Morgen ist es tatsächlich schon drei (!) Jahre her, dass am Frankfurter Flughafen die Nordwestlandebahn eingeweiht wurde. Kaum zu glauben, irgendwie. Doch natürlich werden alle unter der Landeschneise wohnenden bei Ostwind täglich 16 Stunden lang daran erinnert – mit heftigem Fluglärm über ihren Köpfen von 5.00 Uhr am Morgen bis 23.00 Uhr in der Nacht. Ein Horror. Genau solange aber wehren sich die Bürger der Region. Und heute um 18.00 Uhr laden die Montagsdemonstranten zur Mahnwache mit Diskussion.

3 Jahre Nordwestbahn: Mahnwache am Flughafen mit Diskussion
Volles Haus bei der 100. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen – Foto: gik

Mit der neuen Landebahn, die es eigentlich laut hessischer Politik-Versprechen nie geben sollte, hat der Flughafen offenbar eine magische Grenze überschritten: Dieses Mal nämlich hört die Region einfach nicht auf mit dem Protest. Denn vor drei Jahren gingen die Menschen erstmals auch massenhaft gegen den Fluglärm auf die Straße.

Mahnwache 3 Jahre Nordwestbahn

Seither wird jeden, aber auch wirklich jeden Montag im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens protestiert, eine echt enorme Leistung. Am 19. Mai fand die 100. Montagsdemo statt, 4.000 Teilnehmer aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet sagten, was sie von der neuen Bahn halten: gar nichts.

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Am heutigen Montag wird es deutlich leiser und kleiner zugehen: Ferienzeit ist Mahnwachenzeit am Flughafen. In den Schulferien werden statt großer Demo einfach Mahnwachen gehalten. Um aber trotzdem an den Jahrestag zu erinnern, haben die Bürgerinitiativen an diesem Montag Gäste zur Diskussion geladen.

3 Jahre Nordwestbahn: Mahnwache am Flughafen mit Diskussion
Schlange schluckt Flieger – Flugzeug-Abwehr mal anders ;- – Foto: gik

Terminal 3 und Dachklammerprogramm

Zum Gespräch am Stehtisch sollen der Oberbürgermeister von Offenbach und der Bürgermeister des besonders betroffenen Flörsheim kommen. Und der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) ist ebenfalls zu Gast. Wäre doch ein schöner Anlass, unserem OB mal auf den Zahn zu fühlen in Sachen Fluglärm 😉

Themen sollen die befürchteten negativen Auswirkungen des geplanten  Terminals 3 sein, aber auch die Zukunftsperspektiven, die sich für Kommunen und Bevölkerung durch den Flughafenausbau noch stellen. Auch wird die Frage gestellt, ob das vom hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) erweiterte Dachklammerungsprogramm  wirklich für mehr Sicherheit sorgt. Bei dem Programm werden Dachziegel tatsächlich angeklammert, damit sie nicht durch Wirbelschleppen von den Dächern gerissen werden.

Lärmpausenmodelle gerade in Mainz umstritten

Und natürlich sind auch die geplanten Lärmpausen Thema. Al-Wazir hat ja fünf Modelle in die Runde geworfen. mit denen im Wechsel die Bewohner in den Einflugschneisen am frühen Morgen oder in der späten Nacht eine Stunde mehr Ruhe bekommen sollen. Das Programm ist umstritten, es wird befürchtet, dass damit ein „Spaltpilz“ in die Region getragen wird.

3 Jahre Nordwestbahn: Mahnwache am Flughafen mit Diskussion
Mach mal Pause – hier eine Flugzeugturbine – Foto: gik

Vor allem in Mainz sieht man die Sache kritisch – ausgerechnet die Nordwestlandebahn, unter der die Mainzer Oberstadt und angrenzende Gebiete so leiden, würde nämlich in der Stunde zwischen 5.00 Uhr und 6,00 Uhr niemals stillgelegt. Soviel zu „Lärmpause“. Offenbar – und das ist jetzt eine Analyse 😉 – setzt der grüne Wirtschaftsminister die hessische Politik fort, vor allem die hessischen Wähler zu beruhigen – und den Lärm weiter nach Rheinland-Pfalz zu exportieren. Echt super. Aber wir lassen uns gerne eines besseren belehren 😉

Grüne Groß-Gerau: Halbe Stunde morgens und abends Pause für alle

Was die Lärmpausen angeht, gibt es nun aber noch einen neuen Vorschlag der Grünen im Kreis Groß-Gerau: Die regten in einem Schreiben an Al-Wazir Mitte vergangene Woche an, statt wechselnder Lärmpausen doch für alle gleichzeitig eine Lärmpause einzuführen – und zwar je eine halbe Stunde morgens und eine halbe Stunde abends. Damit würde das Nachtflugverbot von 5.00 Uhr auf 5.30 Uhr und von 22.30 Uhr bis 23.00 Uhr verlängert.

Nette Idee, aber wir können Euch jetzt schon sagen, was daraus wird: nix. Die Luftverkehrswirtschaft macht jetzt schon enorm Druck, die Stunde zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr am Morgen und die zwischen 22.00 Uhr und 23.00 Uhr unbedingt zu behalten. Morgens kämen die ganzen Überseeflieger rein, da sei die Stunde unbedingt nötig, um im internationalen Fahrplan zu bleiben. Abends aber müssten Langstreckenflieger und auch Postflieger zu der späten Uhrzeit noch raus, wird argumentiert.

Krimi am Flughafen in der letzten halben Stunde

3 Jahre Nordwestbahn: Mahnwache am Flughafen mit Diskussion
Wer schafft’s noch raus, wer nicht? – Foto: gik

Das allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, auch wenn Ihr das jetzt möglicherweise nicht gerne hört 😉 Aber Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein war im April 2013 live am Flughafen dabei, wenn in der letzten halben Stunde die Flieger an den Startbahnen Schlange stehen. Ich kann Euch sagen: Ein Krimi ist nix dagegen. Jeden Abend wird dort gebangt, ob es denn noch alle raus schaffen – was Ihr in einer spannenden Reportage hier nachlesen könnt.

Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, Fluglärm zu relativieren, keineswegs. Aber die Logistik eines Großbetriebs wie des Frankfurter Flughafens hat auch seine eigene Dynamik – und die ist wirklich spannend. Ich habe jedenfalls an dem Abend viel gelernt 😉

Und klar, der Flughafen könnte anders planen, hat er doch auch jetzt das Nachtflugverbot eingerichtet. Ja, einerseits. Aber internationale Fahrpläne haben auch ihre eigene Logik, ein Flughafen allein kann an diesem ganz großen Zahnrad nur sehr bedingt gegensteuern.

Tatsache ist: Die Airlines, allen voran die Lufthansa, machen gewaltig Druck in Wiesbaden, schon die Lärmpausen werden nur zähneknirschend geduldet. Und das gilt auch für die Deutsche Flugsicherung und natürlich die Fraport. Mit den Lärmpausen hat man denn auch erst einmal den Schwarzen Peter in die Region gespielt, nach dem Motto: Einigt Euch mal schön, wer Sieger und wer Verlierer wird. Es dürfte noch sehr spannend werden, wie das ausgeht.

Info& auf Mainz&: Montag, 20. Oktober 2014, 18.00 Uhr bis 19.00 Uhr, Mahnwache am Frankfurter Flughafen, Terminal 1. Am besten kommt Ihr mit der S-Bahn hin – dann trefft Ihr auch gleich Leute, die ebenfalls zur Mahnwache fahren 😉

 

1 KOMMENTAR

  1. Es sind nicht nur 16 sondern sogar 18 Stunden Fluglärm zu ertragen und dank der unsäglich vielen angeblichen Ausnahmen des ach so strengen Nachtflugverbots oft noch mehr. Bretzenheim ist genauso betroffen wie die Oberstadt. Vor allem wird es hier in den späten Abendstunden sehr laut, selbst wenn keine BR 07 herrscht.

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