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Tägliche Archive: 3. Mai 2019

„Machen Sie endlich Ihren Job!“ – Rund 500 Schüler fordern bei „Fridays for Future“ in Mainz Handeln statt hohle Phrasen

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Seit Anfang des Jahres gehen sie auch in Mainz immer wieder freitags auf die Straße und machen ihren Forderungen nach Klimaschutz-Jetzt Luft: Die „Fridays for Future“-Bewegung. An diesem Freitag hatten die Schüler zur landesweiten Kundgebung in Mainz aufgerufen, gekommen waren am Ende rund 500 Protestierende. Und deren Wut und Ungeduld wächst: „Wir wollen, dass endlich was passiert“, sagte die Neuntklässlerin Lilli aus Bingen im Gespräch mit Mainz&: „Es kann ja nicht sein, dass wir jeden Freitag herkommen und werden einfach ignoriert.“ Am Nachmittag bekräftigten die Schüler ihre Forderungen auch gegenüber der Politik,: Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) hatte zur Diskussion ins Capitol-Kino geladen – und sie dankte den Schülern für ihr Engagement: „Es kommt Bewegung in die Sache“, sagte die Ministerin, „deswegen ist es so wichtig, dass die Forderungen weiter aufrecht erhalten werden.“

"Machen Sie endlich Ihren Job!" - Rund 500 Schüler fordern bei "Fridays for Future" in Mainz Handeln statt hohle Phrasen
Die „Fridays for Future“-Streiks gehen weiter, die Schüler wollen nicht nachlassen, bis ihre Forderungen erfüllt sind. – Foto: gik

Es ist kurz nach 10.00 Uhr am Freitagmorgen, und vor dem Mainzer Hauptbahnhof wird es laut: „What do we want?“ ruft der Redner in die Menge, „Climate Justice!“ schallt es ihm entgegen. „Wann wollen wir es?“ fragt er weiter – „NOW!!!“ skandieren die Schüler auf dem Platz. Es ist Freitag in Mainz, und aus ganz Rheinland-Pfalz sind Ortsgruppen der „Fridays for Future“-Bewegung gekommen. Von Kaiserslautern bis Alzey, Bad Kreuznach, Bingen und Koblenz machen Schüler aller Altersstufen ihrem Protest Luft. Sie sind laut, und sie sind sauer. „Machen Sie endlich Ihren Job“, ruft Maurice Conrad den Politikern zu, „dann erledigt sich das mit unseren Schülerdemos von alleine!“

Seit Anfang des Jahres haben die Proteste nach dem Vorbild der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg auch in Mainz Fahrt aufgenommen, rund 500 Schüler nehmen an diesem Morgen an der Kundgebung in Mainz Teil – viele, obwohl sie noch Ferien haben. „Wir wollen, dass endlich was passiert“, sagt Lilli aus Bingen: „Es kann ja nicht sein, dass wie jeden Freitag herkommen und werden einfach ignoriert.“ Lilli geht in die 9. Klasse, und sie ist hier, obwohl sie noch Ferien hat  „Wir wollen ja bloß schwänzen“, sagt einer ihrer Kollegen sarkastisch – die Angriffe aus der Politik gegen sie und ihr Engagement nerven sie ganz erheblich. „Es wird viel zu wenig gemacht für die Umwelt“, sagt ein Elftklässler, „wir werden einfach nicht gehört.“

Am Donnerstag habe Großbritannien den Klimanotstand ausgerufen, ruft Vincent Lohmann, einer der Mainzer Organisatoren in die Menge, das sei ein wichtiger erster Schritt. Doch das alleine reiche noch nicht – und vor allem die Politik in Deutschland frustriert sie. „Man brüstet sich in Deutschland immer damit, so toll zu sein, Vorreiter zu sein“, sagt Lohmann, „im Endeffekt ist das alles Bullshit.“ Warum werde Deutschland nicht endlich Vorreiter in der Klimapolitik, wollen sie wissen, wann handele die Politik endlich?

"Machen Sie endlich Ihren Job!" - Rund 500 Schüler fordern bei "Fridays for Future" in Mainz Handeln statt hohle Phrasen
Nein, man kann den Klimawandel nicht einfach wegkämmen, finden die Fridays for Future-Demonstranten. – Foto: gik

„Wir haben hier in Mainz einen Oberbürgermeister, der auf jeder Demo ist, aber hintenherum hört man dann, dass der Klimaschutz gar nicht sein Ding ist“, kritisiert Lohmann, der Schüler am Mainzer Frauenlob-Gymnasium ist: „Es geht immer nur darum, die nächste Wahl zu gewinnen, nichts fließt in Nachhaltigkeit.“

„Wir haben mit der Politik mehr als Geduld gehabt“, sagt auch Maurice Conrad, der ebenfalls die Demos mit organisiert. Doch von der Politik kämen nur „hohle Phrasen“ oder gar Beschimpfungen als Schulschwänzer. „Warum beschäftige sich die Politik nicht endlich mit den Anliegen und Forderungen der Schüler?“, fragt Conrad. Der Klimawandel sei schließlich „keine Prophezeiung, sondern bittere Realität.“

Volkmar Wirth kann das bestätigen, der Professor am Institut für Atmosphärenphysik warnt, das Klimasystem der Erde habe sich in den vergangenen Jahrzehnten bereits „merklich erwärmt“. Ursache seien vor allem die von Menschen emittierten Treibhausgase, allen voran CO2. Die CO2-Emissionen müssten sofort drastisch reduziert und später ganz vermieden werden, fordert der Atmosphärenphysiker, Deutschland drohten verstärkte Hitzeprobleme, mehr Starkregen, veränderte Wasserkreisläufe und vor allem mehr Wetterextreme. „Das sind wissenschaftliche Klimafakten“, betonte Wirth, „und für mich wichtige Gründe die F4F-Bewegung zu unterstützen.“ Die Politik sei gefordert zu handeln, und das rasch – sonst drohten bestimmte Teile des Klimasystems irreversible zu kippen.

"Machen Sie endlich Ihren Job!" - Rund 500 Schüler fordern bei "Fridays for Future" in Mainz Handeln statt hohle Phrasen
Selbst gemachte Plakate, konkrete Forderungen – so wollen die Fridays for Future-Kids (hier im März) weiter streiken. – Foto: gik

Wirth ist einer der vielen „Scientists for Future“, die die Klimastreiks der Schüler nachdrücklich unterstützen, sein Plädoyer hielt er am Nachmittag im Capitol-Kino. Dorthin hatte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) geladen. „Ich will Euch herzlichen Dank sagen“, sagte Höfken an die Adresse der Schüler – die Bewegung habe schon jetzt Diskussionen neu in Gang gebracht.

„Klimaschutz ist längst zur Existenzfrage geworden“, betonte die Ministerin, sie unterstütze die Ziele und Forderungen der „Frodays for Future“-Bewegung nachdrücklich. Höfken war selbst lange Jahre Biolandwirtin, bevor sie in die Politik ging, seit Jahren warnt die Politikerin, die Auswirkungen des Klimawandels seien schon jetzt in Rheinland-Pfalz zu spüren. Niedrigwasser im Rhein, die Dürre 2018 – all das habe schon jetzt die Bäume in den rheinland-pfälzischen Wäldern zu 84 Prozent geschädigt.

Neueste Meldungen berichteten von Rekordmengen von Treibhausgasen in der Atmosphäre, es seien Zahlen, wie es sie auf der Erde zuletzt vor 25 Millionen Jahren gegeben habe. „Das war im Oligozän, da war hier in Mainz ein Meer“, sagte Höfken. Seit dem beginn der Industrialisierung um 1750 gehe die Belastung erneut hoch, „meine Ur-Ur-Urgroßeltern bis hin zu meiner Generation, wir selbst haben diese Entwicklung verursacht“, sagte Höfken. Und auch sie habe als junger Mensch „einmal gedacht, wir könnten das schneller lösen“, gestand sie, und betonte: „Gut, dass jeder noch mal dran erinnert wird.“

"Machen Sie endlich Ihren Job!" - Rund 500 Schüler fordern bei "Fridays for Future" in Mainz Handeln statt hohle Phrasen
Die Ansage steht: „Wir streiken, bis Ihr handelt!“, hier bei der Demo im März 2019. – Foto: gik

Klimaschutz sei „das Megathema der Zeit“, doch Deutschland habe seine Hausaufgaben nicht gemacht: „Wir brauche eine sehr viel dynamischere Entwicklung bei den Erneuerbaren Energien, doch stattdessen haben wir Deckel für Solaranlagen und subventionieren fossile Energien“, kritisierte Höfken. Rheinland-Pfalz versuche seine Hausaufgaben anzugehen, bei der Weiterentwicklung des Klimaschutzgesetzes, die derzeit anstehe, solle genau das passieren. „Wir werden versuchen, ihre Ideen in die Weiterentwicklung unserer Klimaschutzpolitik aufzunehmen“, versprach Höfken.

Die Schüler unterbreiteten unterdessen noch einmal ihre Forderungen: Den Kohleausstieg bis 2030, mehr Aufklärung über Klima und Umweltschutz in den Schulen. „Wir fordern für Mainz den kostenlosen ÖPNV“, sagte Linda, das sei ein wichtiges Mittel, um die Belastung mit Treibhausgasen zu senken und die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern. Dazu müsse die Taktung des ÖPNV bedarfsgerechter ausgebaut werden, ebenso die Radwege, Grünflächen erhalten und gefördert werden.

„Wir sind an einem entscheidenden Punkt angelangt“, mahnte Selina: „Sehen wir tatenlos zu wie bisher, wie ganze Tierarten aussterben, die Meere mit Plastik zugemüllt werden und Klimakatstrophen die Erde überrollen? Ich unterstützte F4F, damit genau das nicht geschieht.“ Wenn jetzt nicht gehandelt werde, „dann ist es für unser Leben zu spät“, sagte Linus, „deshalb gehe ich demonstrieren.“ Und so werden sie weiter jeden Freitag auf die Straße gehen und für eine schnellere und bessere Klimapolitik streiken – bis ihre Forderungen erfüllt sind. „Wir müssen unerträglich bleiben“, sagt Conrad, „und wir dürfen nicht den Mut verlieren.“

Info& auf Mainz&: Unseren Bericht von der Fridays for Future-Demo im März 2019 in Mainz lest Ihr hier bei Mainz&, dort gibt es auch noch mehr zu den inhaltlichen Forderungen der Bewegung. Die Mainzer Initiative „Fridays for Future“ findet Ihr hier auf dieser Facebookseite.

 

 

 

 

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