Es gibt ja Tage, da ist man so richtig gerne eine Mainzerin, und heute war definitiv so ein Tag: Mainz kriegte von allen Seiten Lob. Also von Frankfurt, und das sind wir ja so gar nicht gewöhnt. Und von Aschaffenburg. Aschaffenburg? Liegt das nicht in Bayern? Doch, das tut es, auch wenn wir hier lieber mal von Franken sprechen 😉 Tatsache ist: Mainz, Frankfurt und Aschaffenburg eint eine lange Geschichte, und während der regierte nur eine einzige Stadt das Gebiet: Mainz.

3 Städte, 3 OBs, eine Hommage: Kurmainz
3 OBs, ein Schloss, eine Geschichte: Kurmainz – Foto: gik

„Wir verbringen eine wunderbaren Tag“, sagte ein strahlender Mainzer OB Michael Ebling (SPD) am Montagnachmittag in Mainz. Ebling hatte da schon eine ganze Odyssee von Aschaffenburg über Frankfurt nach Mainz hinter sich, und diese sichtlich genossen.

Mainzer Rad in Frankfurt & Aschaffenburg

Kein Wunder, begegnete dem Mainzer OB doch überall ein sehr vertrautes Symbol: das Mainzer Rad. Es prangt offenbar am Aschaffenburger Schloss, in Mainz natürlich sowieso, und schließlich bekannte auch noch der Frankfurter (!) Oberbürgermeister Peter Feldmann (auch SPD), das Rad sei sogar in die Lehne seines OB-Sessels geprägt. Sensationell.

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Hintergrund des Klassenausflugs der drei Oberbürgermeister von Aschaffenburg, Frankfurt und Mainz ist eine neue Frankfurter Initiative zugunsten der FRM, der FrankfurtRheinMain GmbH. Die FRM ist eine Standortmarketing-Gesellschaft der Region, die den Wirtschaftsstandort Rhein-Main-Region international vermarkten und voranbringen soll. Feldmann hat der FRM eine neue Struktur und Ausrichtung verpasst. Man präsentiert sich als zentral, weltoffen, grün, als Finanzzentrum und als lebenswerte Stadt. Ihr ahnt schon: da geht es vor allem um Frankfurt 😉

Frankfurter Werben für gemeinsames Marketing

Aber nicht nur: der Frankfurter OB Feldmann wirbt gerade wo er geht und steht, für mehr Zusammenschluss in der Region, und er tut es bescheiden, und tatsächlich auf Augenhöhe. Die Zeit, wo man in Frankfurt „vom hohen Ross herab“ auf die Region schaue, „die sind endgültig vorbei“, betonte Feldmann heute noch einmal. Und ja, der Mann war schon wieder in Mainz. Und sprach davon, dass man nur gemeinsam als Region stark sei, gemeinsam „perspektivisch“ Flächen für Wohnbebauung erschließen wolle. Auch bei Logistik  Verkehr, Pharma und Tourismus – und noch vielen Bereichen mehr – wolle man künftig enger zusammenarbeiten.

„Mit OB Feldmann ist eine andere Melodie im Rhein-Main-Gebiet eingezogen“, stellte OB Ebling sichtlich beeindruckt fest. Der Mainzer OB war nämlich am Morgen zur Tour durch die Region nicht nur von Feldmann abgeholt worden – ein Frankfurter holt einen Mainzer ab! -, sondern Feldmann sei auch noch selbst gefahren, und er habe das auch gut überlebt, sagte Ebling. Na, wer sagt’s denn 😉

Aschaffenburg: 800 Jahre von Mainz regiert

Tatsächlich begannen die beiden OBs in Aschaffenburg mit der historischen Spurensuche: Aschaffenburg sei ja über 800 Jahre lang von Mainz aus regiert worden, berichtete der dortige OB Klaus Herzog (auch SPD, auch in Mainz) – und doch sei heute zum ersten Mal seit 40 Jahren ein Mainzer OB zu Besuch in Aschaffenburg gewesen. Ihr merkt schon, da bahnen sich allerorten neue Zeiten an 😉

Mainz spielte in der Geschichte tatsächlich eine prägende Rolle, und das wegen seiner Kurfürsten. Die Mainzer Erzbischöfe nämlich regierten im Mittelalter – von Erzbischof Willigis (975–1011) an – von Mainz aus nämlich mal kurz das ganze Deutsche Reich: Der Mainzer Erzbischof (geistliches Amt) war zugleich Kurfürst (weltliches Amt), und er war auch noch Erzkanzler des Reichs und berief als Vorsitzender des Kurfürstenkollegiums die anderen sechs Kurfürsten zur Wahl eines neuen Königs. Bei der Wahl hatte die entscheidende siebte und letzte Stimme, genau: der Mainzer Kurfürst. Der den neu gewählten König dann auch salbte und krönte – das aber übrigens zumeist in Frankfurt.

Mainz: Erzbischof, Kurfürst, Reichskanzler

Der Mainzer Erzbischof hatte nicht nur sein kirchliches Bistum zu verwalten, er gehörte als Kurfürst auch zusammen mit Kurköln und Kurtrier zu den drei wichtigen geistlichen Fürsten mit reichem weltlichen Besitz: Kurmainz eben. Und das reichte unter anderem von Mainz aus weit den Main hinauf und ins heutige Bayern hinein. 982 bis 1814 regierten die Mainzer deshalb auch Aschaffenburg, und hinterließen der Stadt ein prächtiges Schloss.

Aber nicht nur Bauten prägten die Stadt: „Die Weltoffenheit, die wir pflegen, haben wir von Mainz“, lobte OB Herzog, Mainz habe immer für Offenheit, Kompromiss und Ökumene gestanden, was wir angesichts der mächtigen Christuskirche auch gern glauben. Aber der Aschaffenburger OB hatte auch einen ganz praktischen Blick dabei: Angesichts der zunehmenden Internationalisierung müsse sich auch die Rhein-Main-Region besser vernetzen. „Aschaffenburg ist dabei“, bekräftigte Herzog, der sich ansonsten eher im Hintergrund hielt.

3 Städte, 3 OBs, eine Hommage: Kurmainz
Werkstatt-Besuch: 3 OBs, ein Minister, ein Werkstattsleiter – Foto: gik

Aber was bedeuten die schönen Reden denn nun konkret, wollte Mainz& wissen. Man wolle gemeinsam „die Historie heben“ ohne „gleich die Welt aus den Angeln zu heben“, meinte OB Ebling. So könne man doch mal eine gemeinsame Ausstellung zu dem gemeinsamen historischen Erbe machen, schlug er vor, was auch auf Zustimmung stieß.

Gemeinsamer Museumspass? Äh…

Als Mainz& dann aber fragte, wieso man nicht einen gemeinsamen Museumspass auflege – Ihr erinnert Euch an die Geschichte -, herrschte recht betretenes Schweigen. Man könne dann ja eine gemeinsame Eintrittskarte auflegen, voluntierte Feldmann noch – nun, das wollen wir bei einer Ausstellung auch hoffen, dass nicht jeder was anderes zahlen muss 😉

Im Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) fand man jedenfalls, ein gemeinsamer Museumspass mit Frankfurt wäre „sicher vernünftiger gewesen“, als der (geplante) Beitritt zum Oberrheinischen Verbund. „Wir haben jedenfalls eine enge Zusammenarbeit mit den Frankfurter Museen“, sagte RGZM-Werkstättenleiter Markus Egg zu Mainz&.

Pläne für neues Archäologisches Zentrum

Die drei OBs besuchten nämlich in Mainz die RGZM-Werkstätten im Hof des Kurfürstlichen Schlosses, und ließen sich zudem die Pläne für das neue Archäologische Zentrum zeigen, das ja neben dem Museum für Antike Schifffahrt gebaut werden soll. Das neue Gebäude soll einmal das RGZM beherbergen, und auch die Landesarchäologie. Die Vorbereitungen dazu seien fast abgeschlossen, erfuhr Mainz&, aber wann der Spatenstich sei, das wisse man noch nicht so genau, sagte der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl (schon wieder einer von der SPD).

3 Städte, 3 OBs, eine Hommage: Kurmainz
RGZM Werkstatt: Arbeit an einem Urnengrab – Foto: gik

Der Grund: die Archäologie. Die darf erst einmal dort graben, wo sie künftig wohnen wird – und sie setze ihre eigene Grabungszeit mit etwa einem Jahr an, sagte Kühl. Mainz& wird die Pläne für das 41 Millionen Euro-Bauprojekt demnächst mal ausführlicher darstellen. Eile haben wir dabei nicht: die Bauzeit soll noch einmal zwei Jahre dauern 😉

„Wir waren hier einst alle Kurmainzer“

Ebling ließ die Gelegenheit nicht aus, das neue Zentrum rund um die römische Geschichte der südlichen Altstadt anzupreisen: So, wie die Mainzer gerne zum Museumsuferfest nach Frankfurt führen, werde auch das neue Zentrum (hoffentlich) in die Region ausstrahlen.

Die Zusammengehörigkeit der Region, merkte Feldmann noch an, lasse sich auch im gemeinsamen Sprachsingsang erkennen. Rhoihessisch sei zwar nicht das gleiche, wie Frankfurter Hessisch, „aber ich verstehe es gerade noch“, sagte er, und fügte einen nun wirklich völlig Un-Frankfurterischen Satz hinzu: „Wir waren hier alle mal Kurmainzer.“

Info& auf Mainz&: Mehr zur Geschichte von Kurmainz findet Ihr natürlich bei Wikipedia, imposant ist vor allem die Karte mit den Kurmainzer Ländereien… Interessantes zur Geschichte von Kurmainz und der Bedeutung des Mainzer Erzbischofs findet Ihr aber auch auf der Internetseite Reichserzkanzler.de , einem Forschungsprojekt Mainzer Historiker. Unter hexenprozesse-kurmainz.de findet Ihr Infos zu einem dunklen Kapitel der Kurmainzer Geschichte.

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