Sie ist das Mekka aller Buchliebhaber, ein Hort für Kleinverlage, eine Spielwiese für Künstler des Wortes und des Buchdrucks: Vor 49 Jahren wurde in Mainz die Minipressenmesse ins Leben gerufen, am Donnerstag öffnet die besondere Buchschau ihre Tore für ihre 25. Jubiläumsausgabe. Vier Tage lang, vom 30. Mai bis zum 2. Juni, dreht sich alles in der Mainzer Rheingoldhalle und davor um Minibücher und Sondereditionen, um Spiele, Handschriften und vor allem um kleine Verlage, die Literatur jenseits des Mainstreams hochhalten. 260 Kleinverlage präsentieren sich in diesem Jahr auf der Mainzer Minipressenmesse (MMPM), darunter auch viele Gäste aus dem Ausland.

25. Mainzer Minipressenmesse öffnet Tore - Paradies für Buchliebhaber und Kleinverlage1970 wurde die die Messe für Kleinverlage in der Gutenberg-Stadt Mainz aus der Taufe gehoben, die MMPM ist damit die älteste Messe ihrer Art und Vorbild vieler Nachfolger. Gegründet hat sie der Mainzer Kleinverleger Norbert Kubatzki, Vorbild war eine Messe für Kleinverlage in Frankfurt, der allerdings keine lange Überlebensdauer beschieden war. Die Grundidee für eine Messer der Kleinstverlage stammt von Victor Otto Stomps, der Verleger und Autor wurde 1897 geboren und gilt als Vater der Kleinverlage und Minipressen. Schon seine 1925 im Alter von 28 Jahren in Berlin gegründete „Rabenpresse“ war ein Protest gegen die Dominanz der Riesenauflage. 1954 zog V.O. Stomp mit seiner Eremiten-Presse nach Stierstadt in den Taunus, wo er in einem alten Fachwerkhaus – von Stomps „Schloß Sanssouris“ genannt – lebte und arbeitete.

„Sowohl als Verleger als auch als Schriftsteller förderte Stomps Freiräume, in denen sich künstlerisches und geistiges Leben überhaupt erst entfalten kann“, heißt es bei den Machern der Minipressenmesse in Mainz. Mit seinen Verlagen habe Stomps versucht, im Kleinen Freiräume zu ermöglichen. Auch die Idee einer Messe für Kleinverlage stammte von ihm, erlebt hat er sie nicht mehr: Stomps starb 1970 nach einer mehr als 40 Jahre dauernden Verlegertätigkeit mit 300 Autoren und Büchern – in Armut.

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25. Mainzer Minipressenmesse öffnet Tore - Paradies für Buchliebhaber und Kleinverlage
Verleger V.O. Stomps in seinem Schloss Sanssouris in Stierstadt. – Foto MMPM

Auf der Minipressenmesse wird jedoch seit 1979 jedes Jahr der nach ihm benannte V.O.Stomps-Preis an einen Verlag oder eine Person für bedeutende Einzeleditionen oder das gesamte Schaffen vergeben. In diesem Jahr sind die Preisträger Friederike Jacob von der Friedenauer Presse in Berlin, Otto Dettmer von ottoGraphik im britischen Bristol und Peter Zaumseil von der Dreier Presse in Elsterberg.

Heute steht die MMPM unter den Fittichen des Mainzer Gutenberg-Museums, das Minipressenarchiv ist eine eigene Abteilung im Weltmuseum der Druckkunst. Gesammelt werden hier Comics und Klassik, bibliophile Ausgaben und Bücher in Packpapier, Fotokarten, mittelalterliche Buchmalerei, Kalligraphie, Pop-Art, Spiele und vieles mehr.

Genau diese Bandbreite bietet auch die Minipressenmesse bei ihrer 25. Ausgabe wieder: Im Mittelpunkt stehen Verleger, die ihre Tätigkeit meist weniger des geschäftlichen Erfolges wegen betreiben – auch wenn dieser durchaus willkommen ist -, „sondern aus Leidenschaft, Lust und Überzeugung, mit Wagemut und Spaß am Experiment“, wie die MMPM-Macher selbst einmal ihre Aussteller beschrieben.

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Die Mainzer Minipressenmesse in früheren Zeiten in Zelten am Rheinufer. – Foto: MMPM

Die Bandbreite ist entsprechend riesig: Da gibt es Einblattdrucke und afrikanische Literatur, Legenden-Reiseführer für Kinder, Kunstmagazine, Blumenverlage oder Lyrikexperten. Immer geht es um individuelle Bücher, oft umgesetzt aufwändig und in liebevoller Handarbeit, Unikate oder Miniauflagen weit jenseits der Wirtschaftlichkeit. Andere Verlage haben sich auf besondere Themen spezialisiert wie Kinderbücher, Poesie oder Künstlerbücher. Verlage zur Selbstvermarktung präsentieren sich ebenso wie Künstler, die Bücher in Stein oder Malerei verwandeln, Liebhaber von Druckerzeugnissen, gefaltete Bücher oder Bücher aus handgeschöpftem Papier. Die Mainzer Druckwerkstatt uah! ist ebenso vor Ort wie die Widukind-Presse mit einer echten Handpresse aus Dresden.

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Die Mainzer Minipressenmesse im Foyer der Rheingoldhalle. – Foto: Gutenberg-Museum

Auch ein reiches Veranstaltungsprogramm ist immer Teil der MMPM. Der Buchgestalter der Werke von Walter Moers wie das kleine Arschloch oder Käpt’n Blaubär, Oliver Schmitt, gibt in einem Verlagsgespräch Einblick in seine Arbeit. Moers‘ Entdecker, der Verleger Vito von Eichborn, berät in der „Literaturbörse der Minipresse“ angehende Autoren und beantwortet Fragen zum Verlagsgeschäft.

Um „Mut statt Masse – alternatives Verlegen heute“, dreht sich die zentrale Jubiläumsveranstaltung am Freitagabend. Digitalisierung und moderne Druckverfahren, die auch Kleinstauflagen in bester Qualität ermöglichen, eröffnen gerade Kleinstverlagen ganz neue Spielräume, heißt es von den Organisatoren. Zum umfangreichen Begleitprogramm der Messe gehören ferner ein Marathonleseprogramm in zwei Zelten, Papierschöpfen und Drucken wie in alten Zeiten, Buchkunst und Vorträge sowie ein Poetry Slam am Samstagabend.

Info& auf Mainz&: Die 25. Mainzer Minipressenmesse findet vom 30. Mai bis einschließlich 2. Juni 2019 statt, Ort ist der Gutenbergsaal der Mainzer Rheingoldhalle sowie die Zelte auf dem Rathausplateau. Der Eintritt ist an allen Tagen frei, das ausführliche Programm sowie alle Informationen hier im Internet. Die Eröffnung findet am Donnerstag, den 30. Mai, um 14.00 Uhr in der Rheingoldhalle statt, der V.O.Stomps-Preis wird am gleichen Abend um 20.00 Uhr im Gutenberg-Museum verliehen. Mehr zu der Geschichte der Minipressenmesse erzählen wir Euch hier bei Mainz&.

Und wenn Ihr Lust habt: Am Freitag, den 31. Mai 2019 könnt Ihr zwischen 10.00 Uhr und 11.30 Uhr einem Vortrag lauschen „Mainz& – Vom Aufbau einer Internetzeitung“. Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein stellt dann die Internetzeitung Mainz& vor, erzählt wie sie zustande kam und wie sie gemacht wird. Ort: Louisville-Zimmer im Rathaus. Auf der Messe findet Ihr auch den Axel Dielmann-Verlag – dort gibt es unser Buch „Starke Frauen Porträts“ zu kaufen – mehr dazu lest Ihr hier.

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