büro des Landtagspräsidenten Joachim Mertes (SPD) anschauen, oder bei einem Internet-Café eine Internet-Rallye absolvieren. „Historische Persönlichkeiten“, also Schauspieler in alten Kostümen, erzählen zudem von der Geschichte des Deutschhauses, wie das Landtagsgebäude offiziell heißt.

Das Deutschhaus ist nämlich eine Wiege der Demokratie in Deutschland: Hier wurde 1793 die erste demokratische Republik auf deutschem Boden ausgerufen, übrigens auch an einem 18., dieses Mal aber am 18. März 1793. Die Franzosen machten es möglich, weil sie zuvor die Preußen aus Mainz vertrieben hatten, und die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit mitgebracht hatten.

Die Mainzer Republik war ein fragiles Gebilde, das nur wenige Wochen Bestand hatte, und doch als einer der Vorläufer der Deutschen Demokratie gilt. Mehr zu dieser wichtigen Mainzer Episode findet Ihr in der Reportage „Wohlan, die Wahl ist leicht – nur Freiheit oder Tod!“ (€) aus dem Jahr 2013, geschrieben zur Umbenennung des Platzes vor dem Landtag in „Platz der Mainzer Republik“ – am 18. März. Sogar Bundestagspräsident Norbert Lammert reiste dafür eigens nach Mainz.

Seinen Namen hat das Deutschhaus übrigens von seiner ursprünglichen Bestimmung: es wurde in den Jahren 1729 bis 1740 als Residenz des damaligen Hochmeisters des Deutschen Ritterordens erbaut – für Franz Ludwig von Pfalz Neuburg, der ganz nebenbei auch Kurfürst und Erzbischof von Mainz war. Sein „Deutschordenshaus“ wurde nach Plänen des Kurmainzer Baudirektors Anselm Franz Freiherr von Ritter zu Grünstein erbaut – was für ein Namensungetüm 😉 – und zwar im Stil des französischen Barock. Ihr merkt schon, die Franzosen haben nachhaltig Eindrücke in Mainz hinterlassen…

Immer am 18. Mai: Verfassungsfest am Landtag
Schnappschuss aus dem Mainzer Landtag während einer Plenarsitzung – Foto: gik

Das Deutschhaus wurde 1815 Sitz der preußischen Gouverneure der Bundesfestung Mainz, am 18. Juli 1815 war hier niemand Geringeres als Johann Wolfgang von Goethe zu Gast. Es kamen und gingen in der Folge Preußen und Franzosen – bei dem großen Bombenangriff auf die Stadt Mainz am 27. Februar 1945 wurde das Deutschhaus bis auf die Außenmauern zerstört. 1950 beschloss die Regierung den Wiederaufbau des Deutschhauses, nach nur einem halben Jahr zog die neue Regierung des neuen Rheinland-Pfalz hier ein: am 18. Mai 1951.

Seither tagt in diesem Haus der Landtag von Mainz – und demnächst wird wieder einmal umgebaut: Der Landtag soll schöner werden, vor allem aber mehr Platz für Büros und Besuchergruppen bekommen. Also: geht hin und schaut’s Euch noch mal an, bevor die Handwerker kommen! Und es ist nie ein Fehler, die Demokratie zu ehren, und sich bewusst zu machen, wie großartig es ist, dass wir sie haben…

Info& auf Mainz&: Verfassungsfest am Sonntag, den 18. Mai ab 13.00 Uhr im Landtag und im Hof des Landtags; Platz der Mainzer Republik 1. Infos zum Programm gibt es hier: www.landtag.rlp.de – einfach auf den Link unter dem Veranstaltungshinweis klicken, dann öffnet sich ein eigenes kleines Fenster, wo Ihr wiederum auf das pdf klicken könnt.

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